ich hab einen sehr lesenswerten Artikel auf Telepolis gelesen, der über die Eurokrise und deren Folgen handelt.
Auszug daraus:
Die extremistische Gesellschaft
In der gegenwärtigen Systemkrise gelangt der barbarische Kern kapitalistischer Vergesellschaftung zur vollen Entfaltung. Krise des Kapitalismus
"Ich habe keine Angst vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Adorno
...Die Propagandisten des totalitären Ökonomismus kommen tatsächlich in der Maske des Demokraten daher, die sich besorgt über politisch korrekte "Denkverbote" geben und "unbequeme Wahrheiten" auszusprechen vorgeben, die unter Bezugnahme auf Halbwahrheiten und einseitig ausgewertetem statistischen Material auch noch mit wissenschaftlichem Anspruch "bewiesen" werden sollen. Die postulierte ökonomische Minderwertigkeit von Arbeitslosen, Südeuropäern oder Türken soll so - etwa vermittels des Sarrazinischen "Nebelfaktors" - zu einer Art Naturgesetz ideologisiert werden.
Das betriebswirtschaftliche Rentabilitätsdenken wird von der "Mitte" der gesamte Gesellschaft übergestülpt
Inzwischen ist dieses Denken im öffentlichen Diskurs längst hegemonial geworden. Wenn ein Markus Söder fordert, an Griechenland "ein Exempel" zu statuieren, dann kann er die Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands auf seiner Seite wissen. Ähnlich argumentierte auch FDP-Chef Rösler, der den Ausschluss Griechenlands aus der EU herbeireden will. Ein ganzes Land wird hier von der deutschen Politkaste "abgeschrieben", zur Desintegration freigegeben, die den sozioökonomischen Zusammenbruch Griechenlands vollenden wird, der durch den von Berlin und Brüssel oktroyierten Sparterror eingeleitet wurde – und wir können uns sicher sein, dass dieser Reflex des Ausschlusses ganzer Volkswirtschaften auch in Bezug auf die anderen südeuropäischen EU-Staaten in der deutschen Öffentlichkeit überhandnehmen wird, sobald der Krisenprozess auch bei diesen Ländern weiter voranschreitet.
Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger ist sich einig, dass die Griechen aufgrund wirtschaftlicher Defizite für ihre hoffnungslose Lage genauso selber verantwortlich seien - wie die Hartz-IV-Empfänger hierzulande. Zum Erfolg dieses totalitären Ökonomismus trug ein kaum beachtete Umstand bei: Diese Ideologie bildet eine – durch die Krisendynamik ausgelöste – irrationale Zuspitzung der Wertvorstellungen, Anschauungen und Ideale, die eigentlich in den nun beständig erodierenden "Mittelschichten" der kapitalistischen Gesellschaft zu finden sind. Teils unfähig, teils unwillig, eine Alternative zur kapitalistischen Dauerkrise zu denken, können diese Mittelschichten einen Krisenausweg nur in der gnadenlos gesteigerten Unterordnung der gesamten Gesellschaft unter das Regime der stockenden Kapitalakkumulation suchen.
Quelle:http://www.heise.de/tp/artikel/37/37354/1.html
Auszug daraus:
Die extremistische Gesellschaft
In der gegenwärtigen Systemkrise gelangt der barbarische Kern kapitalistischer Vergesellschaftung zur vollen Entfaltung. Krise des Kapitalismus
"Ich habe keine Angst vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
Adorno
...Die Propagandisten des totalitären Ökonomismus kommen tatsächlich in der Maske des Demokraten daher, die sich besorgt über politisch korrekte "Denkverbote" geben und "unbequeme Wahrheiten" auszusprechen vorgeben, die unter Bezugnahme auf Halbwahrheiten und einseitig ausgewertetem statistischen Material auch noch mit wissenschaftlichem Anspruch "bewiesen" werden sollen. Die postulierte ökonomische Minderwertigkeit von Arbeitslosen, Südeuropäern oder Türken soll so - etwa vermittels des Sarrazinischen "Nebelfaktors" - zu einer Art Naturgesetz ideologisiert werden.
Das betriebswirtschaftliche Rentabilitätsdenken wird von der "Mitte" der gesamte Gesellschaft übergestülpt
Inzwischen ist dieses Denken im öffentlichen Diskurs längst hegemonial geworden. Wenn ein Markus Söder fordert, an Griechenland "ein Exempel" zu statuieren, dann kann er die Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands auf seiner Seite wissen. Ähnlich argumentierte auch FDP-Chef Rösler, der den Ausschluss Griechenlands aus der EU herbeireden will. Ein ganzes Land wird hier von der deutschen Politkaste "abgeschrieben", zur Desintegration freigegeben, die den sozioökonomischen Zusammenbruch Griechenlands vollenden wird, der durch den von Berlin und Brüssel oktroyierten Sparterror eingeleitet wurde – und wir können uns sicher sein, dass dieser Reflex des Ausschlusses ganzer Volkswirtschaften auch in Bezug auf die anderen südeuropäischen EU-Staaten in der deutschen Öffentlichkeit überhandnehmen wird, sobald der Krisenprozess auch bei diesen Ländern weiter voranschreitet.
Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger ist sich einig, dass die Griechen aufgrund wirtschaftlicher Defizite für ihre hoffnungslose Lage genauso selber verantwortlich seien - wie die Hartz-IV-Empfänger hierzulande. Zum Erfolg dieses totalitären Ökonomismus trug ein kaum beachtete Umstand bei: Diese Ideologie bildet eine – durch die Krisendynamik ausgelöste – irrationale Zuspitzung der Wertvorstellungen, Anschauungen und Ideale, die eigentlich in den nun beständig erodierenden "Mittelschichten" der kapitalistischen Gesellschaft zu finden sind. Teils unfähig, teils unwillig, eine Alternative zur kapitalistischen Dauerkrise zu denken, können diese Mittelschichten einen Krisenausweg nur in der gnadenlos gesteigerten Unterordnung der gesamten Gesellschaft unter das Regime der stockenden Kapitalakkumulation suchen.
Quelle:http://www.heise.de/tp/artikel/37/37354/1.html