Hartz4 besserstellung

Andy schrieb:
Blödsinn, gerade im internationalen Vergleich steht Deutschland sogar recht gut dar. Schulden ja, aber pleite noch lange nicht. Und Hetze ist es auf alle Fälle, wenn man eine Erhöhung der Hartz-4-Sätze mit spätrömischer Dekadenz vergleicht.
(...)
Man kann diskutieren, man kann überlegen wie man Hartz 4 umgestaltet, aber bitte nicht auf dem Niveau des Herrn Westerwelle. Er beleidigt Hartz-4-Empfänger und sorgt erneut für gespaltene Lager, aber manch einer kommt wohl aus seiner Oppositionshaut nicht raus.

Er wälzt das Problem nicht auf die Hartz4-Empfänger ab, beleidigt sie auch nicht. Er sagt klar und deutlich, dass die Gefahr einer "spätrömischen Dekadenz" besteht, sollten die Änderungen vorgenommen werden. Was ist daran Hetze? Er hat eine aggressive - und aus Berlin ungewohnte - Art seine Meinung auszudrücken. Aber er sagt doch das, was die meisten Arbeitnehmer (vor allem die weniger verdienenden) denken: Wenn die Sätze weiter erhöht werden, erhält man für's nichts tun, mehr Geld als für's Arbeiten. Daraus würden viele den Schluss ziehen, dass es nicht nötig sei zu arbeiten. Daraus folgt Dekadenz. Was ist daran Hetze? Es ist schlichtweg seine Prognose.

Shader schrieb:
Die Formulierungen von Westerwelle könnten aus der Zeit des Kalten Krieges, als es hieß gegen den bösen Kommunismus anzukämpfen. Der Zeitgeist den dieser Mensch um sich hat ist in heutiger Zeit Hetze.

Wieso? Erstens, ist der Begriff Sozialismus nicht klar definiert. Zweitens, ist der Sozialismus in der Menschheitsgeschichte nie wirklich durchgesetzt worden: Formen, wie in der UdSSR oder in der DDR glichen eher einer sozialistisch angehauchten Diktatur, als der Idee des Sozialismus nach Marx und Engels (der vollkommene Sozialismus ist eine Utopie und widerspricht einfach der Natur des Menschen). Das negative an der Aussage ist doch das Wort "Sozialismus" an sich, das viele einfach mit dem Kalten Krieg verbinden. In diesem Fall steht es aber einfach für das Prinzip der leistungs-unabhängigen Gleichheit. Und so gesehen hat Westerwelle schlichtweg Recht: Wenn Bürger unabhängig ihrer Leistung gleich bezahlt werden.

Westerwelles Problem ist einfach, dass seine Beliebtheitswerte niedrig sind und viele ihm den Wahlsieg nicht gönnen. Deswegen werden "gewagte" Aussagen sofort von allen Seiten niedergemacht, statt sie nüchtern zu betrachten. Ähnliches geschieht mit der Linkspartei. An sich bringen sie oft gut durchdachte Vorschläge ein, werden aber im Bundestag einfach ignoriert, teilweise mit Buh-Rufen unterbrochen, etc. Ich vertrete weder Westerwelles Meinung vollständig, noch bin ich Anhänger der Linken, aber ich finde eine Meinungsäußerung sollte einem Politiker gestattet sein.

Zu meiner Meinung zu dem ganzen Streit um das Thema: Ich finde, es ist nicht die Aufgabe des Staates nicht arbeitetenden - und somit "unprofitablen" - Bürgern das Leben zu versüßen. Die momentanen Hartz4-Sätze reichen aus, um den Bedürftigen ein Leben zu bieten, das das Nötigste umfasst. Das Geld sollte lieber für Umweltprojekte und vor allem für ein verbessertes Gesundheitssystem, das allen zugänglich ist, genutzt werden! Ich finde, das Prinzip - nur das Prinzip! - des 1€-Jobs ist ein guter Ansatz, die Sätze für eine Gegenleistung zu erhöhen. Dieses Programm auszubauen, leichter erreichbar zu machen, kann schon einige Probleme lösen.
 
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Ich finde, das Prinzip - nur das Prinzip! - des 1€-Jobs ist ein guter Ansatz, die Sätze für eine Gegenleistung zu erhöhen. Dieses Programm auszubauen, leichter erreichbar zu machen, kann schon einige Probleme lösen.

Hatten wir doch schon verstärkt zu Kohls Zeiten. Man nennt es ABM oder 2. Arbeitsmarkt. Das ging damals so weit, das es ganze ABM-Betriebe (Betriebe für Beschäftigungsförderung) mit über 1000 Mitarbeitern gab, teils sogar Auftragnehmer für die Privatwirtschaft. Das nicht ganz günstige Konzept (denn dort wurde angemessen verdient) ist leider gescheitert, da es die wirklichen Probleme nicht löste. Seit Schröder wurde es zugunsten von EEJ, Leiharbeit und "Kombilohnmodellen" abgebaut.

Am Ende liegt es an zu niedrigen Löhnen. Es ist schlimm genug, dass es hierzulande Verkäuferinnen und Friseusen gibt, die für 700,- Netto 42 Stunden arbeiten müssen/dürfen/wollen. (wie man mag und je nach individueller Situation)
Nur weil uns offensichtlich menschliche Arbeitskraft immer weniger wert und Geiz gerade geil ist, heißt das nicht, das Existenzminimum ebenfalls immer weiter proportional abzusenken, teils nur, um irgendwelche Gewissen zu beruhigen und Pseudo-Trotts weiter zu folgen. Solche Denken sind nicht nur erbärmlich und billig, sondern auch gefährlich.

Hartz-IV ist seit seiner Einführung nicht entsprechend mit der Teuerungsrate mitgezogen und dadurch quasi längst gesenkt. Es geht bei der aktuellen Debatte nicht überwiegend nur um eine Bargelderhöhung, sondern auch um Beseitung der seit Anfang an bestehenden und über die Jahre sogar noch ausgebauten Mängel und Nebenwirkungen. Also auch um die Details. Hätten wir weniger Leistungsempfänger, so wie früher, würde keiner die Höhe oder eine Erhöhung auf alte Zeiten beanstanden.

Wie heißt es bei mancher Partei: Sozial ist, was Arbeit schafft. Oberflächlich erst mal schön und gut, nur sollte Arbeit auch satt und froh machen und jede Arbeit (auch überwiegend körperliche) mehr gewürdigt werden und eben nicht nur immer wieder aus pseudomoralischen Gründen mit anderen Ländern oder unserem Sozialsystem auf einer Waagschale abgewogen werden. Das halte ich für eine fatale Herangehensweise an die wirklichen Probleme und Ursachen. Selbst bei 0-EUR Hartz-IV würde sich nichts verbessern. Auch nicht für alle anderen Steuerzahler.

Solange wie wir hunderte Milliarden in Banken und ins Ausland pumpen können, fette Pensionen zahlen und gerade gutbetuchte Steuerhinterzieher mehrheitlich übersehen oder straffrei davon kommen lassen können, solange sollte man mit Barmen über "leere Kassen" und der ewig einseitigen Sozialsystem-Debatte sehr kleinlaut sein. Denn es ist absolut unglaubwürdig und stärkt auch nicht die moralische Einstellung zur Gesellschaft und zum Staat. Dies halte ich aber für grundlegend, um einschneidende Reformen auch vorm Individuum zu legitimieren. Doch anfangen sollte man damit an zu vielen ganz anderen Stellen.
 
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Solange wie wir hunderte Milliarden in Banken und ins Ausland pumpen können, fette Pensionen zahlen und gerade gutbetuchte Steuerhinterzieher mehrheitlich übersehen oder straffrei davon kommen lassen können, solange sollte man mit Barmen über "leere Kassen" und der ewig einseitigen Sozialsystem-Debatte sehr kleinlaut sein.

Immer wieder die Arm - Reich Keule:rolleyes:...Kein Interesse daran, dass die Diskussion mal ein wenig voran kommt?
 
Ich finde, es ist nicht die Aufgabe des Staates nicht arbeitetenden - und somit "unprofitablen" - Bürgern das Leben zu versüßen. Die momentanen Hartz4-Sätze reichen aus, um den Bedürftigen ein Leben zu bieten, das das Nötigste umfasst. Das Geld sollte lieber für Umweltprojekte und vor allem für ein verbessertes Gesundheitssystem, das allen zugänglich ist, genutzt werden!

Das hat nichts mit versüßen zu tun, denn nicht ohne Grund wurde Hartz4 und deren Satz als gesetzeswidrig eingestuft. Daher können die Sätze nicht reichen. Wenn ich in Hartz4 rutschen sollte, könnte ich von dem Satz nicht leben. Normalerweise richten sich die Löhne und Gehälter und somit auch das Existenzminimum an die Preise. Wenn also das Leben (Miete, Wasser, Strom, Lebensmittel etc) Teurer wird, müssen auch die Löhne und Gehälter und somit auch das Existenzminimum angepasst werden. Und genau dies passiert seid Jahren nicht. Nicht ohne Grund wird ein streik nach dem anderen geführt.

Ich stimme dir zu, was das Umweltprojekt und verbessertes Gesundheitssystem angeht, allerdings sollten wir erstmal Versuchen, die Arbeitslosenzahlen zu senken. 7,5Millionen Arbeitslose ist kein zuckerschlecken, und es werden noch mehr werden.

Westerwelle tut immer so, als wäre er für die kleinen Bürger und haut Sprüche raus wie "Arbeit muss sich wieder lohnen", machen tut er da aber nichts, sondern betreibt wie immer Klientel Politik die schon genug Geld in den Taschen haben. Ein erster schritt in richtige Richtung "Arbeit muss sich wieder Lohnen" wäre, den hartz4 Satz anzuheben, damit das Existenzminimum der jetzigen Lage angepasst wird. Und dann muss folglich auch ein Mindestlohn her, damit die Arbeitnehmer nicht benachteiligt sind.

Aber genau das möchte doch Westerwelle nicht, daher weigert er sich den Hartz 4 Satz anzuheben, denn sonst leidet ja seine Wählerschicht drunter.

Und das wir so viele Arbeitslose in Deutschland haben, haben wir CDU und auch FDP zu verdanken, die Damals schon angefangen haben, die Arbeitsplätze zu vernichten

Arbeitsplatzvernichtung durch Umverteilung nach oben unter Kanzler Kohl mit FDP-Verstärkung
 
Trainmaster schrieb:
http://www.destatis.de/jetspeed/por...ellenanhang__erweitert__pdf,property=file.pdf

Schau mal auf S.43ff. Zwar ist es nur sehr grob aufgeschlüsselt, aber der Trend ist eindeutig. Ganz egal welche Einkommensklasse, die Kinderzahl ist rückgängig. Gerade im oberen Bereich ist sie dramatisch zurückgegangen.

Vielleicht habe ich mich hier nicht genau ausgedrückt. Die Geburtenrate sinkt generell, auch bei den Einkommensschwächsten. Da hast Du Recht. Ich wollte nur deutlich machen, dass im Vergleich zu anderen Einkommensbereichen die Geburtenrate dort trotzdem höher ist und nicht so stark sinkt, sich somit ihr Anteil erhöht. Bei einer jährlich sinkenden Zahl von Neugeborenen, steigt der Anteil aus prekären Verhältnissen. Daher auch die steigende "Kinderarmut". In der Konsequenz gehe ich davon aus, dass bei einer Erhöhung von Geld-Transferleistungen (nicht geldwerter Transfer) diese Tendenz verstärkt wird.

Trainmaster schrieb:
Ich denke auch nicht, dass eine alleinstehende HartzIV Empfängerin sich überlegt, Kinder in die Welt zu setzen damit das Haushaltseinkommen steigt.

Das lässt sich natürlich nicht verallgemeinern. Die Ursachen für die höhere Geburtenrate sind mit Sicherheit vielfältig.


Trainmaster schrieb:
Ich finde es sehr bedauerlich, dass heutzutage Armut mit dem Erhalt von Transferleistungen gleichgesetzt wird. Muss das sein? Armut meint im eigentlichen Sinne, den Mangel an lebenswichtigen Gütern. Ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung ... aber scheinbar wird in der heutigen Gesellschaft darunter verstanden, einen iPod oder sonstiges zu besitzen.

Sehe ich auch so. Die Definition von Armut bzw. die Armutsgrenze ist allerdings definiert (ich glaube, wer weniger als 60% vom Durchschnittseinkommen erhält, gilt als arm).
Aus diesem Grund halte ich die Höhe der Transferzahlungen für ausreichend und sehe hier keinen Handlungsbedarf. Bei Art und Struktur lässt sich mit Sicherheit noch Vieles verbessern.


MFG

edit:
Mich nervt die Banken/Manager-Gegenargumentation auch langsam. Nur weil ich mich gegen eine Erhöhung von HartzIV ausspreche bedeutet das nicht, dass ich im Gegenzug jegliche Form von Industrie- oder Finanzlobbyismus gutheisse. Das fängt bei dem ausufernden Subventionswahnsinn an und hört bei der Mehrwertsteuersenkung für Hotels (von der der Verbraucher nichts hat) auf. Aber das ist nunmal eine andere Baustelle, die wir auch gern diskutieren können. Betrachtet man Beides aus der "Mitte" der Gesellschaft, dann werden Kritikpunkte auf beiden Seiten deutlich. Wenn ein Selbständiger, der fünf SV-pflichige Arbeitplätze geschaffen hat und täglich 10-12 Std. arbeitet, über 50% Abzüge hat (trotz eines sehr guten Steuerberaters aber ohne "Schiffsbeteiligungen"), dann stimmt irgendetwas nicht. Er sagt heute: "In Deutschland würde ich ich mich nicht noch einmal selbständig machen".
Da muss entlastet werden, nicht "oben" oder "unten"!
 
Zuletzt bearbeitet:
sc00ty schrieb:
...ist der Begriff Sozialismus nicht klar definiert. Zweitens, ist der Sozialismus in der Menschheitsgeschichte nie wirklich durchgesetzt worden: Formen, wie in der UdSSR oder in der DDR glichen eher einer sozialistisch angehauchten Diktatur...

Ich finde, der Begriff Sozialismus ist recht eindeutig definiert:

„Sozialismus bezieht sich auf ein weites Spektrum ökonomischer Theorien sozialer Organisation, welche sich kollektiven Besitz und politische Administration zum Ziel der Schaffung einer egalitären Gesellschaft zum Ziel gesetzt haben.“

„Er kann definiert werden als Gegenmodell zum Kapitalismus entwickelte politische Lehre, die bestehende gesellschaftliche Verhältnisse mit dem Ziel sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit verändern will, und eine nach diesen Prinzipien organisierte Gesellschaftsordnung sowie eine politische Bewegung, die diese Gesellschaftsordnung anstrebt.“

Quelle

Nur sind wir von dieser Definition in Deutschland doch recht weit entfernt...


Ich hatte hier ansonsten recht viel geschrieben, kann im Großen und Ganzen aber nur dem edit von e-ding zustimmen.
 
Ist doch irre: weil es Leute gibt, die weniger als HIVler verdienen, soll der Satz der letzteren eher noch gekürzt werden, als Anreiz für Arbeitende.

Der logische Schritt -- Arbeit durch MINDESTLÖHNE attraktiver zu machen -- wird gar nicht erst angeschnitten.

Es gibt genügend Berufsbranchen, wo teilweise Brutto-Stundenlöhne von 5 Euro gelatzt werden. DAS soll sich lohnen? Da arbeitet jemand den ganzen Monat und hat trotzdem weniger in der Börse, als wenn er H IV beziehen würde.

Natürlich löst das Frust aus. Die Lösung kann aber eben nicht sein, den Satz für H IV noch abzusenken. Andererseits -- wenn sie Mindestlöhne durchboxen wollen, versch... unsere Damen und Herren Volksvertreter es sich mit der Industrie, also der Lobby und den großzügigen Spendenzahlern. Keine Chance . . .
 
Die Ursachen für die Probleme liegen in der Globalisierung

Und dafür haben alle Industrie Nationen (USA, Japan, Europa) noch keine Antwort gewunden, sie sind jetzt Spielball der Globalisierung und der Wirtschaft.

Was macht denn unsere Arbeit so teuer ?

Steuern, Sozialabgaben, Arbeitschutzbestimmungen, Versicherungen, Umweltschutzbestimmungen usw

Wieso braucht eine Person einen Betrag X im Monat ?
 
MrPsst schrieb:
Wieso braucht eine Person einen Betrag X im Monat ?

Genau diese Frage ist der richtige Einstieg in die Diskussion.

Die Frage die sich stellt ist was brauchen Menschen notwendigerweise um ein lebenswertes Leben zu führen.

Dieser Ansatz kann nur der einzig richtige Einstieg in eine Diskussion um die Grundversorgung sein.

Vielleicht sollte man das Pferd mal von der Seite aufzäumen anstatt gleich mit Beträgen um sich zu werfen.

Unbestreitbar in unserem Land sind folgende Notwendigkeiten:

- Essen
- Wohnung
- Kleidung
- med. Versorgung
- Körperpflege (Basis! ohne Parfum und teures Make-Up)
- teilhabe am gesellschaftlichen Leben
- Kommunikation und Medien
- Mobilität

Habe ich was wesentliches vergessen?

So wenn man eine solche Liste hat, kann man sich überlegen wie die einzelnen Aspekte ausgeprägt sein müssen und ob es unbedingt etwas kosten muss.
Nehmen wir z.B. die Kleidung. Jeder sollte sich klar sein, dass Markenkleidung nicht Teil des Grundbedarfes sein kann.
Oder die teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Muss diese unbedingt viel Geld kosten? Kann gesellschaftliche Beteiligung nicht auch kostenlos sein?

Diesen Ansatz bei der Diskussion vermisste ich hier und überall anders total ...


Das Gute an Westerwelles Aussage ist, dass sie wach gerüttelt hat.
Die Gesellschaft kann sich eben nur so viel Sozialtransfer erlauben, wie die Leistungsträger in der Gesellschaft zu geben in der Lage sind. Und es kann und darf nicht sein, dass die Menschen die hart für ihr Geld arbeiten immer mehr und mehr abgeben müssen damit auf der anderen Seite die nicht arbeitende Bevölkerung einen immer besseren Lebensstandart bezahlt bekommt.

Und, dessen muss man sich einfach bewusst sein, der Lebensstandart eines heutigen Hartz IV Empfängers ist definitiv höher als der eines Arbeitnehmers vor 40-50 Jahren.
Das soll nicht werten sondern lediglich die Relationen darstellen.
 
Adam_Smith schrieb:
wie die Leistungsträger in der Gesellschaft zu geben in der Lage sind.
Für eine solche Diskussion wäre es sehr hilfreich wie man *Leistungsträger* definiert.

Ab:
- 500 €
-1000€,
-1500€ Monatsverdienst,Brutto selbstverständlich,
oder erst ab
-5000€
-10 000€?
oder drüber?

Meine Frage ist also, ab wann ist ein Mensch in unserer Gesellschaft ein *Leistungsträger*?
Cerberus
 
Gute Frage, im Wahlkampf waren plötzlich alle Leistungsträger :D
Ich denke bei der FDP geht das so ab 60.000 Jahreseinkommen los, alles darunter ist ...
 
In diesem Zusammenhang würde jeden als Leistungsträger sehen, der der Gemeinschaft mehr gibt als er von dieser bekommt.
 
Zitat von Adam_Smith
Unbestreitbar in unserem Land sind folgende Notwendigkeiten:

- Essen
- Wohnung
- Kleidung
- med. Versorgung
- Körperpflege (Basis! ohne Parfum und teures Make-Up)
- teilhabe am gesellschaftlichen Leben
- Kommunikation und Medien
- Mobilität

Habe ich was wesentliches vergessen?

So wenn man eine solche Liste hat, kann man sich überlegen wie die einzelnen Aspekte ausgeprägt sein müssen und ob es unbedingt etwas kosten muss.
Nehmen wir z.B. die Kleidung. Jeder sollte sich klar sein, dass Markenkleidung nicht Teil des Grundbedarfes sein kann.
Oder die teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Muss diese unbedingt viel Geld kosten? Kann gesellschaftliche Beteiligung nicht auch kostenlos sein?



hier mal was dazu:
http://www.bafoeg-aktuell.de/cms/soziales/hartz-iv/regelbedarf.html

Der Regelsatz ist also ganz klar definiert.

Für mich ist der eigentliche Skandal nur der, dass Löhne von 5€ bezahlt werden, Geschäftsleute 10x400€ Jobber einstellen und keine Vollzeitstelle haben und das niemand aufsteht und was dagegen tut.Es geht nur noch um Produktivität, ich leiste mehr als du,
das wird schon seit Jahren propagiert.Keiner gönnt dem anderen was,Gier und Neid regieren überall.

Stattdessen zeigen die, die für einen Hungerlohn arbeiten mit dem Finger auf die Hartzler, ach wie faul die alle sind.Ich denke die Niedriglöhner haben mit Schuld daran, denn sie bedienen die Nachfrage.
Auf der anderen Seite gibt es 1,5 Mio freie Stellen und 3,5 Mio Arbeitslose, nur schon mal dieser Umstand, leuchtet hier irgendwem was ein?

Zitat von Adam_Smith
Die Gesellschaft kann sich eben nur so viel Sozialtransfer erlauben, wie die Leistungsträger in der Gesellschaft zu geben in der Lage sind. Und es kann und darf nicht sein, dass die Menschen die hart für ihr Geld arbeiten immer mehr und mehr abgeben müssen damit auf der anderen Seite die nicht arbeitende Bevölkerung einen immer besseren Lebensstandart bezahlt bekommt.

Was ist harte Abeit?Wer arbeitet härter?Manager oder Maurer.Würde es einem Gutverdiener oberhalb der 5000€ pro Monat wirklich wehtun etwas mehr zu zahlen und er Maurer würde entlastet werden?Oder wollen wir es so in Zukunft, jeder behält alles und der durch das Netz fällt verreckt dann halt.

Damit meinst du wohl die Banker, die uns nun die nächsten Jahre 700Mrd kosten oder?Solch Lebenstandard wünschte ich mir auch.
Zudem ist solch eine Aussage klare Meinungsmache für Hungerlöhne.
Das ist in Talkshows immer so lustig wenn einer da ist der 2 Jobs hat und es dann heisst, ha der Hr.X ist ja sowas von fleissig und arbeite ja so hart für 5€ die Stunde.
Das tue ich auch, nur für ein Vielfaches und ich bin mir nicht sicher, ob ich auch produktiver bin.Wie gesagt die niedrigen Löhne sind das Problem.
Ich finde auch man sollte wegen der 'Zumutbarkeit immer nur das von anderen verlangen, was man selbst auch leisten bzw. tun würde.
 
Solange die ALGII Leute ihren Arsch nicht hochkriegen um mal zu demonstrieren (1.Mai, DGB oder sonstwo), können die von mir aus weiter vor der Glotze bei RTL & Co. mit dem jetzigen Regelsatz verblöden! Eine zugegeben subjektive Meinung, aber auch das muss einem zugestanden werden. Ich habe beruflich viel mit solchen Leuten zu tun und mehr als die Hälfte erfüllt auch voll das Klische, was von Ihnen gezeichnet wird.
"Hartz IV -und der Tag gehört Dir!"
 
Godde schrieb:
Auf der anderen Seite gibt es 1,5 Mio freie Stellen und 3,5 Mio Arbeitslose, nur schon mal dieser Umstand, leuchtet hier irgendwem was ein?

Dass wir theoretisch nur 2 Mio Arbeitslose haben dürften?


Godde schrieb:
Was ist harte Abeit?Wer arbeitet härter?Manager oder Maurer.Würde es einem Gutverdiener oberhalb der 5000€ pro Monat wirklich wehtun etwas mehr zu zahlen und er Maurer würde entlastet werden?

Och, nicht schon wieder die "Manager". Harte Arbeit ist es auch, 60Std. pro Woche Sandburgen zu bauen. Angebot und Nachfrage spielen eben auch auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle. Wenn Du Dir die freien Stellen anschaust, dann wird Dir auch aufgefallen sein, dass da eher weniger Maurer gesucht werden.
Es ist doch im Grunde ganz einfach. Als Angestellter verkaufe ich meine Arbeitskraft, mein Know How, meine Fahigkeiten zu einem bestimmten Preis. Dieser richtet sich danach, wie sehr ich gefragt bin und somit, ob ein Arbeitgeber bereit ist, mir ein bestimmtes Einkommen zu zahlen, kurzum wie hoch der Bedarf für meine Arbeitskraft ist. Existiert ein höherer Bedarf als Arbeitskräfte vorhanden sind, steigt der Preis für die Arbeitkraft, also das Einkommen..

Der Niedriglohnsektor besteht zum größten Teil aus geringqualifizierten Arbeitskräften und von diesen gibt es einfach zu viele, gemessen am Bedarf. Das drückt den Preis.
Wenn morgen 200.000 Diplom-Historiker die Unis verlassen würden, sähe es ähnlich aus.

Daher wäre eine Ausrichtung der persönlichen Ausbildung an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes am sinnvollsten und der benötigt im Moment eher weniger Menschen mit "abgebrochener Hauptschule".

Die Frage ist nicht die, wer die "härtere Arbeit" verrichtet, sondern schlicht wer etwas kann, was der Arbeitsmarkt benötigt.

Godde schrieb:
Ich finde auch man sollte wegen der 'Zumutbarkeit immer nur das von anderen verlangen, was man selbst auch leisten bzw. tun würde.

Zustimmung!
 
DugDanger schrieb:
Immer wieder die Arm - Reich Keule...Kein Interesse daran, dass die Diskussion mal ein wenig voran kommt?

Wohin hättest Du sie denn gern? Es ging mir hierbei um keine Keule, sondern um Relationen und Prioritäten.
Mich regt diese Doppelzüngigkeit und Heuchelei auf, genauso wie diese Einseitigkeit.
Es sind nicht überwiegend die Hartz-IV Ausgaben, welche die Staatskasse leeren und die Steuerbelastung verursachen.
Es ist das Gesamtpaket der staatlichen Geldverteilung. Das Schwarzbuch des Steuerzahlers hatte ich bei der Liste noch vergessen.

e-ding schrieb:
Daher wäre eine Ausrichtung der persönlichen Ausbildung an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes am sinnvollsten und der benötigt im Moment eher weniger Menschen mit "abgebrochener Hauptschule".

Im Kern gebe ich dir recht. Aber das mit der abgebrochenen Hauptschule halte ich für übertrieben. Mio. Arbeitslose haben ihre Schule erfolgreich beendet und auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Allerdings wie gesagt wohl inzwischen die falsche oder nicht qualifiziert/spezialisiert genug.

Eben die 200.000 Diplom-Historiker oder auch beliebte Fächer wie BWL bringens eben nicht mehr ausreichend, weil der Bedarf gedeckt ist.
Auch kann nicht jeder dem Tempo der rasanten Marktveränderungen folgen, mit Weiterbildungen oder Weiterqualifizierungen.
Die angebotenen Maßnahmen der Jobscenter (wer denn noch das Glück hat eine zu bekommen, denn die wurden auch gedrosselt) kann man bekanntlich großteils knicken. Und betrieblich finanzierte Weiterbildungen sind im Klein- und Mittelstand auch nicht gerade im Überfluss. Davon ab, dass letztere sowieso nur auf die noch Arbeitenden in Frage kommen.


Übrigens Deine Hartz-IV-Berechnung für Dich und Deine Frau ohne Kinder mit den 1500,- EUR halte ich für etwas zu hoch. Real schätze ich so zusammen um die 1100,- EUR.
Sprich 2x verminderter Regelsatz (Ehe bzw. eheähnliche Bedarfsgemeinschaft + anteilig je die Hälfte K.d.U. nach zustehenden max. qm und unterem Mietspiegelsatz der Region). Euer anrechnungsfreies Vermögen (Bargeld, Sparguthaben) nicht vergessen, von 250 EUR pro Lebensjahr. Zinsen davon müssen während Hartz-IV eh abgeführt/angerechnet werden. (Rückforderung) Dank abgeschafften Bankgeheimnis und Vernetzung auch wahrscheinlich. Vielleicht nicht gleich, aber es kommt.
 
Adam_Smith schrieb:
Und, dessen muss man sich einfach bewusst sein, der Lebensstandart eines heutigen Hartz IV Empfängers ist definitiv höher als der eines Arbeitnehmers vor 40-50 Jahren.
Das soll nicht werten sondern lediglich die Relationen darstellen.

Der Vergleich hinkt aber sehr, man vergleicht ja auch nicht Äpfel mit Mangos.
Vor 40-50 Jahren haben 45 m² Mietwohnungen auch nicht 500 DM im Monat gekostet, vor so vielen Jahren mostete die kw/h auch nicht etwa 40 Pfennig, Müll/Wassergebühren, Mobilitätskosten (Fahrschein für Bus/Bahn, Sprit fürs Auto ect.) waren ja auch nicht GANZ anders ...
Der Lebensstandard des Sozialhilfeempfängers ist aus dem Grund höher weil alle Kosten eines jeden Lebensstandardes gestiegen sind.
Und Strom und die grundlegenden Dinge, die ordentlich teurer wurden, braucht man täglich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und was haben diese Punkte mit dem Vergleich des Lebensstandards zu tun?
Heutige Ansprüche bezüglich des (angemessenen) Lebensstandards sind deutlich höher, als die vor 40-50 Jahren. Alleine schon deswegen, weil es heute viel mehr Möglichkeiten gibt.
 
Relict schrieb:
Im Kern gebe ich dir recht. Aber das mit der abgebrochenen Hauptschule halte ich für übertrieben. Mio. Arbeitslose haben ihre Schule erfolgreich beendet und auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Allerdings wie gesagt wohl inzwischen die falsche oder nicht qualifiziert/spezialisiert genug.

Da gebe ich Dir Recht. Daher war die Hauptschule auch in "*" gesetzt. Es wird immer freie Stellen geben, die nicht besetzt werden können. Eine Vollbeschäftigung ist Utopie, auch weil Bildungentscheidungen den Arbeitsmarktanforderungen immer hinterher hinken.
Festhalten lässt sich jedoch der Trend, dass der Bedarf an Quallifikation durchschnittlich steigt, auch wenn wir weiterhin Menschen benötigen, die uns die Haare schneiden, in Supermärkten die Regale einräumen oder den Müll beseitigen.

Nachdenklich stimmt mich jedoch die Meldung das ein nicht kleiner Teil von Jugendlichen nicht einmal ausbildungsfähig ist.

http://www.tagesschau.de/inland/bildung34.html

Der größte Teil dieser Jugendlichen stammt nunmal aus prekären Verhältnissen. Das ist m.E. wieder ein Grund, der gegen eine Erhöhung der Geldmittel aber für gesteuerte Leistungen (KITA, Schulspeisung, usw.) spricht.

Relict schrieb:
Übrigens Deine Hartz-IV-Berechnung für Dich und Deine Frau ohne Kinder mit den 1500,- EUR halte ich für etwas zu hoch.

Jupp, habe ich auch mitbekommen. In den 1500€ waren noch höhere Leistungen für eine Mietwohnung, die jedoch nur zeitlich begrenzt in der Höhe gezahlt werden, sowie ein Zuschlag aus der Arbeitslosenversicherung dabei. Damit wäre für mich(uns) die Notwendigleit verbunden, in eine kleinere Wohnung zu ziehen.
 
Das hat nichts mit versüßen zu tun, denn nicht ohne Grund wurde Hartz4 und deren Satz als gesetzeswidrig eingestuft.

Es wurde die nicht nachvollziehbare Berechnungsweise des Satzes als gesetzeswidrig eingestuft, aber NICHT die Höhe selber. Ich lese hier zwar nur still mit, mir wäre es aber arg recht, wenn dieser Fakt endlich mal kapiert und akzeptiert werden würde anstatt ihn dauernd falsch darzustellen.

Es ist sehr gut möglich, dass der Satz jetzt "logischer" berechnet wird und trotzdem niedriger ist -> gesetzteskonform.

Desweiteren stimme ich Herrn Westerwelle teilweise zu. Der Abstand zwischen nicht arbeiten und arbeiten muss größer werden. Die Grundschwierigkeit, den Arbeitslosen genug für ein würdevolles Leben zuzugestehen, aber gleichzeitig den bitter notwendigen Anreiz selbst Geld zu verdienen zu setzen, ist allerdings äußerst schwierig. Der Geldbedarf hängt immer etwas von der persönlichen Lebenssituation ab. Pauschale Sätze nach dem Rasenmäherprinzig sorgen deswegen immer für scheinbare Ungerechtigkeiten.

Das Langzeitarbeitslose mit wenig Geld auskommen müssen, war schon immer so. Und wenn ich mir das Beispiel von Stern TV mit dem Elektriker so anschaue, dann trifft Westerwelle auch hier mit seiner Aussage vom "anstrengungslosen Wohlstand" den Nagel auf den Kopf.

Übrigens ist heute ein Interview mit der Familie, welche gegen Hartz4 geklagt hat, in der Zeitung. Im Wohnzimmer steht der Flachbildfernseher, auf der Couch liegt ein Hund und in der Ecke steht nen Vogelkäfig mit 2 Wellensittichen drin. Kommentar zum TV: War der einzige, für den ne Abzahlung in Raten möglich war ( 20€ monatlich ). Wenn ich bei mir den lokalen Stadtanzeiger aufschlage, finde ich unter "Gute Tat" fast jede Woche Anzeigen, in denen Röhrenfernseher entweder ganz zu verschenken oder für 20-50 € zu verkaufen sind. Aber wieso an dieser Stelle sparen, wenns auch nen neuer auf Staatskosten sein kann.
Zu den Tieren: haben wir geschenkt bekommen. Mag sein, trotzdem kosten die Viecher im Monat mindestens nen 2 stelligen Betrag für Futter. Ich mag Tiere, aber wenn die Kohle knapp ist, wird an der Stelle gespart. Meine Meinung.

Nun kann man fragen: Darf der Staat seinen Leistungsempfängern Haustiere verbieten? Nein darf er nicht. Das wäre würdelos und ist auch richtig so. Aber wenn gejammert wird, dass das Geld hinten und vorne nicht reicht und die Tochter keine richtigen Winterschuhe hat und dann Geld für sowas vorhanden ist, ja dann hört bei mir entgültig das Verständnis auf. Es scheint also eher ein Problem der Geldverwendung anstatt der Geldhöhe zu sein.

Mal was generelles zu scheinbarer Hetze: Beleidigend ( wenn auch inhaltlich richtig ) waren die Worte von Sarrazin. Bei Westerwelles Aussagen nerven mich die Scheinheiligen, die jetzt auf ihn eindreschen wesentlich mehr, als seine Worte. Mir sind Leute, die Klartext reden wesentlich lieber, als die inhaltslosen Worthülsen der übrigen Politiker. Und scheinbar lässt sich Deutschland nur durch aggresiven Klartext zu den dringend notwendigen Diskussionen veranlassen. War bei Sarrazin so, ist jetzt bei Weserwelle auch so und ich finds gut.

Ich halte den sogenannten 2. Arbeitsmarkt für das eigentliche Problem in Deutschland und nicht Hartz4. Und da darf sich die Bevölkerung ein Stück weit ruhig selbst an die Nase fassen. Geiz ist geil sag ich dazu nur. Billig-Schnäppchen und gleichzeitig Mindestlöhne vertragen sich eben nicht oder nur schlecht. Mindestlöhne wurde also Produkte teurer machen und gleichzeitig Arbeitsplätze kosten. Beides will man nicht. Auf Politiker schimpfen, die dieses "einfache" Problem nicht gelöst bekommen, ist da noch das einfachste.
 
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