Hartz4 besserstellung

Odium schrieb:
Das verstehe ich nicht. Wieso können Unternehmen (zu) niedrige Löhne anbieten, wenn es kein Hartz4 gibt? Im Moment ist es doch eher so, dass das Hartz4-System dem Arbeitsmarkt Arbeitskräfte entzieht, und zwar überwiegend diejenigen, die im Niedriglohnsektor arbeiten würden. Aber weil sie staatliche Hilfe bekommen, gehen sie eben nicht für 3€/h arbeiten, sondern bleiben zu Hause.

Ich glaube du hast Hartz4 nicht verstanden. Durch quasi nicht mehr vorhandene Einschränkungen der Zumutbarkeit von Arbeit, der Verpflichtung, alles erdenkliche zu unternehmen um die Hilfebedürftigkeit zu verringern und einen umfassenden Sanktionskatalog, der bis zu 100% Leistungskürzung reicht, bleibt den Hartzern keine Wahl. Wer nicht mitspielt und z.B. eine Dumpinglohnstelle ausgeschlägt, wird mit einer Leistungskürzung bedacht. Dies ist der zentrale Mechanismus von Hartz4; er führt dazu, dass der Billiglohnsektor stark ausgeweitet werden konnte. Da Hartz4 außerdem schon eine Art von Kombilohnmodell darstellt, können Arbeitgeber dies natürlich ausnutzen, da den Betroffenen von staatlicher Seite die Existenz gesichert wird.
 
@Odium
Würdest du verstehen, wenn du den Link gefolgt wärst.
In Kurzform: H4-Empfänger werden sanktioniert, wenn sie nicht jede denkbare Stelle annehmen. Folglich können Unternehmen Stellen für sehr niedrige Löhne anbieten, weil sie wissen, dass der Staat den Rest bezahlt und weil es immer Leute gibt, die sich auf den Job bewerben, weil sie sonst sanktioniert werden.
 
aspro schrieb:
-=|Daywalker|=- schrieb:
Im Endeffekt auch nichts anderes als ne staatliche Subvention für Niedriglöhner. Das Ziel sollte sein, dass man vernünftig vom Arbeitgeber bezahlt wird.

...und wäre das nicht eine erhebliche Verbesserung im Vergleich zur Subventionierung fürs Nix-Tun? Denk mal drüber nach, durch negative Einkommensteuer lohnt sich jede Arbeit und der Niedriglohnsektor wird plötzlich wieder attraktiv(er als Hartz)!
 
Damit wirst du auch nicht mehr Arbeitsplätze schaffen, die "Subventionierung fürs Nix-Tun" bleibt. Bei H4 werden Billigjobs auch vom Staat aufgestockt. Im Prinzip also nichts anderes.
Ob sowas die Billigjobs attraktiver macht, hängt also von dem in Wiki-Artikel benannten Parametern ab. Es löst aber nicht das Problem, dass die eigentlichen Löhne zu niedrig sind.
 
Ich glaub einfach, du hast das Prinzip nicht verstanden. Wenn ich heute im Billiglohnsektor arbeite, bekomme ich eben nicht die Grundversorgung über die negative Einkommensteuer (vgl. Bürgergeld) - warum sollte ich es also tun? Es gibt dann keine Subventionierung fürs Nix-Tun mehr, sondern lediglich eine Grundsicherung, bei der sich jede Arbeit lohnt, weil sie einen unmittelbar besser stellt. Sicher ist das keine allumfassende unangreifbare rosarotsoziale Lösung. Aber es ist um Welten besser als das heutige System, allein schon weil MILLIARDEN an Bürokratieaufwand entfallen, da es keine Sozialämter mehr benötigt. Selbst im Steuersystem, dass diese Sozialaufgaben mitübernimmt, wird noch Bürokratie abgebaut. Und diese Milliarden finanzieren das ganze auch mit. Es wäre sicherlich auch nicht der einzige Schritt, der unternommen werden müsste. Aber es wäre ein Erster und Richtiger.
 
Der eine schreit hartz 4 soll angehoben werden und der andere sagt die Löhne sollen steigen

Irgendwie kommt diese Diskussion nicht weiter.

Stellt euch doch mal die Frage warum.....

- kann der Staat nicht noch mehr in die Hartz 4 Kasse stecken

- Warum sind die Löhne so niedrig


Was könnte der Staat da tun, oder kann der Staat (Deutschland) alleine noch was ausrichten um dieses Problem zu lösen.
 
DugDanger schrieb:
1. Ich denke es gibt zu einer steigerumg des allgemeinen Bildungsniveaus keine Alternative.

2. Ich finde es auch skandalös, dass manche Leute einfach die Schule abbrechen. Das sind nämlich genau die Hartz 4 Empfänger von Morgen.

Bildung ist aber auch Allgemein gefasst.
Du kannst so viel in Deutschland in einem Studium anstreben, die Erfolgsaussichten sind aber immer anders. Du kannst als Student für NL Ökologie (Erfolgsaussichten etwa 30%) Arbeitslos werden da es ein Beamtenjob ist und viele Staatsstellen gibt es da nicht.

Man muss auch den Grund des Abbrechens ect. beleuchten, wie sieht die Lernsituation aus, wo stehen die Lehrer gegenüber den Schülern? Wie ist das Lernverhältnis?
Es soll z.B. schon ein bisschen mehr bringen wenn die Lehrer zur Mittagspause mit den Schülern an einem Tisch essen, und sich eben nicht in ihrem Lehrerzimmer einschließen.

[/QUOTE]

-=|Daywalker|=- schrieb:
Aber es ist um Welten besser als das heutige System, allein schon weil MILLIARDEN an Bürokratieaufwand entfallen, da es keine Sozialämter mehr benötigt. Selbst im Steuersystem, dass diese Sozialaufgaben mitübernimmt, wird noch Bürokratie abgebaut.

Das kann man doch nicht machen, was soll mit den Beamten werden? Mit all den Jobs und der Wirtschaft die an diesem System hängen?
Wir kennen ja ua. allein die Geplänkel Bürokratieabbau, Klauseln zusammenzufassen usw. - das wollen die gar nicht. Die meisten Politiker sind gerade Juristen, die sich um Bänder von Bürokratie wälzen mussten. Die verdienen ihr Leben und Brot durch das aufgeblähte "alles muss geregelt sein" System.
Übrigens: Westerwelle hat 10 Semester lang studiert ... durch die Bologna-Reform wäre das nicht möglich.
Ich will ist erst gar nicht nach irgendwelchen FDP-Ansichten suchen die sich um über Langzeitstudenten beschweren die uns unnötig Staatsgelder kosten ...
 
@ Shader

Bachelor + Master = 10 Semester ;)


@ Daywalker

Die negative Einkommenssteuer ist ja gut und recht ... aber wie sieht's dann bspw. aus mit den Kosten für Unterkunft/Heizung. Die liegen ja momentan in kommunaler Hand auf Grund der lokal/regional unterschiedlich hohen Kosten.


In welcher Hinsicht ich Shader recht geben muss: Bürokratieabbau fordert jeder. Dass dahinter Arbeitsplätze stecken, das interessiert scheinbar niemanden?
 
@-=|Daywalker|=-
Ach das meintest du mit "Subventionierung fürs Nix-Tun", dann hab ich das missverstanden, sry.
Dass es Billigjobs attraktiver machen würde, hab ich ja nicht bestritten, es hängt halt nur von den Parametern Steuersatz und Grundfreibetrag ab, in welchen Maße es etwas bringt. Und ich sags zum dritten Mal: Es muss auch etwas dafür getan werden, dass die Löhne steigen und nicht der Staat alles bezuschussen muss, es sei denn die Staatschulden interessieren einen nicht. Dass das aber langfrisitg auch in die Hose gehen kann, sehen wir ja aktuell an Griechenland.
 
Shader schrieb:
Das kann man doch nicht machen, was soll mit den Beamten werden? Mit all den Jobs und der Wirtschaft die an diesem System hängen?
Wir kennen ja ua. allein die Geplänkel Bürokratieabbau, Klauseln zusammenzufassen usw. - das wollen die gar nicht. Die meisten Politiker sind gerade Juristen, die sich um Bänder von Bürokratie wälzen mussten. Die verdienen ihr Leben und Brot durch das aufgeblähte "alles muss geregelt sein" System.

Das sind ja 2 Paar Schuhe. Ich sag ja nicht, dass das umsetzbar ist. ;) Ein bürokratischer Staat kann sich garnicht selbst heilen. Das ist ja die kruxx am System. Deshalb wird es auch keine Steuervereinfachung geben, die armen Steuerberater und Finanzämter. Der Karren muss erst völlig gegen die Wand fahren, bevor Politik&Staat nichtmehr nur zur Selbsterhaltung existieren, sondern das Beste fürs Volk anstreben.

Was die 10.000 Beamten der Sozialämter dann machen sollen? Sinnvolles.
Es gibt zum Bsp. zu wenige Krippenplätze, Kindergärten und Grundschullehrer um die Klassen klein zu halten. Pädagogisch umschulen und Beamte bleiben - oder das tun, was alle in der freien Wirtschaft auch tun müssen, wenn ihr Job wegfällt: sich nach was Neuem umsehen. Beamtenplätze am Leben erhalten, die nicht gebraucht werden, nur um der Arbeitslosenquote willen? Nein, danke. Dafür gibts an anderen Ecken zu großen Bedarf(s.o.), als weiteres wäre das Pflegesystem zu erwähnen.
 
e-ding schrieb:
Habs doch schonmal geschrieben. Bitte lies meine Posts, bevor Du dermaßen daneben urteilst. Es geht nicht darum, Menschen zu verbieten, Kinder in die Welt zu setzen, sondern die Anreize die es auslösen, zu mindern. Mehr Geldmittel für Hartz IV- Empfänger bedeutet eine Vergrößerung dieser Gruppe.

Es wird auch keine Abiturienten geben, die für 3€ in der Stunde die Haare schneiden.
Nochmal, bitte erst lesen, dann verstehen und wenns Dir nicht klar ist darfst Du gern nachfragen. Deine "Einwände" habe ich bereits vorher aufgegriffen. :rolleyes:

Welche Anreize meinst du denn? Die Aussicht einem 13-Jährigen sagen zu dürfen: Urlaub geht nicht,neue Klamotten geht nicht, Friseur geht nicht? Nur mal zur Info:
Der Hartz-Satz für einen 13-Jährigen liegt bei ~ 250 €. Davon zahlst du ALLES.Monatskarte,Essen,Trinken,Klamotten,Friseur,Kino,Sportverein,einfach alles. Kindergeld gibts nicht obendrauf,sondern wird als Einkommen abgezogen. Toller Anreiz. :freak: :rolleyes:

Das es Leute gibt die im Leben noch keinen Finger krumm gemacht haben ist mit Sicherheit kein deutsches Phänomen. Ich habe mit dieser Klientel kein Problem,denn der Mensch ist nicht zur Arbeit geboren,auch wenn einige das nicht begreifen können oder wollen. Wenn das so wäre hätten wir mindestens 8 Arme und bräuchten keinen Schlaf ;). Hartz 4 ist kein Luxus, ganz im Gegenteil. Soll es ja auch nicht sein.

Natürlich wird es dann keine Abiturienten geben die für 3 € Haare schneiden. Sämtliche Schulabgänger werden Bankdirektoren,ITler,Ärzte,Ingenieure,Atomphysiker und Astronauten. Denn da gibts ja Millionen Stellen die nicht besetzt werden können... :rolleyes: Du hast meine Argumentation überhaupt nicht verstanden,weshalb ich diese nun nochmals genauer definiere:

Die Berufe wie Kellner,Friseur etc. sind die,welche am Monatsende weniger netto abwerfen als ein Hartzler inkl. Miete im Monat zur Verfügung hat. Für diese Berufe benötigt man wenig bis gar keine Bildung! Wir brauchen unqualifizierte (ungelernte) Arbeitskräfte. Ohne diese könntest nichtmal ein Auto bauen. Mal in einer Galvanik gearbeitet? Da arbeiten Tamilen,Türken,Russen,sehr viele davon ohne Deutschkenntisse,teilweise sogar Analphabeten. Das ganze im 3-Schicht-Betrieb bei 1000 € netto. Davon ernähren die Frau und Kinder gleich mit. Finde mal einen Deutschen (oder jemand der hier aufgewachsen ist) der diesen Drecksjob macht - und das mit Abitur o.Ä.. Du wirst niemand finden.

Deshalb sollte ein Mindestlohn eingeführt werden, und zwar mindestens 10 €. Wären ca. 1000 € netto. Das Existenzminimum in D liegt bei 840 oder 860 €. Liegt also nur knapp darüber,und das trotz Vollzeitstelle.

Übrigens wird hier ein Fakt unterschlagen: Wenn man die Löhne so anhebt,das jeder mit Vollzeitstelle nicht mehr "aufstocken" muß,passiert folgendes:

- Länder und Kommunen werden stark entlastet.
- Arbeitnehmer der ML-Klasse zahlen wieder Steuern,höhere Beiträge an die SV,was...
- ...niedrigere SV-Beiträge für ALLE Arbeitnehmer bedeutet,was...
- ... die Lohnnebenkosten senkt.
- Mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpt,d.h. ...
- ... höhere Steuereinnahmen für den Fiskus.
- Das BIP steigt.

Jetzt kommt sicherlich wieder das Pseudo-Argument dadurch würden Jobs vernichtet. Meine Antwort dazu vorweg: Diese Jobs braucht niemand,weder aus ökonomischen,noch aus sozialen Gründen. Wobei nicht die Jobs, sondern die Arbeitgeber das Problem sind. Wir brauchen keine Unternehmen a la Pin. Die Post leistet gute Dienste.

EDIT: Das Umzugsargument ist auch keines in diesem (Niedriglohn-)Sektor. Denn eine Stadt ohne Arbeitslose gibt es nicht. Wenn jedoch ein Malermeister in bspw. Erfurt dringend gesucht wird,jemand gleichzeitig in Frankfurt eine solche Stelle sucht,dann sollte er schon verpflichtet sein dafür umzuziehen oder halt deutlich gekürzt werden. Jemanden für einen 3 €- Job,den JEDER ausführen kann, mehrere hundert KM umziehen zu lassen ist jedoch einfach nur hirnverbrannt. Diese Praxis gibt es nur aus einem Grund: Leistungskürzungen. Denn die ARGEN/Arbeitsämter wissen ganz genau dass kaum jemand für einen Hungerlohn umzieht. So kann man auch sparen...
 
Zuletzt bearbeitet:
Damocles' Sword schrieb:
Das es Leute gibt die im Leben noch keinen Finger krumm gemacht haben ist mit Sicherheit kein deutsches Phänomen. Ich habe mit dieser Klientel kein Problem,denn der Mensch ist nicht zur Arbeit geboren,auch wenn einige das nicht begreifen können oder wollen. Wenn das so wäre hätten wir mindestens 8 Arme und bräuchten keinen Schlaf ;). Hartz 4 ist kein Luxus, ganz im Gegenteil. Soll es ja auch nicht sein.

USA schrieb:
Sozialhilfe
In den USA wird davon ausgegangen, dass eine gesunde Person eine Arbeit finden sollte, egal ob sie ihrer beruflichen Qualifikation entspricht oder nicht. Die Zahlung von Sozialhilfe (welfare) an arbeitsfähige Personen ist auf fünf Jahre im Leben beschränkt, wobei man in der Regel nicht mehr als zwei Jahre hintereinander arbeitslos sein kann. Sozialhilfe wird nur an jene gezahlt, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt und die nicht genug Geld für Essen, Kleidung und Unterkunft haben.
Sozialwohnungen (public housing) und Lebensmittelgutscheine (food stamps) sowie die Gesundheitsversorgung von Kindern sind ferner Teil der staatlichen Hilfsmaßnahmen.

http://www.auswandern.us/sozialeabsicherung.html


Spanien schrieb:
Doch die für den Artikel verantwortliche Person sollte einmal diesen "Sozialstaat" auskosten und versuchen in Spanien als Alleinstehende(r) von 420 Euro im Monat zu leben. Doch das mutet die Regierung ganzen Familien zu und noch davon nur einem Teil. Für Nebenjobs (schwarz) soll keine Zeit bleiben, weil man sich, so der Arbeitsminister, Celestino Corbacho, in der Zeit fort- und weiterzubilden habe. Doch muss man ohne derlei Nebenjobs schlicht verhungern. Die 420 Euro reichen meist nicht einmal, um die Miete oder die Hypothekenzinsen zu bezahlen, damit die Wohnung nicht verloren geht.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30943/1.html

Der dritte Vergleich ist dieser Studie vom Institut für Wirtschaft und Soziales von 2000:
http://www.wiso-gruppe.de/download/sozialmodell.pdf

Auf Seite 27 findet man für das Jahr 1996 die Sozialausgaben pro Kopf, wo Deutschland, gemessen an der Kaufkraftparität, den dritten Platz einnimmt.

Der vierte Vergleich ist die persönliche Erfahrung, das bislang alle Austauschstudenten berichtet haben, das in ihrem Land größerer Druck auf die Arbeitslosen ausgeübt wird oder die Sicherungen geringer sind oder irgendwann stark gekürzt werden.

Gemessen daran ist Hartz 4 Luxus.
 
@ shader

Irgendwie blick ich nicht durch....

Jetzt bringst du irgendein Beispiel - NL Ökologie - bei dem die Aussichten auf einen Arbeitsplatz trotz Studium irgendwie nicht so gut sind.:freak:
Und was soll das jetzt?
Steht das irgendwie im Wiederspruch mit der Aussage, dass mit höherem Bildungsgrad Job und Lohnaussichten deutlichst steigen?

Das geht jetzt seit 3 Seiten so...."Äh, mein Bekannter hat Abi und keinen Job"...."Bei Studium xy sind die Job aussichten gar nicht so gut"...mein Gott, dann studier halt was anderes.

Und weil sich Schüler und Lehrer nicht an einen Tisch setzen ist es okay wenn man die Schule abbricht und den Rest seines Lebens der Gemeinschaft auf der Tasche sitzt?

Es geht doch immer ums selbe: Eigenverantwortung - klar kann jemand aus einfachen Verhältnissen Abi machen - die Chancen für jemanden aus der "Oberschicht" sind besser, es gilt diesem Missstand entgegenzuwirken...ja und, bis es soweit ist sollen sich dann alle dahinter verstecken können? "Meine Chancen sind um 15 % schlechter als die vom reichen Bubi nebenan, ich mach jetzt kein Abi, da muss man auch immer soviel lernen".
Nix da, damit tut man sich selbst und der Gesellschaft keinen gefallen.

Das gleiche mit den Schulabbrechern: Eigenverantwortung - da liegt der Fehler meist schon in der Erziehung. Fleiß, Pflichtbewusstsein, Respekt.....neee, der Lehrer is doof, ich geh nich mehr zur Schule.

Der deutsche Sozialstaat und die Gesellschaft bieten "dem Volk" einfach zuviele Aussreden. An allem ist irgendjemand Schuld; der Lehrer, der Bänker, die Manager, die Poilitiker, "die da oben". Da vergisst man leicht mal, dass man selbst auch und gerade trotzdem etwas leisten kann; auch wenns nicht immer leicht ist.
 
Ich gewinne hier oft den Eindruck, dass bei einigen eine ziemlich negative Sichtweise des Sozialstaats dominiert und finde das einfach nicht gerechtfertigt. Natürlich lassen die rechtlichen Grundlagen und deren Ausführung immer noch Raum für Leistungsmissbrauch, obwohl es seit Hartz4 sehr viel schwieriger geworden ist, sich in die staatliche Hängematte zu legen. Trotzdem ist der Sozialstaat an für sich eine wichtige Errungenschaft und man sollte sich vor Augen führen, wie man selber tagtäglich davon profitiert. Neben den offentsichtlichen Leistungen, den Absicherungen gegenüber zahlreichen Lebensrisiken, hat der Sozialstaat ganz erheblich zum inneren Frieden und zur Stabilität in Deutschland beigetragen. Die vorherrschende neoliberale Deregulierungsideologie blendet das aber aus und will die Verantwortung in die Hände jedes Einzelnen geben, obwohl wir gesellschaftliche Verhältnisse haben, in denen nicht jeder die gleichen Chancen/Risiken hat und die immer mehr Verlierer hervorbringen. Letztendlich führt weiterer Abbau sozialer Errungenschaften nur zu einer verstärkten Umverteilung von unten nach oben.

Die aktuelle Hartz4-Diskussion ist im Grunde genommen eine Scheindebatte und läuft an der eigentlichen Frage vorbei - nämlich wie es denn sein kann, dass in Deutschland immer mehr Menschen in Armut verfallen, obwohl gleichzeitig immer mehr Reichtum produziert wird. Die Profiteure dieses Systems, also die Mächtigen und Reichen, haben keinerlei Interesse, an den gegenwärtigen Verhältnissen etwas zu verändern, und genau deswegen läuft gerade diese Schlammschlacht ab. Indem die Politik, flankiert von Teilen der Presselandschaft, von Prof. Krysmanski auch treffend als Geldmachtapparant bezeichnet, versucht, Transferempfänger, Billiglöhner und Bürgertum mit unsachlichen Hetzkampagnen gegeneinander aufzuwiegeln, wird erreicht, von den eigentlichen Problemen abzulenken.
 
Zuletzt bearbeitet:
tja, so unterschiedlich können die Sichtweisen sein.

Ich finde überhaupt nicht, dass die Politik der letzten Jahre "Neo Liberal" war. Wenn von meinem Verdienst ca. 60 % über direkte und indirekte Steuern und Abgaben einbehalten werden, dann kann das keine Neo Liberale Wirtschaftsordnung sein.

Hartz4 hat auch nix mit Liberal zu tun. Im Zuge des Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt können gering Qualifizierte nicht mehr ausreichend entlohnt werden; staatliche Lohnbezuschussung ist ein Versuch diesem Umstand zu begegnen.
 
turbofoen schrieb:
sowas gabs zu welle's zeiten schon? :freaky:

here can i what learn ;)


Ich habe mich auf folgende Aussage bezogen:

Übrigens: Westerwelle hat 10 Semester lang studiert ... durch die Bologna-Reform wäre das nicht möglich.

Es ist sehr wohl möglich, mit Bachelor und Master 10 Semester lang zu studieren. Oder verstehe ich hier etwas falsch?
 
ich glaube er spielt darauf an, das es Bachelor erst seid 2002/2003 gibt. Kann mich aber auch Täuschen, und es hieß früher vielleicht anders
 
Damocles' Sword schrieb:
Welche Anreize meinst du denn? Die Aussicht einem 13-Jährigen sagen zu dürfen: Urlaub geht nicht,neue Klamotten geht nicht, Friseur geht nicht? Nur mal zur Info:
Der Hartz-Satz für einen 13-Jährigen liegt bei ~ 250 €. Davon zahlst du ALLES.Monatskarte,Essen,Trinken,Klamotten,Friseur,Kino,Sportverein,einfach alles. Kindergeld gibts nicht obendrauf,sondern wird als Einkommen abgezogen. Toller Anreiz. :freak: :rolleyes:

Ich meine die Anreize, die dazu führen, dass die Geburtenrate, die zwar generell sinkt, in diesem Teil der Bevölkerung dennoch höher ist, als in anderen Einkommensschichten. Wenn die Aussicht der Betroffenen so schlecht wäre, würde auch die Geburtenrate sinken. Auch wenn Du die Anreize nicht nachvollziehen kannst (ich kann es auch nicht), so gibt es sie dennoch. Bei Erhöhung der Geldleistung erhöht sich auch die Geburtenrate. Legt man den hohen Anteil von Menschen dieser Schicht zu Grunde, der nicht ausbildungsfähig ist, bzw. nur über eine niedrige Qualifikation verfügt, so wird sich die Anzahl dieser eben erhöhen und damit die Anzahl von Menschen, die von sozialer Hilfe abhängig sind. Ganz einfach.

Damocles' Sword schrieb:
Natürlich wird es dann keine Abiturienten geben die für 3 € Haare schneiden. Sämtliche Schulabgänger werden Bankdirektoren,ITler,Ärzte,Ingenieure,Atomphysiker und Astronauten. Denn da gibts ja Millionen Stellen die nicht besetzt werden können... :rolleyes:

Nochmal. Vollbeschäftigung wird es nicht geben. Dennoch liegt die Schätzung freier Stellen in Deutschland bei ca. 1,5-2 Mio. Es wird auch weiterhin der Bedarf an Menschen mit niedriger Qualifikation geben aber eben nicht mehr in dem Ausmaß, wie es vielleicht mal der Fall war. Das schrieb ich ebenfalls schon. :rolleyes: Zum Thema "Veränderung des Arbeitsmarktes" steht hier auch schon einiges. Es geht auch nicht darum, dass in Deutschland nur noch Akademiker umherlaufen. Zwischen einem ungelernten Schulabbrecher und einem Bankdirektor gibts noch eine ganze Menge mehr.
Der Arbeitsmarkt benötigt nunmal immer weniger "Hauptschuler". Das ist die Tendenz.
Wenn Du Dich jetzt mit Begeisterung für eine Erhöhung der Sozialleistungen in Geld ausprichst, dann solltest Du Dir auch der Auswirkungen bzw. Effekte bewusst sein.

Es wird sich nicht das Geringste verändern, wenn man die Geldleistung erhöht. Ich halte Direktleistungen für besser. Das fängt bei der Schulspeisung an und hört bei Kita-Plätzen oder subventionierten Lehrmitteln auf.


Damocles' Sword schrieb:
Übrigens wird hier ein Fakt unterschlagen: Wenn man die Löhne so anhebt,das jeder mit Vollzeitstelle nicht mehr "aufstocken" muß,passiert folgendes:.....

Das hast Du ja ganz schön kalkuliert, leider aber die Hälfte vergessen.
Bei Mindestlöhnen von 10€ hätten wir auch noch ganz andere Begleiteffekte.

Alle anderen Berufsgruppen müssten als Folge ebenfalls eine künstliche Einkommenssteigerung durchlaufen, da sonst der logische Lohnabstand von ungelernten zu gelernten Kräften usw. nicht mehr gegeben wäre. Die Folge wären wiederum Preiserhöhungen. Der gutgemeinte Ansatz verpufft. Es stehen lediglich höhere Zahlen auf Lohnbescheinigung und Preisschildern.
Die Frisörin verdient dann zwar das Doppelte, der Besuch beim Frisör kostet dann aber auch das Doppelte. Es ist also zwingend erforderlich, dass auch andere Lohngruppen nachziehen müssen.

MFG
 
Trainmaster schrieb:
Ich habe mich auf folgende Aussage bezogen:

Übrigens: Westerwelle hat 10 Semester lang studiert ... durch die Bologna-Reform wäre das nicht möglich.

Es ist sehr wohl möglich, mit Bachelor und Master 10 Semester lang zu studieren. Oder verstehe ich hier etwas falsch?


ne sorry, dann habe ich dich wohl einfach falsch verstanden. bzw. den zusatz vorher nicht beachtet.

:)
 
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