Druckmittel Staatsanleihe

Tiba

Lieutenant
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In dem Bewusstsein einer blamablen Demonstration von Unwissen, hier meine Frage:

Welches Druckmittel stellt der Besitz von Staatsanleihen fremder Staaten und eingekaufter Währungsreserven durch einen anderen Staat da? Oder besser: Was lassen die Verträge, mit denen solche Fragen geklärt sind, zu?

Konkret geht es um die USA und China. Heute wurde im Tagesspiegel die Möglichkeit eines "Währungskrieges"/Selbstabwertungswettlaufs diskutiert.

Das einzige was mir einfällt wäre der schlagartige Verkauf großer Mengen an Dollar, aber das würde ihn ja eher abwerten (und dem Gegner im Abwertungswettlauf einen Vorsprung geben), bzw. das völlige Zurückhalten der gekauften Reserven, aber da ich nicht weiß, in wie weit das bereits geschieht, kann ich auch nicht abschätzen, ob das zu einer Aufwertung des Dollars führen würde.

Und das bezieht sich auch nur auf die Dollarreserven nicht auf die Staatsschuld.
 
geht es nicht darum, seinen geld abzuwerten, damit man seinen export steigert, dabei bekommt man aber selbst das gleich an geld raus.

bsp. china baut nen pc für 5300chinadollar(oder wie die heißen) und in usa kostet der pc 499dollar
wertet man nun die chinadollar ab: 5300=399 kann mehr gekauft werden, dabei ist das geld für die chinesen aber noch das selbe wert
 
Die Chinesen haben in den letzten Jahrzehnten in grossem Stil Staatsanleihen der USA gekauft und damit grösster Gläubiger der USA. Vor 2-3 Jahren wollten die Chinesen das Zeug abstossen, da die nicht mehr wirklich das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft haben, denn nichts anderes stellen Staatsanleihen dar. Du vertraust darauf, dass die USA das geliehene Geld zurückzahlen können.

Die Amerikaner haben aber ihrerseits auch ein grosses Druckmittel. Damit haben sie auch damals den Verkauf ihrer Staatsanleihen durch die Chinesen verhindert. Sie haben einfach die Preise für ihr Getreide, Mais und Reis (!!!) in die Höhe getrieben um die Chinesen unter Druck zu setzen.

€: Das Druckmittel bei Staatsanleihen ist das selbe wie mit Aktien. Verkaufst du viele davon, verlieren evtl. die anderen Anleger auch das Vertrauen und verkaufen ihrerseits Staatsanleihen. Damit vertraut niemand mehr darauf dass das Geld zurückgezahlt werden kann und keiner leiht der USA mehr Geld.
 
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besitzen staatsanleihen eigentlich einen großen stellenwert für die usa? die us notenbank kann ja ohnehin dollar emittieren wann sie will. das löst zwar nicht das problem des währungswertes, aber so richtig angewiesen sind sie ja dann auf staatsleihen auch nicht
 
Wenn die Notenbank Staatsanleihen kauft, vergrößert sich die Geldmenge, was zu Inflation und Abwertung führt (in den meisten Fällen ist das so, z.B. in Japan haben die Interventionen der Notenbank aber keinen langfristigen Effekt mehr) . Im Moment ist das auch in einem gewissen Maße gewünscht, die FED kauft ja schon Staatsanleihen und es wird spekuliert, dass sie noch mehr kaufen wird. Wenn allerdings China alle Staatsanleihen auf einmal abstoßen und keine Neuen mehr kaufen würde, könnten sich die USA wohl nicht mehr am freien Markt refinanzieren. Dann müsste die FED entweder seine Anleihenkäufe stark erhöhen ("Geld drucken"), was den Dollar dramatisch abwerten würde, oder aber es würde ein Schnitt durchgeführt. Die USA vereinbaren z.B. mit den Gläubigern, dass sie nur 70% zurückzahlen müssen, da es unmöglich für sie wäre, die volle Summe zurückzuzahlen (kürzlich in Russland und Argentinien geschehen). In beiden Fällen würden die USA jedoch in eine Krise stürzen und die restliche Welt mitreißen. Kurzfristig würde auch die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten stark sinken, jedoch sind die Gläubiger sehr vergesslich was diese Dinge anbelangt.
China wird aber schon allein aus dem Grund weiter amerikanische Staatsanleihen kaufen, da sie auf die USA angewiesen sind, ihre Güter abzunehmen. Dadurch wird auch der Dollar im Vergleich zum Renminbi aufgewertet, was die chinesischen Waren widerrum billiger macht und dadurch besser verkäuflich. Das Problem bei der Sache sind die dadurch entstehenden riesigen Leistungsbilanzsalden auf beiden Seiten, die auch für die aktuelle Wirtschaftskrise sehr wahrscheinlich stark mitverantwortlich waren.
 
@desertstorm_112: das ist aber nur die eine seite der medalie. wenn die eigene währung abgewertet wird, kann man mehr exportieren, da der einkauf für ausländische interessenten billiger wird, soweit hast du vollkommen recht.
ABER: dadurch verliert der staat (und dessen unternehmen und bürger) auch kaufkraft und die kosten für den import steigen im gleichen maaße an. rohstoffe, hilfsstoffe und halbfertige erzeugnisse müssen für deutlich mehr geld eingekauft werden, was die eigenen produktionskosten in die höhe treibt. dadurch sinken auch die verkaufszahlen im eigenen land, da zwar die produktionskosten steigen, aber nicht unbedingt die löhne.

man muss immer ein gesundes verhältnis schaffen. massive inflation ist genau so schädlich wie starke deflation.

@Feuermanngnther: schöner beitrag :)
 
Wenn der Brunnen trocken ist, erkennt man den Wert des Wassers.

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Dass China Staatsanleihen der USA kauft, hat relativ wenig mit dem Ölhandel zu tun (die Aussage des chinesischen Notenbankchefs würde ich gerne mal sehen). Die USA sind eben einfach der mit Abstand größte Abnehmer chinesicher Produkte. Der größte Teil ihres Leistungsbilanzdefizits wird ja durch China hervorgerufen. Wie eine Währung Ambitionen haben kann, ist mir auch nicht so ganz bewusst. Es wird allerdings schon seit längerer Zeit von einigen Ölförderländern überlegt, in Euro zu handeln (und ich glaube vom Iran wurde das auch durchgeführt). Die USA haben das aber bisher in den meisten Fällen zu verhindern gewusst.

Die Fed hat wirklich Staatsanleihen der USA gekauft, allerdings um die Zinsen niedrig zu halten. Dass keine Käufer zu finden waren, ist einfach nur Unsinn.

Ein starker Renminbi würde sehr wahrscheinlich nicht die Weltwirtschaft gefährden. Er würde vielleicht die chinesische Wirtschaft schwächen, dafür jedoch die der chinesischen Handelspartner stärken. Das Leistungsbilanzdefizit der USA ensteht durch den unterbewerteten Renminbi und die immer weiter steigende Auslandsverschuldung, sowohl von privater als auch staatlicher Seite. Die USA haben sehr wohl Waren, die sie auf dem Weltmarkt anbieten können. Nur wird das meiste davon schon im Inland konsumiert. Das hört sich bei dir eher so an, als ob du einfach die Vereinigten Staaten diffamieren willst (was ja schon seit längerer Zeit "in" ist bei den Linken).

Wie gut das funktioniert, den Inlandsmarkt zu stärken und damit seine Produktivität zu senken, sieht man ja an den südeuropäischen Ländern, allen voran Griechenland.
Ein Mindestlohn wird auch nicht plötzlich einen "tragfähigen Binnenmarkt" schaffen, langfristig wird er das Land schwächen, kurz- und mittelfristig wahrscheinlich auch. Diesen hier als Allheilmittel darzustellen ist einfach nur schlechte Propaganda.
 
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Die Unmöglichkeit der Lieferung beruht allerdings zum Großteil darauf, dass die restliche Welt versorgt ist. Während die westlichen Staaten größtenteils ihre Bereiche selbst abdecken können, teilen sie sich die zweite Welt untereinander auf.

Die Billigware aus der VR China hingegen wird überall benötigt, könnte aber stattdessen auch in jedem anderen Land dieses Planeten hergestellt werden. Die VR China, Indien etc. haben halt den Vorteil, dass die Ressource Mensch quasi unendlich vorhanden ist und eine gewisse politische Stabilität herrscht.


Aber auch das wandelt sich langsam, immer mehr Firmen kehren wieder in ihre Heimatstaaten zurück und belassen in der VR China lediglich die zur Aufrechterhaltung der dortigen Verkaufsrechte erforderlichen Geschäfte.

hier geht's ja auch gut, ohne daß in der Bilanz ein Außenhandelsdefizit aufgebaut wird, warum wohl ?

Weil z.B. Japan und Deutschland deutlich weniger Einwohner und BIP haben und foglich weniger Waren zur Versorgung der eigenen Bevölkerung benötigen.
 
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Mal davon abgesehen, dass in deinen Quellen, die du als Beleg nutzt, nicht einmal steht, dass die Notenbank überhaupt Staatsanleihen kauft (was aber trotzdem stimmt), steht in den Quellen auch nirgends, dass sie Staatsanleihen kauft, weil sich sonst keine Käufer mehr finden. Typischer Fall von aus dem Zusammenhang zitiert. Sie bestätigen eher meine Aussage, dass China US-Staatanleihen kaufen muss. Dass die USA Pleite gehen, wenn China das nicht mehr tut, habe ich schon in meinem ersten Post hier geschrieben.

Leistungsbilanzsalden neutralisieren sich in einem unregulierten Markt langfristig von selbst. Jemand der mehr importiert als exportiert, muss sich im Ausland verschulden, um dies zu tun. Langfristig ist das aber nicht möglich, da die Kreditwürdigkeit sinken würde.

Das Leistungsbilanzdefizit der USA könnte man durch eine Abwertung des Dollars vollständig eliminieren. Das hat nichts speziell mit den gelieferten Waren zu tun, sondern allgemein damit, dass die angebotenen Waren dann konkurrenzfähiger werden.
Deutschland hat einen so großen Exportüberschuss wegen des niedrigen Lohnniveaus. Da wir keine eigene Währung mehr haben, wird eben über die Löhne abgewertet, was den gleichen Effekt hat. Natürlich hat es auch mit dem "Bildungsstandort" und anderen Dingen zu tun, jedoch ist das meist nebensächlich.


"Die USA auf der anderen Seite hat es bislang nicht geschafft beispielsweise auf dem Automobilsektor sich über den Preis z.B. gegen Toyota/Isuzu oder über die Qualität gegen Daimler/BMW durchzusetzen und sich Marktanteile in den Zukunftsmärkten in einem Umfang zu sichern, daß eine ausgewogene Handelsbilanz in Aussicht gestellt wird."

Was neben der innerdeutschen Abwertung auch an dem Yen liegt, den die japanische Notenbank versucht schwach zu halten (was jedoch mittlerweile nicht mehr funktioniert). Einige Ökonomen nehmen an, dass das Leistungsbilanzdefizit der USA zum großen Teil durch die Privatwirtschaft verursacht wird (neben China und anderen Einflüssen). Dann wäre es sowieso nicht unbedingt schlecht und es würde auch nach einer Weile verschwinden.


"Wie sich eine positive Stärkung des Binnenmarktes mittels Anhebung der Mondestlöhne auswirkt kann man schön an der binnenwirtschaftlichen Entwicklung von den Niederlanden, Österreichs oder der Schweiz sehen.

Griechenland, dessen Mindesltöhne bekannter Maßen noch unter denen der USA liegen, ist, im Gegensatz zu deiner Propaganda, ein wunderschönes Gegenbeispiel, das zeigt, was passiert wenn der Binnenmarkt eben nicht durch Anhebung der Mindestlöhne gestärkt wird, das Ergebnis ist ja allgemein bekannt, dies aber nur am Rande ."

Das ist ja so ein großer Unsinn, dass ich da nicht mal Lust habe, dagegen zu argumentieren. Informiere dich einfach mal ein bisschen und schreib dann was dazu.
Sowas habe ich selbst von den schärfsten Befürwortern des Mindestlohns noch nicht gehört.
 
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In dem Satz steht ein "wenn". Sollte man vielleicht mitlesen. Wenn der Autor sich sicher gewesen wäre, dass es so ist, hätte er das "wenn" weggelassen. Ich könnte dir allerdings sofort genug Quellen aufzeigen, dass die Fed Staatsanleihen zur Unterstützung ihrer Geldpolitik kauft.

Was du mit der vorgefertigten Meinung meinst, verstehe ich nicht so ganz, in meinem Post liste ich praktisch nur Fakten auf. Sag mir doch mal, was daran Meinung sein soll.

Dass der Yuan an den Dollar gekopellt ist, ist mir durchaus bewusst, ändert aber nichts an meiner hypothetischen Aussage, dass wenn der Dollar abwertet (natürlich auch gegenüber dem Yuan, falls z.B. die Bindung aufgegeben wird) die US-Wirtschaft konkurenzfähiger wird.

Den Qualitätsteil habe ich leider auch nicht verstanden, versuche vielleicht das etwas klarer zu formulieren.

Zum Rest, wenn jemand ernsthaft glaubt, dass Griechenland wegen zu niedrigem Mindestlohn in die Krise gerutscht ist, was soll man denn darauf noch antworten?
 

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