Keine Strombelieferungen durch Stromio mehr möglich

Zer0DEV

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Zum heutigen Tagesende, sprich dem 21.12.2021, hat die 50Hertz Transmission GmbH den Bilanzkreisvertrag der Stromio GmbH beendet. Dadurch ist es Stromio nicht mehr möglich ab dem 22.12.2021 00.00 Uhr Kunden mit Strom zu beliefern.

Jene Kunden fallen beim jeweils zuständigen Grund-/Ersatzversorger in die Ersatzversorgung.

Man sollte sich schnellstmöglich um einen neuen Anbieter bzw. einen diesertage halbwegs human günstigen Tarif besorgen.


Ob die anderen Übertragungsnetzbetreiber (Amprion, Tennet und TransnetBW) auch die Bilanzkreisverträge gekündigt haben, ist mir nicht bekannt.

Für die Zuordnung, was im Gebiet der 50Hertz liegt: https://www.amprion.net/Übertragungsnetz/Systemführung/Verbundnetz/
 
Was ich nicht verstehe ist, dass die Energieaufsicht solche windigen Geschäftsmodelle überhaupt zulässt. Energielieferanten müssten m. E. vor einer Zulassung einen Nachweis über ihre Leistungsfähigkeit erbringen entweder in Form eigener Erzeugungskapazitäten, langfristiger Lieferverträgen oder Versicherungen.

Der Rückfall des Kunden in die sichere Grundversorgung ist auch schädlich. Jeder Anschlussnutzer kann sich ohne Risiko einer Versorgungsunterbrechung den größten Billigheimer als Lieferant wählen. Geht der Gauner bankrott springt wieder die Allgemeinheit ein in dem der Grundversorger und die betroffenen Netzbetreiber ihre Verluste auf alle anderen Verbraucher umlegen müssen.

Hier fehlt m. M. n. Aufsicht bei den Unternehmen und ein Erziehungseffekt für die Kunden durch Versorgungsunterbrechung.
 
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Binalog schrieb:
Was ich nicht verstehe ist, dass die Energieaufsicht solche windigen Geschäftsmodelle überhaupt zulässt.
Ist ein bisschen Offtopic, aber passt doch ganz gut zu dem Thema: Man könnte jetzt unterstellen, dass die Politik das so will. Jetzt nicht speziell die deutsche Politik, eher Europäisch würde ich vermuten, wobei die Deutsche Politik da auch gut Einfluss hat/nimmt.
Letztlich wollte man das Modell der Energiebörse durchsetzen, wodurch man z.B. auch die Russen an die Gasbörse gedrängt hat, obwohl die lieber feste Lieferverträge mit festen Preisen haben wollten. Die Russen liefern uns aktuell nur das, was vertraglich geliefert wurde, und stellen sich quer, ihr Gas an der Börse zu verkaufen. Jetzt weint die Politik und viele Medien, dass die Russen uns nicht genug Gas liefern, dabei liefern sie dieses Jahr schlicht nur das, was bestellt wurde. Die letzten Jahre haben sie immer mehr geliefert als eigentlich bestellt wurde, aber da haben sie wohl keine Lust mehr drauf, vermutlich auch um Druck auf Nord Stream 2 auszuüben.

Ich vermute, beim Strom ist es nicht anders. Jeder kann eine Firma gründen und Strom verkaufen, du musst aktuell nur zusehen, dass du am Ende genug Strom an der Strombörse zusammenkaufst, um deine Kunden zu versorgen. Finde ich ein sehr schlechtes Modell, wenn es um so etwas essentielles wie Strom geht.

Ich sehe da aber auch den Kunden etwas in der Pflicht: Die Firmen machen das Angebot, aber da muss ja niemand unterschreiben. Man kann ja auch zu einem anderen Anbieter gehen, der vielleicht 30€ im Jahr teurer ist, aber dafür ein ehrlicheres Geschäftsmodell fährt. Die Möglichkeit hat(te) jeder Kunde seit jeher, nur scheinen viele wie so oft lieber diese 30€ im Jahr zu sparen. Finde ich Ok - kann jeder für sich entscheiden, aber mit der Entscheidung trägt man auch eine gewisse Verantwortung. So wie wenn ich im Supermarkt Bio oder Ja! kaufe.
 
Binalog schrieb:
Geht der Gauner bankrott springt wieder die Allgemeinheit ein in dem der Grundversorger und die betroffenen Netzbetreiber ihre Verluste auf alle anderen Verbraucher umlegen müssen.
Dass der Netzbetreiber eventuell noch Geld vom Billigheimer haben will verstehe ich.

Aber warum interessiert das den Grundversorger? Wenn Kunden auf den zurück fallen, werden die doch zum Tarif des Grundversorger abgerechnet, oder?

Snowi schrieb:
Man kann ja auch zu einem anderen Anbieter gehen, der vielleicht 30€ im Jahr teurer ist, aber dafür ein ehrlicheres Geschäftsmodell fährt.
Als Endkunde muss man erstmal erkennen können, wer ein 'ehrliches Geschäftsmodell' fährt und wer nicht...
 
Zer0DEV schrieb:
Ob die anderen Übertragungsnetzbetreiber (Amprion, Tennet und TransnetBW) auch die Bilanzkreisverträge gekündigt haben, ist mir nicht bekannt.
Ich bin bei Stromio (das war ein Unfall, den mein Sohn eingeleitet hat) und habe mal etwas recherchiert, denn ich bin im Tennet Gebiet. Laut Strom-Report haben alle die Vertragskündigung bestätigt.
https://strom-report.de/stromio-pleite-stromanbieter-stoppt-lieferung/

Wie soll ich jetzt vorgehen? Anwalt? Mein Vertrag hat eine Preisgarantie. Habt Ihr schon mal davon gehört, dass es eine Entschädigung gibt, denn ich müsste ja jetzt sehr viel mehr zahlen.
Was denkt Ihr?
 
ppepper schrieb:
Wie soll ich jetzt vorgehen? Anwalt? Mein Vertrag hat eine Preisgarantie. Habt Ihr schon mal davon gehört, dass es eine Entschädigung gibt, denn ich müsste ja jetzt sehr viel mehr zahlen.
Was denkt Ihr?
Ich glaube Anwalt wäre das beste - das ist ein so selten vorkommender Fall, dass vermutlich niemand hier was aus Erfahrung sagen kann.
Ich vermute aber, es wird darauf hinauslaufen, dass ihr euch einen neuen Anbieter suchen müsst, und gegen den alten auch nicht viel machen könnt :(
 
Ich nehm immer einen Anbieter, der selbst oder der Mutterkonzern (eprimo = e.on) Strom erzeugt.

So extrem viel günstiger sind die offensichtlichen Lockanbieter i.d.R. So wie so nicht.

Zur Zeit haben viele Stadtwerke auch sehr gute Tarife.
Es wird immer so dargestellt, als wenn die Welt untergeht, wenn so ein Billigheimer über die Wupper geht. Für den Endverbrauch passiert garnix, 5 min an den PC neuen Vertrag suchen und fertig.
 
@Leemeet Theoretisch ja, aber jetzt sind die Tarife alle deutlich teurer als vor einem Jahr, sodass da im Jahr gerne mal 100€+ an Kosten dazu kommen können im aktuellen Fall
 
Bin aktuell über Grünwelt-Energie auch bei Stromio (Gebiet BW bzw. TransnetBW laut der Karte oben). Vertrag war zwar schon gekündigt (Ende Mitte Februar 2022) und wäre danach zu den Stadtwerken, aber den Rabatt auf die Jahresrechnung (der den Vertrag dann "güstig" gemacht hätte) kann ich dann wohl vergessen ...
 
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Rickmer schrieb:
(...)Aber warum interessiert das den Grundversorger? Wenn Kunden auf den zurück fallen, werden die doch zum Tarif des Grundversorger abgerechnet, oder?(...)
Seriöse Grundversorger decken sich langfristig ein, um das Risiko zu minimieren. Die beschaffte Menge orientiert sich am Kundenstamm und dessen prognostizierte Entwicklung. Wenn jetzt viele Letztverbraucher in die Grundversorgung fallen, hat der Grundversorger eine Unterdeckung, die kurzfristig an der Börse zu horrenden Preisen, die weit über dem Grundversorgungstarif, ausgleichen muss. Eine Variante wäre, dass für Letztverbraucher, deren Lieferant pleitegeht, der Börsenstrompreis gilt bis sie einen neuen Lieferanten haben.

Wer billig will und dafür ein hohes Insolvenzrisiko seines Lieferanten akzeptiert, der soll dieses Risiko, wenn es zum Tragen kommt, auch bitte schön alleine stemmen und nicht bei Dritten abladen.
 
Ich habe jetzt auch nachträglich eine entsprechende E-Mail bekommen.
Mein aktueller Gedanke dazu: E-Mail zurück, dass ich von einer Vertragspflichtverletzung ausgehe und mit daher Schadensersatzforderungen vorbehalte. Dann neuen Anbieter suchen und sobald ich weiß, wie hoch mein Schaden ist diesen eben einfordern.

Meine Frage: Falls Stromio Insolvenz anmeldet, sollte ich zu diesem Zeitpunkt besser schon eine stehende Forderung haben? Vermutlich werden diese ja zuerst beglichen?

PS.: Habe einen Musterbrief der Verbraucherzentrale gefunden der direkt eine konkrete Schadensersatzforderung enthält und wie man den Schaden berechnet. Den passe ich gerade an und schicke ich dann nachher einfach raus.
 
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