Für Hartz4 etwas tun

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@e-ding
Der Arbeitszwang, ob gesellschaftlich induziert um das Tauschmittel "Geld" zu erhalten oder aus der Notwendigkeit heraus, was zum fressen zu haben und so "die Kartoffeln auf dem Feld" mit den eigenen Händen anbauen zu müssen, ist letztenendes egal.

Leider ist das nicht egal, weil das zwei unterschiedliche Formen der Beschaffung und Bestellung des Lebens sind. Auf der einen Seite produziert man für den Wert und für das Geldverdienen. Auf der anderen Seite für die unmittelbare Bedürfnissbefriedigung. Deswegen hat die kapitalistische Form der Arbeit und ihre Organisation auch einen eigentümlichen Charakter und die Menschen dadurch auch eine andere Einstellung zu ihr. Ganz so einfach wie du sollte man es sich dewegen beim Urteilen nicht machen. Du abstrahierst von zuvielen dieser eigentümlichen Bestimmungen und reduzierst jegliche Betätigung in egal welcher Gesellschaftsform auf "Arbeit" und betrachtest alle als gleich gültige Formen des Arbeitszwangs. Das ist problematisch.
Hier ist zunächst die Rede von Arbeit im Kapitalismus. Diese Art und Weise wie hier Arbeit organisiert ist hat außer der tatsächlichen körperlichen Verausgabung mit anderen Formen nichts zu tun. Hier, in dieser Gesellschaft, ist die Arbeit wertbildend. Und wertbildend kann sie nur dort sein, wo es um die Herstellung von Tauschwerten geht anstatt um Herstellung von Gebrauchswerten. Das ist ein gewichtiger Unterschied. Es ist eine Sache ob du arbeitest um unmittelbar für dich und für andere Gebrauchswerte zu schaffen, und eine ganz andere, wie hier, ob du für die Wertproduktion (also Profite, Kapitalmehrung etc.) arbeitest. Damit gewinnt die Arbeit einen grundsätzlich anderen Charakter, weil die Gebrauchswertproduktion dann lediglich eine Art zufälliges Abfallsprodukt der Interessen der Tauschwertschaffung ist. Arbeit ist nun mal nicht gleich Arbeit, sondern es kommt auf die jeweils gesellschaftsspezifischen Ausprägungen der jewiligen Form der Arbeit an.
Und deswegen ist es nicht egal ob die Menschen arbeiten um ihr Leben gemeinsam zu bestellen, oder ob sie in einem Konkurrenzsystem arbeiten für die Interessen von Kapitaleignern. Der Charakter beider Arbeitsformen ist grundsätzlich verschieden.
 
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DugDanger schrieb:
Zitat exoplanet

Verantwortlich für diese Katastrophe sind die CDU/CSU, FDP und auch die SPD.
Wie man solche Parteien dann noch wählen kann bleibt mir ein Rätsel
.

Weil Sie eben genau NICHT Verantwortlich sind.

Sie verwalten lediglich eine kapitalistisch geprägte Gesellschaft, in der an allen Ecken und Enden Konkurrenz Kampf und Sparzwänge vorherschen.


die Regierung trägt die alleinige Verantwortung dafür.
sie haben oder hätten die Macht zumindest den Armen und Ärmsten in Deutschland
finanziell etwas mehr unter die Arme zu greifen, das beseitigt zwar nicht die Ursache aber es hilft den Betroffenen sehr ein zumindest akzeptables Leben führen zu können.
 
gerechte verteilung.. das bedeutet eine umverteilung und denen mehr in die tasche langen die sich dieses mehr an dem was sie haben erarbeitet haben. das ist im grunde nur die andere seite der selben medaille und doktort auch nur an symptomen rum.
was einige hier nicht zu verstehen scheinen ist, das die bundesregierung und die unternehmen ihrem eigenen system einen strick drehen, wenn man die untere, also die kauffreudige, schicht beschneidet.
denn die halten den ganzen karren am laufen durch die käufe - einer der viel hat, gibt logischerweise nicht soviel aus, denn sonst hätte er nicht soviel. und die unteren, die sich immerwieder was gönnen um das ganze zu ertragen, könnten viel mehr verpulvern, wenn man ihnen mehr kohle in die hand drückt, was widerrum für mehr produktion und absatz und somit auch für neue stellen sorgt die dann widerrum andere besetzen können die vorher keinen job bekommen haben (vom positiven psychologischen nebeneffekt der damit verbunden wäre, fang ich erst gar nicht an). aber um das umzusetzen müssen dann auch die unternehmen mitspielen, statt weiterhin nach dem minimalprinzip alles wegzurationalisieren um den ertrag ins exorbitante zu steigern, bis die verschuldungsumlagerungsblase erneut irgendwann platzt. und genau an dem punkt beisst sich die vielzitierte katze in den eigenen schwanz, da weiterhin lohndumping betrieben und in 5-10€ schritten an den leistungen rumgekritzelt wird, was beides effektiv nichts bringt, ausser das sie sich profilieren können und alles bleibt wie es ist.
 
Verteilungsgerechtigkeit

Ich bitte darum, einen kurzen Moment inne zu halten, und sich den Begriff mal selbst zu erklären.
Den Begriff zu definieren, seine Herkunft, seine Bedeutung, hier und jetzt.

Wieso brauchen wir Verteilungsgerechtigkeit?

Weil in der Ausgangssituation ein Zustand vorherscht, den wir als nicht gerecht empfinden.

Das ist soweit gar nicht verwunderlich; ist es doch Ziel unserer Akteure Geld zu akkumulieren, entgegen den anderen Akteuren, die das gleiche versuchen.

Leider kann bei diesem Wettlauf per Definition nicht jeder gewinnen. Die unterschiedlichsten Startbedingungen (Kind aus H4 Familie vs. gut betuchtes Elternhaus) machen deutlich, dass es 1. 2. 3. Sieger geben wird; einen Letzten einen Vorletzten usw....

Eine, per Definition, ungleiche Verteilung von Geld, Vermögen, Humankapital usw....sind also konsequenz unseres Systems.

Hinterher bestürzt aufschreien, dies seie nun ungerecht und man müsse umverteilen gilt nicht.
 
@SheepShaver

ja du hast Recht. Ein Großteil der Bevölkerung findet es richtig den ALG-II Satz nur um 5 Euro zu erhöhen, das Elterngeld zu streichen und faktisch Kürzungen bei den Ärmsten vorzunehmen. (siehe letzte Bundestagswahl)

@DugDanger
klar, es wird immer Gewinner und Verlierer geben so ist das System ausgelegt.

Mir geht es um die "Verlierer" die doch zumindest ein menschenwürdiges Leben verdienen.
In einem der reichsten Länder der Welt braucht man normalerweise keine expandierenden Suppenküchen und Tafeln.
Vielleicht liegt das auch am kapitalistischem System, aber auch da sollten Lösungsansätze erarbeitet werden wie man die Armut in Deutschland am besten bekämpft.

Niedriglohnsektor und Zeitarbeit sind Modelle die meiner Überzeugung nach gescheitert sind.
 
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exoplanet schrieb:
die Regierung trägt die alleinige Verantwortung dafür.
sie haben oder hätten die Macht zumindest den Armen und Ärmsten in Deutschland
finanziell etwas mehr unter die Arme zu greifen, das beseitigt zwar nicht die Ursache aber es hilft den Betroffenen sehr ein zumindest akzeptables Leben führen zu können.

Um damit die Gruppe der "Armen" zu vergrößern? Mehr Geld potenziert das Problem, da es den Reproduktionsanreiz erhöht.
 
@ e-ding

was würde denn das Problem verringern? Ausser vllt eine angemessene Bezahlung für vorhandene Arbeitsplätze?
 
signifikant mehr Geld um den Armen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen,
um unvorhergesehene Ausgaben zu decken.

-Möbel gehen kaputt, Kühlschrank hält nicht ewig, Kleider verschleißen,
-Jahresendabrechnung vom Strom mit Nachzahlung.....usw....

die ALG-II Empfänger haben Null finanziellen Spielraum für solche Dinge.
 
@theo
Freilich ist man indirekt gezwungen, arbeiten zu gehen. Genauso ist man dazu gezwungen, für eine Prüfung zu lernen, um diese zu bestehen, sprich, man muss Leistung bringen.
Für mich ist das ganz normal, aber ich stelle auch das System an sich nicht in Frage.

@Godde
Welches System wäre für die Allgemeinheit besser (außer Utopia und so)?

@exoplanet
Das System dreht sich aber nun mal nicht um die Verlierer und ich muss dich leider nochmal daran erinnern, dass ALG-II nur eine vorübergehende Grundsicherung sein will, keine Dauerlösung für den Betroffenen.
 
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@exoplanet.

zu allerserst mal eine GG gemäße, transparente Berechung. Ob und wieviel das dann mehr ist....
 
SheepShaver schrieb:
Der Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetzes definiert keine sozialen Grundrechte, die stehen im SGB. Wie dem auch sei, es geht beim Sozialstaatsprinzip auch eher um Sozialhilfe denn um die Grundsicherung für Arbeitsuchende.
Das ist deine Interpretation des Art 20 Abs. 1 GG. Das was ich geschrieben habe ist die des Bundesverfassungsgerichts.
 
natürlich dreht sich das System auch um die Verlierer, Minderheiten, die zu schützen und nicht auszugrenzen. Ein Mindestlohn wäre schon mal ein Anfang, branchenspezifisch, aber nicht Arbeitgeber subventionieren.
 
Das System dreht sich aber nun mal nicht um die Verlierer und ich muss dich leider nochmal daran erinner, dass ALG-II nur eine vorübergehende Grundsicherung sein will, keine Dauerlösung für den Betroffenen.

Natürlich dreht sich das System (der Kapitalismus) nicht um die Verlierer. Genau das ist doch irgendwo auch das Grundproblem. Die Menschen, die am meisten Aufmerksamkeit und Hilfe (ggf. zur Selbsthilfe) benötigen, werden behandelt wie Menschen zweiter Klasse. Es wird also genau das Gegenteil von dem getan, was diese Leute bräuchten.

Dass ALG2 nur als Übergangslösung ausgelegt ist, ist ignorant. Denn es wird ignoriert, dass es eben dennoch Menschen gibt, die dauerhaft arbeitslos bleiben. Und das liegt mitnichten immer nur an ihnen selbst. Das wirst du sicher auch wissen.

An solchen Dingen sieht man doch, wie sich die Politik immer wieder und immer mehr aus ihrer Verantwortung stiehlt.
Wir brauchen ein System, dass ALLE Menschen berücksichtigt, ein System, das für ALLE Menschen ausgelegt ist. Der Kapitalismus kann dieses System nicht sein.

Welches System wäre für die Allgemeinheit besser (außer Utopia und so)?

Es gibt schon lange mehrere Ideen, z.B. die Soziale Marktwirtschaft nach Silvio Gesell.
http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf
 
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SheepShaver schrieb:
@exoplanet
Das System dreht sich aber nun mal nicht um die Verlierer und ich muss dich leider nochmal daran erinnern, dass ALG-II nur eine vorübergehende Grundsicherung sein will, keine Dauerlösung für den Betroffenen.


doch. Eine zwangsweise Dauerlösung für die Langzeitarbeitslosen die unvermittelbar sind weil die Unternehmen aus Gründen XYZ solche Leute nicht einstellen wollen.
 
Godde schrieb:
was würde denn das Problem verringern? Ausser vllt eine angemessene Bezahlung für vorhandene Arbeitsplätze?

Was ist angemessen? Da gibt es hier auch schon einen Thread, der das diskutiert. Jemand, der 12h am Tag Sandburgen baut, arbeitet hart aber wie willst Du ihn bezahlen?
Regale bei Aldi einräumen kann jeder, eine Anwendung programmieren, nicht. Willst Du eine Einkommensuntergrenze definieren (Mindestlohn) und damit alle übergeordneten Lohn/Berufsgruppen benachteiligen oder ebenso dort das Einkommen erhöhen? Wie wirkt sich das auf die Preise aus und damit auf die Kaufkraft? Was hätte man dadurch gewonnen?
 
Die Lösung für Langzeitarbeitslose ist, diese wieder in Arbeit zu bringen.
Und nein, das System dreht sich nicht um die Verlierer, sie sind ein Produkt dessen. Wo ein Gewinner, da auch ein Verlierer. Ist nun mal so. Könnt ihr drehen und wenden wie ihr wollt. Und man behebt das Problem nicht, in dem man Gewinner und Verlierer gleichmacht, sondern verschärfst es. Es kann nicht nur Gewinner geben, das ist Utopie und sozialromantische Fantasie.
 
Zuletzt bearbeitet:
"Regale bei Aldi einräumen kann jeder, eine Anwendung programmieren, nicht."

e-ing,

beides wird aber gebraucht oder machen das in Zukunft dann die Kunden, weil die Programmierer sauer sind, dass jemand für "niedere" Arbeiten auskömmlich bezahlt wird.
 
SheepShaver schrieb:
Die Lösung für Langzeitarbeitslose ist, diese wieder in Arbeit zu bringen.

Eine gute Idee, nur ist das Wunschdenken und nicht realisierbar.
Die Unternehmen stellen aus Gründen XYZ keine Langzeitarbeitslosen ein.
Da gebe ich den Politikern keine Schuld.

SheepShaver schrieb:
Wo ein Gewinner, da auch ein Verlierer. Ist nun mal so. Könnt ihr drehen und wenden wie ihr wollt.

Habe auch nichts Anderes behauptet.

SheepShaver schrieb:
Und man behebt das Problem nicht, in dem man Gewinner und Verlierer gleichmacht, sondern verschärfst es. Es kann nicht nur Gewinner geben, das ist Utopie und sozialromantische Fantasie.

Wer redet von "Gleichmachen" ?
Es geht darum den "Verlierern" ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
Viele fallen unverschuldet in ALG-II. Was können die dafür wenn es zuviele Bewerber und
zuwenige freie offene Stellen gibt. Sogar Hochqualifizierte kann es treffen.

Es gibt 126 000 Langzeitarbeitslose Akademiker in Deutschland.
 
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Godde schrieb:
"Regale bei Aldi einräumen kann jeder, eine Anwendung programmieren, nicht."

e-ing,

beides wird aber gebraucht oder machen das in Zukunft dann die Kunden, weil die Programmierer sauer sind, dass jemand für "niedere" Arbeiten auskömmlich bezahlt wird.

Es gibt sie aber nicht in gleicher Anzahl, auch ist die Bildungsinvestition für beide Tätigkeiten unterschiedlich. Ein Entwickler kann auch Regale einräumen, ein ungelernter Hauptschulabbrecher kann nicht für einen Entwickler einspringen. Der Bedarf ist bei Beiden vorhanden, die Anzahl der Arbeitskräfte, die diese Bedarfe decken können ist allerdings unterschiedlich verteilt.
 
Wie gesagt, wer im Wettbewerb nicht als Verlierer dastehen will, der muss Leistung bringen. Ohne den Leistungsdruck wäre das System nicht funktionsfähig bzw. nur eingeschränkt funktionsfähig. Wenn verlieren "nicht so schlimm" wäre, dann würde der Druck abgebaut.
 
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