AMD Radeon RX 6300: 32-Watt-Grafikkarte mit 32-Bit-Interface kostet 55 Euro

Fabian Vecellio del Monego
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AMD Radeon RX 6300: 32-Watt-Grafikkarte mit 32-Bit-Interface kostet 55 Euro
Bild: Goofish

Auf dem chinesischen Gebrauchtmarkt ist eine bis dato unbekannte RDNA-2-Grafikkarte aufgetaucht. Die Radeon RX 6300 stellt demzufolge die kleine Schwester der RX 6400 respektive die Desktop-Variante der RX 6300M dar und geht mit einem schier winzigen Speicherinterface einher. Offiziell ist die Grafikkarte bislang aber nicht.

32 Watt, 32 Bit, 32 ROPs

Sollte es sich bei der Annonce nicht um groben Unfug handeln, dann wäre das Angebot auf dem chinesischen Second-Hand-Portal Goofish das erste Lebenszeichen einer neuen Radeon-Grafikkarte auf Basis der RDNA-2-Architektur. Ein Bild zeigt eine Low-Profile-Grafikkarte mit rotem PCB, kleinem aktiven Kühler mit einem in Kühlfinnen eingebetteten Axiallüfter und zwei DisplayPort-Anschlüssen. Die Leistungsaufnahme liege bei nur 32 Watt und der Verkaufspreis beträgt lediglich 399 Renminbi Yuan, was umgerechnet rund 55 Euro entspricht.

Offiziell hat AMD eine Radeon RX 6300 nie vorgestellt; bis dato ist auf dem Desktop bei der Radeon RX 6400 (Lesertest) Schluss. Die nun aufgetauchte Grafikkarte setzt auf die gleiche Navi-24-GPU, ordnet sich allerdings noch einmal unterhalb ein. Zwar ist der GPU-Ausbau mit 12 aktiven Compute Units und dementsprechend 768 FP32-ALUs identisch, beim Takt und insbesondere beim Speicherausbau gibt es aber harte Einschnitte, wenn den Angaben Glauben zu schenken ist.

Demnach verfügt die Radeon RX 6300 wie die mobile Variante Radeon RX 6300M über lediglich 2 GB GDDR6-Speicher, der über ein winziges 32-Bit-Interface angebunden ist. In Kombination mit der Speicher­geschwindigkeit von 16 Gbps ergibt sich eine Bandbreite von gerade einmal 64 GB/s. Zum Vergleich: Schon die ATi Radeon HD 5770 (Test) kam im Jahr 2009 auf 77 GB/s und aktuelle High-End-Grafikkarten kratzen häufig an 1.000 GB/s.

Spezifikationen ausgewählter RDNA-2-Grafikkarten
Radeon RX 6600 XT Radeon RX 6600 Radeon RX 6500 XT Radeon RX 6400 Radeon RX 6300* Radeon RX 6300M
Architektur RDNA 2
GPU Navi 23 Navi 24
Prozess TSMC N7P TSMC N6
Chipgröße 237 mm² 107 mm²
Transistoren 11,1 Mrd. 5,4 Mrd.
Compute-Units 32 28 16 12
FP32-ALUs 2.048 1.792 1.024 768
RT-Beschleunigung Ja
Game-Takt 2.359 MHz 2.044 MHz 2.610 MHz 2.039 MHz 1.512 MHz
Maximaler Boost-Takt 2.589 MHz 2.491 MHz 2.815 MHz 2.321 MHz 2.040 MHz
FP32-Leistung (Game-Takt) 9,7 TFLOPS 7,3 TFLOPS 5,3 TFLOPS 3,6 TFLOPS 3,1 TFLOPS
Textureinheiten 128 112 64 48
ROPs 64 32
Speicher 8 GB GDDR6 4 GB GDDR6 2 GB GDDR6
Speichergeschwindigkeit 16 Gbps 14 Gbps 18 Gbps 16 Gbps
Speicherinterface 128 Bit 64 Bit 32 Bit
Speicherbandbreite 256 GB/s 224 GB/s 144 GB/s 128 GB/s 64 GB/s
Infinity Cache
(L3-Cache)
32 MB 16 MB 8 MB
IC-Bandbreite 0,92 TB/s 0,46 TB/s
TBP 160 Watt 132 Watt 107 Watt 53 Watt 32 Watt 25 Watt
Slot-Anbindung PCIe 4.0 ×8 PCIe 4.0 ×4
DirectX 12 Ultimate Ja
UVP 380 Euro 339 Euro 209 Euro 180 Euro ? n/a
*Angaben nicht offiziell bestätigt

Erschwerend kommt hinzu, dass damit einhergehend auch der Infinity Cache der Radeon RX 6300 gestutzt wurde: Aus 16 MB L3-Cache bei der RX 6400 werden derer nur noch 8 MB. Zwar sinkt die Rechenleistung nur von rund 3,6 TFLOPS auf 3,1 TFLOPS; spieletauglich wäre die neue kleinste RDNA-2-Grafikkarte aber somit nicht. Auch, wenn das Modell auf dem Papier DirectX 12 Ultimate und Hardware-Raytracing bietet. Aber schon bei der Radeon RX 6500 XT (Test) urteilte ComputerBase: Lediglich vier PCIe-4.0-Lanes reichen für eine Gaming-Grafikkarte nicht aus.

Multimedia-Grafikkarte für OEM-Systeme

Die Radeon RX 6300 wäre aber auch keine solche, sondern stünde als Multimedia-Grafikkarte mit Unterstützung für 8K-Bildausgabe bei 60 Hertz sowie hardware­beschleunigter H.264-, H.265- und HEVC-Dekodierung vielmehr in Konkurrenz zu Nvidias GeForce GT 1030 (Test) oder GeForce GT 1050 (Test) und hätte dabei den Bonus einer niedrigeren Leistungsaufnahme. Theoretisch übertrifft die GPU-Leistung sogar die GeForce GTX 1050 Ti (Test), doch dürfte dieser Vergleich in der Praxis am Speicherausbau der Radeon RX 6300 scheitern.

Und vermutlich handelt es sich ohnehin bloß um ein OEM-Produkt, das AMD lediglich an große PC-Hersteller verkauft. Auch bei dem auf Goofish angebotenen Modell dürfte es sich um eine solche OEM-Grafikkarte handeln. Ob der Preis von umgerechnet rund 55 Euro wiederum einem offiziellen Preis entspricht, darf bezweifelt werden – vermutlich handelt es sich schlicht und ergreifend um ein Engineering Sample auf Abwegen oder einen Verkäufer, der einen Fertig-PC ausgeschlachtet hat.