Aktuelle Sexismus-Debatte

PiPaPa

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Aktuell ausgelöst durch die Sexismusvorwürfe gegen Herrn Brüderle ist ja mal wieder eine - zumindestens in meinen Augen mal wieder - sehr einseitige Diskussion zwischen den Geschlechtern losgetreten worden.

Sollte es stimmen sollte was Herr Brüderle sich geleistet hat, sollte er die Konsequenzen tragen. Das muss man im Grunde nicht ausdiskutieren.

Jetzt lassen sich aber - meinem Eindruck nach - hauptsächlich Journalistinnen allgemein über das Thema aus, wie sie selbst am Arbeitsplatz schon Opfer sexueller Belästigung, Herabstufung, Nötigungen o.ä. wurden oder berichten über den (vermeintlichen) allgemeinen Zustand in Deutschlands Arbeitswelt. Ich empfinde die Darstellung der Situation als etwas verstörend und einseitig.

Bei dem ein oder anderen Artikel könnte man meinen in Deutschland würde gar nicht mehr gearbeitet werden, sondern Männer würden 7-9h (oder länger) Frauen angraben, ungefragt begrabschen, Anzüglichkeiten loslassen, Frauen diskrimieren und /oder lediglich als Sex- bzw Lustobjekt darstellen. (Offenbar ist es lt Artikel normal das eine Kollegin "Puppe" genannt wird)
Es wird so getan als sei Mann lediglich ein hormon- und triebgesteuertes, oberflächliches Tier das hauptsächlich daran interessiert ist seine Gene weiterzugeben und das weibliche Geschlecht als minderwertig anzusehen. Das mag bestimmt auf einen gewissen Personenkreis zutreffen, aber bei ~ 82 Millionen Bürgern wohl doch etwas verallgemeinert und mindestens genauso sexistisch und diskriminierend von den Autorinnen, wie ich finde.

Wenn ich mich an einige Momente im Berufsleben zurückerinner würde ich sagen das Frauen zum Teil mindestens genauso sexistisch oder gar schlimmer sein können, besser gesagt das diese Form des Sexismus als weniger störend angesehen wird - von beiden Geschlechtern.
Das fängt damit an das ich erlebt habe wie Kolleginnen auf ihrem Desktophintergrund einen halbnackten Mann hatten oder Alternativ ihren Kalender mit nackten Kerlen auf dem Tisch stehen / an der Wand hingen hatten. Daran störte sich komischerweise niemand, weder männlein noch weiblein.
Aber man stelle sich vor Mann würde halbnackte Frauen im Büro auf dem Rechner als Hintergrund haben oder einen entsprechenden Kalender im Büro aufhängen. Ich schätze in min 85% der Betriebe wäre der Aufschrei riesig.
Selbiges darf man dann auch im Aufenthaltsraum erleben, wenn Kollegin A mit Kollegin B doch über den "geilen Arsch" von Kollege Z sich unterhalten, dann bemerken das sie gar nicht alleine im Raum sind und verschämt schnell verschwinden.
Und wenn ich von meiner Freundin höre was auf "Mädelsabenden" so abgeht und dort erzählt wird, dann frage ich mich doch allen ernstes wer hier sexistisch ist.

Allgemein gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel: Ich glaube wir Männer leben den Sexismus direkter aus, stören uns auch nicht selbst so sehr daran, während Frauen leben ihren Sexismus eher subtiler und mehr unter sich ausleben. Aber im Grunde nehmen sich beide Geschlechter nichts was das Thema angeht.

Wie steht ihr zu diesem Thema?
 
wie du schon angedeutet hast, wird gerne mit zweierlei maß gemessen. bei männlichen zeitgenossen ist man scheinbar wesentlich empfindlicher was das betrifft. ich denke es wird deshalb negativer von den frauen aufgefasst, weil sich diese leichter unterdrückt fühlen.
ich möchte mal das kachelmann beispiel bemühen. es ist sehr schwer als mann sich aus einer solchen misslichen lage herauszukämpfen. da reicht oft nur die bloße behauptung der frau. ohne ein beweis kann es zu mehrjährigen haftstrafen kommen...
das ist schon recht heftig wie weit der sexismus gehen kann.
 
Man sollte bei dieser Debatte folgende Fakten nicht aus den Augen verlieren:

Die Journalistin auf Herrn Brüderle zugegangen – nicht er auf sie.
Die Journalistin hat Herrn Brüderle zu einem Interview genötigt – es gab keine Terminabsprache zuvor.
Die Journalistin war in professioneller Absicht unterwegs und mit Kalkül – Herr Brüderle war Privat und angeheitert.
Wir kennen nur die aufgehübschte 1-Jahr lang gereifte Variante der Journalistin – die Variante von Herrn Brüderle kennen wir nicht – und die Wahrheit schon gar nicht.

Abseits von der Brüderle-Debatte ist Sexismus eher Kleinkariertheit – da es hier um Empfindungen geht, die bei jedem Menschen anders ausgeprägt sind. Der eine empfindet etwas als Spaß – der andere als Affront. Hier wäre allen Parteien mit etwas weniger Drama gedient.

Sexismus kommt gegenüber beiden Geschlechtern vor.

Die wirklich relevante abgeleitete Thematik ist die sexuelle Belästigung/Gewalt und diese ist nicht gegeben da kein Zwang und keine Abhängigkeit vorliegen. In diesem Themenbereich kann man dem Mann dann auch endlich den schwarzen peter zuschieben, denn sexuelle Belästigung und/oder Gewalt kommt häufiger gegenüber Frauen vor als gegenüber Männern. Dies liegt aber nur in einer einfachen Mechanik begründet: Der Mann ist der Frau üblicherweise körperlich überlegen und / oder die Frau steht dem Mann gegenüber häufiger in Abhängigkeit gegenüber.

Wäre dies nicht der Fall, würde ich vermuten, dass es sich ähnlich wie beim Sexismus auf 50/50 einpendelt, denn Frau ist ebensoviel Sau wie Mann ein Schwein ist.
 
Deadsystem schrieb:
wie du schon angedeutet hast, wird gerne mit zweierlei maß gemessen. bei männlichen zeitgenossen ist man scheinbar wesentlich empfindlicher was das betrifft. ich denke es wird deshalb negativer von den frauen aufgefasst, weil sich diese leichter unterdrückt fühlen.
ich möchte mal das kachelmann beispiel bemühen. es ist sehr schwer als mann sich aus einer solchen misslichen lage herauszukämpfen. da reicht oft nur die bloße behauptung der frau. ohne ein beweis kann es zu mehrjährigen haftstrafen kommen...
das ist schon recht heftig wie weit der sexismus gehen kann.

Die Beweislast umkehr ist schon erschreckend. Es gilt nicht mehr unschuldig bis die Schuld bewiesen ist. Zum ersten mal seit 60 Jahren leben wir nicht mehr in einem Rechtsstaat.

Bezeichnend ist das auch am Beispiel Wikkileaks. Um vor der politischen Verfolgung und dem schwedischen "Rechtsstaat" zu fliehen musste Assange um Asyl in Ecuador ersuchen.

Alternativ kann man auch glauben es ist nur Zufall, dass der Wikkileaksgründer wegen Vergewaltigung angeklagt wurde kurz nach den Veröffentlichungen über die U.S Außenpolitik.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Beweislast umkehr ist schon erschreckend. Es gilt nicht mehr unschuldig bis die Schuld bewiesen ist. Zum ersten mal seit 60 Jahren leben wir nicht mehr in einem Rechtsstaat.

Das ist ja wohl ausgemachter Blödsinn. Das "Problem" an der Sache ist, dass Polizei und Staatsanwaltschaft gesetzlich verpflichtet (!) sind (s. Legalitätsprinzip) dem Verdacht einer Straftat nachzugehen, d.h. zu ermitteln. Und, wenn eine Frau nunmal behauptet sie sei z.B. vergewaltigt worden, dann ist der Anfangsverdacht erstmal gegeben. Diese gesetzliche Reglung gilt schon länger, einzig die Sensibilität von Justiz und Polizei hinsichtlich (sexueller) Gewalt gegen Frauen hat sich verändert. (Stichwort: häusliche Gewalt)
Sicherlich, einige Frauen werden diese Situation ausnutzen, aber um derartige Anschuldigungen auszuräumen sind die Ermittlungen da. Und die betrauten Polizisten der zuständigen Kommissariate werden die ein oder andere Erfahrung mit "Falschaussagen" haben.
 
PiPaPa schrieb:
Wenn ich mich an einige Momente im Berufsleben zurückerinner würde ich sagen das Frauen zum Teil mindestens genauso sexistisch oder gar schlimmer sein können, besser gesagt das diese Form des Sexismus als weniger störend angesehen wird - von beiden Geschlechtern.


Sieht man doch auch ganz offen im TV. Seit Monaten läuft die Werbung für diese komische Singlebörse "ShopaMan" oder so.
Hier werden Männer ganz offen zur Ware degradiert, die von Frauen mal eben nebenbei geshopt wird. Interessiert keinen...
Man stelle sich vor jemand würde eine solche Seite aufmachen, auf der Mann eien Frau "kaufen" kann...
Sexismus von Frauen wird leider oftmals nicht als solcher gesehen, die sind dann taff und selbstbewusst... und Männer sind Schweine.
 
Zuletzt bearbeitet:
Allgemein gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel: Ich glaube wir Männer leben den Sexismus direkter aus, stören uns auch nicht selbst so sehr daran, während Frauen leben ihren Sexismus eher subtiler und mehr unter sich ausleben. Aber im Grunde nehmen sich beide Geschlechter nichts was das Thema angeht.

Die Frage ist wann es einen stört und wann nicht. Bei einigen Menschen die man kennt kann man charakterlich etwas weiter gehen. Wenn es Freunde sind sowieso. Aber auf der Arbeit gehört sowas so oder so nicht hin, in der Öffentlichkeit sollte man sich ebenfalls zurücknehmen.

@lufkin
Den Schuh ziehst du dir an? Wieso sollte es auch interessieren? Wer sich da anmeldet ist sich dessen ja bewusst. Keiner muss sich da anmelden.

Allgemein gesagt:
Kein Mensch möchte in eine Schublade gesteckt werden. Sei es die Hautfarbe, sei es die Sprache, Nationalität, oder Geschlecht, sowie Beruf. Wir sind alle individuell und es wird immer Rassisten/Deppen geben, die ein Schubladendenken bevorzugen und hochputschen. Diese Diskussion (also weil ein Minister involviert ist) ist total lächerlich. Sollen die das unter sich ausmachen. Dieser sinnfreie Buhei der Medien ist viel besorgniserregender. Wieso muss eine Zeitung darüber Zeilen über Zeilen schreiben? Warum nicht eher die Diskussion anstoßen: "Wir Menschen müssen tolleranter miteinander umgehen!" Aber diese Schlagzeile würde viel weniger Menschen ansprechen, keine Gefühle wecken, während hier:
- hat der Minister nicht gemacht, die doofe Olle
- hat der Minister gemacht, der doofe Olle
- ja und mir geht es auf der Arbeit auch so!
- so mach ich das mit meinen Angestellten auch!

Anstatt sich als Medienanstalt mit dem Gehalt des Themas zu befassen und ein Miteinander zu fördern spalten die wiederum die Menschen an ihren Aussagen. Schade, aber soviel zur Informationsverarbeitung.
 
Onkelhitman schrieb:
Aber auf der Arbeit gehört sowas so oder so nicht hin

Wem sagst du das. Ich hab sie gepoppt und nun?
Verheiratet, 2 Kinder :evillol:

Der Arbeitsplatz ist doch der größte Heiratsmarkt. Zumindest in so einem riesen Laden in dem ich arbeite
 
lufkin schrieb:
Sieht man doch auch ganz offen im TV. Seit Monaten läuft die Werbung für diese komische Singlebörse "ShopaMan" oder so.
Hier werden Männer ganz offen zur Ware degradiert, die von Frauen mal eben nebenbei geshopt wird. Interessiert keinen...
Man stelle sich vor jemand würde eine solche Seite aufmachen, auf der Mann eien Frau "kaufen" kann...

www.kaufmich.com ? Oder diverse andere ähnliche Seiten. 2 Sekunden google und man kann sich kaum davor retten Portale zu finden wo Frauen "gekauft" werden können. Das nennt sich Prostitution und die ist natürlich schon lange auch im Internet. Wundert mich eher, dass es Frauen geben soll, die sich Männer "kaufen". Wir Männer sind da leider viel zu freigiebig. Ich fände es wünschenswert, wenn es tatsächlich notwendig wäre für Frauen einen Mann zu kaufen.
 
@After Dark
Dennoch, man kann nach der Arbeitszeit gerne auf jemanden zugehen und sagen: Hör mal, möchste nicht....
Dann ist das Privatsache. Auf der Arbeit hat das nichts zu suchen. Miteinander auskommen, oder evtl. mehr, wenn es klappt super. Aber nicht während man arbeitet.

Ich hab sie gepoppt und nun? Verheiratet, 2 Kinder

Gratulation! Bei dir hat es funktioniert. Bei denen, die sich von jeglichen Anbaggersprüchen oder dergleichen nicht drücken können, bei denen nicht. Es kommt auch darauf an wie man es macht. Wenn man jemanden als attraktiv bezeichnet ist das wohl noch angenehm. Wirds aber direkter hat das da einfach nichts zu suchen. Wenn ihr bei euch so mit euren Kollegen und Kolleginnen umgeht dann ist das eure Sache. Aber es muss sich keiner wundern wenn einer damit nicht zurecht kommt. Und bitte nicht mit "verklemmt" kommen. Ich bin nicht verklemmt sondern es gehört nicht zur Arbeit. Fertig. Und wenn der Herr Politiker das hier in seiner Freizeit zu jemandem sagt, dann ist das seine Sache. Dann muss er die Konsequenzen tragen. Wenn er es während der Arbeitszeit sagt, dann repräsentiert er zum Teil den Staat und dann hat das bei Zeiten nichts in seinem Wortschatz zu suchen.

Wie auch immer. Man kann sich auch alles schönreden.
 
natürlich darf so etwas nicht ausufern und es gehört schon ein extremes Fingerspitzengefühl dazu.
Wenn so etwas passiert (auf der Arbeit) schaukelt sich das langsam hoch und man muss die Signale auch richtig zu deuten wissen.
Dann klappt es auch.

und natürlich war das bei uns nach der Arbeitszeit
 
Kurzer Einwurf:

Dieser Blog-Beitrag schilder imho sehr gut die Probleme bei der Debatte
http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/

Vor allem das der alltägliche Sexismus nicht mit sexueller Belästigung und -- ganz übel -- Vergewaltigungen vermischt werden sollte. Bei dem alltäglichen Sexismus hängt nämlich viel von der Wahrnehmung der "Täter" und "Opfer" ab:
Wenn mir ein Mann auf der Straße hinterherpfeift – sexistisch oder nicht?
Wenn er mir wie in der schönen 80er-Jahre-Parfumwerbung plötzlich Blumen schenkt – sexistisch oder nicht?
Wenn ein Mann, den ich als unattraktiv empfinde, ein bisschen zu dicht neben mir steht – unangenehm oder nicht?
Wenn er aussieht wie [hier attraktiven Schauspieler einsetzen] – unangenehm oder nicht?
Wenn mir ein mir nur oberflächlich bekannter Mann ein zurückhaltendes, freundliches Kompliment über mein Kleid macht – Übergriff oder nicht?
Wenn *schüttel* Rainer Brüderle das tut – Übergriff oder nicht?
Wenn ein erwachsener, einigermaßen gebildeter Mann, den ich kaum kenne, schleimige Bemerkungen über meine Brüste macht – geht das zu weit oder nicht?
Wenn das ein 18-jähriger Junge macht, auf dem Zenit seines Hormoneinschusses – geht das zu weit oder nicht?
 
Zuletzt bearbeitet:
wie kann er nur eine frau angraben dieser brüderle....

ich weiß schon, warum ich das nicht (mehr) mache. mit glück verliert man nur seinen ruf. mit pech halt auch noch den job oder landet gleich im kast :)
 
@Andy
Ist genau das was ich schreibe. Das Schubladendenken. Wir kennen doch die andere Person gar nicht. Ein normales Gespräch führt man eben nicht mit einem anderen Geschlecht, sondern eben mit einer anderen Person. Einem anderen Mann würden wir doch auch nicht sagen: Dein Hintern sieht aber dick aus. Bei so einem Spruch gegenüber einer Frau wäre das schon schier anmaßend bis sexistisch. Bei einem Mann (meist) nicht. Dieses Argument ist aber schon eine Schublade.

Was jemand anders eben so empfindet weiss man nicht. Daher sollte man es eben auf der Arbeit einfach sein lassen, privat ansprechen und wenn auf der anderen Seite nichts gezeigt wird, auch keine Ablehnung, dann hat man Glück. Und einfach so ne Anzeige wegen einer Annäherung halte ich einfach für unglaubwürdig. Es wäre auch vielfach einfach durch eine:" Hey tut mir Leid, kein Interesse." getan. Wenn dies denn beide Seiten akzeptieren. Wenn er das nicht kann, oder sie nicht reagiert, woher soll jemand wissen, dass er was falsch macht?

Es ist einfach eine Kommunikationssache. Auch die Diskussion die bei uns im Radiosender hochgerollt wird, also das gesagt wird: "Sexismus ist es, wenn man sich in seiner Definition angegriffen fühlt" , das ist ein absoluter Nonsense. Immerhin wird eine "aufgeschlossene Frau" darüber lachen, eine passive, distanzierte und verklemmte Frau wird vielleicht schon ein gar nicht in der Richtung abgelassener Spruch als sexistisch vorkommen. Das hat aber auch mit Kommunikation zu tun. Wenn man direkt sagt, dass man das nicht möchte ist das doch ok.

Solange keine Bedrängung statt findet, kein körperlicher Kontakt und keine derben Sprüche... Wie oft hört man mal einen Touch einer Beleidigung, da schwingt man doch auch nicht die Anwaltskeule sondern versucht doch eine Lösung zu finden indem man ein Gespräch sucht.

@onkel_axel
Wäre gespannt was du machen würdest wenn dir ein Kollege (keine Kollegin) auf deinen Hintern packt und dir zuzwinkert. Wenn du aufgeschlossen bist wirst du drüber lachen, wenn du das nicht bist wirst du das vielleicht wegen deinen Arbeitskollegen so nicht auf dir sitzen lassen. Und wenn du ein böser Mensch bist wirst du eben reagieren, wie eben so einige Frauen.
 
Diese Debatte steht sinnbildlich für unseren profeministischen Zeitgeist. Die Opferschaft der Frau ist in der öffentlichen Wahrnehmung fest verankert worden und analog dazu auch die Täterschaft des Mannes. Frauen sind Opfer von Benachteiligungen und Diskriminierungen in allen möglichen Bereichen und immer stecken Männer dahinter. Gläserne Decken, Männerbünde, patriarchale Strukturen oder Machokultur - das sind die Kampfbegriffe eines überbordenen Feminismus, mit denen immer mehr Privilegien für Frauen (erfolgreich) eingefordert werden, bzw. umgekehrt die gesellschaftliche Abwertung und eine sogenannte "positive Diskriminierung" von Männern politisch korrekter Mainstream geworden sind.

Wir brauchen nicht darüber diskutieren, dass es selbstverständlich niemanden interessiert hätte, wenn die besagte Szene in der Bar mit vertauschten Rollen verlaufen wäre, nämlich wenn diese junge Journalistin Brüderle nach ein paar Gläsern Wein mit ein paar anzüglichen Bemerkungen angemacht hätte. Aber wehe es ist das heilige Geschlecht betroffen, dann schwappt eine Welle der Empörung durch das Land und die FeministInnen stimmen zum Klagelied an.

Mir hängt das einfach nur zum Hals raus.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich finde den Sexismus in unserer Gesellschaft und die Diskussion darüber amüsant:

Es ist erlaubt, dass die Frauen in unserer westlichen Gesellschaft ihre körperlichen sexuellen Reize zur Schau stellen. Dies ist interessanterweise für Männern gesellschaftlich gesehen wesentlich weniger erlaubt, ebenso für Frauen in vielen anderen Kulturen. Allerdings wird dann letzteres, welches man in dieser Hinsicht als Anti-Sexismus bezeichnen könnte, von den Frauen unserer Gesellschaft als Unterdrückung empfunden. Dieses zur Schau stellen von Reizen dient als biologisches Signal (Ist das das richtige Fachwort?) folgenden Zwecken:
- Dem anderen Geschlecht zu zeigen, dass man eine gute Partnerwahl wäre, selbst wenn man kein Interesse an einem Partner hat. Denn dadurch hofft man soziale oder Materielle Boni von diesem zu bekommen (bessere Note, mehr Gehalt, Beförderung, diverse Dienstleistungen oder nur einen "freundlichen" Umgangston").
- Das finden eines Partners
- Das finden eines potentiell besseren Partners

Die Frauen in unserer Gesellschaft nutzen dies auch für all diese Zwecke gerne aus. Interessanterweise wird ihnen das bereits in der Kindheit gelehrt: Früher war es üblich mit Babypuppen zu spielen. Sinn des Spiels war es sich um das Baby zu kümmern. Heute sind Barbiepuppen in. Ziel davon ist es die Puppe stylisch anzuziehen, um seine körperlichen Reize zur Schau zu stellen

Als biologisches Signal zieht das natürlich auch, da wir Menschen immer noch irgendwo Tier sind, mit sich, dass diese Frauen vom anderen Geschlecht als potentieller Partner behandelt werden und dementsprechend es "Annährungsversuche" oder Diskussionen über diese Reize innerhalb Gruppen des anderen Geschlechts gibt. Wie die Frauen darauf reagieren ist nun stark fallabhängig:
-Stellen sie ihre Reize zur Schau um die diversen Boni aber keinen Partner zur erhalten, so sind sämtliche Annährungsversuche unerwünscht und SEXISMUS!!!!!.
-Sind sie auf Partnersuche so wird wieder unterschieden. Von guten Partnern sind die Annährungsversuche erwünscht und werden dankbar entgegen genommen. Von schlechten Partnern sind die Annährungsversuche unerwünscht und werden als SEXISMUS!!! abgestempelt.

So hätten die Frauen auch die Möglichkeit diesem Sexismus, zumindest zum Teil, aus dem Weg zu gehen, indem sie ihre körperlichen Reize nicht so sehr zur schau stellen würden. Dies ist allerdings wiederum nicht erwünscht, da man dadurch auf die Vorteile des Sexismus verzichten müsste. Somit tragen die Frauen unserer Gesellschaft ebenso zu dem so verachteten Sexismus in unserer Gesellschaft ein gutes Stück bei.
 
@Nai
Du schürst den Sexismus doch durch dein Schubladen-Denken. Ich les da die ganze Zeit nur "die Frauen" , als ob sie es alle so machen würden. Von daher funktioniert es doch schon....

Einfach jeden Menschen als eigentständiges Individuum sehen und schon prallen unzählige Verallgemeinerungen raus.
 
@Onkelhitman,

Natürlich ist sollte man jeden als Individuum an sehen, gebe ich dir Recht. Ich finde trotzdem hat Nai, meinen Erfahrungen nach die Situation ganz gut beschrieben. Besonders diese Stelle

"-Stellen sie ihre Reize zur Schau um die diversen Boni aber keinen Partner zur erhalten, so sind sämtliche Annährungsversuche unerwünscht und SEXISMUS!!!!!.
-Sind sie auf Partnersuche so wird wieder unterschieden. Von guten Partnern sind die Annährungsversuche erwünscht und werden dankbar entgegen genommen. Von schlechten Partnern sind die Annährungsversuche unerwünscht und werden als SEXISMUS!!! abgestempelt."

Stimmt das Beuteschema, wird die Anmanche oder sogar anzügliche Bemerkungen als Kompliment aufgefasst. Ist der Mann unattraktiv, ist es Sexismus.
 
Dem kann ich mich zum Großteil anschließen.
Außerdem sollte man bitte nicht außer Acht lassen, dass nicht wenige ein verzerrtes Selbstbild haben. Würde mich nicht wundern, wenn der Herr Brüderle sich gar nicht für soooo unattraktiv hält. Also wieso sollte es dann aus seiner Sicht etwas unangenehmes sein, wenn er mit einer Frau n Flirt beginnen will?

Und ich persönlich sehe das im Job auch so. Als Mann heißt es in einem Berufsfeld mit hoher Frauenquote oft "kannste mal das dahin tragen" oder "sprich doch du als Mann mit dem, das ist mir unangenehm", wo ohne Umschweife nicht meine Kompetenz, sondern mein Geschlecht gefordert wird. Ich persönlich habe kein Problem damit, weils mir egal ist. Gleichzeitig gibt es dann aber wieder Ärger wenn Herr X lieber die attraktive Frau 30 statt der älteren Frau 50 als Vorzimmerdame will, weil erstere eben mehr hermacht und damit besser in die vorgesehene Rolle passt.

Als letztes noch. Wenn ich nur nen Mankini tragen würde und damit recht deutlich mein Gemächt zur Schau stelle, wäre ich der Perverse, weil ich andere belästige, obwohl die mir auf meinen Schniedel starren. wenn eine Frau hingegen ihre Brüste nur zur Hälfte verpackt, ist auch der Mann der Perverse, weil er nur auf auf ihre Geschlechtsmerkmale schielt. Irgendwas stimmt da doch nicht.
 
Ich glaube man sollte bei der Debatte nicht vergessen was um uns herum geschieht und geschehen ist. Frauen wurden und werden unterdrückt und sexuell ausgebeutet. Das passiert tagtäglich. In Deutschland und anderswo. Nicht überall im gleichen Masse aber passiert. In vielen Ländern sind Frauen auch offiziell nichts wert. Wenn man das mal im Hinterkopf behält dann hat man vielleicht auch etwas mehr Verständniss warum Frauen auf viele Sachen in mancher Leuten Augen überzogen reagieren. Vielleicht nicht die Einzelne an sich aber das Gro der Frauen. Männern ist es in den meisten Fällen egal, sie merken es nicht oder fühlen sich geschmeichelt wenn sie von Frauen (besonders wenn diese auch noch attraktiv sind) Sprüche oder sogar Berührungen und dergleichen "kassieren". In wievielen Männerrunden gibt es welche die es sich nicht verkneifen können irgendwelche Anspielungen zu machen sobald eine Frau dazukommt. Auch hier gilt je attraktiver sie ist desto eher und deutlicher wirds. Solange sich alle damit wohlfühlen ist das ok. Schwierig wird es wenn es nicht so ist. Wenn ein Mann dann sagt das er das nicht toll findet wird er wahrscheinlich ausgelacht oder schlimmeres. Wenn die Frau sich beschwert wird es wahrscheinlich nur schlimmer oder es kommen Sprüche "Nun hab dich nicht so...".
Was die optischen Reize anbetrifft. Männer und Frauen nutzen das was sie haben. Bewusst und unbewusst. Männer protzen mit Muskeln , wenn vorhanden, oder mit Geld oder ... Frauen zeigen etwas mehr von ihrem Körper . Das ist aber kein Freifahrtschein. Weil dann kommen wir dahin wo die Moslems sind und schon immer waren. Frauen kommen unter die Burka weil Männer sich nicht beherrschen können.
Wollen wir das?
 
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