Chinas Chipindustrie: Huawei baut heimische Produktion mit Partnern neu auf

Volker Rißka
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Chinas Chipindustrie: Huawei baut heimische Produktion mit Partnern neu auf
Bild: Honor

Huawei, eines der ersten und prominentesten Opfer des Handelskrieges zwischen den USA und China, baut seine heimische Lieferkette neu auf. Dafür werden sogar ältere und nicht fertiggestellte Anlagen aus dem Jahr 2018 zu neuem Leben erweckt, die Huawei helfen sollen, zurück in den Markt zu kommen.

Huawei, bis zum Jahr 2020 aufstrebender und ernst zu nehmender Gegenspieler von westlichen Branchenriesen, wurde durch die US-Sanktionen gegen China stark zurückgeworfen. Im Smartphone wurde das besonders sichtbar: keine Chips mehr von TSMC oder Sony, kein Google mehr auf auf den Geräten. Es folgte ein schneller Absturz in dem Geschäft, auch für HiSilicon, Huaweis Chipsparte, ging es in den freien Fall: von 8,2 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2020 auf nur noch 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2021.

Bereits im September gab es erste Indizien auf Huaweis Anstrengungen für eine heimische und unabhängige Versorgung mit Bauteilen, nun vervollständigt sich das Bild. Im Südosten Chinas kommt in der Hafenstadt Quanzhou eine alte Fabrik zurück ins Leben. Ursprünglich von der Fujian Jinhua Integrated Circuit Co. (JHICC), ein aufstrebender Speicherhersteller Chinas, geplant, aber Ende 2018 auf Eis gelegt, wurden die Arbeiten vor einiger Zeit wieder aufgenommen. Ein neuer Kunde soll dafür verantwortlich sein. Nikkei fand beim Besuch der Örtlichkeiten heraus, dass es auf der Baustelle ein offenes Geheimnis sei, dass Huawei dahinter stecke.

Das Werk fertigzustellen, ist aber nicht die einzige Baustelle vor Ort. Der im Westen quasi unbekannte Hersteller Quliang Electronics mit Fokus auf Packaging-Dienste baut direkt nebenan ein riesiges neues Werk, um die Dienste desselben Kunden in Anspruch zu nehmen: Huawei.

Technik aus der westlichen Welt

Doch Fabriken aus dem Boden zu stampfen, ist nur ein Teil des Spiels. Ohne die Technik, diese zu bestücken, bringen sie nichts. Und genau dort liegt ein großer Haken, denn diese Technologie stammt fast ausschließlich von westlichen Firmen. Voran gehen bekannte Namen wie ASML, Canon und Nikon für ihre Belichtungssysteme, aber auch die weitere Technik von KLA, Applied Materials, LAM und anderen ist in vielen Fabriken nicht wegzudenken. Zum Teil wird diese Technologie auch weiterhin genutzt, ASML konnte kürzlich gegenüber den USA den eigenen Standpunkt durchsetzen und wird auch weiter Technik an China liefern – die Ausnahme bleibt EUV-Equipment, die jedoch schon länger besteht.

ASML hat jedoch einen sehr guten Standpunkt: Ohne sie gehe selbst in der westlichen Welt in der Halbleiterindustrie nichts, und so seien auch die USA auf das Unternehmen angewiesen. Andere Zulieferer wie KLA wurden hingegen hart getroffen von den neuen Restriktionen der USA gegenüber China im Oktober. Der Konzern beschreibt es wie die „Evakuierung von Dünkirchen in der Chip-Industrie“.

The day before the ban, these Chinese chipmakers were still [among] our most important customers. But the next day we had to pack our belongings and just walk away. No communication was allowed thereafter.

KLA

Die chinesische Chip-Industrie muss sich derzeit mit dem begnügen, was sie bereits haben oder über Umwege erwerben können. In der Regel sind das Maschinen für 28-nm-Chips oder 40-nm-Produkte, SMIC versuchte sich auch an 14 nm. Zuletzt hieß es sogar, man habe einen 7-nm-Prototyp entwickelt, doch wie glaubhaft diese Angaben sind, bleibt zweifelhaft. Gegenüber TSMCs N4-Prozess, den viele Branchenriesen aktuell nutzen, liegt er zweifelsfrei Jahre zurück.

Ob die Anstrengungen von Huawei, mit Hilfe der lokalen Industrie und Regierung Erfolge einzufahren, werden erst die nächsten Jahr zeigen. Da die USA vermutlich noch nicht am Ende sind mit ihren Sanktionen, kann ein anvisierter Zeitplan schnell nicht eingehalten werden.