Hartz4 besserstellung

CoolHandLuke schrieb:
Hier hilft nur Umlernen und Weiterbilden.
Es wäre toll, wenn eine 47 Jahre alte arbeitslose Frau sich entscheiden würde, ein Ingenieursstudium aufzunehmen, weil dort Arbeitskräfte gesucht werden. Im Moment sitzt in den Köpfen noch die Vorstellung, dass man denjenigen Arbeitsplatz findet, der zur Ausbildung passt. Wenn wir es schaffen, dass der Mensch sich nach den Marktbedürfnissen richtet (so wie ein effizientes Unternehmen), dann wird die Quote sinken.

Leicht ist das aber nicht. Viele haben einfach keine Lust mehr, etwas dazu zulernen; andere sind schon mit 25 der Meinung, dass man lieber den 25.000€-Job fortsetzt (oder dort nach Arbeit sucht) und dafür das Studium weglässt, wo man nur 8000€ zur Verfügung hätte. Dazu kommt noch Unflexibilität, je älter man wird: Man will nicht mehr umziehen, neu orientieren, alten Besitz wie ein Haus etwa, aufgeben.

Die Regierung muss bei Hartz4 die Balance halten zwischen
* Druck erzeugen, sich einen Job zu suchen,
* den knappen Mitteln im Haushalt und
* genügend Mittel bereit stellen um zeitweise davon leben zu können.

Dabei interessiert die ersten beiden Punkte die Wähler gar nicht. Ich habe sogar das Gefühl, einige möchten, dass bei H4 überhaupt kein Druck besteht, die Situation zu ändern: Ein menschenwürdiges und durchaus akzeptables Leben also: Stichwort Grundeinkommen. Der Haushalt juckt niemanden, im Zweifelsfall wird eben mit Steuergeldern oder Schulden ausgeglichen.

Man kann beim Einkommen Studenten und H4-Empfänger nicht vergleichen. Der eine weiß, dass seine Situation nur übergangsweise ist. Studenten sind jünger, viele verzichten problemlos auf Luxus wie Zigaretten, Alkohol, gehobene Kleidung, Auto etc. und haben oft Zugriff auf die Ressourcen ihrer Eltern.
Wenn ich jetzt noch sagen würde, wie ich den durchschnittlichen Hartz4-Empfänger dagegen sehe, gibt's wieder nur Schelte. Auf jeden Fall kann man beide Typen kaum miteinander vergleichen.
 
Ah, DugDanger, Du sagst es selbst und meinst was anderes. Dass du es anders als ich siehst, ist mir lange klar. Nur an den Argumenten sieht man nicht. Würdest du sagen, diese Ordnung gründet aufs Geld, und das findest du gut, wäre kein Problem. Übrigens, hier im Thread gibt es viele die das geradeaus so sagen. Andere finden das nicht gut. Du widersprichst aber genau wo unlogisch ist und merkst nicht mal:

DugDanger schrieb:
Bedürfnisse zu haben heißt nicht, dass diese auomatisch befriedigt werden und daran ist nicht das Geld Schuld.
Habe schon gesagt - du hältst aber daran fest - nicht das Geld ist schuld, sondern die Menschen. Das ist noch nicht der Widerspruch, sondern: Die Bedürfnisse werden nicht automatisch befriedigt, klar, man muss Geld hinlegen. Das heisst deren Befriedigung hängt vom Geld ab. (Vorsicht, die letzten zwei Sätze sind eine logische Ableitung und keine zusammengewürfelte Behaptungen! - und die gehen von deiner Aussage aus)

Du bist hoffentlich nicht dem Fehler verfallen zu denken, ich fände diese Ordnung gut und nur das Geld schlecht?;)

Zitat: "Würde es kein Geld geben, dann würden trotzdem nicht alle Bedürfnisse befriedigt werden."

Hier hast du recht. Die bestehende Ordnung unterstellt und das Geld weggedacht, da würde auch das Recht nicht viel Sinn machen. Das geht aber nicht...:mad:
 
Zuletzt bearbeitet:
Odium schrieb:
Es wäre toll, wenn eine 47 Jahre alte arbeitslose Frau sich entscheiden würde, ein Ingenieursstudium aufzunehmen, weil dort Arbeitskräfte gesucht werden. Im Moment sitzt in den Köpfen noch die Vorstellung, dass man denjenigen Arbeitsplatz findet, der zur Ausbildung passt. Wenn wir es schaffen, dass der Mensch sich nach den Marktbedürfnissen richtet (so wie ein effizientes Unternehmen), dann wird die Quote sinken.
Wobei Ingenieure gerade jetzt von der Krise stark getroffen sind bzw. Neueinsteiger. Der bisherige Boom kam nur durch das Kaufverhalten der USA zustande, die unsere Exportschlager wie Autos oder Investitionsgüter im Maschinenbau gepushed haben. Da ist die Luft für längere Zeit raus. Dann muss man unterscheiden zwischen den einzelnen Ingenieurstudiengängen und bedenken, dass die Industrie nur "High Potentials" sucht. Man sucht keine Schnecken mit Abschluss, auch keine Arbeitspferde, sondern reinrassige Rennpferde. Dazu muss man geboren sein, nur ein Ingenieurstudium selbst mit Note "Gut" zu absolvieren reicht nicht aus. Es muss alles stimmen.
Und mit 47 zählt man selbst als ausgebildeter Ingenieur zum alten Eisen. Wenn man in diesem Alter als Ingenieur heute den Job verliert, bedeutet das für ein Großteil Ende Gelände. Das war auch übrigens schon vor der Krise so. Durch mehr Bildung würde sich nur die Arbeitslosenquote bei den Ingenieuren noch weiter erhöhen. Da kommt eh in nächster Zeit ein fataler Schweinezyklus auf uns zu.
Bei den Abiturienten sieht man ja schon einen höheren prozentualen Arbeitslosenanstieg als bei Haupt- und Realschülern.
Ohne Nachfragestimulierung sieht die Zukunft zappenduster aus. Wenn man sich die Kaufkraft eines Durchschnittschinesen betrachtet, liegt der gleichauf mit einem Äquatorialafrikaner. In nächster Zeit sind wir also weiter auf Konjunkturprogramme der einzelnen Staaten angewiesen.


Zu den angeblichen Besserstellungen von HARTZ IV:
1. Das Schonvermögen wird nur angehoben, um die Versicherungswirtschaft anzukurbeln. Weil wer schließt schon Versicherungen ab, wenn bei Arbeitslosigkeit alles umsonst war? Und auch nur für Versicherungen, die nicht vor dem 65. Lebensjahr aufgelöst werden können.
Und es gilt weiterhin nicht für BARES, Akien oder dergleichen. Das beträgt weiterhin 150 Kröten multipliziert mit den Lebensjahren + 750 Kröten Freibetrag - ein richtig kleines Vermögen. :evillol:

2. Immobiliennutzung bringt dem Immobilienmarkt etwas. Schon heute werden die Preise durch Zwangsverkäufe gedrückt und die Banken leiden auch drunter
Die eigentliche Arbeitslosenwelle ist erst noch am Anrollen und damit dann auch die Zwangsversteigerungen bzw. Notverkäufe der Neuarbeitslosen bei der bisherigen Regelung.
Zudem kann es den Staat am Ende teurer kommen, im Alter diesen zahlreichen Personen dann die Miete finanzieren zu müssen.

3. Zuverdienstregelung immer noch nicht beschlossen, wie gesagt evtl. 60 € Plus gegenüber vorher. Man schafft somit einen Ausgleich zu Hartz-Aufstockern mit Vollzeitstellen.
Teilzeitstellen sind auf dem Vormarsch und werden in Zukunft einen beträchtlichen Teil der Arbeitsplätze darstellen.

Fazit: Keine selbstlosen Wohltaten, sondern nur konsequente Anpassungen an die wirtschaftliche Entwicklungen. Die Politiker bzw. die Hintermänner wisssen ganz genau wie der Hase läuft bzw. zu laufen hat.
 
Odium schrieb:
Man kann beim Einkommen Studenten und H4-Empfänger nicht vergleichen. Der eine weiß, dass seine Situation nur übergangsweise ist. Studenten sind jünger, viele verzichten problemlos auf Luxus wie Zigaretten, Alkohol, gehobene Kleidung, Auto etc. und haben oft Zugriff auf die Ressourcen ihrer Eltern.
Wenn ich jetzt noch sagen würde, wie ich den durchschnittlichen Hartz4-Empfänger dagegen sehe, gibt's wieder nur Schelte. Auf jeden Fall kann man beide Typen kaum miteinander vergleichen.

Ich denke auch das Problem ist fehlende Perspektive...

...sehr viele Studenten leben unter dem H4-Satz, allerdings wissen sie, dass es nach 5-6 Jahren steil aufwärts geht.

Ich habe auch viele Jahre in einem 15qm-Zimmer gewohnt (inklusive Bad, Küche etc..) und eigentlich nur bei Aldi eingekauft (und auch da nur die billigsten Sachen), meinen Rechner habe ich mir vom Entlassungsgeld vom Wehrdienst gekauft. Und das geht, ohne Probleme...allerdings wahrscheinlich nur, weil ich wusste, dass es halt irgendwann erheblich besser wird.
 
Für die jungen Generationen die sich mit Energie und Bereitschaft ins Arbeitsleben stürzen, die nicht gebunden sind und keinen großen Anspruch haben ist es leichter mit Hartz IV zurechtzukommen oder es als Sprungbrett zu sehen.
Natürlich gibt es Ausnahmen, Jugendliche die nicht in guten sozialen Verhältnissen aufgewachsen sind - werden dies anders sehen als wir hier.
Es gibt auch große gesellschaftliche Probleme, nämlich die Teilhabe und Akzeptanz.
Jeden Tag wird man von Idealbildern, Leitbildern und Konsum beschossen - Kinder kosten da besonders viel, es braucht ein Mindestmaß an Statussymbolen um von den anderen Mitmenschen akzeptiert zu werden.
Jeder der sich dem Ideal entziehen will, weil er weiß dies ist unnötiger Luxus oder dergleichen, wird abgelehnt. Das beginnt beim Auto, man kann für sich sagen ich kann mir kein Auto leisten (vielleicht weil man sich gesünder ernähren will) - damit ist man gleich draußen. Denn Hartz IV verlangt indirekt Mobilität, man soll möglichst ein Auto besitzen - das es in Zeiten teurer Rohstoffe (besonders in Zukunft) eigentlich ein Luxusgut ist, will man nicht sehen.
An Alternativen, das Problem dafür und in den vielen Bereichen wird nicht angegangen.
Deutschland als Exportweltmeister kann nicht ewig funktionieren, wir hatten zur DM - Zeiten enorm profitiert weil die Währung im Vergleich zum Dollar total unterbewertet war.
Wir konnten billigst unsere Waren in alle Welt vertreiben. Auch in den letzten Jahren konnten wir noch halbwegs gut an den Export-Tropf hängen dank der EU und der Osterweiterung, dank das wir die größte Volkswirtschaft sind und somit das stärkste EU-Land. Das bleibt nicht ewig so und wir sollten uns Gedanken machen wie unsere Wirtschaft in Zukunft gestalten.
Auf Export setzen, notwendigerweise die Reallöhne einfrieren oder heruntersetzen, soziale Absicherungen abbauen, eine erkaltente Gesellschaft fordern die möglichst jedes Auf- und Ab ohne zu hinterfragen akzeptiert. Unternehmerisch flexibel ist und denkt?
Das funktioniert nicht. Wie wollen wir ua. unsere Geburtenrate so in den Griff bekommen?
Deutschland geht demografisch schon auf eine Katastrophe zu - und mit solchen Dingen wird die Katastrophe noch verschlimmert. Frankreich und England haben demografisch etwas die Kurve bekommen, wenn es so bleibt ist Deutschland langfristig nicht mehr die Nummer 1 in der EU, wird an politischem und wirtschaftlichen Einfluss verlieren.
 
Ich hab mir zwar nicht alles durchgelesen,aber wer denkt das man als Single h4 Empfänger mehr Geld hat als jemand der arbeitet der irrt.
Als Single bekommt man je nachdem wie teuer die Wohung ist nicht mehr als 602€. Davon ist alles zu zahlen, Miete, Strom, Heizung, Telefon/Inet,Versicherungen(Haftpflicht etc.). Im schnitt bleiben einem 200€ für alles andere und nun versucht mal mit 200€ auszukommen davon müsst ihr alles zahlen, Nahrung,Bekleidung, Auto oder Ticket(kann man sich eigentlich beides nicht leisten) etc. .
Wahrscheinlich wird der ein oder andere hier 100 oder 200 € am Wochenende in der Disco oder in der Kneipe lassen. Versucht doch mal mit 200€ auszukommen, dann sehen wir mal ob das zuviel ist.

Was Familien angeht, da sieht die Sache anderes aus, warum ein Bäcker mit zwei Kindern und einer 40h Woche weniger kriegt als eine ähnliche H4 Bedarfsgemeinschaft ist mir schleierhaft.

Und lasst euch bitte nicht von dem neoliberalen Geschwätz einlullen, bei jedem Job den ich gemacht habe wurde mir zusätzlich H4 ausgezahlt und nein es waren keine 400€ Jobs, Vollzeit 40-50 h die Woche inkl. Wochenende. Beim letzen Job(850€ Netto) wurden mir Monat für Monat 20€ überwiesen, davor waren es sogar an die 100€. Und wenn sogar Lehrer unterstützendes H4 bekommen, dann läuft in diesem Land was gewaltig schief.

Und die richtigen Sozialschmarotzer sind solche Leute wie einer meiner ehemaligen Arbeitgeber, Monat für Monat 1500€ vom Staat für mich kassieren und mich mit 1200€ Brutto abspeisen, bleiben 300€ reingewinn.. Tolles System, ganz grosses Kino. Ich kenne auch Betriebe die nur auf dieser Grundlage exsitieren.

Ach und hier hat jemand was von wegen Studium und Schule geschrieben, ich musste mich mit Händen und Füssen gegen die Bundes Agentur für Arbeit und gegen die ARGE (H4 Abteilung) wehren als ich mein Fachabi nachgeholt habe. Ich wurde schikaniert und diskriminiert und mir wurden Sanktionen angedroht wenn ich nicht die Schule abbreche.
Der Anwalt auf Steuerzahlerkosten hat dies dann erledigt und mittlerweile kann man da nur noch was über einen Anwalt erreichen. Der Steuerzahler zahlt nicht nur die h4 Leistungen, nein er muss auch noch für die völlige Inkompetenz der Mitarbeiter haften.

Gottsei dank wird der Mist bald aufgelöst.
 
Man muß nicht 50 sein, um gewisse Werte (über dem Schonvermögen) und Abhängigkeiten, wie Versicherungen, Kredite, Sparanlagen, Auto, Yacht, Haus, Kinder (^^) angehäuft zu haben, da reicht oft schon 30, 40. Bei H4 kann einem aber dann genau DAS auf die Füße fallen. Wo soll da noch Motivation und Perspektive herkommen? Erst recht kaum bei einem Ü50, ja teils schon Ü45 bei unserem Arbeitsmarkt inkl. dessen Mentalität?
Wo soll für ein H4-Kind, dass sich in der Freizeit sein Taschengeld aufbessern will und dieses de Bedarfsgemeinschaft angerechnet wird, noch eine Überzeugung herkommen, mit ehrlicher Arbeit Geld verdienen zu können? Die lernen doch schon von klein auf, wie der Hase tatsächlich laufen muß und kennens gar nicht anders.

Bildung alleine kann es da leider nicht lösen. Denn sie ist erstens kein automatischer Job-Garant, schon gar nicht auf Dauer und zweitens ist nicht jeder für jedes gerade auf dem Markt gesuchte Stellenprofil just-in-time fit und erfahren genug oder vermag es darin jemals zu werden. Nicht selten hat es auch was mit Grundeignung und gewissem Talent zu tun. Man kann nicht alles können und werden. Was machen wir mit denen? Schlechten Tag/Leben erwischt?

Hätten alle Deutschen einen Doktortitel, glaubt jemand die Arbeitslosenquote sinkt plötzlich auf den Stand der 60er Jahre? Es würde nur auf höherem Niveau geklagt, die Probleme blieben ähnlich. Klar Bildung ist sogut wie unser einziges Kapital, aber noch lange nicht der Allheilsbringer. Auch andere Länder schließen auf.
Wir müssen also umdenken und brauchen in Zukunft als soziale Gesellschaft den Sozialstaat mehr denn je.
Wer ordentlich bezahlte Arbeit reichlich anzubieten hat, nur her damit. Viele würden sich freuen.

Wenn ich dazu noch sehe was in den verhältinissmäßig noch recht auftragsstarken Firmen, womit ich täglich zu tun habe ständig an Bedürfnissen geschaffen und folglich an Subventionen und Töpfen künstlich und fast schon metodisch abgegriffen wird, dann frage ich mich, ob wir nicht zu sehr auf eine Stelle in der "Gerechtigkeitsdebatte" und Staatsausgaben fixiert sind?


Das Geld selber ist natürlich nicht Schuld, aber unser System beruht nunmal vollumfänglich darauf.
Alles kostet irgendwo Geld und es hängt am Ende auch immer irgendwo am Geld, ob man will oder nicht. ^^
 
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Relict, ich fass das mal in anderen Worten zusammen - und wenn du das anders siehst, dann korrigier mich bitte:
Jemand arbeitet jahrelang, kauft sich Autos, spart in Aktien, Festanlagen, Immobilien und was weiß ich an. Mit welchem Hintergedanken? Sicherlich, in erster Linie, der direkte Konsum. Man arbeitet, also möchte man auch gut davon leben. Dann kommt vielleicht der Gedanke an die Altersvorsorge, inzwischen hat sich ja herumgesprochen, dass sich in Sachen Geburtenrate und Rentensicherheit scheinbar was geändert hat.
So, aber die Kernfrage ist doch, ob dieser Arbeitnehmer in guten Zeiten auch daran denkt, für die schlechten Zeiten vorzusorgen? Durchschnittlich bekommt ein Arbeitnehmer in Deutschland etwa 27.000€ brutto im Jahr, das sind etwa 1640€ netto im Monat bei Steuerklasse 1 als Single. Neben all den regulären Ausgabenposten wie Miete, Essen und Freizeit muss es doch möglich sein, Rücklagen zu bilden, die einen wenigstens 6-12 Monate über Wasser halten können.
Es kann und darf nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein, diese Aufgabe zu übernehmen. Zuerst einmal ist jeder für sich selbst verantwortlich und man muss immer damit rechnen, kurzfristig arbeitslos zu werden. Sich an dieser Stelle direkt an die große Bedarfsgemeinschaft zu richten und zu sagen: "Hey, Bargeld hab ich keines mehr, aber Auto, Haus und 42" Fernseher würde ich trotzdem gerne behalten!" - das ist nicht in Ordnung.

Wir müssen davon abkommen, bei Problem der Arbeitslosigkeit sofort an die große fette Zitze des Staates zu denken. Sicher, es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass im schlimmsten Fall noch Hilfe da ist - aber das ist nur eine Notlösung. Scheinbar sehen das einige hier anders: Hartz4 als Dauerlösung, für die breite Gesellschaft? Ist einfach nicht gegenzufinanzieren. Ist doch heute in den Nachrichten, dass die Arge schon wieder 10 Mrd. Euro Minus hat, und das bei der geringen Arbeitslosenquote...
 
Odium schrieb:
Durchschnittlich bekommt ein Arbeitnehmer in Deutschland etwa 27.000€ brutto im Jahr, das sind etwa 1640€ netto im Monat bei Steuerklasse 1 als Single.

Wie kommst du auf 1640Euro netto? Laut diesem Rechner sind es 1459Euro.
 
Selbst mit 2000 € Brutto hat man als Single kaum mehr (ca. 1300 € Netto). Warum also noch Vollzeit arbeiten, wenn ich mit Hartz4 und 400 € job fast genauso gut leben kann.

Was meint ihr dazu, ist das noch soziale Gerechtigkeit?

Nein ist es nicht... davon abgesehen habe ich einen besserbezahlten Job der mir auch Spass macht und wo ich nicht jeden morgen "mit soner Fres... " zur Arbeit muss.

Neben all den regulären Ausgabenposten wie Miete, Essen und Freizeit muss es doch möglich sein, Rücklagen zu bilden, die einen wenigstens 6-12 Monate über Wasser halten können.
Es kann und darf nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein, diese Aufgabe zu übernehmen.

Ist das so !? Also erstmal zahle ich als Arbeitnehmer Jahrelang ein die Arbeitslosenversicherung ein also erwarte ich das im Falle einer unverschuldeteten Arbeitslosgkeit diese auch dafür einsteht mich "ausbezahlt" -> Ich würde sogar soweit gehen das Jeder ein "Arbeitslosenversicherungs-Konto" bekommt und sich die Monatliche "Auszahlungsrate" (bis der Topf erschöpft ist) selbst wählen kann - Danach kann die Hartz 4 Regel greifen (Der "Sozialstaat" nimmt immernoch deutlich mehr ein als er ausgibt - sofern das Geld mal so genutzt wird wie es soll)

Ich sehe es bei uns:
Uns gehts nun nicht schlecht (finde ich) und haben zusammen gute 3500€ zum Leben ->
- Davon wird die (Miet)Wohnung bezahlt
- Ein KFZ - Raten
- Ein Krad - Raten
- jeweils (neben den regulären Versicherungen) Unfall / Berufsunfähigkeits / Lebensversicherung
- Beide Fahrzeuge müssen verichert sein(Haftpflicht / Kasko / Steuern)
- Achja tanken muss man die Auch (einmal 50km zur Arbeit und einmal 90km - OneWay)
- Festnetz / Internet / 2 UMTS Handys
- Verbrauchsgüter

...in Summe bleibt da nicht mehr viel über was man da noch "zusätzlich" zu Seite schaffen kann - und ab und zu will man sich ja auch mal "was leisten" - Ich sehe es auch gar nicht ein nun noch "barreserven" zur Seite zu schaffen um im Falle eines Falles "überleben" zu können.

Schlimm genug das ich in jungen Jahren schon mit der Berufsunfähigkeitsvers. / Lebensversicherung meine Rente finanzieren muss und die Unfall Versicherung brauche (Als Kradfehrer nicht verkehrt) um im Falle eines Falles abgesichert zu sein - vor allem wenn ich bedenke was ich monatlich an Krankenversicherung zahle *kotz*

In dem Fall hätte ich lieber andere Verhältnisse hier... weg mit den Zwangsversicherungen (Rente / Arbeitslosigkeit / Krankenversicherung) -> und dafür was auf die Seite legen und "selbst vorbeugen" -> Da darf dann gerne noch 100-150€ im Monat eine "Sozialabgabe" sein um den Hartz4 Topf zu füllen.

.... aber so wie es jetzt ist kann man sich (gerade als Junger Mensch) in diesem Land teiweise nur noch verarscht vorkommen.

Just my 2 Cents ...
 
Zuletzt bearbeitet:
@Odium
Du verlangst doch nicht allen ernstes das der normale Arbeiter für schlechte Zeiten rücklagen bilden soll? Und wundert es dich das er das nicht macht?
Unser Staat geht ja auch nicht mit Exempel voran, er hat zwar gewisse Stabilitäts- und Rücklagenverträge aufgebaut schafft es aber selbst nicht einmal im konjunkturellen Auf Rücklagen für schlechtere Zeiten zu bilden, obwohl er sich dazu verpflichtet hat.
Ist Geld da werden die Kommunen und co euphorisch und schleudern es wieder raus.

Vor allem könnte ich an die Decke gehen an der Praxis Geld für Straßenarbeiten in Herbst zu geben, die Straßen schön kurz vor dem Winter aufgebuddelt werden, der Frost dann wunderbar ins Erdreich der Straße mchen kann, dann dieses wunderbar doffe Werk zu vollenden und schnell stellt man mit Entsetzen fest das die Straße im Eimer ist. In meiner Umgebung fängt man genau jetzt mit Bauarbeiten der Straßen an, im Erzgebirgerland ziemlich praktisch ... :rolleyes:
 
Shader schrieb:
@Odium
Du verlangst doch nicht allen ernstes das der normale Arbeiter für schlechte Zeiten rücklagen bilden soll? Und wundert es dich das er das nicht macht?

Ich glaube Odium wollte darauf hinaus, dass generell auf mehr private und weniger staatliche Absicherung gegen Arbeitslosigkeit und Alter hingearbeitet werden sollte. Dann könnten die Sozialabgaben nennenswert sinken, welche insbesondere die Bruttolöhne der unteren Einkommensgruppen stark schmälern, und es würden Spielräume für solche privaten Rücklagen frei werden. Es ist natürlich klar, dass man ohne Einkommen keine Rücklagen bilden kann. Deshalb wird der Staat immer eine Grundsicherung gewähren müssen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der Sozialstaat in Deutschland spätestens in 20 Jahren so aussehen wird: Der Staat garantiert nur das absolute Minimum zum überleben, um alles andere muss man sich selber kümmern.
 
Ich habe jetzt am WE auch davon gehört das man bald vllt. 400€ dazu verdienen kann.
Wenn das so durch kommt sehe ich den weg berg auf für Deutschland!
Ich hoffe jetzt so sehr darauf, weil sich dadurch mehr Menschen mehr Waren leisten könnten und somit die Wirtschaft ankurbeln würden.

Plus+ Es würde dann vllt. in vielen Fällen die Möglichkeit bestehen auf Teil oder Vollzeit übernommen zu werden.

mfg
 
Zuletzt bearbeitet:
Der Assi schrieb:
Wenn das so durch kommt sehe ich den weg berg auf für Deutschland!Ich hoffe jetzt so sehr darauf, weil sich dadurch mehr Menschen mehr Waren leisten könnten und somit die Wirtschaft ankurbeln würden.

Naja diese Betrachtung ist sehr einseitig. Volkswirtschaftlich entstünden auch einige Nachteile (geringerer Anreiz für Hartz IV-Empfänger sich eine Vollzeitstelle zu suchen, Vollzeitstellen im Niedriglohnbereich werden durch für Unternehmen billigere 400Euro-Jobs ersetzt....).
 
Melvin: Ich hab 27000€ eingegeben, jährl. Freibetrag 7664€, Steuerklasse 1, keine Kirchensteuer, Rest ist geblieben.

Shader, du kannst nicht Staat und Privatperson miteinander vergleichen, allenfalls Unternehmen und Personen. Jedes etablierte und erfolgreiche Unternehmen bildet Rücklagen oder ist in der Lage, sofort die Ausgaben zu senken, wenn die Situation sich ändert. Ein Staat kann das nicht ohne weiteres, ebenso wenig wie ein Mieter, der für eine günstigere Wohnung erst noch Umzugskosten hätte.

Ich bin dafür, dass wir dem Bürger mehr Eigenverantwortung überlassen. Wer sich selbst Gedanken macht über finanziellen Dinge im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Rente wird egoistisch und effizient handeln - in jedem Fall effizienter als der Staat, der individuelle Details bei solchen Sachen gar nicht beachten kann.
Warum tun wir das nicht? Den Staat entscheidet ja auch nicht, wo wir wohnen und was wir essen. Scheinbar sind viele damit überfordert, in die Zukunft zu planen und etwas zurückzulegen, wenn an jeder Ecke jemand etwas verkaufen will.

Deshalb wird der Staat immer eine Grundsicherung gewähren müssen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der Sozialstaat in Deutschland spätestens in 20 Jahren so aussehen wird: Der Staat garantiert nur das absolute Minimum zum überleben, um alles andere muss man sich selber kümmern.
Ja, da bin ich sicher. Geht ja schon einige Jahre so und finde ich auch gut.
 
Studenten kann man schon mit Hartz4 vergleichen, denn

- Studenten haben nicht automatisch einen abschluss (Abbrecherquote liegen bei über 30 % (in einigen Fächern > 50 %)
- nach Abschluss einen Job zu bekommen ist je nach Abschluss auch nicht sichergestellt bzw. nicht Ortsnah und daher nehmen diese auch tlw. Jobs an, die überhaupt nicht zu ihnen passen bzw. sind arbeitslos (Hartz4)
- Desweiteren habe ich schon von genug gehört die gleich viel verdienen wie ähnliche Ausgebildete kräfte(weil diese schon paar Jahre berufserfahrung haben)
- Kenne genug die nix von ihren Eltern bekommen haben, beim Studium. konnten dort vlt. am WE bzw. Semesterferien wohnen, aber sonst leben diese von 520 € Bafög (incl. Wohnungszuschuss) (unter Hartz4 satz)

Also das es Steil bergauf geht ist auch nicht gesagt, desweiteren haben diese Schulden angehäuft aus dem Studium. (BAFÖG)

Es gibt auch genügend Hartz4 Empfänger unter 30!

Ich bin auch dafür, das Hartz4 je nach Einzahlungsjahren in Arbeitslosenversicherung steigt, damit die die etwas geleistet haben auch gerecht verdienen.
 
Odium schrieb:
Melvin: Ich hab 27000€ eingegeben, jährl. Freibetrag 7664€, Steuerklasse 1, keine Kirchensteuer, Rest ist geblieben.

Der jährliche Freibetrag von 7664Euro wird bei diesem Rechner schon automatisch berücksichtigt. Das Feld ist nur für darüber hinaus gehende Freibeträge. Solche kann man beim Finanzamt beantragen, wenn früh absehbar ist, dass die Werbungskosten den Pauschbetrag übersteigen.
 
Metzlor,
wer mehr einzahlt bekommt ja auch erst mal im ersten Jahr noch deutlich mehr Geld raus beim normalen Arbeitslosengeld. Hartz 4 dreht sich ja schon um die Fälle, die länger arbeitslos sind. Wer einen Job verliert mit 50+ Jahren und dann binnen eines Jahres wieder Anschluss findet ist da noch fein raus.

Zum Thema private Absicherung:
Genau daraus wird einem dann aber auch der große Strick gedreht. Wer viel als Altersabsicherung oder für den nächsten Wagen angespart hat, muss in der Arbeitslosigkeit auch erst mal davon leben. Wenn man also jemand hat mit Mitte 50, kann einem das schon alles ziemlich vermiesen. Und genau das finde ich paradox.

Ein fiktivies Beispiel. Wenn ich die letzten 10 Jahre auf Urlaub verzichtet habe und auch sonst nur wenig weggegangen bin um die Anzahlung für eine Eigentumswohnung zu leisten und kurz davor Probleme bekomme mit dem Arbeitgeber, muss ich von dem Geld leben. Irgendwann finde ich dann wohl wieder einen Job und muss wieder meine Sparhosen anziehen um dann doch irgendwann mal die Kohle für meinen kleinen Traum zusammen zu haben. Die Wohnung kann man natürlich mit allem möglichen ersetzen. Das der arbeitslose Manager erst mal von seiner 100 Millionen Ablöse leben soll verstehe ich ja, aber auch der Kleinbürger?

@Bl@ckSpy
Auto halten ist teuer, wirklich teuer. Unter 350€ (und das als wirkliches Minimum) pro Monat kommt man da nicht weg. Auch hier wieder ein Paradoxon, ohne Auto bekommt man viele Jobs erst gar nicht. Aber Auto halten als Arbeitsloser ist auch nicht drin, selbst wenn es da dann nur rumsteht. Deshalb ist auch der Spielraum bei der arbeitenden Bevölkerung gar nicht so groß, wie man erst meint. Da ist dann von den 1500€ Netto schon wieder ein riesen Batzen weg. Und dann darf man eben noch Miete zahlen, wenn man da nicht gerade im Pappkarton auf der Einkaufsmeile leben mag, sind da für beides zusammen fix 1000€ weg. Damit bleiben einem dann noch rund 150€ im Monat mehr wie jemand, der von Hartz Vier leben muss.
 
Metzlor schrieb:
Studenten kann man schon mit Hartz4 vergleichen, denn [...]

ganz genau! ich bin nämlich einer der vielen studenten, die mit weniger im monat auskommen als ein hartzIV empfänger und mir, das möchte ich ausdrücklich betonen, geht es dabei nicht schlecht.

deswegen bekomme ich auch fast schon zu viel bei dieser ganzen diskussion über eine erhöhung der hartziv sätze, denn warum sollen (klar, das folgende gilt bei weitem nicht für alle) leute die teilweise keinen bock haben zu arbeiten und langzeitarbeitslos sind dafür jetzt noch mehr belohnt werden. wenn dann noch in irgendwelchen dümmlichen tv-reportagen gezeigt wird wie schlecht es diesen leuten doch ginge....

ich bin ja der meinung, dass z.b. studenten eine wesentlich bessere unterstützung verdient hätten als es aktuell der fall ist... aber das ist ja nicht verwunderlich, schließlich bin ich selbst einer. trotzdem ist es ja schon krass, wie man bei bafög schlechter dran ist als bei hartziv - eine tolle motivation einer der "leistungsträger" dieser gesellschaft zu werden, wenn man ihr schon von anfang an am arsch vorbei geht und die sich lieber mehr um die, man verzeihe die harten worte, versager kümmert.

was ich unterm strich sagen sollte: ich sehe an den aktuellen sätzen nichts falsches und wüsste nicht warum da irgendetwas erhöht werden sollte.
 
Zuletzt bearbeitet:
@fak:
Deine Beleidigungen finde ich zum kotzen! Alleine schon, dass du jedem Hartz4ler pauschal unterstellst, er sei faul und wolle nicht arbeiten. Es ist schlicht und ergreifend nicht genügend Arbeit da für alle. Auf weniger als 500.000 offene Stellen kommen über drei Millionen Arbeitslose + die Dunkelziffer jener, die durch statistische Tricks nicht in der Arbeitslosenquote auftauchen. Wie kannst du allen ernstes alle Hartz4-Empfänger als faule Versager abstempeln, die nicht arbeiten wollen, wenn gerade mal für jeden zehnten Arbeitslosen ein offener Job da ist?
 
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