Diablo IV unter Linux im Test: Benchmarks auf dem Arch-Gaming-PC und Valves Steam Deck
Wie Diablo IV auf Windows-PCs mit 38 verschiedenen GPUs und 14 CPUs sowie auf dem Handheld Asus ROG Ally läuft, hat ComputerBase im Artikel Diablo IV im Technik-Test: 38 Grafikkarten, 14 CPUs und ROG Ally im Benchmark diese Woche bereits ausführlich getestet. Dieser Artikel reicht Linux-Gaming-PC- und Steam-Deck-Benchmarks nach.
Der Artikel wurde um die Ergebnisse des Nachtests ergänzt. Ob Wayland oder X11, Gamemode an oder aus, es gab keine Auswirkungen auf die Low-FPS und den Frameverlauf. Jedoch zeigt das Einstellen eines FPS-Limits einen großen Zugewinn bei den 1%-FPS.
Benchmarks mit dem Linux-Gaming-PC
Ein anderes Testsystem
Für die Linux-Benchmarks kam ein anderes als das in der Redaktion in Berlin für die Windows-Benchmarks verwendete System zum Einsatz. Als Prozessor diente ein Ryzen 9 7900 mit einer auf 105 Watt gesetzten cTDP. Gekühlt wurde dieser von einem Thermalright Peerless Assassin 120 auf einem Asus Prime X670E-Pro WiFi mit Bios-Version 1616. Als Arbeitsspeicher standen 32 GB DDR5-6000 mit den Timings CL30-36-36-78 zur Seite. Als Grafikkarte kam eine Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+ mit Quiet-Bios zum Einsatz. Angeschlossen war ein WQHD-Monitor mit 144 Hz, Freesync war aus.
Betriebssystem, Treiber, Desktops und Proton
Als Betriebssystem wurde auf dem Linux-Gaming-PC Arch Linux verwendet und damit die gleiche Basis, die auch SteamOS auf dem Steam Deck nutzt.
Kernel war die zum Testzeitpunkt aktuelle Version 6.3 in der Zen-Ausführung. Der P-State-Treiber war aktiviert. Mesa und das Vulkan-Radeon-Paket lagen in Version 23.1.1 vor. Als Kompatibilitäts-Layer wurde Proton in der GloriousEggroll-Ausführung Wine-GE-Proton8-8 genutzt. Der DX12-zu-Vulkan-Übersetzter vkd3d-proton war in Version 2.9 im Einsatz.
Das ganze System lief unter X11. Als Desktop kam KDE/Plasma 5.27 zum Einsatz, wie er auch auf dem Steam Deck vorinstalliert ist. Alternativ wurde mit OpenBox eine leichtgewichtige Alternative verwendet.
So läuft Diablo IV unter Linux
Der Battle.net-Client wurde direkt über Wine mit einem Präfix installiert und über Lutris ausgeführt. Zur Dokumentation der FPS diente MangoHud in Version 0.6.9.1-6, das neuerdings auch in den offiziellen Arch-Linux-Paketquellen enthalten ist.
Der Launcher startet aus diesem Setup direkt, es mussten keinerlei Anpassungen getroffen werden. Ebenso lässt sich das Spiel problemlos herunterladen und ausführen. Im Wesentlichen gibt es damit keinen Unterschied zu einer Windows-Installation. Während der stundenlangen Spielesitzung ist auch im Anschluss kein Absturz aufgetreten. Von sichtbaren Grafikbugs oder anderweitigen Problemen gibt es ebenso wenig zu berichten. Wer Diablo IV unter Linux spielen möchte, kann dies mit einem vergleichbaren Setup problemlos machen.
Getestet wurde dieselbe Testsequenz mit denselben Ultra-Preset-Settings wie im Windows-Benchmark-Test zu Diablo IV in FHD und WQHD.
Hinweis: Die Ergebnisse der Radeon RX 6700 XT auf dem Windows-System wurden zu Informationszwecken übernommen, obwohl die CPU eine andere ist.
Unabhängig von der Auflösung schafft es das Linux-Setup, sich bei den FPS vor Windows zu platzieren, obwohl ein schwächerer Prozessor zum Einsatz kommt, was in Anbetracht der Proton-Kompatibilitätsschicht durchaus eine Überraschung ist. Die beiden Linux-Desktops liegen dabei quasi gleichauf – Steam-Deck-Spieler (Benchmarks weiter unten) müssen also nicht befürchten, dass allein durch KDE Performance verloren geht.
Weniger konkurrenzfähig, wenn auch weiterhin gut spielbar, schneidet das Linux-System bei den 1%-Perzentil-Frametimes ab. Gerade mal die Hälfte der FPS schafft das Linux-System in dieser Disziplin – unabhängig vom verwendeten Desktop. Ryzen 9 7900 vs. Ryzen 9 7950X3D spielt in diesem Fall sicherlich eine Rolle – der Abstand ist aber zu groß, um die alleinige Ursache zu sein, wie die 720p-CPU-Benchmarks in Diablo IV unter Windows zeigen.
Ein Blick auf die Frametimes im Zeitverlauf macht die Ursache für die vergleichsweise schlechten 1%-Perzentil-FPS deutlich: Regelmäßige „Denkpausen“ während der Darstellung ziehen das Gesamtergebnis bei Betrachtung der niedrigen Frames herunter.
Was die Ursache für dieses Verhalten ist, lässt sich abschließend nicht klären. Einen Einfluss auf die Spielbarkeit hatte das Verhalten in dem konkreten Fall nicht, auf schwächeren Rechnern kann das aber durchaus der Fall sein. Das Phänomen tritt sowohl unter Wayland als auch X11 auf. Ebenso hatte das einschalten des Gamemode keine Auswirkungen. Was aber eine deutliche Verbesserung der Low-FPS ermöglicht, war das Einstellen eines FPS-Limit. In einem kurzem Test zur Nachvollziehung des Spiel-Verhaltens in QHD, hatte ein Limit von 90 FPS die 1%-Lows von 46,8 FPS auf 69,4 FPS steigen lassen.
Benchmarks mit dem Valve Steam Deck
Auch auf dem Valve Steam Deck hat ComputerBase erste Benchmarks erstellt. Dabei gilt es zu bedenken, dass das Display nativ mit 1.280 × 800 Pixeln auflöst und der „Full-HD-Benchmark“ auch so durchgeführt wurde – im Ultra-Preset mit FSR auf „Quality“ und ohne Upsampling.
In den Diagrammen enthalten sind auch die Ergebnisse des Windows-Handhelds Asus ROG Ally, das mit Full HD auflöst, alternativ aber auch in HD (1.280 × 720 Pixel) betrieben wurde.
Fazit
Diablo IV zeigt, wie weit die Spielekompatibilität unter Linux gekommen ist. Selbst AAA-Titel außerhalb von Steam können mit geringen Vorkehrungen direkt nach dem Release für Windows unter Linux gespielt werden, wenn auch technisch noch nicht ganz perfekt: Während die FPS auf dem Linux-System sogar über denen des Windows-Rechners mit stärkerer CPU liegen, sieht es bei den Frametimes anders aus. Im konkreten Fall ist Diablo IV unter Linux aber trotzdem sehr gut spielbar.
Die inzwischen verfügbaren DirectX-zu-Vulkan-Übersetzer, Valves Engagement im Bereich des Steam Deck und Linux, aber auch generell die zunehmende Bereitschaft von Entwicklern, das freie Betriebssystem zu bedenken, zeigen Wirkung. Linux hat sich als Spieleplattform etabliert und bietet Spielern, die mit Windows oder dessen Entwicklung nicht zufrieden sind, auch bei diesem „Blockbuster“ gleich zum Start eine Alternative. Auf dem Steam Deck läuft der Titel ebenfalls schon, wenn Spieler etwas Hand anlegen.
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