@ Beitrag # 1896 von MountWalker:
(...)während du dich an dieser Stelle jetzt mit einem hochtrabenden Gedanenkonstrukt rechtfertigen würdest(...)
Rechtfertigen muss ich mich nicht

. Im Übrigen hast Du gar nicht Unrecht, wenn Du so willst, könntest Du es als "Rache" bezeichnen. Ich ziehe den Begriff der Genugtuung vor.
Und ja, ich bin der festen Überzeugung, dass ein Opfer einer Straftat das Recht hat, vom Staat eine Genugtuung zu erhalten. Erhält es dies nicht, ist der Weg zur Selbstjustiz eröffnet, was das bedeutet, habe ich bereits oben dargestellt.
Da Du der Ansicht bist, dass der Staat nicht zu milde mit Straftätern umgeht, habe ich ein Beispiel für Dich, welches wirklich passiert ist; ich habe es mir nicht ausgedacht:
Schuldspruch in erster Instanz von lediglich
neun Jahren Haft für jemanden, der folgende Tat der Kindesmisshandlung
(6 Jahre alte Tochter) begangen hat (Zitat aus BGH-Ureil):
b) Im Einzelnen führte der Angeklagte zwischen dem 28. Oktober und 28. November 2005 folgende Handlungen aus, wobei er aus gefühlloser und fremdes Leiden missachtender Gesinnung seiner Tochter Schmerzen zufügen wollte:
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(II. 1. der Urteilsgründe) Mit Händen und einem Badeschuh schlug er so häufig auf das nackte Gesäß M. s ein, dass die Haut an mehreren Stellen aufplatzte und blutete.
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(II. 2.) Mit einem harten, länglichen Gegenstand schlug er auf die Hände seiner Tochter, wodurch diese stark anschwollen. Schließlich biss er ihr kräftig in die linke Hand, so dass eine später vereiterte Fleischwunde entstand.
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(III. 3. - 5.) In drei Fällen duschte er die nackte M. mit kaltem Wasser ab und sperrte sie ungeschützt, der kalten Witterung ausgesetzt, für mindestens jeweils 30 Minuten auf den Balkon, wobei er sie zwischendurch noch mit kaltem Wasser begoss. In einem Fall fasste er ihr anschließend an die Schamlippen und verdrehte diese, um ihr besondere Schmerzen zu bereiten und sie zu demütigen. In zwei Fällen versetzte er ihr mehrere Faustschläge in den Unterbauch.
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(II. 6.) Er hob M. an den Haaren hoch, ließ sie auf den Fußboden fallen und versetzte ihr mehrere Schläge mit dem Ellenbogen gegen den Kopf.
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(II. 7. und 8.) Nachdem M. Schreibübungen an zwei aufeinander folgenden Tagen nicht zu seiner Zufriedenheit erledigen konnte, bestimmte er sie jeweils dazu, eine Tasse mit heißer Flüssigkeit über mehrere Minuten auf dem Kopf zu balancieren. Infolge der Druck- und Hitzeeinwirkung starb das Kopfgewebe auf einer Fläche von 15 Zentimetern Durchmesser. Die Wunde infizierte sich, und es kam zur Eiterbildung zwischen Schädel und Kopfhaut; bei ungehinderter Entwicklung hätte diese Verletzung zum Tod geführt.
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(II. 9. - 31.) In 23 Fällen schlug der Angeklagte kräftig, wahllos und teilweise auch mehrfach auf seine Tochter ein, wodurch diese zahlreiche, teilweise großflächige Hämatome und Hautverfärbungen, Rötungen, Schwellungen, Vernarbungen, Einblutungen der Augen und Vereiterungen erlitt.
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(II. 32.) Er fesselte die Hände seiner auf dem Boden liegenden Tochter eine ganze Nacht hindurch mit Handschellen an das Bein eines Sofas und band ihre Beine an einem Tisch fest.
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(II. 33.) Mehrere Tage vor dem 28. November 2005 gab der Angeklagte in Kenntnis des durch die mangelhafte Versorgung und die zahlreichen Verletzungen schlechten und ausgezehrten Zustands seiner Tochter ihr nichts mehr zu essen und zu trinken, um ihr weitere Leiden zuzufügen. Dadurch verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand dramatisch, sie konnte sich nicht mehr ihre Schlafanzughose anziehen und später nicht mehr alleine stehen. Der Angeklagte erkannte, dass sich M. in schwerer, ihr Leben beeinträchtigender Gefahr befand, wenn er ihr weiterhin Nahrung und Getränke versagen würde. Dennoch bestimmte er, dass sie weder etwas zu essen noch etwas zu trinken bekam; dadurch litt das Mädchen ständig großen Hunger und Durst.
Quelle:
http://www.hrr-strafrecht.de/hrr/5/07/5-92-07.php
Dies ist ein Direktzitat aus dem BGH-Urteil.
Mir geht es nicht um die juristischen Feinheiten in diesem Fall, auch nicht darum, dass dieses Urteil der ersten Instanz aufgehoben wurde - es geht darum, wie Gerichte im allgemeinen entscheiden und auch darum, ob Sühne nun angemessen ist oder nicht:
Von der Person, die diese Taten begangen hat, sind aller Wahrscheinlichkeit nach keine weiteren Straftaten zu erwarten. Wenn Du weiterhin der Ansicht bist, dass solche Personen - und das gilt auch für weit weniger schwere Fälle (ich könnte noch eine ganze Menge davon zitieren) - das Recht haben sollen, dass sie lediglich "gebessert" werden sollen, dann muss ich das akzeptieren. Meine Meinung ist, dass die Schuld des Angeklagten so schwer wiegt, dass hier nur eine lebenslange Freiheitsstrafe das Resultat sein darf (im Prinzip auch mit anschließender Sicherungsverwahrung). Und das auch dann, wenn ihm 100 Psychologen attestieren, dass er das Unrecht seiner Tat eingesehen hat und nie wieder so handeln würde. Ein solcher Mensch hat sein Recht auf Freiheit auf Dauer verwirkt. Soviel zum Punkt der Sühne.
MfG,
Dominion.