Bohemund schrieb:
sicher würde die kirche gläubige verlieren, was nicht zuletzt das rütli syndrom zur folge hätte, wenn die werteautorität wegfällt. und der staat kann das nicht kompensieren - will er auch gar nicht...
Die Kirche würde wohl kaum
Gläubige verlieren sondern eher
Mitglieder. Ich glaube hier geht es einfach um die Bequemlichkeit, eine bewußte Entscheidung zu treffen, wie der Thread hier mit den wiederholten "ich bin noch Mitglied, trete aber aus sobald, es kostet"-Aussagen zumindest exemplarisch belegt. Wenn man sich, wie von e-ding vorgeschlagen, in einem gewissen Alter bewußt
für eine Religion entscheiden müsste (egal, welchen Status man vorher hatte... ich halte jedenfalls nichts davon, den Eltern eine entsprechende Erziehung ihrer Kinder verbieten zu wollen), anstatt sich bewußt
gegen die Entscheidung der Eltern zu stellen, so würden sich eben nur die wirklich Gläubigen zu der Sache bekennen. Der augenblickliche Zustand sorgt aber dafür, dass viele Leute aus Bequemlichkeit Mitglied in der Kirche sind (bleiben), solange ihnen daraus kein Schaden entsteht, der sie zum Handeln nötigt. Bei eben diesen erscheint der Status "Gläubiger" aber zumindest zweifelhaft. Wenn man jetzt also ideell an die Sache heran geht, sollte es doch eigentlich gar nicht im Interesse der Kirche sein, Mitglieder mitzuziehen, die überhaupt nicht hinter der Sache stehen. Sowas dient bestenfalls der Statistikoptimierung.
Man stelle sich also vor, dass die Eltern bis 18 (16 oder 14, wobei ich 18 aufgrund diverser Zwangs- bzw. Verpflichtungssituationen bevorzugen würde) darüber entscheiden, welcher Konfession die Kinder angehören. Mit 18 wird dann aber jeder automatisch konfessionslos, es sei denn, er begibt sich rechtzeitig (oder eben später) zum Amt und bekundet, dass er der einen oder anderen Glaubensgemeinschaft angehören möchte. Der Unterschied zum heutigen Vorgehen ist marginal und ich erwarte nicht, dass die Mitgliederzahlen dadurch immens einbrechen (andernfalls wäre das wohl eine Armutszeugnis für die Kirche), man könnte damit aber etwas Glaubhaftigkeit zurückgewinnen, weil nur noch der Mitglied in der Kirche ist, der sich auch bewußt dafür entschieden hat.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass diejenigen, die durch diese Veränderung kein Mitglied in der Kirche mehr wären, plötzlich zu Fällen für die Rütli-Schule würden. Wobei ich anmerken möchte, dass ich den Bezug, der hier zwischen Kirche (als Wertequelle) und Rütli-Schule (als Wertesenke) hergestellt wird, ziemlich an den Haaren herbeigezogen empfinde.