Radeon RX 6800 XT Customs im Test: Benchmarks, Lautstärke, sonstige Messungen und Fazit
2/2Als Basis für die folgenden Benchmarks und Messreihen wurden dieselben Methoden angewandt und dieselbe Hardware genutzt wie beim neuen High-End-Parcours für Grafikkarten. Diese wurden um die Ergebnisse der Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition, der Nvidia GeForce RTX 3080 Founders Edition, der GeForce RTX 3090, der AMD Radeon RX 6800 und Radeon RX 6800 XT im Referenzdesign sowie der Radeon RX 6900 XT (Test) erweitert. Alle Radeon RX 6800 (XT) wurden mit dem Presse-Treiber (20.45.01.12) getestet, um die perfekte Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Benchmarks in Ultra HD
Auch bei der Radeon RX 6800 XT sind die Leistungsunterschiede zwischen Custom-Designs gering, auch wenn sie größer als bei Custom-Designs der Radeon RX 6700 XT (Benchmarks) ausfallen.
Die kühle Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC hat bei der Performance die Nase vorn. Im Durchschnitt ist die Grafikkarte 6 Prozent schneller als das Referenzdesign und platziert sich damit auch 1 Prozent vor dem zweitschnellsten Modell, der XFX Radeon RX 6800 XT Merc 319. Die MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X kommt im Testfeld auf den vierten Platz und muss sich dem Asus-Produkt um 2 Prozent geschlagen geben. Die ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi ist quasi so schnell wie die MSI-Karte, 3 Prozent beträgt der Rückstand zur Radeon RX 6800 XT Strix LC. Damit ist die Grafikkarte noch 3 Prozent flotter als das AMD-Modell.
Mit Ausnahme der MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X haben alle Testkandidaten eine zweite BIOS-Version. Bei der Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC hat diese keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit, bei der ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi aber schon. Sie wird um 2 Prozent langsamer und liefert dann noch 1 Prozent mehr FPS als das Referenzdesign.
Lautstärke & Kühlung
Grafikkarten mit AiO-Kühlungen haben ganz gerne mit unangenehmen Geräuschen zu kämpfen, die meistens von der Pumpe stammen. Nicht so aber die Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC, die diesbezüglich einen überraschend guten Job macht. Das gilt auch für das Worst-Case-Szenario auf dem Windows-Desktop, wenn die zwei Lüfter auf dem Radiator und der Lüfter auf der Grafikkarte selbst stillstehen. Die Pumpe ist dann bei offener Seitenwand zwar wahrnehmbar, bleibt aber so leise, dass sie aus einem geschlossenen Gehäuse und normaler Entfernung nicht mehr auffällt.
Die Asus ROG Strix Liquid nur im Silent-BIOS
Auch beim Spielen kann die Radeon RX 6800 XT Strix LC mit gemessenen 35 Dezibel (der Radiator war im Phanteks Evolv X in der Front montiert) angenehm leise sein, sie gehört gar zu den leisesten Ablegern. Das gilt jedoch nur für den Fall, wenn das alternative Silent-BIOS aktiviert wurde, denn mit dem werkseitig aktiven Performance-BIOS ist die Asus-Karte mit 49 Dezibel schlicht sehr laut. Wer diese Grafikkarte erwirbt, wird ohne umgelegten Schalter also erst einmal sein blaues Wunder (und vermutlich eine riesige Enttäuschung) erleben.
Vergleichsweise laut ist auch die ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi mit dem standardmäßig aktivierten OC-BIOS (41,5 Dezibel). Deutlich leiser wird es dann mit dem Silent-BIOS, das mit 36,5 Dezibel zwar hörbar, aber nicht störend laut ist. Hörbar leiser als das Referenzdesign ist die ASRock-Karte damit aber nicht. Das Problem haben allerdings viele Custom-Karten, da AMDs eigenes Kühlsystem auf der 6800 XT sehr gut ausgefallen ist.
Genauso laut wie die Taichi im Silent-Modus ist die MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X, die ebenso auf 36,5 Dezibel kommt. Allerdings gelingt dies der Grafikkarte im Auslieferungszustand, ein zweites BIOS gibt es nicht.
Elektronische Störgeräusche haben alle Custom-Designs
Alle modernen High-End-Grafikkarten, sei es AMDs Radeon RX 6800 XT oder Radeon RX 6900 XT oder Nvidias GeForce RTX 3080 oder GeForce RTX 3090, leiden unter einer ordentlich hörbaren Portion Spulenrasseln. Das Problem betrifft auch alle Custom-Designs der Radeon RX 6800 XT, ein bessere oder schlechtere gibt es nicht. Damit muss man sich bei dieser Generation arrangieren.
Messungen zur Temperatur
Wasserkühlungen haben vor allem bei der Temperaturentwicklung Vorteile und das gilt auch für die Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC. Eine Temperatur von 56 Grad Celsius mit dem zu lauten OC- und immer noch sehr gute 63 Grad Celsius mit dem Silent-BIOS bedeuten einen klaren Sieg in dieser Disziplin, die MSI Radeon RX 6800 XT kommt als engster Verfolger „nur“ auf 71 Grad Celsius – ein ebenfalls gutes Ergebnis. Die ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi wird mit 81 Grad Celsius (Silent-BIOS) und 83 Grad Celsius (OC-BIOS) in Anbetracht des großen Kühlers dagegen überraschend warm.
Bei der extremeren Hotspot-Temperatur werden die Unterschiede noch größer. Die Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC kommt auf lediglich 71 Grad Celsius (Performance-BIOS) und 77 Grad Celsius (Silent-BIOS), die luftgekühlten Modelle liegen dagegen alle im 90er-Bereich. So beträgt die Hotspot-Temperatur auf der MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X 93 Grad Celsius, auf der ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi sind es gar 100 Grad Celsius (OC-BIOS) und 95 Grad Celsius (Silent-BIOS).
Modell | GPU-Junction |
---|---|
ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi (OC-BIOS) | 100 °C |
ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi (Silent-BIOS) | 95 °C |
Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC (Performance-BIOS) | 71 °C |
Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC (Silent-BIOS) | 77 °C |
MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X | 93 °C |
PowerColor Radeon RX 6800 XT Red Devil (OC-BIOS) | 95 °C |
PowerColor Radeon RX 6800 XT Red Devil (Silent-BIOS) | 93 °C |
Sapphire Radeon RX 6800 XT Nitro+ (OC-BIOS) | 95 °C |
Sapphire Radeon RX 6800 XT Nitro+ (Silent-BIOS) | 95 °C |
XFX Radeon RX 6800 XT Merc 319 (OC-BIOS) | 92 °C |
XFX Radeon RX 6800 XT Merc 319 (Silent-BIOS) | 95 °C |
AMD Radeon RX 6800 XT (Referenzkarte) | 96 °C |
Leistungsaufnahme
Mehr Takt für mehr Geschwindigkeit bedeutet natürlich auch mehr Leistungsaufnahme und daher benötigen alle Custom-Designs in dieser Messreihe mehr elektrische Leistung als das Referenzdesign. Von den drei neuen Modellen genehmigt sich die Asus Radeon RX 6800 XT Strix LC mit 341 Watt und damit zusätzlichen 45 Watt im Vergleich zum Standardmodell am meisten Energie, die ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi liegt mit 340 Watt aber quasi gleichauf. Die MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X ist etwas sparsamer und kommt auf 330 Watt, was im Mittelfeldbereich der Partnerkarten liegt. Mit dem Silent-BIOS wird die Radeon RX 6800 XT Taichi dann deutlich sparsamer und benötigt mit 304 Watt kaum noch mehr elektrische Leistung als AMDs eigene Umsetzung.
Fazit
Bis jetzt konnte noch keine Grafikkarte mit einem AiO-Kühler im ComputerBase-Test gefallen, spätestens die Pumpe hat einem guten Ergebnis immer einen Strich durch die Rechnung gemacht, oft war das System auch in Summe schlichtweg zu laut. Asus hat es mit der Radeon RX 6800 XT Strix LC jetzt tatsächlich geschafft, dies zu ändern. Unhörbar ist die Pumpe zwar nicht, jedoch säuselt sie auf dem Windows-Desktop nur leise vor sich her. Und da alle anderen Lüfter abgeschaltet werden, fällt dies beim Arbeiten quasi nicht auf. Damit ist das schwerste Szenario für einen AiO-Kühler bereits geschafft und die Radeon RX 6800 XT Strix LC erledigt auch die restlichen Aufgaben gut bis sehr gut, wenn sie im richtigen Modus betrieben wird.
Die Asus RX 6800 XT Strix LC ist richtig gut geworden
Die Taktraten sind die höchsten von allen bisher getesteten Custom-Designs der Radeon RX 6800 XT und die Performance damit knapp den Konkurrenzmodellen voraus. Trotzdem sind die Temperaturen klar die niedrigsten. Und gleichzeitig ist die Asus-Grafikkarte – abgesehen von der Sapphire Radeon RX 6800 XT Nitro+ – mit dem Silent-BIOS das leiseste Modell. Das ist schon eine beeindruckende Kombination. Mit dem werkseitig aktivem OC-BIOS ist die Grafikkarte dagegen viel zu laut, ohne dass dies einen praktischen Vorteil mit sich bringen würde.
Diese erneut sehr fragwürdige Werkskonfiguration, die einige Kunden beim ersten Spieleeinsatz direkt in Richtung Widerrufsformular treiben könnte, ist der einzige wirkliche Schwachpunkt des Modells. Die extremen Ausmaße der Grafikkarte in der Höhe und der auch in Summe aller Komponenten erforderliche Platzbedarf ist potentiell ein weiterer.
Daher reicht es auch „nur“ zum zweiten Platz unter den Custom-Designs der RX 6800 XT. Die Sapphire Radeon RX 6800 XT Nitro+ (Test) bleibt auf dem ersten Platz, da die Grafikkarte auch ohne Wechsel des BIOS gut funktioniert und zwar länger, aber in der Regel wohl besser zu handhaben ist.
Die MSI RX 6800 XT Gaming X ist ein guter Allrounder
Weniger spektakulär, aber ein wirklich guter Allrounder ist die MSI Radeon RX 6800 XT Gaming X geworden. Die Grafikkarte ist zwar minimal langsamer als das Asus-Modell und wird dabei lauter und wärmer, allerdings ist das Meckern auf hohem Niveau. Denn schlussendlich ist auch die Radeon RX 6800 XT Gaming X schnell und kühl. Damit liegt die Grafikkarte im vorderen Mittelfeld und nimmt es mit den Produkten von PowerColor, Sapphire und XFX auf, die allesamt Vor- und Nachteile haben. Die Qualität ist schlussendlich jedoch durchaus vergleichbar.
ASRock versucht viel, übertreibt es aber
ASRock ist immer noch ziemlich neu im Grafikkarten-Geschäft und hat es vielleicht deswegen bei der Radeon RX 6800 XT Taichi etwas übertrieben. Denn der verbaute Kühler ist zwar wuchtig, kommt qualitativ jedoch nicht an die Mitbewerber heran. Im Ergebnis rennt die Grafikkarte sowohl bei der Lautstärke als auch bei der Temperaturentwicklung den Konkurrenzmodellen zwangsweise hinterher. Mit dem werkseitig aktivem OC-BIOS wird die Grafikkarte vor allem zu laut.
Das Silent-BIOS ist diesbezüglich deutlich besser und auf gutem Niveau, allerdings wird die Grafikkarte dann wärmer als das Referenzdesign bei vergleichbarer Lautstärke und Geschwindigkeit. Mit dem Silent-BIOS ist die ASRock Radeon RX 6800 XT Taichi keine schlechte Wahl, die restlichen getesteten Custom-Designs sind aber schlicht besser. Wer allerdings auf eine auffallende RGB-Beleuchtung steht, wird mit der Taichi glücklich. Denn diesbezüglich setzt sie sich deutlich von den Mitbewerbern ab und kann insbesondere per Riser-Kabel aufgestellt einen ganz eigenen Akzent setzen.
Keine Grafikkarte ist verfügbar
Nicht fehlen darf auch am Schluss noch einmal der obligatorische Hinweis, dass sich die Radeon RX 6800 XT aktuell kaum kaufen lässt und wenn doch, dann nur zu horrend hohen Preisen. So ergeht es aber nicht nur dieser Serie, sondern sämtlichen Grafikkarten, ganz gleich ob diese von AMD oder Nvidia, ob neu oder alt, ob günstig oder teuer sind. Und Besserung ist nicht in Sicht.
ComputerBase hat die Radeon RX 6800 XT Taichi von ASRock, die Radeon RX 6800 XT Strix LC von Asus und die Radeon RX 6800 Gaming X von MSI leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme der Hersteller auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.
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