sc00ty
Commander
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Andy schrieb:Blödsinn, gerade im internationalen Vergleich steht Deutschland sogar recht gut dar. Schulden ja, aber pleite noch lange nicht. Und Hetze ist es auf alle Fälle, wenn man eine Erhöhung der Hartz-4-Sätze mit spätrömischer Dekadenz vergleicht.
(...)
Man kann diskutieren, man kann überlegen wie man Hartz 4 umgestaltet, aber bitte nicht auf dem Niveau des Herrn Westerwelle. Er beleidigt Hartz-4-Empfänger und sorgt erneut für gespaltene Lager, aber manch einer kommt wohl aus seiner Oppositionshaut nicht raus.
Er wälzt das Problem nicht auf die Hartz4-Empfänger ab, beleidigt sie auch nicht. Er sagt klar und deutlich, dass die Gefahr einer "spätrömischen Dekadenz" besteht, sollten die Änderungen vorgenommen werden. Was ist daran Hetze? Er hat eine aggressive - und aus Berlin ungewohnte - Art seine Meinung auszudrücken. Aber er sagt doch das, was die meisten Arbeitnehmer (vor allem die weniger verdienenden) denken: Wenn die Sätze weiter erhöht werden, erhält man für's nichts tun, mehr Geld als für's Arbeiten. Daraus würden viele den Schluss ziehen, dass es nicht nötig sei zu arbeiten. Daraus folgt Dekadenz. Was ist daran Hetze? Es ist schlichtweg seine Prognose.
Shader schrieb:Die Formulierungen von Westerwelle könnten aus der Zeit des Kalten Krieges, als es hieß gegen den bösen Kommunismus anzukämpfen. Der Zeitgeist den dieser Mensch um sich hat ist in heutiger Zeit Hetze.
Wieso? Erstens, ist der Begriff Sozialismus nicht klar definiert. Zweitens, ist der Sozialismus in der Menschheitsgeschichte nie wirklich durchgesetzt worden: Formen, wie in der UdSSR oder in der DDR glichen eher einer sozialistisch angehauchten Diktatur, als der Idee des Sozialismus nach Marx und Engels (der vollkommene Sozialismus ist eine Utopie und widerspricht einfach der Natur des Menschen). Das negative an der Aussage ist doch das Wort "Sozialismus" an sich, das viele einfach mit dem Kalten Krieg verbinden. In diesem Fall steht es aber einfach für das Prinzip der leistungs-unabhängigen Gleichheit. Und so gesehen hat Westerwelle schlichtweg Recht: Wenn Bürger unabhängig ihrer Leistung gleich bezahlt werden.
Westerwelles Problem ist einfach, dass seine Beliebtheitswerte niedrig sind und viele ihm den Wahlsieg nicht gönnen. Deswegen werden "gewagte" Aussagen sofort von allen Seiten niedergemacht, statt sie nüchtern zu betrachten. Ähnliches geschieht mit der Linkspartei. An sich bringen sie oft gut durchdachte Vorschläge ein, werden aber im Bundestag einfach ignoriert, teilweise mit Buh-Rufen unterbrochen, etc. Ich vertrete weder Westerwelles Meinung vollständig, noch bin ich Anhänger der Linken, aber ich finde eine Meinungsäußerung sollte einem Politiker gestattet sein.
Zu meiner Meinung zu dem ganzen Streit um das Thema: Ich finde, es ist nicht die Aufgabe des Staates nicht arbeitetenden - und somit "unprofitablen" - Bürgern das Leben zu versüßen. Die momentanen Hartz4-Sätze reichen aus, um den Bedürftigen ein Leben zu bieten, das das Nötigste umfasst. Das Geld sollte lieber für Umweltprojekte und vor allem für ein verbessertes Gesundheitssystem, das allen zugänglich ist, genutzt werden! Ich finde, das Prinzip - nur das Prinzip! - des 1€-Jobs ist ein guter Ansatz, die Sätze für eine Gegenleistung zu erhöhen. Dieses Programm auszubauen, leichter erreichbar zu machen, kann schon einige Probleme lösen.
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