Im Test vor 15 Jahren: Die GeForce GTX 280 als schnelle Enttäuschung
Nach der legendären GeForce 8800 Ultra tat sich Nvidia schwer, den hohen Erwartungen der Kundschaft gerecht zu werden. Nicht anders sah es bei der GeForce GTX 280 (Test) aus, die zwar bedeutend schneller als die GeForce 8800 Ultra war, aber nicht den erhofften unrealistischen Leistungssprung vollbrachte.
1,4 Milliarden Transistoren für mehr Leistung
Das Herzstück der GeForce GTX 280 bildete die GT200-GPU mit 1,4 Milliarden Transistoren. Grundlegend basierte der GT200 auf der alten G80-Architektur, die bereits in der GeForce 8800 Ultra zum Einsatz kam. Dementsprechend fehlte es dem GT200 an DirectX-10.1-Unterstützung. Mit einem 512 Bit breitem Speicherbus kam die GeForce GTX 280 auf eine Bandbreite von knapp 142 GByte/s zwischen der GPU und dem 1 GByte großem GDDR3-Speicher. Insgesamt standen der GeForce GTX 280 knapp 88 Prozent mehr Shader-Einheiten zur Verfügung, was in einer theoretisch 80 Prozent höheren Compute-Leistung resultierte.
Radeon HD 3870 X2 | GeForce 8800 Ultra | GeForce 9800 GTX | GeForce GTX 280 | GeForce GTX 260 | |
---|---|---|---|---|---|
Chip | R680 (2 × RV670) | G80 | G92 | GT200 | |
Transistoren | ca. 2 × 666 Mio. | ca. 681 Mio. | ca. 754 Mio. | ca. 1,4 Mrd. | |
Fertigung | 55 nm | 90 nm | 65 nm | ||
Chiptakt | 825 MHz | 612 MHz | 675 MHz | 602 MHz | 576 MHz |
Shadertakt | 825 MHz | 1.512 MHz | 1.675 MHz | 1.296 MHz | 1.242 MHz |
Shader-Einheiten (MADD) |
2 × 64 (5D) | 128 (1D) | 240 (1D) | 192 (1D) | |
FLOPs (MADD/ADD) | 2 × 528 GFLOPS | 581 GFLOPS | 643 GFLOPS | 933 GFLOPS | 715 GFLOPS |
ROPs | 2 × 16 | 24 | 16 | 32 | 28 |
Pixelfüllrate | 2 × 13.200 MPix/s | 14.688 MPix/s | 10.800 MPix/s | 19.264 Mpix/s | 16.128 MPix/s |
TMUs | 2 × 16 | 64 | 80 | 64 | |
TAUs | 2 × 32 | 32 | 64 | 80 | 64 |
Texelfüllrate | 2 × 13.200 MTex/s | 39.168 MTex/s | 43.200 MTex/s | 48.160 MTex/s | 36.864 MTex/s |
Shader-Model | SM 4.1 | SM 4 | |||
Hybrid-CF/-SLI | – | ✓ | |||
effektive Windows Stromsparfunktion |
✓ | – | ✓ | ||
Speichermenge | 2 × 512 MByte GDDR3 | 768 MByte GDDR3 | 512 MByte GDDR3 | 1.024 MByte GDDR3 | 896 MByte GDDR3 |
Speichertakt | 900 MHz | 1.080 MHz | 1.100 MHz | 1.107 MHz | 999 MHz |
Speicherinterface | 2 × 256 Bit | 384 Bit | 256 Bit | 512 Bit | 448 Bit |
Speicherbandbreite | 2 × 57.600 MB/s | 103.680 MByte/s | 70.400 MByte/s | 141.696 MByte/s | 111.888 MByte/s |
Zudem handelte es sich bei der GT200 um die erste Nvidia-GPU, die einen tatsächlichen Stromsparmechanismus implementierte. Dieser sorgte dafür, dass die Grafikkarte neben dem normalem Modus einen Video- sowie einen Leerlauf-Modus besaß, in dem die Taktraten und Spannungen entsprechend abgesenkt wurden. Zudem konnten ungenutzte Blöcke innerhalb der GPU komplett abgeschaltet werden.
Deutlich schneller als die GeForce 8800 Ultra
In den Benchmarks machte die GeForce GTX 280 eine beeindruckende Figur. Im Vergleich mit der GeForce 8800 Ultra war sie je nach Einstellungen im Durchschnitt zwischen 40 und 50 Prozent schneller. Insbesondere in höheren Auflösungen und mit zugeschaltetem Anti-Aliasing und anisotroper Filterung zog die GeForce GTX 280 davon. Das konnte im Extremfall auch für einen Vorsprung von durchschnittlich 20 Prozent gegenüber der GeForce 9800 GX2 mit zwei G92-GPUs reichen.
Nicht ganz so gut lief es in den B-Noten. Der neue Dual-Slot-Kühler der GeForce GTX 280 war zwar im Leerlauf mit 47 dB(A) noch vertretbar, sorgte unter Last mit 58 dB(A) aber für einen ohrenbetäubenden Krach. Dass diese hohe Lautstärke nicht nötig gewesen war zeigte ein Blick auf die Temperaturen: 45 °C im Leerlauf und 80 °C unter Last ließen einigen Spielraum für langsamere Lüfterdrehzahlen. Der Leistung entsprechend fiel die Leistungsaufnahme sehr hoch aus und erreichte einen Gleichstand mit den Dual-GPU-Grafikkarten Radeon HD 3870 X2 und GeForce GTX 9800 GX2.
Fazit
Eigentlich handelte es sich bei der GeForce GTX 280 – abgesehen von der hohen Lautstärke und Leistungsaufnahme – um eine sehr gute Grafikkarte. Mit einem Preis von 550 Euro war sie dementsprechend teuer und mit Abstand die teuerste Grafikkarte vor 15 Jahren – Dual-GPU-Modelle wie die GeForce GTX 9800 GX2 für 350 Euro inklusive. Mit diesem hohen Preis konnte die GeForce GTX 280 den ohnehin hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Die erhoffte doppelte Leistung gegenüber einer GeForce 8800 Ultra lieferte sie bei weitem nicht ab.
In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:
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