Im Test vor 15 Jahren: Die GeForce 8800 Ultra zuckte und schwitzte im 3-Way-SLI
Für Enthusiasten führte im Januar 2008 kein Weg an der Nvidia GeForce 8800 Ultra vorbei. Wer nicht nur in hohen Auflösungen, sondern auch mit eingeschalteter Kantenglättung und anisotroper Filterung spielen wollte, an den richtete sich Nvidia mit dem 3-Way-SLI-Verbund aus drei GeForce 8800 Ultra (Test) im Test vor 15 Jahren.
3-Way-SLI trieb AFR auf die Spitze
Nvidias SLI-Technologie ermöglichte, ebenso wie AMDs CrossFire, mehrere Grafikkarten für das Rendering eines Computerspiels zu benutzen. Dabei setzten beide Hersteller auf Alternate Frame Rendering (AFR) als zugrundeliegende Technik, bei der die zu berechnenden Bilder (Frames) abwechselnd von den Grafikkarten berechnet werden. Die Alternative Split Frame Rendering (SFR), bei der ein Bild in mehrere Teile aufgeteilt und diese auf die verfügbaren Grafikkarten verteilt wurde, hatte sich aufgrund der schlechteren Leistung nicht durchgesetzt. Der große Nachteil AFRs war, dass trotz hoher Frameraten sogenannte Mikroruckler eingeführt wurden, die durch die Varianz zwischen den Berechnungszeiten der einzelnen Frames zu einem sichtbaren Stottern führten.
Ursprünglich sah Nvidias Plan vor, bis zu vier Grafikkarten in einem 4-Way-SLI-Verbund kombinieren zu können. Dieser missglückte Versuch wurde anschließend wieder eingestellt – zum Teil wegen der DirectX-9-Limitierung, nur drei Bilder im Voraus rendern zu können. Mit 3-Way-SLI startete dann der zweite Anlauf, mehr als zwei Grafikkarten in einem System zu vereinen. Bedingt durch durch das eingesetzte AFR, lag bereits vor dem Test die Vermutung nahe, dass selbst bei drei sehr schnellen Grafikkarten wie der GeForce 8800 Ultra, Mikroruckler ein Problem darstellen würden. Zusätzlich hatten SLI-Systeme oft mit der hohen Energieaufnahme und damit einhergehenden Abwärme zu kämpfen.
In Zahlen top, in der Realität ein Flop
Rein auf die Leistung bezogen, stellte sich das 3-Way-SLI hervorragend ein. Der Leistungsvorteil gegenüber einer einzelnen GeForce 8800 Ultra lag im Mittel bei 83 bis 124 Prozent und verglichen mit einem SLI-Verbund aus zwei GeForce 8800 Ultra bei 17 bis 31 Prozent. Die meiste Leistung gab es also in der Tat mit drei GeForce 8800 Ultra, bezogen auf die Zusatzkosten war die Ausbeute jedoch mager. Bei einem Blick auf die Frametimes, exemplarisch in Call of Juarez, zeigten sich die erwarteten Mikroruckler: Die Abstände zwischen den ersten vier berechneten Bildern lagen bei 41 ms, 62 ms, 12 ms und 51 ms. Diese starken Schwankungen machten sich in einem Stottern bemerkbar.
Bei einem 3-Way-SLI-System lagen nicht nur die Anschaffungskosten deutlich höher, sondern auch die Betriebskosten. Im Leerlauf nahm das 3-Way-SLI-System nahezu 200 Watt mehr auf als eines mit nur einer GPU, unter Last waren es rund 400 Watt mehr. Auch der Schalldruckpegel stieg deutlich an: Im Leerlauf um 50 Prozent und unter Last um 200 Prozent. Mit über 90 °C lag die GPU-Temperatur zudem gefährlich nahe an der Grenze des Vertretbaren.
Fazit
In der Theorie war 3-Way-SLI super: Dreimal so viele Grafikkarten, dreimal so viel Leistung. In der Praxis fiel das Fazit ähnlich bescheiden aus wie bei 4-Way-SLI zuvor: Die Anschaffungs- und Betriebskosten sind hoch, die Lautstärke jenseits von Gut und Böse, das System schwerer zu kühlen, und obendrauf ruckelte es beim Spielen. Auch für Enthusiasten war demnach ein 3-Way-SLI-Verbund nicht zu empfehlen.
In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:
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