Biologiestudium - nachher wirklich fast nur vagabunde Arbeitsplätze?

M

Müs Lee

Gast
Ahoi.

Meine Freundin studiert momentan Medizin im ersten Semester. Ihr gefällt der Stoff, aber sie hat ihre Zweifel, ob Ärztin wirklich ihr Traumberuf ist. Ehrlich gesagt sehe ich sie auch nicht als Ärztin, weil sie meiner Meinung nach nicht fähig ist, die nötige Distanz zum Patienten aufzubauen. Dazu ist sie manchmal recht tollpatschig und würde im Fall einer Klage wohl sofort in die Knie gehen. Und sie kann kein Blut oder aufgedrückte Pickel sehen, was ja schon vielversprechend ist...

Es gibt zwei Alternativen zum Medizinstudium, die ihr ebenfalls sehr (mehr) zusagen würden: Biologie und Physik.

Mit einem Physikstudium wäre sie nachher auf jeden Fall finanziell abgesichert. Banken, Versicherungen, Ingenieursbüros würden sie für allerhand Berechnungen haben wollen. Sie liebt Physik, aber möchte nachher keinen Chef vor der Nase haben (ist als Ärztin in einem Krankenhaus allerdings auch der Fall).

Biologie liebt sie auch sehr, aber angeblich gibt es in diesem Bereich fast nur befristete Arbeitsplätze (außer Lehramt) im Forschungsbereich und man müsste oft den Standort wechseln, sobald der Vertrag ausläuft. Stimmt das denn?
 
Sie ist im ersten(!) Semester.
Was glaubst du wie sich Menschen im Laufe des Studiums verändern ;)
 
Na bitte ermutige deine Freundin doch, dass sie sich noch ein paar Monate lange Medizin "ansieht". Man kann doch nicht nach ~6 Wochen im Studium das Handtuch werfen. (ob hier vorgeschobene oder tatsächliche Gründe angeführt werden, interessiert nicht)

Sie wird schon noch ein rechtzeitigt genug ein paar Eindrücke gewinnen.
 
Müs Lee schrieb:
Und sie kann kein Blut oder aufgedrückte Pickel sehen, was ja schon vielversprechend ist...
Wenn man sowas weiß, warum fängt man dann an Medizin studieren? Kommt mir nicht ganz in den Sinn.

Müs Lee schrieb:
aber möchte nachher keinen Chef vor der Nase haben
In den meisten Berufen wirst du einen Chef vor der Nase haben, außer du bist selber extrem gut. Oder man macht sich selbstständig, dann ist man sein eigener Chef ;)


btw. Wenn man Bio studiert, kommt es drauf an, welche Richtung man einschlagen möchte. Aber generell sehen die Berufsaussichten nicht mehr ganz so rosig aus, zumal man im Life Science bereich mit den darauf zugeschneiderten Studiengänger als Absolvent konkurriert.
 
@ Siffy: Das habe ich sie auch mehrfach gefragt. Die Antwort war immer, dass sie sich schon dran gewöhne, aber naja... Als Arzt hat man immerhin die nicht unwahrscheinliche Gelegenheit, eine eigene Praxis zu eröffnen.

@ Benzer: Wie kann man sich denn als Physiker selbstständig machen?

@ Laus: Weil ihr beides nicht so sehr gefällt.

@ TalBar: Ja, und wie viele von den Erstis werfen schnell das Handtuch? ;) Klar kann man sich verändern, aber wenn es nicht klappt, sollte man Optionen haben.

@ Sherman123: Tue ich ja, aber wie gesagt: Optionen in der Hand zu haben ist manchmal Gold wert. Klar unterstütze ich sie, da sie endlich ihr Traumfach studiert. Allerdings ist sie etwas enttäuscht, da sie erwartet hatte, dass es nicht so viel zum Auswendiglernen gäbe, sondern es eher um Verständnis ginge. Ausserdem hat ihr irgendein Depp weisgemacht, dass man für Medizin kein Latein mehr benötige und es deshalb nicht in der Schule belegt :rolleyes:. Nun hat sie hart damit zu kämpfen.
 
Müs Lee schrieb:
@ Siffy: Das habe ich sie auch mehrfach gefragt. Die Antwort war immer, dass sie sich schon dran gewöhne, aber naja... Als Arzt hat man immerhin die nicht unwahrscheinliche Gelegenheit, eine eigene Praxis zu eröffnen.
Eigene Praxis? Dafür brauchst du kapital, oder man hat das glück und kann eine praxis übernehmen oder partner in einer werden, das erfordert aber auch kapital.

Müs Lee schrieb:
Allerdings ist sie etwas enttäuscht, da sie erwartet hatte, dass es nicht so viel zum Auswendiglernen gäbe, sondern es eher um Verständnis ginge. Ausserdem hat ihr irgendein Depp weisgemacht, dass man für Medizin kein Latein mehr benötige und es deshalb nicht in der Schule belegt :rolleyes:. Nun hat sie hart damit zu kämpfen.
Medizin ist das reine auswendiglern fach, wer hat ihr denn da bitte anderes zeugs erzählt? Man lernt nen ganzes buch an einem We auswendig zu lernen. und latein, kommt drauf an, ist hilfreich, aber man muss es nicht mehr nachweisen. Und zum studieren gehört eigentlich immer auswendig zu lernen, sehr sehr wenig kommt übers verstehen, vorallem anfang. Vorallem bei biologie, klar wird es vom pensum her weniger sein, aber wenn sie sich für klassische biologie entscheiden sollte, dann wird ihr latein auch mehr als genug begegnen ;) Mir wurde auch schon ein medizinsches wörterbuch von einem prof ans herz gelegt und es ging um tierzucht ;)
 
Naja das mit dem Auswendiglernen kommt halt auch auf das Fach an. Aber ja, vorallem die ersten Semester muss man sich meistens möglichst viel Stoff reinprügeln. Egal wo.
 
@Müs Lee:
Was wird denn unter "Liebe zur Physik" verstanden? So wie ich es interpretiere sollte da eher "Interesse an Schulphysik" stehen da sie wohl kaum weiss was Physik ist - ganz geschweige denn was es heisst Physik zu lieben. Bevor auch nur der geringste Gedanken an einen Wechsel in ein der Medizin diametral entgegengesetztes Studium verschwendet wird soll sie sich bewusst werden dass Physik studieren nicht dasselbe ist wie auf Mittelschulstufe Schulphysik zu lernen. Dasselbe gilt auch für die Mathematik die Hand in Hand mit der Physik geht wesentlicher Bestandteil des Studiums ist.
Ich kann bei Interesse durchaus etwas beisteuern wenn es um gewisse Fragen bezüglich dem Physikstudium oder den beruflichen Tätigkeiten nach dem Studium geht, da die Vorstellungen die ich zwischen die Zeilen interpretiere etwas ungenau und teilweise falsch erscheinen. Aber dafür müssten einige Vorleistungen gebracht werden um ehrliches Interesse nachzuweisen.

@Siffy:
Siffy schrieb:
Und zum studieren gehört eigentlich immer auswendig zu lernen, sehr sehr wenig kommt übers verstehen, vorallem anfang.

Ich habe nie gross auswendig gelernt in meinem fortgeschrittenen Physikstudium - selbst für die mündliche Klausur über eine zweisemestrige Vorlesung waren nur punktuell Dinge auswendig zu lernen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Also zunächst sei anzumerken, dass das Eröffnen einer eigenen Praxis nicht so trivial ist. Ich kenne privat 3 Fälle, die alle in eine Verschuldung von weit etwa EUR 100.000,- gingen.

Da musste erstmal 10 Jahre gearbeitet werden, bevor nur der Kredit abgezahlt war. Bis man also tatsächlich anfängt Geld zu verdienen, waren die Personen schonmal Ende 30 alt...
Man kann auch Glück haben und die Nachfolge übernehmen, da muss man aber ggf. sehr flexibel sein was den Arbeitsort betrifft.

Aber, man weiss nie was die Zukunft bringt, deshalb sollte man das studieren was einen interessiert und nicht nur auf eventuelle Berufschancen achten.
Als Mediziner muss man übrigens nicht zwingend als Arzt arbeiten. Es gibt auch unzählige Stellen in der Forschung, Verwaltung, Management, etc. in der Pharma-Branche.

Deine Freundin sollte allerdings bedenken, dass sie früh genug noch mit der harten Realität des Medizin-Studiums in Kontakt kommt.
Da wird dann irgendwann auch die erste menschliche Leiche auf dem Seziertisch bearbeitet werden müssen.
Wenn Sie dort also massive Bedenken hat, macht es vielleicht Sinn sich frühzeitig um einen anderen Studiengang umzuschauen. Umso weniger Zeit geht dann verloren, bis dahin erbrachte Studienleistungen (z.B. Mathe, Bio, etc.) werden ja oftmals angerechnet.
 
@ Robin: Der Präparierkurs folgt in einer oder zwei Wochen. Mal sehen, wie sie sich schlagen wird.

@ lalas: Danke für die Infos. Massive Bedenken sind es nicht, aber man hat seine Zweifel.

@ dOM89DoM: Wir haben einen Bekannten, der im ersten Semester Physik studiert. Sie könnte sich bei ihm mal den Stoff ansehen. Da wir beide aus Luxemburg stammen, haben uns unsere Schulen ziemlich gut ausgebildet. Ich habe mal auf die Schnelle den Stoff eines Physikstudiums gegooglet:

http://www.physik.lmu.de/studium/studiengaenge/diplom_physik/index.html#studienaufbau

Ausgehend hiervon kennt sie bereits (nicht vollständig, aber große Teile davon):

Physik 1, Analysis 1, lineare Algebra, Chemie, Physik 2, Analysis 2, Physik 3, Analysis 3, Atom- und Molekülphysik, ev. ein wenig Quantenmechanik, Kern- und Molekülphysik.

Wie gesagt, auf der wissenschaftlichen Sektion unserer Schulen wird man gut vorbereitet. Sicherlich nicht so im Detail wie an der Uni, dennoch ist das Programm gefüllt. Es bleibt nicht beim schiefen Wurf ;). Für Absolventen dieser Sektion ist Physik und Maschinenbau die ersten zwei Semester lang fast nur Wiederholung.
 
@Müs Lee:
Müs Lee schrieb:
Ausgehend hiervon kennt sie bereits (nicht vollständig, aber große Teile davon):
Physik 1, Analysis 1, lineare Algebra, Chemie, Physik 2, Analysis 2, Physik 3, Analysis 3, Atom- und Molekülphysik, ev. ein wenig Quantenmechanik, Kern- und Molekülphysik.

Das mit dem "grosse Teile" kann ich nicht glauben - lass dich von der Liste nicht blenden. Ich nehme es dir nicht übel, aber ich bestehe noch einmal darauf dass das was an der Schule gelehrt wird sich in Tiefgang und Geschwindigkeit deutlich unterscheidet. Und selbst wenn die Schule ordentlich war wird es im Vergleich zu einer ordentlichen Universität bestenfalls oberflächlich erscheinen (ganz geschweige denn davon dass in der Schule teilweise einfach Dinge unter dem Preis verkauft werden). Wenn ich ehrlich bin kann man an der Schule nicht einmal die klassische Mechanik richtig behandeln da man schlicht und einfach die benötigten mathematischen Werkzeuge nicht hat.
 
Müs Lee schrieb:
Physik 1, Analysis 1, lineare Algebra, Chemie, Physik 2, Analysis 2, Physik 3, Analysis 3, Atom- und Molekülphysik, ev. ein wenig Quantenmechanik, Kern- und Molekülphysik

Wenn ich sehe, wie viele Kommilitonen (mich eingeschloßen) sich alleine an der Analysis die Zähne ausbeißen, fällt es mir schwer zu glauben, dass deine Freundin diese nach dem Besuch eines Gymnasium im Schlaf beherrscht. ;)

Sicher, ich habe auch vorher in der Schule Folgen, Reihen, Funktionen usw. behandelt. Aber das war nur stumpfes Auswendig lernen von Formeln. Von Konvergenz, l'Hospital, Quotientenregel, Majorantenkriterium, etc hatte ich trotzdem nie gehört.

Glaub mir, auch wenn die Themen die selben Namen haben, unterscheidet sich das Thema im Hochschulbereich zu 90% von dem Schulthema. Einzig allein in der Differentialrechnung erkenne ich im Moment ein kleines bisschen mein Schulmathematik wieder. :)
 
Ich wiederhole mich noch mal: Für luxemburgische Gymnasialabsolventen der wissenschaftlichen Sektion sind Maschinenbau, Physik, Bio, Mathe das erste Semester (manchmal auch das zweite) zum größten Teil Wiederholung. Glaubt es oder nicht ;). So wenig, wie die Universität mit der Schule zu vergleichen ist, ist das deutsche Schulsystem mit dem luxemburgischen Pendant vergleichbar, da bei uns einfach viel mehr Stoff vermittelt wird und die Abschlussexamen schwieriger sind. Und ja, ich rede aus Erfahrung.

Ich will nicht sagen, dass sie schon alles gesehen hat, was im Physikstudium vermittelt wird, aber wenn ich so höre, was bei euch in Physik LK so durchgekaut wird... Naja. In Mathe oder Bio sieht es auch nicht besser aus. Ich will nicht überheblich klingen, aber wenn man solche Dinge hört wie "Öäh, ich musste fürs Abi ganze zwei Tage lernen! Boah, das war so krass!", dann denke ich mir besser meinen Teil (im Übrigen wäre die Bestnote im luxemburgischen Punktesystem eine -0.5 eures Systems wert). Wenn man die Ableitungen kurz angekratzt hat und nicht mal die Kettenregel kennt, dann ist der Abschluss einfach nichts wert. Alles von p64y genannte wird bei uns gelehrt. Nebst genügend Trigonometrie, Matrizen, komplexen Zahlen, Logarithmen, Limes, Asymptoten, Konvergenz, Divergenz, Ableitung, Integration, Differentialgleichungen, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Kombinatorik, Analysis in Ebene und Raum und das alles noch in Kombination mit der Texas Instruments Voyage 200. Das wäre dann zum größten Teil Stoff des Abschlussjahres. Neben Physik, welche etwas mehr als das 300-seitige Skript für Maschinenbauer der FH Aachen beinhaltet (also mehr als genug, aber immerhin auf 3 Jahre verteilt), Biologie, Chemie, Wirtschaftswissenschaften, Geschichte, Deutsch, Englisch, Französisch. Zu allem ein schriftliches Examen und noch zwei mündliche.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Vergleichst du den Anspruch der Bundesländer in Deutschland wirst du auch große Unterschiede erkennen können. Dennoch sind die Abiturienten in der Studienvergabe gleichgestellt, unabhängig vom Bundesland. Von daher kannst du nicht wirklich sagen "als das deutsche Schulsystem". Wir reden hier schließlich von mehr als einem. ;)
 
Müs Lee schrieb:
... das alles noch in Kombination mit der Texas Instruments Voyage 200.

Ganz ehrlich: Der größte Humbug den sich die Bildungswissenschaftler ausgedacht haben ist mir graphischen Taschenrechnern zu arbeiten. In Deutschland gibt es auch einige Schulen die Damit arbeiten. Dummerweise gehen dabei so kenntnisse verloren wie Bruchrechnenung und quadratisches Ergänzen. Bei uns ander Uni wird im Einstiegstest gerne die Frage:
Was ist größer 1000^100 oder 100^1000? gestellt. Wird auch schlecht beantwortet da durch die Taschenrechner einfach das Gefühl für Zahlen fehlt.

Nun aber noch Fragen zum Schulsystem in Lux (kann ja sein, dass es wirklich besser ist. dann will ich nichts gesagt haben :) )
Habt ihr Beweise an der Schule gemacht? Also richtige Beweise mit Epsilons und Deltas (in der Analysis)
Was für Differentialgleichungen habt ihr behandelt und lernt man den Satz von Picard-Lindelöf?
 
@ Robin.: Ich habe mich mit Absolventen aus NRW (schlimm), RP und BW darüber unterhalten.

@ Quickbeam2k1: Unter Anderem deswegen flog die V200 auch aus dem Programm. Das Ding war übelst veraltet, lahm, teuer und nahezu unnütz. Wobei ich anmerken muss, dass es jeweils zwei Teile (und Examen) in der Mathe zu je einem Thema gab - mit und ohne V200.

Und ja, es wird für jeden Quatsch ein Beweis aufgestellt, welcher in der Klausur meistens auch aufgestellt werden muss.

Differentialrechnung... Limes, Asymptoten, Ableitung sowieso, definierte und undefinierte Integrale, Nullstellen an den Achsen, Hornerschema, Konkavität/Konvexität an f’’, lokale/absolute Maxima/Minima, Tangenten, Variationentabellen/Zeichentabellen, Definitionsbereich, Rotationen der Funktion um eine Achse... Ich habe bestimmt noch was vergessen, aber das von dir genannte Verfahren war eher nicht dabei. Spezifische Methoden übernehmen wir eher aus dem französischen Bereich (siehe Diskriminant Delta vs. pq-Formel zum Berechnen von Nullstellen quadratischer Polynome), da unsere Fächer (ausser Sprachen natürlich) auf Franzmännisch unterrichtet werden.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Zurück
Oben