Guttenberg, das Internet und die Medien

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@cyberdynesystem

ich verstehe deine aussage nicht, wonach das volk den politikern zuviel hat durchgehen lassen.
ich dachte die politik ist lediglich repräsentation des volkes und hat selbst aber keinerlei interessen, die von denen des volkes abweichen.
wenn aber die politik nur die interessen des volkes vertritt (so wirds einem ja beigebracht), dann ist die aussage, das volk hätte etwas durchgehen lassen, unsinnig.
denn dann hätte das volk seine interessen durchgehen lassen, weswegen das volk nun wiederum verdrossen sein soll? das passt irgendwie nicht oder? ;)

versuchen wirs mal anders:
1) die politik hat eigene interessen - nämlich u.a. dass das volk sie auch ja wieder wählt.
2) das volk hat die interessen, die die politik dem volk schmackhaft macht und für die sich die politik als verwalter, retter etc. inszeniert.
das volk rennt deswegen dann alle vier jahre zur freien und geheimen wahl, legitimiert politik und stellt sich irgendwann wieder hin und beschwert sich, dass man was hat durchgehen lassen.
irgendwie ein ziemliches affentheater :)
aber so wirds auch weiterhin laufen, weil das volk einfach nicht vom märchen ablassen will, das da lautet: "die politik sollte doch 'eigentlich' (gefährliches wort) für uns da sein."
und so lebte das volk vergnügt bis ans ende seiner tage.
ende.
 
Das Problem, besonders bei diesem Fall aber auch alles was im Moment in Nordafrika geschieht, ist das mittlerweile Medien nicht mehr Meinungsbildend sind sondern nur noch Meinungsmache betrieben.

Wahrscheinlich ist die Gesellschaft auch inzwischen so, salopp gesagt dumm, so dass man sich keine Gedanken mehr machen will und das ein andere das Denken übernehmen soll.
Und wie das endet wenn man sich einen "Führer" wünscht wissen wir alle!
 
marcol1979 schrieb:
..., ist dass mittlerweile Medien nicht mehr Meinungsbildend sind sondern nur noch Meinungsmache betrieben. ...

Wo ist Deiner Meinung nach der Unterschied zwischen meinungsbildend sein und Meinungsmache betreiben?


Was willst Du mit Deinem Post sagen?


TomBolo
 
Sobald ein Großteil einer Bevölkerung, welche eben nicht aus Akademikern, sondern aus Durchschnittsverdienern, die oftmals bis zur 10. Klasse die Schule besucht haben und daher keinen persönlichen Bezug zur akademischen, wissenschaftlichen Arbeit haben, das geschaffene (auch wenn gerechtfertigte) Drama nicht ganz nachvollziehen können, erscheint mir das mehr als Rational, als das man versucht, den Zulauf zu einem Politiker, dessen Lügen gegenüber der allgemeinen Gesellschaft einen vermeintlich weit aus weniger großen Schaden und Vertrauenseinbruch angerichtet haben, als die Lügereien von gewissen SPD, CDU, Grünen, als einen Art "Kult" zu bezeichnen und im selben Atemzug dieses Verhalten mit dem zu vergleichen, welches Adolf Hitler zur macht gebracht hat.

Ganz großes Niveau, ihr auserkorenen, selbstgerechten und ach so überqualifzierten Intellektuellen. Und dann noch über 'Bild'-Leser herziehen, so lob ich mir das.

Um auf Meinungsmachend und Meinungsbildend einzugehen.

Seine eigene Meinung kann man aufgrund von meinungsmachenden Medien bilden.
Sei's der Spiegel, die FAZ oder die Bild "Bild dir deine Meinung" (höhö) - alle beherbergen den Einfluss einer meinungsmachenden, subjektiven Note.
 
Zuletzt bearbeitet:
GNR schrieb:
Sobald ein Großteil einer Bevölkerung, welche eben nicht aus Akademikern, sondern aus Durchschnittsverdienern, die oftmals bis zur 10. Klasse die Schule besucht haben und daher keinen persönlichen Bezug zur akademischen, wissenschaftlichen Arbeit haben, das geschaffene (auch wenn gerechtfertigte) Drama nicht ganz nachvollziehen können, erscheint mir das mehr als Rational, als das man versucht, den Zulauf zu einem Politiker, dessen Lügen gegenüber der allgemeinen Gesellschaft einen vermeintlich weit aus weniger großen Schaden und Vertrauenseinbruch angerichtet haben, als die Lügereien von gewissen SPD, CDU, Grünen, als einen Art "Kult" zu bezeichnen und im selben Atemzug dieses Verhalten mit dem zu vergleichen, welches Adolf Hitler zur macht gebracht hat.

Wenn Du es für sinnvoll erachtest, Dich mit Hilfe eines solchen Satz-Konstruktes zu artikulieren, dürfen Dir keine Rechtschreibfehler unterlaufen.

Ich kriege die Kernaussage Deines Satzes leider nicht ganz zusammen.

Weiterhin kann man einen Begriff nicht mit sich selbst erklären - oder habe ich die Ironie überlesen?

Selbe Frage: was willst Du uns mitteilen?


TomBolo
 
Zuletzt bearbeitet:
Bevor wir uns hier auf die Schultern klopfen, unsere eigene "Intelligenz" preisen und die "Dummheit" der Guttenberg-Anhänger verspotten, eine kleine Anmerkung:

Intelligenz hat NICHTS mit Wissen zu tun. Auch ein intelligenter Mensch kann sehr wohl vorgeführt werden, besonders, wenn er etwas glauben will; die größte Arroganz ist, sich selbst zu den Intelligenten zu zählen, während alle anderen (natürlich!) doof sind.

Ich lasse mal dahingestellt, ob es ein Zeichen von Intelligenz ist, sich selbst für schlau und alle, die nicht der gleichen Ansicht sind, für doof zu halten.

Als ob EINE Meinung zu einem politischen Thema über Intelligenz entscheiden würde. :rolleyes:

Das geht mir schon lange auf den Sack, diese Selbstlobhudelei. Im Internet leider weit verbreitet.
 
Was ich nur extrem finde, dass 1000te auf die Strasse gehen wollten wegen den Herr zu Guttenberg?
Hohe Benzinpreise? Weniger Lohn? usw. alles egal. Dafür muss der Deutsche nicht demonstrieren...

Armes armes Deutschland... Wenn das so weiter geht, kann man nur noch auswandern.
 
Der Trost schrieb:
Auch der Freundeskreis der Kanzlerin ist sehr interessant. In der letzten Folge "Neues aus der Anstalt" wurde erwähnt, das eine Freundin einen Einflussreichen Posten beim Springerverlag inne hat.

Warum erwähnst du nicht, dass die Kanzlerin bestens mit Friede Springer und Liz Mohn befreundet ist? Sogar von Kaffekränzchen im Kanzleramt durfte man schon hören. Die wohl mächtigsten Frauen des Landes, Politik und Medien, bestens vernetzt.

Wie in Berlin inzwischen Politik gemacht wird, haben schon zuvor, vor der Guttenberggeschichte, Journalisten kritisiert. Die Pressekonferenz sei zur reinen Schauveranstaltung verkommen, wo nichts mehr wirklich offenbart wird. Die wirklich wichtigen Informationen, und Anweisungen was geschrieben werden soll, gäbe es in Hinterzimmern der Ministerien und nur für auserwählte. Komischerweise wurde diese gängige Praxis bei den Erklärungen seitens Guttenberg heftig kritisiert, auch weil, aus bekannten und von dir genannten Gründen, mal wieder die BILD früher als anderen Bescheid wusste.

Je mehr dieser Netzwerke öffentlich werden, desdo transparenter wird die Politik. "Wir" Bürger reagieren nicht umsonst mit der Mutation zum "Wutbürger", auf diese Art der Machtausübung, wo Politiker mit Wirtschaftsspitzen und den Medien gemeinsame Sache machen, die wahrlich häufig keineswegs den Interessen des Volkes dient. Maschmeyer wäre da zu nennen, aber auch die Riesterrente, S21, Roland Koch + Roland Berger, Gerhard Schröder + Gazprom, die Finanzkrise mit all ihren Merkwürdigkeiten.. und vieles mehr.

Guttenberg sollte noch viel im Lande tun, laut der Springerpresse sogar ins Kanzleramt, ein Mann der Wirtschaftsminister in der größten Wirtschaftskrise der BRD wurde, der mit seinem Bruder das Familienvermögen, an der deutschen Erbschaftssteuer vorbei, in eine Stiftung in Österreich gebracht hat.. Deutscher Michel wach auf, Hochglanzfotos und hübsches Grinsegesicht und adeliger Name sind kein Garant für Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und ordentliches Benehmen, über politische Leistung sagt das auch nichts aus.
 
flo.ct schrieb:
Zwar haben sie kaum Argumernte..

Haben sie kaum Argumente? Oder läßt du sie einfach nur nicht als Argummente gelten?

Klar, bei Guttenberg spielt auch viel Show mit und er läßt sich Geschickt von den Medien als Popstar inszenieren. Ich finde das auch toll. Endlich einer der kein grauen Anzug trägt und kein Sesselfurzer ist.

Bei Maischberger wurde Trittin gefragt, wer denn die Lücke füllen könnte die Guttenberg hinterläßt.

Trittin (sinngemäß): Keiner. Wir müssen eben die Leute mit guter Politik begeistern.

Haudrauff: Bullshit! Die hatten lange genug Zeit die Leute mit guter Politik zu begeistern. Sowohl Schwarz-Gelb als auch Rot/Grün. Die Wahlbeteiligung zeigt immer nur einen Trend: Abwärts.

Wenn dann also so ein Guttenberg daherkommt und es schafft auch junge Menschen überhaupt und erstmalig für die Politik zu begeistern, dann hat er alles zu 100% richtig gemacht.
Die Politiker müssen ja nicht unbedingt gleich so eine Show wie in Amerika abziehen. Aber ein bischen Show darf ruhig sein.
Auch Joschka Fischer hat viel von seinem Personenkult profitiert. Schröder in gewisser weise auch. Oder glaubst hier jemand diese beiden wurden nur aufgrund ihrer politischen Ideologien gewählt?
Guttenberg ist halt ne Mischung aus diesen beiden: Charmant und gut angezogen
 
Beides? Wenn man Guttenberg als schizophrene Persönlichkeit sehen will, bei der Lügen und Betrügen bei der Dr.-Arbeit keine Bedeutung für seine politische Position hat - nur zu. Ich finde die Argumentation einfach nur schwach.

Ja, Begeisterung für die Politik ist ja schön und gut. Doch wird sich hier für die Politik begeistert, oder für den Politiker?
Also komm, die Begeisterung für Herrn zu Guttenberg hat doch nur den Blick von Merkel abgelenkt. Guttenberg ist doch nur ein Schutzschild gewesen, für die politischen Vorgänge welche wirklich im Hintergrund ablaufen.
Wenn sich die Leute nur für Politik auf Boulevard-Niveau interessieren können, sollen sie sich lieber überhaupt nicht interessieren.

Hier stehen dann nicht mehr Inhalte im Vordergrund, sondern Personen. Und da wären wir wieder beim Einleitungs-Zitat ;)
 
@TomBolo

Meinungsbildend = Der Zuschauer bekommt Nachrichten präsentiert (neutral) und kann sich selbst eine Meinung wie er dazu steht bilden

Meinungsmache = Der Zuschauer bekommt Nachrichten aufgedrückt und hat sich an die Meinung die dargestellt wird zu halten und darf sich selbst keine Meinung bilden.
 
@marcol1979

Quelle? Die Frage war eher rhetorisch gemeint.

Nimms mir nicht übel: aber das sind jeweils Deine Interpretationen dieser Begriffe und die können nicht zutreffen, weil der Zuschauer/Leser frei entscheiden kann.
Wie will der "Meinungsmachende" (nach Deiner Definition) steuern, dass wir uns an die dargestellte Meinung halten und keine eigene Meinung bilden dürfen?


Aber darum geht es ja nicht.


Mich erstaunt eigentlich, dass hier nur sehr wenige pro Guttenberg (mir Depp ist endlich mal aufgefallen, dass der Herr sich mit "tt" schreibt) schreiben.
Nach dem was uns in der Presse suggeriert müßten hier 60% für den ehemaligen Minister schreiben.
Ich würde nicht mal 5% in diesem Post Herrn Guttenberg zusprechen.


TomBolo
 
Die am Anfang des Threads genannten Facebook-Gruppen haben in meinen Augen herzlich wenig mit der tatsächlich herrschenden Meinung zu tun. Einige meiner Facebook-"Freunde" sind den Gruppen einfach so beigetreten, ohne sich mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Ist also eine Art von Gruppenzwang, wenn man so will.

Ob Guttenberg irgendwann mal tatsächlich zurück kommt oder nicht spielt dabei nicht wirklich eine Rolle.

Eine wesentlich größere Rolle spielt die Rückkehr Guttenbergs in die Politik jedoch für den Springerverlag und seine Absichten.

Einige interessante Aspekte an der Guttenbergschen Laufbahn und seinen Verbindungen zur Springerpresse sind ja schon genannt worden. Da liegt ein gewisses Eigeninteresse des Springerverlags an der Unterstützung von Herrn zu Guttenberg ja absolut nahe.

In meinen Augen geht es langfristig um die Sicherung der Platzierung eines Springer-nahen Politikers im Kanzleramt. Um nicht mehr oder weniger.
 
was soll der Hippholl ?

Charisma
Auftreten und Aussehen eines Bankers aus Frankfurt‘ s Fressgasse

Dr Arbeit
Verfassung u. Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA u. EU

Wie der Titel verrät konnten sich daran zuvor schon Etliche auslassen
 
thomas.calloran schrieb:
Die am Anfang des Threads genannten Facebook-Gruppen haben in meinen Augen herzlich wenig mit der tatsächlich herrschenden Meinung zu tun. Einige meiner Facebook-"Freunde" sind den Gruppen einfach so beigetreten, ohne sich mit der Sachlage auseinanderzusetzen. Ist also eine Art von Gruppenzwang, wenn man so will.
Aber genau das wird doch hier kritisiert bzw. es wird danach gefragt, wie stark die Medien uns manipulieren.
Und du lieferst mit deiner Aussage den besten Beweis dafür, dass die "große Masse" manipuliert wird. Du gibst ja selbst zu, dass die meisten ohne sich Gedanken zu machen einfach irgendetwas folgen (hier:Guttenberg). Dieses "einfach so" ohne sich Gedanken zu machen ist doch die Arbeit der Medien. Sie bilden für dich eine Meinung, du brauchst also keine eigene Meinung, musst nur der folgen, mehr erwartet man nicht von dir als "Bürger". Und schnell ist es ein "einfach so".


Zu den Fragen des TE:

Also, welche Rolle haben die Medien und das Internet bei der Meinungsbildung gespielt?
Kommt drauf an wie man die Medien und das Internet genutzt hat. Wer so "offen" ist, wie viele von uns, ließ sich eine Meinung bilden und fand den so tollen Verteidigungsminister ach so charismatisch und dies reichte für die "eigene Meinung" aus.
D.h. die Medien als Machtinstanz.
Der Rest von uns hat die Medien und das Internet als eine Informationsquelle genutzt, versucht also sich selbst eine Meinung zu bilden (ob pro oder contra ist egal).

Und da haben wir es wieder, es kommt immer auf den Menschen an, wie was bedeutet. Je nach dem, ob man gelenkt werden möchte (ist viel einfacher) oder selbst lenken möchte, können die Medien das bedeuten, was sie bedeuten sollen. Wer keine Lust hat so viel Zeit zu investieren, zu lesen, zu recherchieren, also einfach 2 Min RTL Nachrichten sehen möchte, dem ist es auch scheißegal wer Recht hat oder nicht. Hauptsache man verstreut "Glückshormone", also fühlt sich gut.



Wie ist es zu erklären, dass die Medien und die Bevölkerung diesmal meinungsmäßig so weit auseinander lagen?
Ich finde deine Frage impliziert schon eine Antwort, d.h. dass die Medien und Bevölkerung eine andere Meinung gehabt haben. Dem kann ich nicht zustimmen. Wer sucht, der findet auch. Es gibt für (fast) jede Meinung auch einen Vertreter in den Medien oder im Internet. Die Frage ist wie viel Zeit möchte ich investieren, also konsumieren oder konstruieren.



Ist der schnelle Zusammenschluss zu tausenden bei Facebook eine positive Entwicklung und ein zeichen für Demokratie, oder nur ein Motor für blinden Populismus, eine Stimmungsmache ohne Reflektion?
Ein Zusammenschluss bei irgendwo hat doch nichts mit der Demokratie an sich zu tun. Wenn der KK-Klan sich z.B. im Internet zusammenschließt, kann das ein Zeichen der Demokratie sein?
Demokratisch ist es, dass viele Gruppen auch in Facebook ihre eigene Meinung vertreten dürfen.

Zu der Sache mit Facebook und Co.: Ich persönlich finde das sehr gefährlich. Es muss nicht zu einem blinden Populismus kommen, aber die Gefahr ist zu groß bzw. die Wahrscheinlichkeit. Der User über mir hat dies ja bereits (für mich) bewiesen, dass das eher eine Meinungsmache ist als ein Zusammenschluss für eine Unabhängigkeit oder derartiges. Da kommt es wieder darauf an (ich wiederhole mich, ich weiß) wie man Facebook als solches nutzen möchte. Man sollte nicht nur der Masse wegen etwas tun. Oder vehement sich gegen die Masse stellen, nur damit man sich von den anderen abhebt. Man sollte entweder Zeit investieren und sich selbst eine eigene Meinung bilden oder wenn man dazu keine Lust hat, einfach keine Meinung darüber haben. Zu sagen "ich weiß zu wenig um eine Meinung zu äußern" finde ich persönlich eine Tugend für sich und vermisse diese auch öfters im Internet und/oder in der realen Welt.

mfg
 
Die Überschrift sollte doch eher lauten:

Guttenberg, die Medien und das Internet

damit die Positionen auch gegen einander stehen. Guttenberg ist doch als Pop-Star von den Medien aufgebaut worden und über das Internet entlarvt worden. Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.

Durch die technische Revolution des Internets ist eine Macht entstanden die einen Gegenpol zu dem etablierten manifestiert. Es ist ein Schritt von Demokratie/Meinungsfreiheit gegeben der von der "alten Frauen/Männer Generation" kaum verstanden wird oder verstanden werden kann. Viele Mächte/Regierungen weltweit haben deshalb auch Befürchtungen, das da was aus dem Ruder läuft. Da kann jetzt jemand ins Netz gehen und irgend welche Schandtaten aufdeckten und weltweit verbreiten. Oh sch...... Das gab es früher aber nicht. Man mußte gewisse Personen nur "isolieren" und der vermeintlich freien Presse einen Warnhinweis geben. Damit sind dann viele Sachen unter den Tisch gefallen.

Das Internet ist deshalb für mich die größte Form der Demokratiebewegung weltweit.
 
simple10 schrieb:
Also, welche Rolle haben die Medien und das Internet bei der Meinungsbildung gespielt?
Wie ist es zu erklären, dass die Medien und die Bevölkerung diesmal meinungsmäßig so weit auseinander lagen?
Guttenberg war so schlau, sich selbst als Opfer darzustellen. Die Leute sind geradezu begeistert davon, sich mit jemandem zu solidarisieren, dem von den Medien ja "so übel mitgespielt wurde". Insbesondere weil die großen Medien "auf ihm Rumhacken", stellt man sich dann als "Protest" dagegen.
Und die BILD macht diese typische Internet-Blogger-Rebellen-Haltung im Fall Guttenberg quasi gesellschaftsfähig. Außerdem hat sie Guttenberg bekannt gemacht und gepusht.
Warum ist der überhaupt so beliebt geworden?
Zunächst war er plötzlich in aller Munde (dank BILD) und verkörpert dabei den typischen Strahlemann (das ist noch nicht der Grund).

Und jetzt das Paradoxe:
Die Erfahrung lehrt, daß man bei Strahlemännern misstrauisch sein sollte. Das kennen die meisten aus dem normalen Leben, man kennt's aus der Geschichte, und in Filmen ist das ebenfalls oft Thema:
Der Strahlemann ist ein Angeber, bei dem alles perfekt scheint (gutaussehend, gebildet, charmant, etc.), aber in Wirklichkeit ist er der Bösewicht.
Aber warum ist er dann so beliebt?
Weil man Angst davor hat, jemanden vorschnell zu verurteilen. Man sieht eben diesen Guttenberg und empfindet im ersten Moment vielleicht sowas wie Misstrauen, besinnt sich dann jedoch darauf, keine Vorurteile zu haben. Und weil man wie gesagt Angst davor hat, diesen Vorurteilen bzw. der eigenen Intuition zu erliegen, stellt man sich mit aller Macht dagegen.
Dann liest/hört man plötzlich von vielen anderen Menschen (motiviert durch BILD), die "herausgefunden" haben: Der ist garnicht so schlimm ... total symphatisch, nett, macht einen guten Job, etc.
Und dann ist man stolz darauf, nicht seinen Vorurteilen erlegen zu sein.

Bei der jetzigen Solidarisierung mit einem Betrüger (der außerdem noch immer nicht gestanden hat) spielt dann außerdem noch die genannte allgemeine Anti-Haltung der Internetgemeinde mit rein, die sich intelligent, heldenhaft und individuell vorkommt, wenn sie nicht mit dem Strom schwimmt (da die großen Medien Guttenberg verurteilen, denken sie, sie würden gegen den Strom schwimmen), und anderseits das allgemeine Bedürfnis zu demonstrieren.
Sich in einer aufgebrachten Masse zusammen zu finden, die sich gegen "das unfaire" stellt ist toll .. da weht immer ein kleiner Wind von Revolution mit, und man hat das Gefühl, etwas zu bewegen (ähnliches Phönomen gab's kürzlich bei Stuttgart21).

Man will zeigen, daß das Volk die Macht hat, und daß man einen "Kameraden", der angeblich viel zu hart für "eine Kleinigkeit" verurteilt wird, nicht im Stich lässt.
Mit der Opfer-Rolle hat sich Guttenberg als Held positioniert. Allein sein Schauspiel hat wahrscheinlich viele dazu bewegt, zu glauben, daß da ein armer Kerl, der nur das beste wollte, jetzt wegen "einer Kleinigkeit" brutal entlassen wurde.

simple10 schrieb:
Ist der schnelle Zusammenschluss zu tausenden bei Facebook eine positive Entwicklung und ein zeichen für Demokratie, oder nur ein Motor für blinden Populismus, eine Stimmungsmache ohne Reflektion?
Weder noch.
Prinzipiell ist es allerdings eine gute Entwicklung, daß das Internet benutzt werden kann, um Meinungsgruppen zu bilden. Das Internet ist zumindest schwerer zu steuern als "außerhalb", da es im Internet selbst so gesehen keine wirklich etablierten Medien gibt.
Klar, es gibt viel gelesene News-Seiten/Bloggs etc., aber letztendlich haben die nicht so ein krasses Übergewicht gegenüber Meinungen von "Niemanden". Letztendlich kann im Internet jeder "Niemand" plötzlich zum "Jemand" mit vielen Followern werden. Das Internet ist dynamisch und es ist leichter, seine Meinung an viele Menschen zu bringen, als sonst irgendwo.
 
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