Guttenberg, das Internet und die Medien

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simple10

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ACHTUNG! Ich bin mir bewusst, mit einem weiteren Guttenberg-Thema begebe ich mich auf dünnes Eis, deswegen fasse ich am Anfang schon mal zusammen: Die Frage ob es ein Plagiat ist oder nicht, ob Guttenberg ein Lüger oder Betrüger ist oder nicht, ob er gute Arbeit geleistet hat oder nicht, soll nicht Thema dieses Threads sein.
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Als Aufhänger für diesen Thread möchte ich gerne auf das Format Augstein und Blome verweisen, welches übrigens sehr sehenswert ist (Läuft seit Anfang dieses Jahres auf Phönix, aber auch auf Youtube zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=ba4A4VZrwBg )

Und hier zitiere ich mal eine Stelle:
"Das letzte Mal, dass die Deutschen einen so geliebt haben, gab es nachher 20 Millionen Tote"

Klar, der Ausspruch war auch hier bewusst überzogen und provozierend gewählt, doch habe auch ich genau das Gleiche gedacht, als ich über die riesen Welle von Begeisterung für Herrn zu Guttenberg gestoßen bin.

Gleich zwei Facebook-Gruppen gibt es, „Wir wollen Guttenberg zurück“ und „Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ beide je mit 500000 Fans. 2/3 meiner Facebook-Freunden gefällt auch diese Aktion, und dies sind fast alles Studenten, und sicherlich keine Bild-Leser.

Das Thema polarisierte die Medien, in der letzten Woche gab es fast täglich Talkshows und Sondersendungen, allesamt mit überdurchschnittlichen Quoten, nur über zu Guttenberg.
So z.B: auch die Sendung von Herrn Plasberg, welche bei der Umfrage mit tausenden Mails der „Wir wollen Guttenberg zurück“-Fraktion überschwemmt wurde.

Die Zeitschriften, allen voran „Der Spiegel“ und „Die Bild“ haben sich regelrecht einen Kampf um die Meinung der Bevölkerung zu Herrn zu Guttenberg geleistet. „Der Spiegel“ hat die Bildzeitung sogar direkt attackiert mit der Titelstory „Die Brandstifter“. (einen Artikel welchen man sich aber nicht kaufen muss, wer sich dafür interessiert schaue mal auf http://www.bildblog.de/ ;) )

Das interessante dabei, und zumindest meine Interpretation: Die postive Meinung zu Herrn Guttenberg hat durch die Affäre bei der breiten Bevölkerung kaum Schaden genommen. Die Medien wie Spiegel und Stern haben quasi die Kontrolle über ihre Leserschaft verloren, der Personenkult um die Person von Guttenberg scheint eine solche Eigendynamik entwickelt zu haben, welche nach dem Sturz von Herrn Guttenberg der Opposition sogar schaden könnte. Die Guttenberg-Fans planen ja selbst den Schritt auf die Straße …

Also, welche Rolle haben die Medien und das Internet bei der Meinungsbildung gespielt?
Wie ist es zu erklären, dass die Medien und die Bevölkerung diesmal meinungsmäßig so weit auseinander lagen?
Ist der schnelle Zusammenschluss zu tausenden bei Facebook eine positive Entwicklung und ein zeichen für Demokratie, oder nur ein Motor für blinden Populismus, eine Stimmungsmache ohne Reflektion?
 
Zuletzt bearbeitet: (Fehlerteufel)
Das ist für die Politikheinis ganz neu diese Situation.

Ich glaube, man kann den Gang der Dinge nicht kontrollieren oder vorhersehen im Netz. Wer hätte gedacht, dass sich hunderte daran beteiligen, die Plagiatsstellen zu finden. Das Gute daran ist: wenn es nicht vorhersehbar ist, muss man praktisch immer mit dem Schlimmsten rechnen. Und das wird über kurz oder lang dazu führen, dass unsere "Vertreter" etwas gewissenhafter und disziplinierter auch mit anderen Themen umgehen, weil jeder Fehltritt ihren Untergang bedeuten könnte.

Fair enough: in einer Welt, in er alles für alle immer schneller wird (Kommunikation, Arbeitsplatzwechsel, weniger Sicherheit bei der Rente und bei der Arbeit etc. pp.), insbesondere für den "kleinen Mann", ist es wohl nur gerecht, wenn die Jungs da auch mal aus ihrem 4-Jahres-Elfenbeinturm mit Supersonderabsicherung geschubst werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Leider ist das gar nicht so abwegig, viele lassen sich von seinem Auftreten, seinem und dem Aussehen seiner Frau und seinem Charisma, das er zweifelsohne hat, derart blenden, dass die Urteilsfähigkeit was richtig und was falsch ist sowie die eigentlichen Taten von ihm in den Hintergrund zu rücken scheinen. Da sind durchaus Parallelen zu erkennen die einen zum Nachdenken bringen sollten.

Interessant dazu auch ein Video bei Youtube über das ich heute Morgen gestolpert bin
https://www.youtube.com/watch?v=0LXGYMfG7bQ
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke, dass der von und zu Guttenberg sich immer sehr medienwirksam vermarktet hat und weniger über die Inhalte.
Ausserdem hatte er einen sehr guten Rückhalt in der Partei, wegen seiner Medienwirksamkeit.
Er hat einen dynamischen Eindruck vermittelt. Vorallem weil er wohl einer der wenigen Politker ist, die extrem viel Wert auf ihr Äußeres legen, ist er auch bei der jüngeren Generation gelandet.
Dabei ist der jüngeren Generation meist ein politischer Inhalt weniger wichtig.
Alle meine Freunde, die ich kenne und die jetzt für Guttenberg sind, sind typische Populismus-Wähler. Tiefer gehende Fragen, z.B. die dubiose Aussage von Guttenberg über Gegner des Internet-Sperrseitengesetzes und auch seine bisherige Karriere spielen dort überhaupt keine Rolle. Es geht nicht darum, dass da jemand mit Charakter, Ehrlichkeit, Erfahrung und Qualifikation ein politisches Vorbild oder ein würdiger Vertreter ist. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass die junge Generation (zu der ich mich auch zähle) in weiten Teilen den Überblick verloren hat, was in einer Demokratie wichtig ist und was nicht. Es ist nur noch die oberflächliche Erscheinung und das Auftreten wichtig. Man lebt mit der Demokratie und hält es für etwas normales und nicht für etwas Wertvolles. Ausserdem ist der Herr von und zu G. sehr charismatisch und auch selbstbewusst (oder auch dreist) und das kommt in unserer Jeder-Muss-Der-Stärkste sein Kultur sehr gut an, in der Bankräuber in Filmen die Coolen sind. Man muss den Befürwortern von Herrn v. u. zu. G. einen gewissen Realitätsverlust attestieren, da sie nichtmal nachdem er bewiesener Maßen betrogen hat anerkennen, dass ihre Haltung bzgl. dieser Person nicht gerechtfertig war. Stattdessen wird er zu einem politischen Märtyrer gemacht, der von den fiesen Medien geschlachtet wurde. Dass er selbst allerdings bereits bei seiner Einstellung als Wirtschaftminister mehr aufgetragen hat, als er eigentlich wirklich geleistet hatte, ist offenbar gar nicht in die Öffentlichkeit vorgedrungen.
Es zählt der Schein und der wird gewahrt, sogar von denen, die ihn hinterfragen sollten.
 
Wenn ich mir die Verflechtungen der Familie zu Guttenberg und der Bildzeitung, sowie den Freundeskreis der Kanzlerin anschaue, wage ich zu bezweifeln, dass die Springerpresse objektiv an die Sache heran geht.

Beleuchten wir zu erst die Familie und deren Tätigkeiten



- Ursula von Ribbentrop (* 19. Dezember 1932 in Berlin)

- Adolf Henkell-von Ribbentrop (* 2. September 1935 in Berlin), ehemaliger Mitinhaber von Henkell, verheiratet mit Christiane geb. Gräfin Eltz, der Mutter des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg

- Barthold von Ribbentrop (* 27. Dezember 1940 in Berlin), ehemaliger Chef der Börsenabteilung der Deutschen Bank

- Karl Ludwig von Guttenberg Chef vom Dienst (Stv.) der BILD

- Die zur „heimlichen First Lady“ stilisierte Stephanie zu Guttenberg ist Botschafterin der Bild-Aktion „Ein Herz für Kinder“

- Guttenberg absolvierte ein Praktikum bei „der Welt“

- Joachim Peter, Guttenbergs Berater in Fragen des strategischen Umgangs mit der Öffentlichkeit, war zuvor bei Springers Welt Parlamentskorrespondent

- Seine Biografin Anna von Bayern ist nicht nur eine Freundin des Ehepaars Guttenberg, sondern auch noch "BamS-Redakteurin“

- Guttenberg stellt das neue Buch des Bild-Parlamentschefs Nikolaus Blome vor

- Springer-Chef Mathias Döpfner ist nicht nur Fan der Wagner-Festspiele in Guttenbergs Stadt Bayreuth, sondern auch noch Fan vom Baron selber

- Bild-Chef Kai Dieckmann ist sehr gut mit dem Ehepaar Guttenberg befreundet


Wer so eng mit verwoben ist, kann so denke ich nicht objektiv über dieses Thema berichten. Nun folgen zwei Links aus Wikipedia welche Macht der Springer Verlag hier in Deutschland hat. Wenn ich nach Italien schaue und mir das Imperium Berlusconi ansehe, kann man, so denke ich, Parallelen ziehen.

Beteiligungen der Axel Springer AG
Publikationen der Axel Springer AG
(mir ist Bewusst, das Wikipedia in Wissenschaftlichen Arbeiten nicht als Quellenangabe zugelassen ist)


Quellen
1. klick

2. klick

3. klick

Auch der Freundeskreis der Kanzlerin ist sehr interessant. In der letzten Folge "Neues aus der Anstalt" wurde erwähnt, das eine Freundin einen Einflussreichen Posten beim Springerverlag inne hat.



Edit1: Auch die Meinung von Herrn Pispers ist sehr interessant, hier das Video dazu.
Edit2: Ich finde es schön, dass das Niveau in diesem thread so hoch ist und hoffentlich auch bleibt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Für mich zeigt die Situation die mangelnde Intelligenz der breiten Masse. Wenn es nach der breiten Masse ginge, wäre Herr Gutenberg im Amt geblieben und möglichst schnell zum Kanzler gemacht worden.

Ich bin inzwischen immer mehr überzeugt, dass es Menschen im Hintergrund gibt, die ganz bewusst auf diese Eigenschaft gesetzt haben und deshalb die Karriere Gutenberg überhaupt erst möglich gemacht wurde. Und das Leitmedium der breiten Masse hat hier doch bestens mitgespielt und spielt immer noch mit. Wie ist es zu erklären, dass die Bild, die jeden anderen Politiker wegen geringerem in Grund und Boden geschrieben hätte, Gutenberg so unterstützt?

Ich vermute, dass die Personen im Hintergrund den Protest der Akademiker, der Intelligenz nicht erwartet haben. Dieser Protest, der sich spätestens bei den anstehenden Landtagswahlen unmissverständlich im Wahlergebniss oder gar der Wahlbeteiligung niedergeschlagen hätte, war der ausschlaggebende Punkt Herrn Gutenberg doch aus der Schusslinie zu nehmen.

Mit Herrn Gutenberg hatte irgendjemand Großes viel vor. Deshalb hat es auch so lange gedauert, bis er nach dieser Verfehlung (seiner Doktorarbeit) aus der Regierung entfernt wurde. Da wurde schon viel zu viel investiert, man war schon viel zu weit gekommen, als dass man jetzt aufgeben wollte - getürkte Doktorarbeit hin oder her.

Bezüglich des Herrn, auf den bei Augstein und Blome Bezug genommen wurde, gibt es ja bis heute ähnliche Theorien, dass desen Karriere eben auch nicht ohne die entsprechenden Hintermänner möglich gewesen wäre.

Im Übrigen: ich war auch "Gutenberg-Fan", für mich war er eine neue Politikergenration usw.. Ich habe wegen ihm CSU gewählt.
Mir wird erst jetzt, angesichts des Umgangs mit der ganzen Sache, überhaupt erst bewusst, dass da etwas sehr link gelaufen ist / läuft.



TomBolo
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin der Ansicht, die "Affäre" Gutenberg (wenns nicht so traurig wäre würde ich schreiben Posse) ist die Spitze eines endlich langsam wachsenden Eisbergs. Die Macht des Internets (Wiki-Leaks, Arabischer Raum und eben auch Gutenplack) zeigt (endlich), das sich die soziale Struktur den geänderten Bedingungen in der Welt des Informationszeitalters anzupassen beginnt. Ich denke keiner weiß, was daraus erwachsen wird und eine Wertung ob gut oder schlecht ist nicht nur unmöglich, sie ist auch schlicht sinnlos.

Wenn ich mir allerdings anschaue, wie (Entschuldigung) Grottenschlecht die etablierte politische Klasse seit Jahren ihre Arbeit verrichtet (mit was für einem Gehalt dazu) bin ich geneigt zu sagen, schlechter kanns auch kaum werden.

Die Menschen wirds allerdings nicht ändern. Sie werden in der Masse nach wie vor dem schönen Schein nachlaufen (seufz). Dennoch bin ich der Ansicht, das eine gewisse Entmachtung der meinungsbildenden Presse, die ihre Arbeit in den letzten Jahren wie ich finde auch nicht besser gemacht hat als die Politiker, ein eher positiver Aspekt ist.

Das Thema ist damit natürlich nicht erschöpfend behandelt, aber ich denke dazu sind wir hier auch im falschen Forum.
 
@ ~Lunes~

Vielen Dank für das Video!
Ich denke, dass die Frau, die da interviewt wird, repräsentativ für einen sehr großen Teil der Guttenberg-Anhänger ist.
Denn die Frau ist offensichtlich eine, die keine Ahnung hat, die nichts über die politischen Taten des Herrn zu Guttenberg weiß. Aber trotzdem mag sie ihn und behauptet, er habe einen guten Job gemacht. Alle Guttenberg-Gegner sind ihrer Meinung nach nur Neider. ^^

Ich finde das immerwieder zutiefst traurig und beschämend für Deutschland, wenn man sieht, wie leicht die große Masse der Leute beeinflussbar ist. Das lässt meine Hoffnung darauf, dass sich mal grundlegend etwas ändert in unserem Land, arg schwinden.
 
Zuletzt bearbeitet:
TomBolo schrieb:
Für mich zeigt die Situation die mangelnde Intelligenz der breiten Masse.

Und genau DAS ist die Gefahr unserer heutigen Gesellschaft. Dieses Defizit zeigt sich in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Sei es Politik, Ernährung und Gesundheit, Finanzen oder einfach die Familie.
 
Interessant dazu auch ein Video bei Youtube über das ich heute Morgen gestolpert bin
https://www.youtube.com/watch?v=0LXGYMfG7bQ
Und genau mit solchen "Argumenten" habe ich es bislang auch mit den Befürwortern zu tun. Es ist Traurig, aber wahr. Mich wundert es langsam nicht mehr, das Deutschland immer mehr bergab geht.

Sind die Medien dran schuld? Stichwort Volksverdummung? Ich kann es mir nicht vorstellen, denn auch ich bekomme alle Aktuellen Medien mit, und kann bzw versuche es einzuschätzen, welchen Stellenwert diese Nachricht haben könnte. Wenn ich mich mit einem Thema überhaupt nicht auskenne, dann erkundige ich mich, und versuche mir dann, aus den gesammelten Informationen eine eigene Meinung zu Bilden.

Und nun stelle ich mir die Frage, was kann man tun, damit die "Intelligenz " in Deutschland wieder zu nimmt?
 
@Der Trost

Respekt, beeindruckende Faktensammlung. Aber dafür, dass die Bildzeitung NICHT objektiv ist, dafür braucht man keine dieser Informationen :D
 
Zitat
CyberdyneSystem

Und nun stelle ich mir die Frage, was kann man tun, damit die "Intelligenz " in Deutschland wieder zu nimmt?


Da steckt schon mal einiges drin, in der Aussage.

Den Deutschen fehlt es an Intelligenz, selber ist man intelligent genug, das zu erkennen. Das ist schon mal sehr "selbstbewusst".
Und dann den Guttenberg als Aufhänger herangezogen, den Blender; ohne den nun wieder richtig und wichtig gearbeitet werden kann in Berlin.
Da stellt sich mir die Frage, was denn so tolles erarbeitet wurde, in den letzten Jahren, dass es da so wehement zu verteidigen gilt, vor den Blendern; die das Volk köderm,dem Volk, dem es an Intelligenz mangelt.
 
Hast du dir mal das Video angeschaut Dug? Und genau um diese Aussagen wie in dem Video geht es mir.
Zu Verteidigen gibt es meiner Meinung nach nichts aus den letzten Jahren, jedoch ist das was Guttenberg "geleistet" hat, kein Kavaliersdelikt, und sollte sich wie jeder andere Bürger an die Gesetze halten. Tut man dies nicht, muss man mit Konsequenzen rechnen, auch ein Guttenberg.

Und nun stelle ich mir die Frage, was kann man tun, damit die "Intelligenz " in Deutschland wieder zu nimmt?
Dies ist eine frage, die ich mir nun mal schon lange stelle. Ich habe eine Zeit lang in Schulen Berlins gearbeitet, und habe mitbekommen, wie heutzutage Unterricht geführt wird. Bei vielen Dozenten hatte ich den Anschein, das sie gar kein Lust haben, wissen weiter zu vermitteln.

Und dies macht mir Sorgen, und dann wundert es mich nicht, wenn man solch ein Video sieht. Und leider bekomme ich dies immer öfters mit, das mit solchen "Argumenten" wie in diesem Video ein Guttenberg verteidigt wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, diese Argumente zeigen einfach, dass die Pro-Guttenberg-Fraktion auf einem recht schwachen Fundament aufbaut. Auf hauptsächlich subjektiven und emotionalen Begründungen, welche ich rational gesehen einfach nicht nachvollziehen kann.

Die Bild findet, Guttenberg habe die Menschen für Politik begeistert, und dies wäre gut.
Doch wenn die Begeisterung um die Person Guttenberg solche Formen annimmt, finde ich dies mehr erschreckend.

Die politische Diskussion beschränkt sich auf Platitüden, Banalisierung und Halbwissen.
Oh Gott, das sehe ich ja schon alleine daran, dass wenn ich über politische Themen sachlich Diskutieren will, in einem Computerforum schreiben muss. Wurde ich so was bei meinen Freunden oder in Facebook versuchen wurde ich wohl nur ausgelacht werden. xD

Ich denke der Hauptgrund für die Politikverdrossenheit ist, dass der einzelne denkt (und dies nicht ganz zu unrecht) kaum was ausrichten kann.

Von daher ist das Internet schon ein starker Motor für Demokratie. Die Unterschriftensammlungen und damit schnellen Druck-Aufbau auf die Politiker ist einfach wie noch nie.
Doch sowohl Segen wie auch Problem dabei: Das Internet wird nicht moderiert. So kann es sowohl der Aufklärung dienen (WikiLeaks, GuttenPlag) als auch reinen blinden Aktionismus und Populismus.


Zur Frage wie man die „Intelligenz“ in Deutschland anheben kann: Ich denke das Hauptproblem hier ist und bleibt unsere Schulbildung.
In meinen 13 Jahren Schulzeit standen aktuelle politische Themen oder kritischer Umgang und hinterfragen der Medien nie auf dem Stundenplan. Es waren vielleicht 2-3 Lehrer, die hier von ihrem Lehrplan abgewichen sind. Wird dann zu Hause auch nie über Politik geredet – woher soll das Interesse kommen?
Eigentlich bin ich den Computerspielen hier zu großem Dank verpflichtet. Wie in der Politik und Medien mit den Themen Killerspiele oder Vorratsdatenspeicherung umgegangen wurde, hat dazu geführt dass ich von nun an den Politikern genauer auf die Finger schaue, und hinterfrage. ^^
 
Zuletzt bearbeitet:
CyberdyneSystem schrieb:
Sind die Medien dran schuld? Stichwort Volksverdummung?

Nein!
Meine Meinung: 75% der Menschen sind dumm, schon immer und überall auf der Welt. Dafür gibt es unzählige Beispiele in der Geschichte. Im Prinzip beruht das gesamte System auf dieser Tatsache.
Das kann man nicht ändern, man muss es händeln.

Was die Macher von Gutenberg wollten weiß man nicht - vielleicht nur das beste.
Wie dieser Lapsus mit der Doktorarbeit passieren konnte, ist mir am wenigsten klar.
Wenn ich jemanden so installiere, so zum neuen Messias der Masse aufbauen will, dann muss ich doch damit rechnen, dass alles, aber auch jede Kleinigkeit aus dessen Lebenslauf überprüft werden wird.


TomBolo
 
Ich glaube nicht, das 75% der Menschen "dumm" sind. Ich denke, das liegt unter anderem an den Interessengebieten. Nicht jeder hat das Interesse sich mit Politik auseinander zu setzen. Stattdessen wird nach Sympathie beurteilt, wie es aktuell beim Herrn Guttenberg der Fall ist.

Andererseits bin ich der Meinung, das Politik ein sehr wichtiges Thema ist, mit dem sich jeder ein wenig befassen sollte. Und dies sollte schon in der Schule der Fall sein.
 
@ CyberdynSystem

Naja, ich werde halt aus deinen Aussagen nicht schlau.

Nur eine bestimmte Aussage im Video ist dumm oder doch das ganze Volk?

Es liegt an der Politik, die ist nicht so gut, aber eigentlich liegt es auch daran, dass sich die Leute nicht so dafür interessieren; für die nicht so gute Politik.

Die Dozenten arbeiten auch nicht so gut oder sind doch die Studis zu faul? oder dann doch die Interessengebiete?

verstehst du, so wirkten deine Posts auf mich als "Leser".

Überall wird apelliert: Interessiert euch mehr, seid moralischer, seid intelligenter, usw usw
Wo leben wir denn, das man die ganze Zeit den Leuten irgendwas über Moral und Anstand beibringen muss? Was ist denn das für eine Gesellschaft in der es offenbar keiner keinem rechtmachen kann; bei genauerer Betrachtung wird man feststellen, dass man sich selbst (von außen betrachtet) nahtlos einfügt. Aber erst mal appeliert man an alle anderen.
Das greift mir alles viel zu kurz und ist zu mühsig.


Ich will mal ein paar Erklärungsansätze aus meiner Sicht liefern:

Parteien können heute weder "regieren" noch bieten sie "Alternativen" wie sie regieren.
Sie können nur noch "Verwaltungsaufgaben" wahrnehmen, "den Laden am laufen halten".
Sie können unser Wirtschaftssystem nicht in ein, dem Menschen dienliches System umwandeln, sie können es nicht, und wenn sie es 100 mal von der Oppositionsbank schreien; egal welche Partei.
Das haben die Leute vielleicht unbewusst kapiert und sind deshalb "Politikverdrossen", was natürlich viel zu kurz gegriffen ist.
Guttenberg hat viele dieses unbewusste Gefühl vergessen lassen, es war mal kurz egal, dass die Mechanismen unseres Zusammenlebens mit Betong zementiert und gefestigt sind.
Man hat sich auf den Typ konzentriert, ob pro oder contra.
So, jetzt isser weg, und was kommt jetzt?
 
Zuletzt bearbeitet:
Nur eine bestimmte Aussage im Video ist dumm oder doch das ganze Volk?
Nein, du hast mich missverstanden bzw ich mich schlecht ausgedrückt. Das Video zeigt meine Erfahrungen die ich bislang sammeln durfte zum Thema Guttenberg. Erst vor einer Stunde, hatte ich eine Diskussion bei Facebook, wo doch gefordert wurde, Guttenberg wieder ins Amt zu lassen. Auf Meine frage, warum man Ihn wieder ins Amt lassen sollte, wurden die gleichen "Argumente" wie im Video gebracht, ohne diese richtig Konkretisieren zu können.

Dies ist für mich nicht gerade Schlau, denn wenn ich mich mit etwas nicht Auskenne, halte ich mich raus, oder Informiere mich richtig. Gebe ich dennoch immer und immer wieder das gleiche "Argument" ab, ohne Konkretisieren zu können, mangelt es meiner Meinung nach an Intelligenz
Es liegt an der Politik, die ist nicht so gut, aber eigentlich liegt es auch daran, dass sich die Leute nicht so dafür interessieren; für die nicht so gute Politik.
Zum einen ist unsere heutige Politik wirklich nicht Berauschend, daher entziehen sich viele schon (nur vom Hören sagen), aus der Politik. Jedoch bin ich der Meinung, das man dies nur dann beurteilen kann, wenn man sich ein wenig mit Politik befasst hat. Zur meiner Schulzeit damals, war das fach Politik Pflicht, und man hat uns versucht, das wichtige Thema schmackhaft zu machen. Dies scheint heute gänzlich zu fehlen.
 
Zuletzt bearbeitet: (Ich hoffe nun versteht man mich :))
Gut, angenommen die Leute interessieren sich mehr für Politik, sie wissen wies läuft.
Was dann?


Was ändert sich?

Die Wahlbeteiligung geht hoch? oder runter?

Verstehst du, der maximale Hebel den wir haben ist, eine andere Regierung zu wählen. Na Bravo. Das dies meiner Meinung nach nix bringt habe ich oben geschrieben.

Mich würde mal interessieren, was du denn meinst, was die Politik überhaupt für Handlungsspielräume hat?

Irgendwo im Niemandsland zwischen Haushaltsdefiziten, dem Konkurrenzkampf mit anderen Ländern und der nächsten Landtagswahl sollen Interessen der Bürger wahrgenommen werden.
 
Gut, angenommen die Leute interessieren sich mehr für Politik, sie wissen wies läuft.
Was dann? Was ändert sich? Die Wahlbeteiligung geht hoch? oder runter?
Ist schlecht vorher zu sagen. Ich denke jedoch, wenn man sich nur ein wenig mit Politik befassen würde, das die Stimmenabgabe, einer Wahl, ganz anders aussehen würde.

Aus meinem Bekanntenkreis (um mal ein Beispiel zu nennen) ist das bislang immer so von statten gegangen. "Ich bin seid 30Jahren SPD Wähler, also wähle ich diese auch heute noch". Und genau da sehe ich das Problem. Ich Persönlich schaue mir von jeder Partei das Programm an, und forsche, ob dies wirklich alles klappen könnte, oder nicht. Und dementsprechend gebe ich meine Stimme.

Das sich leider alle Parteien nicht mehr viel nehmen, ist ein Zeichen, das wir (das Volk) zu viel durchgehen lassen haben. Wir sind halt nicht die Nation, die auf die Straße geht, wenn einem etwas nicht gefällt. Und wenn doch, sind es meist sehr wenige, die nicht viel ausrichten können.

Allerdings habe ich das Gefühl, das zum ersten mal, ein kleiner Ruck durch die Bevölkerung geht, wenn man sich mal die Aktuellen Wahlergebnisse Anschaut.
 
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