Discount Müdigkeit ?

Ich denke wir haben, auch abseits der Lebensmittelproduktion, eh nen gewaltigen Dachschaden und bekommen dafür irgendwann mal die Rechnung auf den Tisch geknallt. Ich versuche gerade meinen Lebenswandel mehr und mehr in die "haltbare" Richtung zu drehen, was sich aber ziemlich schwer gestaltet. Angefangen habe ich bei der Grundernährung, weiter geht´s beim Konsum (fair trade etc. ...). Mal sehen wie sich das noch alles vor mir ausbreitet auf Dauer. Unsere Energieverschwendung ist ja auch mehr als irrsinnig.

Wenn X mal zu teuer wird, dann konsumiert man eben weniger davon. Anscheinend fällt einem aber dabei ein Ei aus der Hose, sagt mir zumindest der Großteil der Gesellschaft um mich herum ... glaub ich habe noch beide. ;) Ist nicht so schlimm, wie viele tun.

@Neon:
Du haust aber auch ziemlich forsch auf den Tisch. Bist du dir echt so sicher, wie du tust?


sunset_rider schrieb:
Nächster erstaunlicher Punkt ist, dass die Angestellten da - wie ich unter der Hand hörte - durchaus fair entlohnt werden. Natürlich kein Topgehalt, aber auch kein Hartz IV Lohn mit Überwachung etc..

Richtig, auch darum geht es. Es geht darum, dass alle was davon haben. Nicht ob Fleisch für 2 oder 5 Euro besser oder gleich schmeckt - das ist extrem kurzsichtig gedacht, im Volksmund: dumm.
 
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Ja, aber wie woher willst du denn wissen, ob die Preise jetzt unfair sind? Es ist ja nicht ohne Grund, dass man vorwiegend in der Lebensmittelbranche faire Preise will. Es geht da wieder um Eigeninteressen, also ob das Fleisch ok ist oder ob der Hersteller aus Kostengründen bei irgendwas schummeln musste. Vielleicht ist es ja auch die romantische Vorstellung, dass Kleinbauer oder kleiner Laden erhaltenswert sind.

Was mit der Automobilindustrie? Den Möbelherstellern, den Herstellern von Zement, Filmemachern oder Fassbindern? Es gibt 1000 Möglichkeiten sein Geld auszugeben und bei den meisten interessiert es einen doch nicht die Bohne, ob die Preise "fair" sind oder nicht.

Man muss einfach akzeptieren, dass wir alle unterschiedliche Preisvorstellungen haben und damit hat es sich auch. Dann regt man sich auch nicht mehr über das reiche Ehepaar auf, dass den Milchpreis im Auge hat. Um wieder auf die erste Frage zurückzukommen - wie soll man einen unfairen von einem fairen Preis unterscheiden? Wenn wir Konsumenten uns irrational verhalten und gerne höhere Preise für ein Produkt ausgeben, zahlt man halt 2,50€ für ein paar Tabletten, die in Herstellung/Vertrieb 50ct kosten. Oder dann gibt man dem Fairtrade-Laden die Kneten in die Hand und wundert sich, dass der 80% dieser Zusatzeinnahmen in die eigene Tasche steckt und 20% davon medienwirksam an seine Produzenten verteilt ;)
 
Das stimmt alles, aber man kann immerhin versuchen, sich ein Bild zu machen. Dass die Angestellten bei Discounter X abgezockt werden, damit man weiterhin mit Centprodukten Millionenumsätze machen kann, sollte kein Geheimnis sein.

Sicher kann man sich nie sein - aber einfach den Kopf in den Sand stecken und sagen:"Ist eh alles schlimm, was soll ich als Einzelner tun, fahr ich halt auf der Egoschiene weiter" kanns ja irgendwo auch nicht sein. =/ In diesem Falle könnten wir alle positiven Errungenschaften wie Qualitätssicherungen, Industriestandards, etc. ... gleich wieder abschaffen - macht ja angeblich eh jeder was er will ... was eben nicht stimmt.

Das Einkaufen von "anständigem" Fleisch hat auch nichts mit Kleinbauernromantik oder Gutmenschentum, sondern mit artgerechter Haltung zu tun - zumindest in meinem Falle.
 
Hatte da mal vor 2 Jahren Erlebnis, wo ich stinkreiches Ehepaar dort sah, die ich vom Golfclub kannte. (Bin da durch Studentenjob rangekommen.)
Ich war kurz davor denen was zu husten, ließ es dann aber bleiben.

Andere Szenen sind die (nicht mit dem Ehepaar), in denen sich Leute drüber beschweren, dass der Liter Milch 5 Cent mehr kostet und dann mit ihrem 2-Rad Geländewagen wegfahren. So bescheuert möchte ich auch mal sein...

Hmpf, das geht dich gar nix an. Jeder kann sein Geld ausgeben wofür er will.
Weißt du für was die ihr Geld sonst ausgeben? Vielleicht spenden die auch regelmäßig mehrere 100€ für wohltätige Zwecke, Reisen viel und investieren so in die regionale Wirtschaft und/oder what ever. Jaja diese stinkreiche Gesellschaft spendet auch mal eben an einem Abend oder ner Geburtstagsfeier mehrere (Zehn-)Tausend Euro für Kinderheime, Schulen, Tierheime zusammen.
Dann sollen se doch ruhig sonst sparen. Aber naja es gibt ja immer was zum draufrumhacken.

Dieses "Gut-Menschen-tun" und über andere Urteilen ist schon was feines. Vor allem über die Bonzen...

Nächster erstaunlicher Punkt ist, dass die Angestellten da - wie ich unter der Hand hörte - durchaus fair entlohnt werden. Natürlich kein Topgehalt, aber auch kein Hartz IV Lohn mit Überwachung etc..

Na das ist doch fein. Andererseits sind so Hartz-4 Löhne mit Überwachung in anderen Läden nun auch nicht der Weltuntergang. Lieber nen Scheiß-Job als gar keinen Job.
Die "bösen" Unternehmer könnten auch so richtig "asi" werden.
Ich wage mal zu behaupten das gut 25-50% (wenn nicht mehr) dieser Arbeiten auch maschinell gemacht werden könnten...

Du haust aber auch ziemlich forsch auf den Tisch. Bist du dir echt so sicher, wie du tust?

Per se schon, aber was speziell meinst du? Ich hau lieber harte Aussagen raus, als um den heißen Brei zu reden und dabei vielleicht die eigentlichen Umstände zu übergehen.
 
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Die "bösen" Unternehmer könnten auch so richtig "asi" werden.
Ich wage mal zu behaupten das gut 25-50% (wenn nicht mehr) dieser Arbeiten auch maschinell gemacht werden könnten...

Das ist ein trauriger Gedanke. Von was bist DU den abhängig? Das ist denke ich das Kik-Problem...

Jaja diese stinkreiche Gesellschaft spendet auch mal eben an einem Abend oder ner Geburtstagsfeier mehrere (Zehn-)Tausend Euro für Kinderheime, Schulen, Tierheime zusammen.

Was hätte denn diese spendable Familie mit +100 EUR von der Spende in deinen Augen? Ehre und Ansehen? Warum konnte das denn dann nicht so berichtet werden? Denke mal bitte was. Ablasshandel gibts übrigens nicht in Deutschland.

EDIT:
...! aber das geht mal wieder OT !...
 
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<NeoN> schrieb:
Dieses "Gut-Menschen-tun" und über andere Urteilen ist schon was feines. Vor allem über die Bonzen...

Das war eher ein Urteil inter pares, wenn Du verstehst. Das waren keine Millionäre, aber kleine Aufsteiger, die in die Vorstadt gezogen sind. Wenn jemand gut verdient, sich teure Hobbys und Luxus leisten kann, aber nicht bereit ist, dem Bauern ein paar Kilometer weiter fairen Betrag für seine Ware zu zahlen, die er sowieso schon hinterhergeworfen bekommt, finde ich das nicht normal. Das ist ein Homo Novus Gehabe, dass kein wirklich Wohlhabender an den Tag legt, sondern primitiv. Ein wirklicher Bonze wird kaum über 10 Cent mäkeln, weil es für ihn kein Geld im eigentlichen Sinne mehr darstellt. Der würde sich ja blamieren.
Kein Mensch mit gutem Einkommen kann so viel Milch trinken, dass es ihm finanziell auffiele, ob Liter Milch nun 59 Cent oder doch 69 Cent kostet.
Ich weite es mal aus: Außer Bedürftigen (Hartz IV Familien etc.) darf sich darüber eigentlich gar keiner beschweren.
 
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Das ist ein trauriger Gedanke. Von was bist DU den abhängig? Das ist denke ich das Kik-Problem.
Da ich mich im Studium befinde von meinen Eltern. Jep definitiv eine traurige Idee, aber durchaus denkbar und wohl leider auch absehbar, dass es irgendwann so kommen wird.

Was hätte denn diese spendable Familie mit +100 EUR von der Spende in deinen Augen? Ehre und Ansehen? Warum konnte das denn dann nicht so berichtet werden? Denke mal bitte was. Ablasshandel gibts übrigens nicht in Deutschland.

Gar nichts. Sie (Familien) tun es einfach so, da muss es keine Hintergründe für geben. Das hat auch nix mit Ablass zu tun. Und was hat das mit Berichten zu tun? Mir geht es darum darauf hinzuweisen, dass diese vermeintlichen Geizkrägen gar nicht immer so geizig sind. Jeder kann mit seinem Geld machen was er will.

Das waren keine Millionäre, aber kleine Aufsteiger, die in die Vorstadt gezogen sind. Wenn jemand gut verdient, sich teure Hobbys und Luxus leisten kann, aber nicht bereit ist, dem Bauern ein paar Kilometer weiter fairen Betrag für seine Ware zu zahlen, die er sowieso schon hinterhergeworfen bekommt, finde ich das nicht normal.

Das ist doch völlig egal, wer wieviel hat, verdient, ausgibt, verschenkt oder bunkert. Jedem sein Ding.
Außerdem sollte man bedenken, dass viele Leute einfach nur aus "Spaß" rummäkeln.
Mein Vaddern heult auch jedes Mal auf, wenn der Sprit teurer wird - ist sozusagen ein Hobby:D
Wenn aber die Kippen teurer werden oder die Packung Chips teurer wird interessierts ihn nicht.
 
Im Kern gehts also darum, dass die Leute mit hohem Einkommen eine konsequent höhere Preisbereitschaft haben sollten als Leute mit einem kleineren Einkommen, oder wie? Sie sollten mehr bezahlen für Sprit, Milch, Wasser, Fahrräder ... weil sie damit anderen Leuten helfen.

Dabei verstehst du nicht, dass es diesen Leuten (und auch dir) nur um's Prinzip geht.
 
Sie (Familien) tun es einfach so

Nein tun sie nicht. Es gibt Gründe, denn: Schreibst du deine Posts einfach so? Mit Ablasshandel hat dass finde ich in soweit was zu tun, dass es wie du auch schon sagst oft garnicht ums Geld geht am Ende, oder gehen sollte, sondern darum, wie Odium schreibt, um ein sogenanntes "Prinzip", dass wie ich weiter sage was mit Vergebung zu tun hat, wie auch immer (selber Post weiter oben).

Meiner Meinung nach die Auflösung:
Wenn sie es dennoch einfach so machen würden, dann würden sie es aus Spaß machen, laut deinem Post. Anzunehmen, dass es Leute gibt, die etwas einfach so machen... es scheitert letztenendes an sprachlichen Schwierigkeiten. Das "Prinzip" an sich existiert, aber auch nicht einfach so, es agiert mit der Umfeld in einer Art Wechselbeziehung mit den Menschen also auch mit uns. Wir schreiben unsere Posts also einfach so, dann schreiben wir allerdings dennoch in der Hoffnung auf etwas Ganzheitliches, also mit Grund.

Meiner Meinung nach bald sind wir vielleicht sind wir alle dumm, aber das ist Sapßklutur Hedonismus Tatort wenn du mich fragst.
 
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@Odium Wie begründest du, dass Menschen mit hohem Einkommen mehr zahlen sollen? Klar haben sie ne höhere Preisbereitschaft.. aber auf dem Markt gilt dann ein Preis für alle.
Einen Ausgleich für die höhere Leistungsfähigkeit gibt es bereits in Form der progressiven Einkommensteuer (ob die die Reichen genug belastet ist ein ganz anderes Thema.. bitte hier nicht anfangen ^^)
 
Nein tun sie nicht. Es gibt Gründe, denn: Schreibst du deine Posts einfach so? Mit Ablasshandel hat dass finde.... [] ...Wir schreiben unsere Posts also einfach so, dann schreiben wir allerdings dennoch in der Hoffnung auf etwas Ganzheitliches, also mit Grund.

Bitte was?



@Jace: Odium hat das wohl ironisch gemeint...

Die Reichen sollen ihre Steuern überhaupt erstmal anständig zahlen. das würde schon ausreichen...
 
Relict schrieb:
Das sollte es aber. Denn wir sind nicht nur willenlose Konsumenten, sondern auch denkende Menschen, hofft man zumindest.
Alles hat seinen Preis. Der Verbraucher hat die Macht. Nicht nur günstig zu kaufen, sondern vorallem auch bewusst.
Sorry, nein. Es interessiert mich nicht wieviel das Tier leiden müsste für meinen Steak. So ist das nunmal, muss nicht deiner Meinung entsprechen, aber ich werde bestimmt meine Einstellung nicht ändern.

10€ das Kg vs. 4€ das Kg, keine schwere Entscheidung für mich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das war ein Dialog und eine mögliche Erklärung auf die Einleitung von #1, Jace, nicht meine eigene Meinung. Mir missfällt die Vorstellung, dass ich beim Konsum jetzt darauf achten muss, dass Verkäufer + Produzent + Zulieferer durch meine Handlung auch gut dabei wegkommen.
Ehrlich, da verläuft man sich doch bloß. Wer es mag, kann z.B. bei Porsche, Bio-Eiern oder Musikdownloads gerne einen Aufpreis zahlen, wenn er seinem Vertragspartner helfen will - aber ob die ihre Mitarbeiter gut behandeln, die Tiere artgerecht töten oder meine Müsliriegel vorschriftsmäßig zubereiten, darauf habe ich doch keinen Einfluss.

Außerdem, wie gesagt, richtet sich die Lebensmittelindustrie ja neu aus. Man bietet gezielt Produkte an, um auch solche Kunden zu erreichen, die mit ihren paar Euros etwas bewirken (wollen). Vorbild dürfte die Spendenbranche sein, wo wir gerne traurige Mädchen auf großen Plakaten sehen und dann für nur 5€ im Monat ein gutes Gewissen abonnieren.

Letztendlich gehts in diesem Thread ja nur um Gewissen, oder nicht? Ist mein Gewissen so angelegt, dass ich Magenschmerzen kriege, wenn ich bei Aldi, C&A oder Dacia einkaufen würde und wieviel Preisaufschlag wäre es mir wert, wenn ich für die gleichen Produkte dann zu Rewe, P&C und Volkswagen wechsle?
 
Ohne diesen für mich eher unwichtigen Punkt jetzt weiter aufzuheizen: Es geht nicht darum, dass Leute mit mehr Geld mehr zahlen sollten.

Darum auch der Passus von mir:
sunset_rider schrieb:
Kein Mensch mit gutem Einkommen kann so viel Milch trinken, dass es ihm finanziell auffiele, ob Liter Milch nun 59 Cent oder doch 69 Cent kostet.
Ich weite es mal aus: Außer Bedürftigen (Hartz IV Familien etc.) darf sich darüber eigentlich gar keiner beschweren.

Wenn ein Hart IV Empfänger wirklich jeden Cent durchknetet und einfach drauf schaut, satt zu werden, ist das moralisch anders zu bewerten als jemand, der einfach geizig ist. Und wie gesagt: Diese blöden Anwandlungen haben in aller Regel keine "Bonzen", die etwas auf sich halten.

Die Sache ist aber eigentlich auch relativ egal, wer bei wieviel Einkommen als geizig zu bezeichnen ist.

Der springende Punkt ist, dass Discounter an sich eine gute Sache sind, das Prinzip aber einfach teilweise bei den Preisen übers Ziel hinaus geht, was in der Extremität unnötig ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder Discounter alleins chonw egen der Öffentlichkeitswirkung sozial wirtshcaften wollen würde, aber teilweise (!) keine Chance mehr hat, das zu tun, weil der Preiskampf so extrem geworden ist. Und an dem sind nunmal Kunden mit gutem Einkommen Schuld, die am Liter Milch für 69 Cent noch 10 Cent sparen müssen.
Denn Discounter den schwrazen peter zuzuschieben ist auch sehr kurzsichtig. Eigentlich muss man den Gebrüdern Albrecht sehr dankbar sein, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell jedermann billige Lebensmittelversorgung ermöglicht haben. Als erstes müssten sich die Kunden an die eigene Nase packen. Und da sind Disocunter eben auch nur ein Beispiel der Geiz ist Geil Mentalität. Der Fall Nokia ist doch genau so gelagert, fast alle Werksverlegungen in Billiglohnländer und Lohndumping allgemein ebenso. Schuld sind daran nicht nur böse Manager, sondern eben auch Kunden, die denen gewisse Entscheidungen abfordern oder wenigstens erleichtern. Es soll immer alles billiger werde, am besten kostenlos. Das schafft man nicht mit in Deutschland produzierten T-Shirts. Was kik macht ist im Prinzip Angebot und Nachfrage. Wenn also manche Manager in der Reprotage über deren Einkaufspolitik sich ungerecht behandelt fühlen, kann man das schon verstehen. Das Fernsehen ist immerhin ein Propagandasprachrohr für Geiz ist Geil.

Denkt mal an die Bäckereien. Früher ein Meisterhandwerk mit solidem Boden. Heute arbeiten da Billigkräfte in den Verkaufsstellen, die auch gar nicht mehr verdienen können, wenn man sich ansieht, wie die Gewinnspanne der Unternehmen sein muss.

Ich will auch den Kunden nicht die Schuld an gewissen Fehlentwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt geben, aber Geiz ist Geil verlangt eben nach Dumping. Wer Geiz geil findet, sollte auch bei geiziger Besoldung nicht allzusehr mäkeln. Das nennt man Discount. ;)
 
Odium schrieb:
Mir missfällt die Vorstellung, dass ich beim Konsum jetzt darauf achten muss, dass Verkäufer + Produzent + Zulieferer durch meine Handlung auch gut dabei wegkommen.
Ehrlich, da verläuft man sich doch bloß.

Hm ... nach dem Motto: Wenn *irgendwer* nichts ändert, dann kauf ich halt alles, was ich haben will, ohne darüber nachzudenken woher es kommt?

@neon:
ich meinte mit dem "forsch", dass du anderen nicht vorwerfen kannst, sie würden ihre Meinung zu vehement kundtun.

@sunset:
Richtig. Discount schlägt sich halt überall durch. Wenn man das noch belohnt, indem man blind kauft, fördert man eben auch die Ausbeutung von niedrig besoldeten Menschen. Man kann niemandem alleine den Vorwurf machen, schließlich sind wir hier ein System aus Anbietern, Kunden, etc. ... aber alle zusammen könnten dafür sorgen, dass die Gesamtsituation besser und gerechter wird (ich weiß, schwammiger Begriff).
 
Zuletzt bearbeitet:
Man muss aber auch festhalten das in Deutschland die Bruttolöhne seit Jahren stagnieren, sogar inflationsbedingt gesunken sind (im Durchschnitt) und die Preise für Energie und Verkehr jährlich über die Inflation steigen. Bei mir erst kürzlich wurde für die Öffentlichen Verkehrsmittel im Durchschnitt die Fahrpreise um 7% erhöht. Begründung: Stabilisierung der Einnahmen.

Hier sieht man eine Grafik zum durchschnittlichen Bruttolohn in Deutschland.
Eine weitere Grafik: deutsche reale Nettolöhne- und gehälter je Arbeitnehmer

Und dazu eine Grafik von Deutschlands aktueller Handelsbilanz..

Wenn im Inland nichts für den Konsum getan und man nur auf Export aus ist und das bei steigenden Lebenshaltungskosten, dann ist klar das man als Verbraucher an allen Ecken und Kanten spart.
Das darf man bei Geiz- und Geil Debatte nicht Außen vor lassen, ich kenne jemand der ist im Bäckerhandwerk und eine als Köchin in der Großküche - die haben seit dem Euro keine Lohnsteigerung gesehen. Einfach mehr verlangen und streiken? Hier passt jetzt wunderbar Hartz IV hinein - es gibt genug Arbeitslose, die Bezahlung kann noch so schlecht sein - der Staat erlaubt zum Einen durch Aufstocken schlecht bezahlte Arbeit und zum Anderen durch den Zwang jegliche Arbeit annehmen zu müssen (das übrigens laut unserem Deutschen Gesetz und Recht Verfassungswidrig ist) bei Leuten die unter SGBII fallen das jeder Arbeitgeber auch einen Arbeitnehmer bekommen kann.
Durch Hartz IV sehen einige Branchen überhaupt keine Anreize eine Lohnerhöhung durchzuführen damit man überlegter konsumieren kann.
Wie soll man bei dieser Entwicklung also ethisch und ökologisch konsumieren können?
Das Bäckerhandwerk fährt ab August/September Großaufträge für Stollen und anderes Weihnachtszeug. Die Großküche boomt, bis zu 100 Party-Buffets an Wochenenden. Teilhabe mitnichten.

Was wir Deutschen nicht hören wollen ist die Kritik aus dem Ausland.
Luxemburgs Premiereminister hat Deutschland erst kürzlich dem Lohndumping beschuldigt. Bei Querschüsse wird das aufgearbeitet.
Diese Grafik sagt alles: Prozentuale Entwicklung der nominalen Arbeitnehmerentgelte.

Jetzt mal ganz ehrlich - ist es da eine Überraschung das "Geiz ist geil" fruchtet?
 
Zuletzt bearbeitet:
Shader schrieb:
Jetzt mal ganz ehrlich - ist es da eine Überraschung das "Geiz ist geil" fruchtet?

Absolut nicht

//edit:
Nettes Interview:
http://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Interview

"Es geht nicht darum ethisch rein zu sein, sondern die Welt etwas besser zu machen."

Dast ist der Punkt. Reduktion, nicht Abstinenz. Realistische Ziele. Ich frage mich woher die Vorausnahme kommt, dass man 110% hardcore tugendhaft sein müsste, damit die Gesellschaft oder zumindest man selbst einen Schritt weiterkommt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Was sollen Bäcker und Großküchenkoche heute auch noch machen? Das sind doch jetzt wirklich Strukturänderungen und hat nichts mit irgendwelchen Preisen zu tun.
 
Odium schrieb:
Was sollen Bäcker und Großküchenkoche heute auch noch machen? Das sind doch jetzt wirklich Strukturänderungen und hat nichts mit irgendwelchen Preisen zu tun.

Ja, aber warum ändern sich die Strukturen dahingehend? Ist das "gut"?
Es ist ja völlig klar, dass man als einzelner gar nichts ausrichten kann. Es geht auch gar nicht darum völlig auf Linie mit irgendwas zu agieren. Bei uns gibts ja immer diese blöden Überreaktionen, wo Flaschenpfand quasi das Abendland retten sollte, plötzlich jede Packung Chips Diätprodukt ist und man sich bei manchen Artikeln wundert, dass so etwas überhaupt "BIO" sein kann.

Wintermute hat ganz richtig gesagt, dass man das naheliegend Mögliche tun soll. Sprich: Keine Produkte kaufen, die im Verhältnis zu Konurrenzware unrealistisch billig sind. Fleisch, das billiger als Brot ist.
Boykott und Selbstversorgung bzw. Reformhaus zu machen, ist ja witzlos. Die Discounter sind ja an sich wie gesagt eine tolle Sache. Der Albrecht hätte das Bundesverdienstkreuz verdient (oder hat er es sogar?). Das Problem ist einfach, dass die Preise immer weiter sinken müssen, weil die Kunden am liebsten gar nichts zahlen wollen. Das kann mittelfristig nicht mehr gut gehen.
 
Nun, zu deinem Glück gibt es Preisvergleichsseiten. Ärgerlicherweise wird der Strompreis immer von billig nach teuer sortiert und bei Geizhals gibt's keinen Hinweis, was das ganze so im Lokalgeschäft kostet. Was genau ist denn jetzt unrealistisch billig? Wir sind doch die Generation, die miterlebt hat, wie das Internet den Einzelhandel fertig macht. Wir wissen doch, dass man für ein Monitor-Kabel keine 30€ mehr bezahlen muss oder das man beim Gebrauchtwagen jetzt auch 500km weiter gucken kann. Hätten wir dieses ganze Onlineshopping ignorieren sollen, weil Karstadt und Quelle heute in Gras gebissen haben?

Die Industrie tut alles, um ihre Produktion immer effektiver zu gestalten, damit die Produkte nicht teurer werden. Wer das nicht tut, wird gefressen. Und jetzt sagst du, man soll doch bitte diese Betriebe meiden? Klar, das geht. Aber warum sollte sich irgendwo irgendwelche Arbeitsverhältnisse bessern, Tiere besser gehalten werden oder die Qualität der Produkte sich verbessern, wenn man sein ganzes Konsumverhalten umkrempelt? Immerhin will der Unternehmer ja in erster Linie seinen Gewinn maximieren. Du gehst davon aus, wenn ein Brötchen 2€ kosten würde, dann würde Arbeitnehmer, Produzenten, Kleinbetriebe und am Ende dadurch sogar der Kunde davon profitieren.
Und dabei gibt es genügend Branchen, in denen die Gewinnmargen hoch sind und die Leistungsträger in der Wertschöpfungskette trotzdem nichts abbekommen, weil da ganz andere Faktoren mitspielen.
 
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