Hallo
Nolle schrieb:
Arbeitnehmer/Angestellter welcher für die Wartung und Reparatur von Medizinischen Geräten verantwortlich ist macht auf Arbeit einen Fehler
Da kann ich dir als Technischer Leiter in der Medizintechnik sagen, das kann (je nachdem was passiert ist) ein ganz heikles Thema werden.
Nolle schrieb:
(ist ja letztendlich menschlich).
JA und Nein, das hängt davon ab was für ein Fehler es war und ob Fahrlässigkeit des Technikers vorliegt:
War der Techniker nicht ausreichend ausgebildet ?
War der Fehler vermeidbar ? War der Fehler ein "Unfall" oder lag es an Fahrlässigkeit des Technikers ?
Passierte der Fehler wegen einem Materialfehler eines Ersatzteiles ?
Ist der Fehler wegen fehlerhaftem/falschem Reparatur/Mess Equipment passiert ?
Hat der Techniker nicht freigegebene/zertifizierte Ersatzteile benutzt und hat er diese wissentlich benutzt ?
Hat der Techniker evtl. vorgeschriebene Prozeduren vernachlässigt (Zeitmangel/Unwissenheit) ?
Hat der Techniker evtl. eine falsche/fehlerhafte Anweisung seiner Firma oder seines Vorgesetzten ausgeführt ?
Wurde evtl. ein Bedienfehler nach der Reparatur gemacht ?
etc.
Ich erzähle meinen Technikern ständig, das sie Geräte stilllegen und ein Ersatzgerät hinstellen sollen wenn sie nach einer Installation/Wartung/Reparatur nicht sicher sind, ein Tag Ausfall ist besser als ein toter Patient.
Genau aus diesem Grund bin ich da rigoros, mir erzählen Ärzte ständig das Ihnen die Wartungen zu teuer sind und wir die alten Teile weiter benutzen sollen, da kommt von mir immer ein Nein entweder vernünftig oder Stilllegung.
Ich hatte hier auch einen Techniker der meinte Wartungen zeitlich "abzukürzen" um pünktlich zu Hause zu sein, der hat die Wartungen gerne "verkürzt" und beim anschliessenden Testlauf geschummelt, der war nicht lange hier.
Reparaturen in der Medizintechnik unterliegen dem MPG und sind durch ein QM Management geregelt, solange sich der Techniker penibel daran hält und keinen fahrlässigen Fehler macht hat er eigentlich nichts zu befürchten.
QM Beauftragte haben da einen Lieblingsspruch: "Was nicht dokumentiert ist gilt als nicht erledigt." Deswegen immer alles penibel dokumentieren (Evtl. sogar Fotos machen) um für so einen Fall vorbereitet zu sein.
Nolle schrieb:
Darauf hin verunglückt ein Benutzer oder Patient tödlich weil das Gerät nicht richtig funktioniert.
Was heißt das Gerät funktioniert nicht richtig ? Um was für ein Gerät handelt es sich ? Ist ein Bedienfehler auszuschliessen ?
Ich habe es schon öfters erlebt das die Bediener/innen Fehler machen und versuchen den Fehler auf das Gerät und/oder den Techniker zu schieben, die Schuld für Fehler wird im Berufsalltag gerne auf andere geschoben.
Nolle schrieb:
Was für folgen hat dies speziell für den Arbeitnehmer?
Er wird zumindest angehört, wenn man Ihm eine vermeidbare Schuld oder sogar Fahrlässigkeit nachweisen kann dann kann es vor Gericht gehen und böse enden.
Nolle schrieb:
Allerdings überlege ich mich auf einen Techniker Platz in dieser Branche zu bewerben.
Wenn ich dir einen Rat geben darf, fang nicht in einer kleinen Hinterhof Ballerbude an die nicht penibel nach dem MPG (Medizinproduktegesetz) arbeitet und kein vernünftiges QM Management hat und nicht ausreichend einarbeitet.
Es gibt in der Medizintechnik (vor allem im Dentalbereich) viele kleine Hinterhof Ballerbuden die mehr fummeln als arbeiten, der Kuchen und die Margen sind in diesem Bereich sehr groß und viele wollen ein großes Stück abhaben.
Nolle schrieb:
Und da wird man ja über solche Risiken nachdenken dürfen.
Das darfst du nicht überbewerten, das kann einem KFZ Machaniker der Bremsbeläge tauscht auch jederzeit passieren.
Grüße Tomi