Noxiel schrieb:
Wobei nicht übersehen werden sollte, dass es mit Irland wieder bergauf geht, der generelle Sparkurs also nicht per se verkehr war.
Irland wird in diesem Zusammenhang gern als Musterschüler genannt - als Beispiel einer an sich richtigen Politik (nach dem Motto: würden sich die anderen nur mehr anstrengen, dann ...) - was für mich unredlich ist, da Irland eine vollkommen andere Ausgangslage als die restlichen Euro-Krisenstaaten hat.
So besitzt Irland immer noch eine hochmoderne Wirtschaft, auf die es sich stützen kann und die es vor der Finanzmarktkrise zu einem der reichsten Länder der EU machte.
Kurz etwas zum Hintergrund der spezifisch irischen Krise: Irland hatte seit Mitte der 80er Jahre die Subventionen aus Brüssel und den europäischen Integrationsprozess dazu genutzt, zu einem Mekka für ausländische Investitionen insbesondere aus Übersee zu werden. Zahlreiche Hochtechnologie Firmen siedelten im Niedrigsteuerland Irland (Körperschaftsteuer von nur 12,5 %) an und nutzten die grüne Insel als Produktionsstandort für den zollfreien Export in den europäischen Binnenmarkt. Der keltische Tiger, einst Held aller Apologeten eines möglich freien Marktes, hatte bzw. hat bis heute also ein an sich recht solides Geschäftsmodell.
Wie das Schicksal so will, waren die liberalen Gesetze, die zu einem nicht kleinen Teil die Attraktivität Irlands für das globale Kapital ausmachten, letztendlich auch sein Verhängnis. Denn neben High Tech war Irland auch Hochburg des Finanzsektors, was dazu führte, dass Irland von der Finanzmarktkrise besonders hart getroffen wurde. Hinzu kam eine hausgemachte Immobilienblase, die natürlich parallel zum internationalen Finanzcrash implodierte, denn die irischen Banken hatten beflügelt vom Wirtschaftsboom nicht nur eifrig mitgezockt, sondern auch wie im Rausch Immobilien-Kredite vergeben. Billiges Geld stand ihnen dabei reichlich seit dem Beitritt zum Euro zur Verfügung.
Als Folge verschuldete sich Irland wie kein zweites Land in der Euro-Zone, um seinen kollabierenden Bankensektor zu retten. Irland kam schuldentechnisch quasi aus dem Nichts, hatte 2007 eine Staatsschuldenquote von 24,8 % - 2012 sind es prognostizierte 112 % des BIP. Dass der Bankensektor Irland ohne die Finanzhilfen von EU und IWF mit in die Tiefe gerissen hätte, ändert nichts daran, dass Irlands restliche Wirtschaft hochmodern ist und auch in den Krisenjahren seit 2008 fleißig weiter vor sich hinschnurrte. Hier liegt der erste zentrale Unterschied zu den restlichen Euro-Krisenländern.
Der zweite Unterschied liegt darin, dass Irland anders als etwa Spanien, welches ebenfalls unter dem Platzen einer Immobilienblase und der damit verbundenen hohen Verschuldung der Privathaushalte leidet, aufgrund seiner hohen Außenhandelsquote viel weniger vom Binnenkonsum abhängig ist. Daher treffen Irland auch die auferlegten Sparmaßnahmen viel weniger hart, da die irische Wirtschaft anders als bei den übrigen Krisenländern ihre Stärke in erster Linie aus dem Export zieht.