Adam_Smith
Lt. Commander
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Godde schrieb:Wir leben hier selbstbestimmt, hoffe ich doch?
Aber sobald jemand auf Stütze angewiesen ist, sprichst du ihm dieses Recht ab?
Hat er das irgendwo getan? Klar lebt auch ein Hartz IV Empfänger selbstbestimmt.
Dies bedeutet aber nicht, dass er keine Konsequenzen für seine selbst bestimmten Handlungen fürchten muss.
Wenn er also keine Arbeit annehmen möchte obwohl sie zumutbar währe, dann muss er also die Konsequenz (Sanktionen) fürchten.
Wenn er lieber einen Plasma Fernseher hat und am Tag 2 Schachteln Zigaretten rauchen will, dann muss er mit der Konsequenz (Hunger) leben.
Wenn schon selbst bestimmt leben wollen, dann richtig ...
Die Diskussion verliert in meinen Augen den Bezug zur Realität wo man aufhört sich konkret darüber Gedanken zu machen, was Hartz IV jetzt eigentlich soll.
Die Leute die hier mehr Geld fordern schreiben nicht auf den Zettel was nun konkret von diesem mehr Geld finanziert werden soll.
Ich finde diese Trennung zwischen relativer und absoluter Armut ziemlich gut, denn sie verdeutlicht das Problem. Denn die "Armut" eines Hartz IV Empfängers definiert sich nicht dadurch, dass er real hungern muss oder ihm das Dach über dem Kopf fehlt.
Die Armut definiert sich dadurch, dass er sich die Konsumgüter die wir mittlerweile als "normal" empfinden nicht immer leisten kann.
Und genau da fängt in meinen Augen die Dekadenz an!
Ein Hartz IV Empfänger fordert von der Gesellschaft, dass sie ihm einen Lebensstandart finanziert wird, den über 50% der Menschen auf dieser Erde als größten Luxus empfinden würden.
Es wird hier darüber diskutiert ob sich ein Hartz IV Empfänger einen Plasma TV leisten können muss während mehrere Milliarden Menschen auf dieser Welt nicht einmal eine grundlegende medizinische Versorgung garantiert haben.
Diese Relationen scheinen den meisten Menschen verloren gegangen zu sein und das ist dekadent!
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Wir brauchen die Situation auch nicht zu beschönigen. Ein Großteil der Hartz IV Empfänger wird es niemals mehr aus Hartz IV heraus schaffen. Da brauchen wir uns doch nichts vor machen. Eine Vollbeschäftigung in diesem Land kann es nicht geben, wenn 50% der Arbeitslosen ohne Berufsausbildung sind. In Zeiten der Globalisierung muss sich unser Arbeitsmarkt nun einmal auf seine Stärken besinnen und diese liegen nun mal in der qualifizierten Arbeit von Facharbeitern und Akademikern. Es wird in Deutschland keinen Bedarf mehr geben für Menschen die keine Ausbildung haben.
Da bleibt also für den Teil der Hartz IV Empfänger nur der "2. Arbeitsmarkt". Also jene Jobs die nur existieren, da sie vom Staat gefördert werden. In meinen Augen ist dies auch nicht verwerflich. Es muss doch legitim sein zu hinterfragen in wie fern auch dieses Potential genutzt werden kann. Mich kotzt es an, dass ich mich jeden Tag über glatte Wege kämpfen muss und mir halb den Hals breche. Die Gemeindearbeiter sind mit den Hauptstraßen schon voll beschäftigt. Warum also nicht die Leute die den ganzen Tag frei haben einsetzen um die Wege frei zu bekommen. Es ist verwerflich, dass in unserem Land eine solche Diskussion nicht geführt werden darf ohne von der Gegenseite übelste Beschimpfungen zu hören. Westerwelle hat hier endlich mal ein Zeichen gesetzt und Dinge auf den Punkt gebracht. Und ich hoffe, dass er nicht wegbricht!
Für die Zukunft kann die Devise nur lauten, dass wir uns endlich wieder auf die Qualität unserer Bildung besinnen. In Deutschland wird es zukünftig ein massives Problem geben qualifizierte Arbeitnehmer zu bekommen.
Ein Beispiel aus meinem Unternehmen:
Wir haben eine große Statik Abteilung. Dort ist der Altersdurchschnitt heute schon recht hoch und viele Kollegen gehen innerhalb der nächsten 10-15 Jahre in Rente. Parallel gibt es heute schon Projekte die nicht bearbeitet werden können, da die nötigen Leute fehlen.
Mittlerweile sind dort entliche Arbeitnehmer angestellt die nicht aus Deutschland kommen und extra wegen dem Job eingewandert sind.
Unsere Probleme können wir nur lösen, wenn wir es schaffen die Potentiale unserer Kinder konsequent zu fördern und den Bildungsstand in unserem Land massiv zu erhöhen. Das funktioniert aber nicht, wenn man Plätze im Gymnasium per Losverfahren verteilt oder alle Kinder in Gesamtschulen gleich schaltet.
Das deutsche Bildungssystem wurde in der Vergangenheit immer bewundert. Gerade die konsequente Förderung der "Eliten" (rein auf die intellektuellen Fähigkeiten der Schüler bezogen) bei gleichzeitiger Schaffung von Aufstiegschancen hat zu dem Bildungsstand geführt der Weltweit gefragt war. Deutsche Ingenieure waren mal der "Exportschlager" schlechthin.
Heute weicht man all das auf, versucht gleich zu machen und senkt dabei das Niveau in Summe ab. Die Entwicklung unseres Bildungssystems läuft komplett entgegen dem, was nötig wäre.
Ich spreche durch meinen Beruf und auch privat viel mit Leuten die es wissen müssen.
Der Prof. an der Uni beschwert sich darüber, dass das Bachelor- / Master System unser gutes altes Diplom verdrängt hat. Und darüber, dass die Lehrpläne ständig weiter zusammen gestrichen werden.
Ich kenne keinen Lehrer der die Entwicklung unseres Bildungssystems als gut empfindet.
Und die Arbeitgeber und Personalberater beschwehren sich schon seid langem über den ständig sinkenden Bildungsstand der jungen Bewerber.
Auch hier ist es richtig, dass Westerwelle mal auf den Putz haut.
Um das noch mal klar zu stellen:
Es geht hier nicht um Klientelpolitik oder puren Egoismus.
Ich bin mir sicher, dass wir unser Land komplett vor die Wand fahren, wenn wir die Politik der letzten Jahre weiter betreiben. Mit Gesamtschulen und der Verlosung von Plätzen im Gymnasium werden wir die Probleme der Zukunft nicht lösen. Und schon gar nicht dann, wenn wir Arbeitslosigkeit noch mehr subventionieren und damit unseren Kindern vorlebt, dass man auch ein gutes Leben führen kann, wenn man keine Arbeit hat. Dies fördert sicher nicht die Motivation sich für die Arbeitswelt fit zu machen.
Und noch mal:
Das Problem der Zukunft wird der Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern sein und nicht der Mangel an Arbeitsplätzen! Das ergibt sich allein schon aus der Demographie ...