Anglizismen/Romanismen etc. - Kommunikation vs. Tradition?

FidelZastro

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Da sich hier schon wieder auf der ersten Seite eine Offtopic-Diskussion zu diesem Thema entwickelt hat, würde ich das gern an einer Stelle diskutioeren, an der es (hoffentlich) besser passt.

Folgende Gedanken zu dem Thema:

- Ich arbeite in einer englischen Firma in London, habe in meinem Team allerdings sehr viel mit deutschen Kunden zu tun. Wenn meine Kollegen (drei Briten, ein Schweizer, ein Spanier, ein Albaner) in Deutschland nach einer Mobilnummer fragen, fragen sie nach dem "Handy". Im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass das Wort nicht englisch ist - es geht darum, verstanden zu werden. Wieso sehen so viele das scheinbar anders?

- Es scheint einen deutlichen Wahrnehmungsunterschied zwischen Anglizismen und anderen Fremdwörtern zu geben. Romanismen gelten (zumindest heutzutage) anscheinend als nicht halb so schlimm. Woran liegt das? Wieso ist Automotive schlimm, aber Restaurant nicht? Unreflektiertes wiederholen populärer Allgemeinplätze?

Ich persönlich finde, dass Sprache daran gemessen werden sollte, wie sie ihrem Zweck gerecht wird - der Kommunikation. Sprache verändert sich laufend. Neue Wörter werden in den Duden aufgenommen, wenn sie in den Medien nur oft genug verwendet werden (und damit ihren Wert für die Kommunikation unter Beweis stellen). Fremdwörter setzen sich idR dann durch, wenn es für sie keinen Adäquaten Ersatz in der jeweilligen Landessprache gibt (siehe Amerikaner und Briten mit "Weltschmerz" oder Rucksack") - was ist daran schlecht? Dazu ein interessanter und amüsanter Text aus dem Economist.

Meine persönliche Meinung, die hier gern auseinander genommen werden darf: Wären alle menschen so engstirning gewesen, fremde Sprachen aus ihrer alten zu verbannen, würde es die meisten modernen Sprachen gar nicht geben. Wer will wieder Altgermanisch sprechen?
 
Sprache ist das Fundament einer Kultur.
Ich denke, der eine oder andere sieht Selbige schlichtweg bedroht.
Ich persönlich habe nichts gegen den sinvollen Einsatz von Fremdwörtern, wie du ihn beschrieben hast.
Man muss es aber nicht übertreiben. Das gilt sowol für den Einsatz von fremden Wörtern ohne Grund als auch für das grundsätzliche Ablehnen (Wie die Franzosen mit ihrem Institut für Sprachschutz oder wie auch immer die das nennen).
 
Ich finde das überhaupt nicht schlimm. Sprache hat sich immer gewandelt und wird es auch weiter tun. Und in einer globalisierten Welt hat man heute eben viele englische Begriffe.

Dass es in Europa überhaupt Institutionen gibt, die die Sprache vor dem Volk schützen wollen und bestimmen was richtig und was falsch ist, das finde ich viel verrückter.

Was zuviel ist, das reguliert sich schon selbst. So hat wohl jeder schonmal irgendwo jemanden gesehen, der sich beim Versuch besonders toll zu wirken mit unnötigen Anglizismen eher lächerlich gemacht hat.

Und übrigens habe ich das Argument der Sprachschützer, manche Dinge könne man nur in der und der Sprache ausdrücken, auch nie ganz verstanden. Dem ist zwar so, aber genau deshalb kann es doch sehr nützlich sein, Sprachen zu kombinieren. So können die Amerikaner dann "Schadenfreude" benutzen und wir Dinge wie "Sidekick" oder "Wingman" etc.

Ist doch toll, wenn sich die Leute über kulturelle Grenzen hinweg besser verstehen. Wer das unwichtiger findet als "seine" Kultur "sauber" zu halten, der steht für mich im Verdacht... nein, ich lasse den Vergleich lieber.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin vor allem der Meinung das Fachbegriffe und Worte, die eine Sache beschreiben ruhig in der Sprache bleiben dürfen, in der sie 'erfunden' wurden. Internet, Email, Server und andere IT-Begrife stammen nun mal aus den USA, wo sie als erstes eingesetzt oder erfunden oder gebaut wurden. Wenn wir deutsche Bezeichungen wünschen dann sollten wir sie auch erfinden, so wie Autobahn, Kindergarten, Oktoberfest oder die Franzosen eben Restaurant, Rendevous, Portemonnaie usw.

Lächerlich wird es allerdings wenn Karstad (oder war es Kaufhof) für Rucksäcke mit Body bags (Leichensäcke) wirbt oder man die englischen Sprüche nicht mehr versteht wie in vielen Werbungen (Come in and find out).

Fremdwörter in der eigenen Sprache bereichen sie eher als das sie sie zerstören, so kamen lateinische, griechische, türkische, russische, englisch und französische Wörter in unsere Sprache und es ist einfach schön das zu sehen.
 
Wenn ich mir so die verbalen Entgleisungen von Sportreportern anhöre, habe ich absolutes Verständnis wenn andere ihre Muttersprache schützen wollen.
Was mich stört ist die teilweise Verwendung englischer Begriffe ohne Logik.
 
DerWitwenmacher schrieb:
...Was mich stört ist die teilweise Verwendung englischer Begriffe ohne Logik.

Das liegt dann aber nicht an den englischen Begriffen sondern an den ungebildeten Deppen. Die falsche Anwendung eines Begriffs kann man ja nicht dem Begriff anlasten und ihn verteufeln, sondern dem Sprecher muss eine mit dem nassen Handtuch gegeben werden.

Der Begriff selber ist ok, die Anwendung muss natürlich stimmen.
 
Hmmm, interessante Thematik.

Also ich persönlich finde es schon schlimm, wenn man eine gewaltige Sprache mehr und mehr zerstört und sie dem Trend anpassen lässt.
Versteht mich bitte nicht falsch, mir geht es dabei nicht um das "sauber" halten, sondern um die Vielfältigkeit einer Sprache. Ich habe nichts dagegen, wenn man eine Sprache durch Fremdwörter erweitert. Aber ich bin gegen die Einseitigkeit. Keine Sprache (in unserem Fall das Englische) sollte dermaßen andere Sprachen dominieren. Das erweitert meiner Meinung nach eine vorhandene Sprache gar nicht, sondern zerstört sie mehr und mehr.
Gut, die Menschen werden dadurch einfacher kommunizieren, weil sie schon in ihrer Muttersprache mit dem Englischen in Berührung kommen, aber dadurch geht die Tiefe der Sprache verloren.
Wenn man zum Beispiel Literatur aus dem 16 Jahrhundert liest, zum Beispiel Gedichte, dann beeindruckt diese Vielfältigkeit der Sprache einen besonders.
Sprachen, die einen großen Wortschatz haben, sollten meiner Meinung nach eher traditionell bleiben als modern. Man sollte die Harmonie der Sprache nicht zerstören.

Ich finde es zum Beispiel schrecklich solche Sätze wie: "...chattest du immer noch?" , "Das habe ich gestern gedownloadet..." oder "...adde mich mal, bist du noch on?" schreiben zu müssen, weil es keine adäquate Lösung dafür gibt.

Das erleichtert zwar die Kommunikation, verbessert sie aber nicht.
 
cerasus schrieb:
Das erleichtert zwar die Kommunikation, verbessert sie aber nicht.

Interessanter Einwurf, hab ich doch in meinem Beitrag (zugegeben etwas provokant) den nutzen von Sprache mit dem Erfolg der Kommunikation gleichgesetzt. Dem würdest du sicher kaum zustimmen.

Klar - die Beziehung zwischen Gesellschaft und Sprache ist eine zweiseitige, es beeinflusst sich Gegenseitig. Der Mensch definiert die Sprache und die Sprache definiert die Rahmenbedingungen unseres Weltbildes ("Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt"). Woraus ergibt sich für dich der Wert einer Sprache bzw. von Kommunikation?

Das Englisch von Shakespeare oder den Canterbury Tales versteht heutzutage wohl kaum ein Brite vollständig. Ich auch nicht (genauso wenig wie Walther von der Vogelweide im Originaltext). Aber ich verstehe mich mit den Briten, dazu noch mit Leuten von ein bis zwei Dutzend anderen Nationalitäten, mit denen ich regelmäßig auf Englisch kommuniziere. Ich liebe die Lyrik von Robert Frost, mit altenglischen habe ich so meine Probleme.

Ist das jetzt ein Symptom der "Krankheit" oder ein Beleg dafür, dass es keine ist?
 
FidelZastro schrieb:
nutzen von Sprache mit dem Erfolg der Kommunikation gleichgesetzt.

Die Frage ist doch, inwiefern die ganzen Anglizismen überhaupt zur Kommunikation beitragen, so wunderlich wie sie mitunter eingesetzt werden.
Eine ordentliche sprachliche Ausbildung in der Schule wäre vermutlich hilfreicher.

Ich habe nichts gegen echte Lehnworte.
Aber wenn ich mir im Bus anhören muss, dass der Bro beim dancen ne Bitch gesehen hat, deren ass echt juicy war, wird mir doch en wenig übel.
Ich erkenne und schätze die Schönheit der englischen Sprache (und (Kunst)schrift), aber bitte keinen sinnlosen Mischmasch.

FidelZastro schrieb:
Das Englisch von Shakespeare [...] Walther von der Vogelweide

Hehe, ich bin grad bei ~3/4 von Henry V, und ehrlichgesagt ist das für mich durchaus bekömmlicher als so manches Stück Mittelhochdeutsch. :-)
 
Ich frage mich gerade wie man das "Recht" erwerben will eine Sprache zu "schützen" oder zu "hüten".
Eine Sprache ist ein sich ständig veränderndes Medium welches zweckmäßig ist.
Man spricht zwar im Endeffekt die gleiche Sprache benutzt diese aber komplett anders.
Die Sprache wird von jedem Sprecher verändert und geprägt. Deswegen ist es auch komplett unmöglich zu versuchen diese Entwicklung zu stoppen oder zu verhindern. Gibt ja genug Sprachinstitute welche sich die "Wahrung der Sprache" auf die Fahnen geschrieben hat. Da kann ich persönlich nur den Kopf schütteln.

Man kann gerne Diskutieren aber am Ende hat es ja eh keine praktische Konsequenz. Weil keiner diese Entwicklung steuern kann.

Was ich aber einen überaus interessanten Aspekt finde, ist dieser pure Unwille Anglizismen zu benutzen oder überhaupt zu akzeptieren/tolerieren.
Was hat sich der Deutsche beschwert und gescholten als "Service Point" etc etc bei der Deutschen Bahn eingesetzt wurde. Ich würde auf einen sehr tief sitzenden Anti-Amerikanismus in der Gesellschaft tippen. Kennt man ja, der "Kaugummi kauende Neger, welcher uns Hitler wegnahm" ;)
(Wer Polemik findet, darf sie behalten und gerne auch selber einsetzten.)
 
cerasus schrieb:
Wenn man zum Beispiel Literatur aus dem 16 Jahrhundert liest, zum Beispiel Gedichte, dann beeindruckt diese Vielfältigkeit der Sprache einen besonders.
Sprachen, die einen großen Wortschatz haben, sollten meiner Meinung nach eher traditionell bleiben als modern. Man sollte die Harmonie der Sprache nicht zerstören.

Hast du dafür mal Beispiele?
Also zumindest was Englisch angeht bin ich mir relativ sicher, dass es da heute einen deutlich größeren Wortschatz gibt als damals.
Dass sich vor allem in Amerika "plain English" durchgesetzt hat, steht dabei natürlich auf einem anderen Blatt. Wobei ich aber auch meine Zweifel an dem deutschen Konzept habe, dass möglichst lange und verschachtelte Sätze ein Zeichen dafür sind, dass der Schreiber besonders schlau ist. Ist vielleicht gar nicht so verkehrt, es wie Einstein zu halten: Wenn du es einem Sechsjährigen nicht erklären kannst, hast du es selber nicht verstanden.
 
@FidelZastro

Ob das eine "Krankheit" ist, muss jeder selbst wissen. Das kommt eben drauf an, worauf man viel Wert legt.

Soweit ich dich (aus deinen Beiträgen) kenne, bis du ein Akademiker, der im Personalbereich tätig ist. Du hast sicherlich andere Kriterien als ich zum Beispiel. Du lebst dort, dein Job fordert viel Kontakt mit Menschen (sehr viele und versch. Nationalitäten) und dadurch bist du gar gezwungen den gemeinsamen Nenner (das Englische) zu fördern und zu benutzen. Ich, mit meinem Schulenglisch, habe ganz andere Kriterien oder Anforderungen an eine Sprache als du. Bin überhaupt froh, wenn ich einen korrekten deutschen Satz niederschreiben kann ohne dabei grammatikalische Fehler zu machen, geschweige denn richtig Englisch zu reden und zu schreiben. Soviel dazu.

Und das Englisch von Shakespeare muss auch ein Brite nicht verstehen oder du, oder ich. Solange das Englische die dominierende Sprache ist, wird es nichts von seiner Vielfalt verlieren. Man wird immer Menschen finden, auch außerhalb der USA, GB, Australien, usw., die diese Sprache nicht in Vergessenheit geraten lassen werden. Deren Vielfalt kann nicht untergehen, weil sie nicht dominiert werden, sondern dominieren. Es gibt sicherlich Tausende Studenten in Seoul, die Shakespeare lesen, aber wie viele Studenten außerhalb Südkoreas lesen einen gleichwertigen koreanischen Schriftsteller zu Shakespeare?
Man erkennt an diesem Satz zum Beispiel den Beleg dafür welche Sprache klar die Dominierende ist.
Ich kann ein Shakespeare als Beispiel anführen, aber ich kenne keinen einzigen koreanischen Autor. Was heißt das nun? Gibt es wirklich keinen koreanischen Pendant oder wird uns auf indirekte Weise diese Dominanz des "Westens" diktiert?
Sicherlich ist es nicht leicht einen weiteren Shakespeare überhaupt irgendwo auf der Welt zu finden, aber alle Menschen können übertroffen werden und überall gibt (gab) es geniale Köpfe.
Worauf ich also hinaus will, die Muttersprachler, die Englisch sprechen, die verlieren nichts, aber alle weiteren Länder, die verlieren so langsam ihre Schönheit, ihre Harmonie und Vielfalt.

Habe von hinten angefangen und komme nun zu deiner Einleitung.

Ich kann deiner These nicht zustimmen, obwohl sie grob betrachtet richtig zu sein scheint oder ist, keine Ahnung. Denn:
Woraus ergibt sich für mich der Wert einer Sprache bzw. Kommunikation?
So richtig weiß ich es nicht. Aber ich weiß, dass eine Sprache nicht das Gleiche wie Kommunikation ist.
Eine Sprache ist weit mehr als das.
Stellt euch vor es ist Oktoberfest und ihr seid mit Freunden in einem Bierzelt und ihr singt alle zusammen hin und her schwingend:
:schluck: "Ich liiiiiiebe euch, ich liiiiiebe euch, ich liiiiiebe euch..." :schluck: (irgend so etwas, kenne mich mit den Gesängen nicht aus).
Jetzt stelle dir dieselbe Szene mit der englischen Sprache vor: "I love youuu, I love youuuu, I love youuu..." Fühlst du dasselbe? Ist es dasselbe?
Keine Ahnung wie ich das sonst beschreiben soll.
In meiner Kultur hat zum Beispiel "gönül" eine tiefergehendere Beudeutung als "You're my heart, You're my soul", denn es ist Herz, Seele, Mut, Zuneigung, Lust, (und vieles mehr) alles gleichzeitig.
Das Englische zerstört eben diese Vielfalt und lässt eine Leere übrig. Möchte aber nicht, dass man diesen Reichtum einfach so mit "Platzhaltern" befüllt, denn man hat sie auf diese Plätze gesetzt, aber diese Plätze gehören ihnen nicht.

Eine Sprache ist der Ausdruck der Gefühle und der Persönlichkeit.
Bei der Kommunikation geht es hauptsächlich um die Botschaft, die bei dem Gegenüber ankommen soll. Man möchte sich so schnell es geht und so gut es geht verständigen, aber die Botschaft beinhaltet das Nötigste, sie ist nicht verlustfrei.

Vielleicht hilft ein Wikizitat mich zu verstehen, denn ich habe zu sehr geschwafelt:
Geschriebene und gesprochene Sprache ist ein Medium des Denkens und der Weltauffassung schlechthin: Diese Definition, wie sie zuerst Wilhelm von Humboldt vorlegte, geht davon aus, dass Sprache für alle komplexeren Tätigkeiten und Denkvorgänge des Menschen unverzichtbar ist. Sprache ist damit nicht erst ein „nachträgliches“ Mittel zur Verständigung zwischen Menschen, sondern jede Auffassung von Dingen und Sachverhalten in der Welt ist schon sprachlich strukturiert. Dinge und Sachverhalte werden durch die sprachliche Auffassung der Welt in Sinnzusammenhänge gebracht. Der Mensch lebt demnach nicht in einer sinnlich aufgefassten Welt, über die er sich erst nachträglich und gelegentlich mittels Sprache verständigt, sondern er lebt „in der Sprache“.

@colonel Decker
Habe Beispiele, nur ich fürchte du wirst sie nicht lesen/verstehen können.
 
Ich begrüße sinnvolle Anglizismen, also wenn es keine passenden deutschen Wörter gibt oder wenn die Anglizismen verständlich sind und kürzer sind als die deutschen Wörter. Daher kann ich mich mit dem verständlichen "Service-Center" anfreunden, denn "Dienstleistungszentrum" ist vergleichsweise lang, vor allem in der Aussprache.

Unpassend finde ich Anglizismen, wenn es eine passende, kurze deutsche Schreibweise gibt. "In 2012" finde ich schlimm, denn das "in" ist ein völlig unnötiger Zusatz, der keinen Nutzen bringt und im Gegenteil den Ausdruck sogar noch länger macht.

Und ich finde es gut, wenn man über Anglizismen nachdenkt und auch die eigene Sprachnutzung reflektiert. Deshalb hat die Kritik an Anglizismen eine Berechtigung, weil sie Einzelfälle an sinnlosen Anglizismen dokumentiert und deutsche Alternativen zeigt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die "Sprache" war noch nie ein statisches Instrument zur Kommunikation, sondern hat sich dynamisch, den kulturellen und gesellschaftlichen Änderungen, angepasst und weiterentwickelt.

Ich finde es gut, das unser Wortschatz durch neue Impulse bereichert wird und die kulturelle Vernetzung voran treibt.

Tradition und Sprachschutz bedeuten Stillstand und Ausgrenzung!
 
Die Frage ist aber wohl welche sinnvollen Impulse kommen. Natürlich werden durch die Globalisierung, als auch die Implementierung neuer Techniken Sprachen geändert, verschmolzen oder bekommen neue Richtungen.

Höre ich mir hingegen so eine Leuchte von VIVA-Moderator an, könnte ich auf den Teppich brechen. Dagegen wirken Imbissbudengespräche aus dem Pott wie von Goethe persönlich.

Ein schöne Seuche kommt mir jetzt übrigens immer öfter in die Ohren "Commitment" :freak:.
 
cerasus schrieb:
...Wenn man zum Beispiel Literatur aus dem 16 Jahrhundert liest, zum Beispiel Gedichte, dann beeindruckt diese Vielfältigkeit der Sprache einen besonders. ....

Dann bist du wohl ein Gegner der Lateinisierung aus jener Zeit, als unsere Sprache von Latein 'durchsetzt' wurde. ;)
mdave schrieb:
...Aber wenn ich mir im Bus anhören muss, dass der Bro beim dancen ne Bitch gesehen hat, deren ass echt juicy war,...

Das ist aber ein Extrembeispiel und auch der Jugendsprache und der Sprache manch geistig benachteiligter zuzuschreiben und taugt IMO wenig als Argument, das unsere Sprache im Allgemeinen zu Grunde geht.

Anglizismen sind keine Fremdkörper in unserer Sprache sondern ergänzen Sie um Begriffe, für die es keine deutsche Entsprechung gibt, so sehe ich das bei Internet, Email, usw. Man kann jetzt im Nachhinein versuchen eine deutsche Bezeichnung zu finden, aber das ist verkrampft und wirkt aufgesetzt und schützt die eigene Sprache nicht, denn es wird ursprünglich ja nichts entfernt, es gab ja vorher keine deutsche Bezeichnung für Server, Client oder Cluster, erst im Nachhinein.

Idiotisch finde ich allerdings sachen wie Handy, wenn es eine korrekte englische Bezeichnung gibt wie Mobile; in dieser Sache ist der Anglizismus eigentlich keiner, weil er nicht aus dem englischen übernommen wurde. Es wurde ein anderer beliebiger Begriff gewählt, der nur scheinbar - ein false friend - passt.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Fu Manchu schrieb:
Das ist aber ein Extrembeispiel und auch der Jugendsprache und der Sprache manch geistig benachteiligter zuzuschreiben und taugt IMO wenig als Argument, das unsere Sprache im Allgemeinen zu Grunde geht.

Extrem, aber durchaus alltäglich.
Du hast vermutlich recht, die Sprache im Allgemeinen geht nicht zu Grunde.
Allerdings fürchte ich, in spätestens 10 Jahren nicht mehr mit einigen deutschen Bevölkerungsgruppen kommunizieren zu können. *g*

Fu Manchu schrieb:
Idiotisch finde ich allerdings sachen wie Handy, wenn es eine korrekte englische Bezeichnung gibt wie Mobile

Allerdings. Ich benutze fast ausschließlich die Worte 'Mobiltelefon' und 'Mobilnummer', und wurde bislang nich missverstanden.
Diese Art von 'Lehnworten', die völlig unnötig eingeführt wurden um irgendwie schick und modern zu klingen, kann ich absolut nicht leiden.
Besonders wenn sie in der Ursprungssprache eine andere Bedeutung haben. Das ist doch affig.
Handy und Beamer sind schon echte Knaller, aber leider nicht alleine.
 
mdave schrieb:
Allerdings fürchte ich, in spätestens 10 Jahren nicht mehr mit einigen deutschen Bevölkerungsgruppen kommunizieren zu können. *g*

Das macht doch nichts. Da du auf Grund deiner jetzigen Distinktion eh nicht mit ihnen redest, oder irre ich mich da?


Diese Art von 'Lehnworten', die völlig unnötig eingeführt wurden um irgendwie schick und modern zu klingen, kann ich absolut nicht leiden.
So funktioniert Sprache aber nunmal.
Das ist ein lebendes Konstrukt unserer gesellschaftlichen Resonanz untereinander.
Verhindern kannst du es eh nicht und ich persönlich bin froh, dass wir nicht mehr Mittelhochdeutsch reden. Wer das zurückwünscht hat ganz andere Probleme ;)
 
Beginn des Nibelungenliedes Übersetzung

Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.

Ez wuohs in Burgonden ein vil edel magedîn,
daz in allen landen niht schœners mohte sîn,
Kriemhilt geheizen: si wart ein scœne wîp.
dar umbe muosen degene vil verliesen den lîp.


Uns wurde in alten Erzählungen viel Wundersames gesagt
von ruhmreichen Helden, von großem Leid,
von Freuden, Festen, von Weinen und von Klagen,
vom Kampf kühner Recken sollt ihr nun Wunder hören sagen.

Es wuchs in Burgund ein sehr feines Mädchen heran,
dass in allen Ländern kein schöneres sein konnte,
Kriemhild geheißen: Sie wurde eine schöne Frau.
Deswegen mussten viele Kämpfer ihr Leben verlieren.

Also weiß nicht. Selbst ich kann die alte Sprache noch recht gut verstehen, weiß nicht ob sich die deutsche Sprache wirklich verbessert hat oder "verschlimmbessert" hat.
Ich bin nicht komplett gegen eine Modernisierung, aber man sollte auch die Vielfältigkeit mitnehmen.

Achso noch etwas, ihr geht natürlich von eurer eigenen Muttersprache aus. Ich dagegen habe noch Einblick auf meine Muttersprache.
Der gleiche Wandel ist auch bei uns im Zuge. Deswegen bin ich etwas skeptisch gegenüber dieser "Modernisierung", weil die Anglizismen auch langsam das Türkische übernehmen.
 
cerasus schrieb:
Der gleiche Wandel ist auch bei uns im Zuge. Deswegen bin ich etwas skeptisch gegenüber dieser "Modernisierung", weil die Anglizismen auch langsam das Türkische übernehmen.

Und das ist natürlich verwerflich? Oder wie soll das verstanden werden?
Ich sehe in dieser Evolution nur Vorteile. Die Nachteile werden eher konstruiert.

Oder wo ist die praktische negative Konsequenz bis auf subjektive Traditionalismusgebähren welche noch nie vorteilhaft waren?
 
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