Anglizismen/Romanismen etc. - Kommunikation vs. Tradition?

Ob das verwerflich ist, keine Ahnung.

Wenn wir eine Weltsprache unbedingt kreieren möchten, ist das bestimmt eine gute Sache.

Aber ich habe einfach ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich an diese Globalisierung denke.

Ich stelle mir gerade vor, ich gehe nach Berlin. Ok.
Dann gehe ich nach Lodon. Ok.
Bekannte Sprache, bekannte Menschen.
Aber wenn ich sogar in meinem Ziegendorf in der Türkei dieselben Menschen treffen muss, weil sie auch durch diese Kultur dominiert worden sind, dann ist das nicht ok.
Ich möchte nicht überall die gleichen Menschen treffen.
Eine Sprache ist weit mehr als nur eine gesprochene oder geschriebene Art der Kommunikation.
Es gruselt mir, wenn ich auf der ganzen Welt Menschen vorfinden würde, die ihre Authentizität verloren haben. Aber das ist meine Sicht und nicht übertragbar oder gar rational.
 
Nur weil man die gleiche Sprache spricht heißt es ja im Umkehrschluss nicht, dass die menschlichen Unterschiede verschwinden.
Wenn du das nicht glaubst warst du noch nie in England oder den USA.
In Stuttgart oder im Friesland.
In Kalifornien oder New York.
Das könnte ich ewig weiterführen.
Könnte deswegen weil ich dir aus persönlicher Erfahrung ganz sicher sagen kann, dass die Menschen sich komplett unterscheiden.

Wer den Fortschritt nicht erkennen will und auf überlaufene Traditionen besteht wird dies aber (leider) nicht verstehen. Wie gesagt, alles subjektiv.
 
Wer spricht davon, dass die menschlichen Unterschiede komplett verschwinden?
Aber ein beachtenswerter Teil einer Gesellschaft ähnelt sich mehr und mehr einer anderen Gesellschaft.
(edit: Das wäre ja nicht schlimm, wenn das nur eine Ausnahme wäre. Auf die ganze Welt passt sich so langsam den Amerikanern/Briten an).

Schaue doch dir bitte dazu die Musikkultur hier zu Lande an.

Was im MTV, in den Radios, bei Bohlen, usw. ständig rauf und runter gehört wird. Dasselbe findest du auch in den meisten Ecken Europas. David Guetta, Rihanna, Katy Perry, und wie sie noch so heißen.
Besuche mal paar Nachtklubs, dann wirst du sehen, welche Sprache klar die dominierende ist.
Ob du jetzt in der Türkei eine Nachtklub besuchst, oder in Dänemark, gewaltigen Unterschied wirst du nicht vorfinden.
Ja, die kulturellen, religiösen, ortsgebundede Gegebenheiten sind immer noch vorhanden. Aber die Menschen ähneln sich mehr und mehr. Ich finde das nicht gut. Ein anderer findet das gut. Rational bin ich vielleicht nicht, möchte ich auch in dieser Diskussion nicht sein.
Schaue dir die "Chatsprache" an, die international verwendet wird. Jeder, der öfters im Netz ist, kennt lol, xD, stfu, usw. Das prägt einen. Man nimmt das in die Alltagssprache auf und so geht das weiter.
Es fängt bei U2 an, geht bis zu Metallica und hört bei Akon feat. was weiß ich auf.
Und dann Facebook "likes", Smartphones mit "Apps", Deutsche Rapper mit "Beats", ... das alles ist Anglizismus.
Nicht nur das Wort "Beats" prägt unsere Sprache, sondern die Menschen werden auch durch die Bedeutung geprägt. Denn Beats wirst du niemals verwenden, wenn du Jazz hörst, aber wenn du HipHop hörst. D.h. die Sprache, die die Kommunikation erleichtert, öffnet eigentlich eine komplette Welt. Jemand, der in so einer Szene lebt, wird nicht plötzlich sich für Indianermusik interessieren. Denn er kennt die Sprache gar nicht. Er wird weiterhin das hören, womit er vertraut ist. Was man als "In" in den Markt führt. Nicht was die Chinesen als "In" ansehen, sondern was der Brite oder der Amerikaner zurzeit als "In" sieht. Die können von dort aus komplett andere Länder beeinflussen, sie anpassen lassen.

Machen wir doch hier eine Umfrage. Wie viele deutschsprachige Musik besitzt ihr und wie viele englischsprachige Musik. Lied für Lied... Oder wir schauen mal hier nach.
Bei DSDS und co kannst du die Widerspiegelung der Gesellschaft ganz schön sehen. Also wenn ich mir eine türkische DSDS Sendung ansehe, dann singen die immer noch (noch!) auf Türkisch, hier dagegen ist alles nur noch Englisch, falls sich kein Volksmusiker in die Sendung verirrt.

Übertreibe ich, ist das nur eine Verschwörungstheorie, bin ich einfach zu ungebildet und rede wirres Zeug? Kann sein. Aber denkt mal darüber nach.
 
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Also ist es nicht empfehlenswert, dass die Welt zusammenwächst?
 
Anglizismen sollten sinnvoll sein (verständlich und nützlich), imho werden sie nur dann akzeptiert. Sinnlose Anglizismen oder die Verwendung von Anglizismen als Selbstzweck bringt viele Menschen doch eher gegen Anglizismus auf und bewirkt dann eher das Gegenteil der erwünschten Wirkung.
 
Vielleicht sollte man das etwas differenzierter betrachten.

Wir haben einen Kernwortschatz, der relativ konservativ ist. Neue Begriffe kommen hier nur zum Tragen, wenn sie auf eine breite gesellschaftliche Akzeptanz stoßen und sich langfristig im Sprachgebrauch etablieren können, z.B. Party, Handy, googlen.

Dann gibt es sprachliche Sub-Kulturen (z.B. Jugendsprache), welche frei von Konventionen sind und den Evolutionsmotor für die Sprache darstellen, da sie den Zeitgeist, kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse besser reflektieren und eine Abgrenzung zum Traditionellen schaffen. Durch das hohe Evolutionstempo schaffen es aber die wenigsten Begriffe, sich dauerhaft zu etablieren und zum Kernwortschatz aufzuschliessen.

Von daher kann man einen Identitätsverlust der Sprache durch Fremdeinflüsse, auf breiter Ebene ausschliessen.
Es entspricht eher einer Modernisierung, der konform mit der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung läuft.
 
da Bozz schrieb:
Von daher kann man einen Identitätsverlust der Sprache durch Fremdeinflüsse, auf breiter Ebene ausschliessen.

Also nach dir ist die deutsche Sprache im Prinzip genauso wie vor 100 Jahren, verstehe ich dich richtig?

Du bist wirklich der Ansicht in Deutschland erreicht der Anglizismus nicht unseren Kernwortschatz?

Dann habe ich wohl eine Paranoia, denn ich bin der Meinung, dass wir komplett von Anglizismen umgeben sind.
 
Du hast meinen Beitrag völlig falsch interprettiert.
Lese ihn nochmal genau durch und Du kannst Dir die Fragen selber beantworten.
 
Vieles ist einfach Mode. Als ein Teil unserer Vorfahren von den Römern "überrollt" wurde sprachen die Latein. Wer den kölschen Dialekt kennt und mal ins Wörterbuch schaut wird seltsame Parellelen feststellen. Als Frankreich (zweimal) das "Herz" der Welt war, sprach man Französich (glaube der Alte Fritz sprach nur Französisch ?). Dann kam Englisch und nach den Krieg in der "Zone" Russisch. Nehmt mal unsere Sprache "auseinander", wie viele Wörter haben wir schon übernommen? Und andere Völker von uns?
Nur eines halte ich für Quark, wenn ein Engländer oder US-Amerikaner bei uns anruft und will mit uns Geschäfte machen und wir sollen uns dann seinen (seltsamen) Gepflogenheiten des Telefonierens anpassen.
 
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Da ich auch gefragt wurde, hier mal meine Antwort.

Ich halte Englisch nicht als die richtige 'Weltsprache'. Es ist immernoch die Sprache der Kolonisten, und weder einfach noch regelmäßig. Eine Weltsprache sollte meiner Meinung nach eine neutrale, einfach zu erlernende Plansprache sein (kein Esperanto), sie muss auch keine poetische Komplexität besitzen, da sie nur als Weltverständigungssprache dienen sollte.

Mich nerven englische Wörter mittlerweile nur noch, sie passen einfach nicht in unsere Sprache. (vor allem von der Orthographie her) Man muss sich nur die Franzosen anschauen, die machen es richtig. Wenn ein Besucher zu uns kommt, sollte er unsere Sprache beherrschen, und nicht die Sprache Englands. Wenn man Frankreich besucht, wird dort schließlich auch verlangt, Französisch zu sprechen.
 
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