hotzenplot schrieb:
auch hier habe ich nichts anderes behauptet. auch hier wieder " man wird fürs arbeiten bezahlt und nicht fürs rumsitzen "
Und genau da sehe ich den Unterschied zwischen Akkord und Stundenlohn. Ein vertraglich festgesetzter Stundenlohn ist in dem Moment fällig, wo du eine Stunde Zeit auf Arbeit verbracht hast ... es ist letztlich egal, ob du in der Zeit gearbeitet hast, oder nur Eier geschaukelt.
Erst im Nachfeld kann das Nichtarbeiten hier einen Effekt haben (Mahnung, Kündigung).
Bei Akkord hat es einen direkten Effekt (keine Leistung -> kein Geld) ... und das bedeutet, dass nach Akkord bezahlte Arbeiter wirklich nicht fürs Rumsitzen bezahlt werden KÖNNEN ... bei Stundenlohn ist das zwar sehr selten, aber im Prinzip liegt hier die Verantwortung dafür, DASS du auch arbeitest bei deinen Vorgesetzten.
Bei Akkord liegt genau diese Verantwortung bei dir selbst, denn DU bekommst einfach kein Geld für Arbeit, die du nicht geleistet hast.
Eine Stunde rumgammeln bringt bei Akkordbezahlung kein Geld, bei Stundenlohn hingegen bekommst du für diese Stunde den gleichen Lohn, wie für die nächste, in der du dir sprichwörtlch "den Arsch aufgerissen" hast.
Etwas überspitzt bedeutet das doch, dass Stundenlohn Leistungsunabhängig(er) ist, als Akkordlohn.
Arbeitsgeschwindigkeit: Bei Akkord hat diese den Effekt, dass der schnellere mehr Geld bekommt ... bei Stundenlohn gibt es diesen Effekt nicht ... wiederum überspitzt bedeutet das, dass ein nach Stundenlohn bezahlter Arbeiter nur deswegen schnell arbeitet, weil er keinen Rüffel kriegen will ... für seinen Lohn ist es (bis zur Kündigung) nicht wirklich relevant.
Um zu meinem Beispiel zurückzukommen. Würden die beiden Akkordarbeiter nach Stndenlohn bezahl, wäre die Arbeit des LANGSAMEREN unterm Strich "mehr" wert, denn er bekommt den gleichen Lohn wie sein Nachbar, der sich 8 Stunden am Tag kapputrackert, ohne davon direkt was zu haben.
Natürlich legt das Unternehmen alles daran, dass sich die Angestellten kaputtrackern ... die Motivation dahinter ist aber eine ganz andere, als beim Akkordarbeiter, der mit jedem fertigen Stück etwas mehr Geld in der Tasche hat.
Der eine rackert sich für das Geld kaputt, der andere nur für die Zufriedenheit der Vorgesetzten, die eine Kündigung iniziieren könnten.
Ganz extrem also:
Der eine arbeitet so viel und schnell wie
möglich, UM viel Geld zu bekommen ... der andere arbeitet so viel wie
nötig, um nicht gekündigt zu werden (Erreichungs- vs. Vermeidungslogik).
Nur damit das nicht falsch ankommt. Ich halte Stundenlohn für gerechter, da im Akkord der Lohn ja nicht nur vom Arbeitstempo abhängig ist (daskann man selbst beeinflussen) sondern auch von Dritten. Kommt ein Zulieferer nicht nach, oder geht eine Maschine kaputt, so stoppt das u.U. die Produktion ... und reduziert damit die Verdienstmöglichketen des Akkordarbeters auf 0. Auch ein nicht an die eigene Arbeitsgeschwindigkeit angepasstes Arbeitstempo vermindert hier die Verdienstmöglichkeiten (zu langsam) oder verringert die Qualität des Produkts (zu schnell).
Der Stundenlohn umschifft das ganze relativ geschickt, nimmt aber gleichzeitig das Unternehmen in die Pflicht, seine Arbeiter aktiv anzutreiben.
Ich arbeite jedenfalls lieber auf Stundenlohnbasis ... aber im Bildungsbereich macht Akkord auch einfach keinen Sinn (was ist denn da bitte das Produkt, und wenn ja, wie viele?).