Ausziehen wegen häuslicher Gewalt - einige Unklarheiten

Countdown2

Lieutenant
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Apr. 2009
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Hallo,

da mein Kumpel einen unendlich lahmen PC hat und nur mit dem Handy ins Internet kann, erstelle ich hier für ihn den Thread, weil er gerade in einer wirklich schwierigen Situation steckt und nicht weiß, was ihm für finanzielle Leistungen bei einem Auszug von zu Hause zur Verfügung stehen und wo es Anlaufstellen für solche Sachen gibt.

Das Problem ist sein Bruder. Er ist vor ein paar Monaten aufs Übelste ausgerastet und ist auf meinen Kumpel losgegangen, vor wenigen Tagen hat sich das wiederholt, dieses Mal nur viel krasser. Mein Kumpel saß bei sich im Zimmer, er hat TV geschaut. Irgendwann kommt der Bruder rein und setz sich zu ihm. Soweit so gut. Er fängt an, sich zu betrinken und und dann schaukelt sich alles hoch. Erst pöbelt er nur herum, und als meine Kumpel ihn bittet, das Zimmer zu verlassen, flippt er komplett aus und geht auf ihn los. Ich lasse mal die Einzelheiten weg, das Resultat war:
- Boden voller Scherben wegen zerbrochener Bilderrahmen
- eingetretene Zimmertür
- Schädel-Hirn-Trauma, Bauchtrauma, Schnittwunden im Bauch und im Gesicht, Hämatome etc.

Der Typ ist echt unberechenbar und man weiß nie, was passiert, wenn er das nächste mal unter Alkoholeinfluss ausratet. Er hat ihn auch schon mit dem Tode bedroht.
Mein Kumpel will nun definitiv ausziehen. Seine Mutter weiß nicht, wie sie etwas an der Situation ändern kann.. Bitte keine Vorschläge wie: Er soll den Bruder anzeigen, die Mutter soll den Bruder rauswerfen, etc. - es geht nur darum, wie er es finanziell hinbekommt, alleine in eine Wohnung zu ziehen.

Er besucht die 12. Klasse eines beruflichen Gymnasiums, wie geht er nun am geschicktesten vor? An Einnahmen hat er nur einen 400€-Job und evtl. das Kindergeld, das er auf sein eigenes Konto überweisen lassen will, wenn er ausgezogen ist.

Steht ihm BAföG, Wohngeld oder sonst irgendetwas zu? Ich meine gelesen zu haben, dass er BAföG bekommt, wenn er nicht mehr zu Hause wohnt. Die Behörden verweisen dann zwar manchmal darauf, dass man zu Hause wohnen soll, falls der Ausbildungsort in der Nähe ist, aber hier liegt ja häusliche Gewalt vor, er lebt quasi in ständiger Angst vor seinem Bruder. Welche Einrichtungen helfen einem bei so etwas weiter? Gerade in Sachen Wohnungssuche, Schriftverkehr mit Behörden, etc...

Ich will ihm unbedingt so gut es geht helfen, damit er da rauskommt.

Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe!
 
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Wie alt ist Dein "Kumpel"?

Solange er noch nicht über 21 ist, ist das Jugendamt immer einen Versuch wert, gerade in Anbetracht der Situation.

VG
 
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Da sollte man mal das Jugendamt befragen, die sind für sowas zuständig. Unterhalt müssen Vater und Mutter zahlen, wenn er zuhause auszieht, die sind dazu im Rahmen ihrer Möglichkeiten
verpflichtet. Die Schule hat doch bestimmt auch einen Ansprechpartner, an den er sich wenden kann, die haben doch mit sowas auch ihre Erfahrungen, er wird ja wohl nicht der Erste sein, der von sowas betroffen ist.
 
Wieso "Kumpel" in Anführungszeichen? Soll das ne Anspielung sein, dass es da um mich geht? :D So verzweifelt bin ich nicht, dass ich mich als Kumpel ausgeben würde, wenn ich selbst in der Situation wäre. Er ist 19 Jahre alt. Ich habe ihm auch erst geraten, seinen Bruder anzuzeigen und auf Schmerzensgeld zu verklagen, aber er hat da Gewissenskonflikte, so rigoros gegen ihn vorzugehen.
In der Schule hat er schon mit dem Vertrauenslehrer geredet, aber der konnte ihm nicht so wirklich weiterhelfen. Hat lediglich gesagt, dass er sich mal an ein Wohnheim wenden soll.
 
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So wie sich das anhört sollte er seinen Bruder schon allein anzeigen, um den Bruder vor sich selbst zu schützen!
Sowas ist keine normale Häusliche Gewalt mehr und kann ernsthafte Konsequenzen für den Bruder haben, denn wenn er schon zuhause ausrastet möchte ich nicht wissen was passiert wenn der in freier Wildbahn unterwegs ist.
Will er das sein Bruder irgendwann im Knast landet? Dann kann er natürlich einfach ausziehen, ohne etwas zu unternehmen. (Man kann übrigens auch Anonym anzeigen und/oder als der Familie nahestehender ;) )

Wenn er in der Ausbildung/ Schule ist, sind die Eltern verpflichtet für ihn aufzukommen bis er 28 ist (oder war es 27?)
Wenn die das nicht leisten können, treten andere Stellen ein!
Aber die ersten Anlaufstellen sind da Familienhilfeeinrichtungen wie Diakonie Sozialstationen usw., da gibt es in fast jeder Stadt Beratungsstellen die sich da garantiert besser auskennen als (fast) alle hier, unbürokratisch und für gewöhnlich kostenlos sind!
 
Er kann ja mal versuchen besser als der Bruder zu kämpfen ;D Das mein ich sogar so.
 
Mit Unterstützung wegen häuslicher Gewalt wird das aber nix wenn die nicht auch nachgewiesen wird -> Anzeige gegen Bruder und ggf. Konsequenzen für ebenjenen (Jugendstrafe o.ä,).

Mit mehr als dem "üblichen" (=BAFöG je nachdem wie viel die Eltern verdienen + Kindergeld + Job) kann er wohl nicht rechnen.

Ich würde aber eher mal mit der Mutter reden oder ggf. wirklich mal zum Jugendamt/Polizei. Wer sich nicht bremsen kann muss halt die Konsequenzen tragen, ganz besonders wenns nicht das erste mal war.

Jetzt wars "nur" der Bruder, wenn er das bei ijemand anderem macht gehts richtig lange ins Kittchen, inkl. aller Annehmlichkeiten. ;)

Gruß
g.
 
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Du willst das zwar nicht hören, aber:

http://dejure.org/gesetze/StGB/224.html

Man beachte die Mindestangabe einer Strafe - d.h. meines Wissens, dass die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Eine Rolle dürfte hier spielen, ob der gewalttätige Bruder minderjährig ist oder nicht.

Die Eltern machen sich außerdem durch nichts-tun vorsätzlich strafbar. Ist dein Kumpel nicht volljährig oder war es zum Zeitpunkt der Misshandlungen nicht, so verletzen die Eltern außerdem ihre Sorgfaltspflicht und gefährenden wissentlich seine persönliche Entwicklung. Die Folgen können sehr schwerwiegend sein, Entwicklung einer psychischen Störung bishin zu ernsthaften Depressionen. In diesem Fall ist der Bruder auch wegen §226 StGB strafbar.

Nochmal zum Wachrütteln: Das ist keine häusliche Gewalt, sondern eine schwere Straftat! Auch Du kannst die Anzeige stellen! Denk mal drüber nach, warum wohl keine Bewährung möglich ist und eine Verjährung von 10 Jahren (-> entspricht der Höchtstrafe) vorgesehen ist. Er muss dort auf jeden Fall raus - insbesondere weil die Eltern es dulden. Wenn du ihm wirklich helfen willst, geh mit ihm zur Polizei und zum Jugendamt. Jetzt. Der Nachweis dürfte bei den beigebrachten Verletzungen und dem notwendigen Arztbesuch wohl kein Problem sein.

Im Übrigen wird er z.B. beim Beantragen von Wohngeld oder Ausbildungsbeihilfe später belegen müssen, warum er nicht zuhause wohnt - insbesondere wenn das Wohnen bei den Eltern aufgrund der Entfernung noch möglich ist, gibt es ohne weitere Gründe kein Geld. Unterhalt müssen sie zahlen und das Kindergeld herausgeben, aber das muss notfalls erstritten werden. Außerdem dürfte der Besuch eines Psychologen bei so einem Trauma und der ständigen Angst äußerst sinnvoll sein.
 
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Sein Bruder müsste vor mehreren Wochen 18 geworden sein, bin mir aber nicht 100%ig sicher.
Ja, der ist auch schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Mehrere Male saß er in der Ausnüchterungszelle und letztens treffe ich ihn am Bahnhof und er erzählt mir ganz stolz, dass er auf der Kirmes GRUNDLOS festgenommen wurde. Ist dem völlig egal.
Nach dem ersten Ausraster und Angriff auf meinen Kumpel wurde er auch schon für 3 Tage in die Psychatrie gesteckt, ist dann aber wieder herausgekommen.
Wenn er nüchtern ist, dann kommen sie schon miteinander aus, aber wenn er besoffen ist, verliert der völlig die Kontrolle über sein Handeln.

Ich werde ihm mal die Posts nahelegen und anbieten, zusammen zur Polizei/Jugendamt/Diakonie etc. zu gehen.:)
Auf jeden Fall vielen Dank für eure Mithilfe!:)
 
Ah okay, das ist gut, wenn die Eltern was unternommen haben. Der Bruder braucht sicherlich auch Hilfe, denn von alleine kommt sowas ja nicht. Ob ein Alkoholverbot hilft, wage ich zu bezweifeln - das wird der Bruder vermutlich eh nur umgehen.

Dein Kumpel kann auf jeden Fall auch bei Gewaltberatungshotlines anrufen - die sind eigentlich alle kostenlos oder haben eine Festnetznummer (kein Gebührenmist). Da sind vor allem Leute, die sich damit auskennen und ihm bei seinen weiteren Schritten helfen können. Die Flucht nach vorne würde es für ihn zumindest erstmal besser machen, aber letztendlich wird er sich der Situation und seinem Bruder und der damit verbundenen Angst ja doch wieder stellen müssen.
 

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