Kollektivschuld und deutscher Patriotismus

  • Ersteller Ersteller DonMasterChief
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Bist du stolz auf Deutschland?


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Der ganze Wiki-Artikel ist ein Beweis, wie problematisch Patriotismus ist. Die Verwandtschaft mit dem Nationalismus ist nicht zu verkennen. Wie ich schon sagte, ist es schon paradox, dass ein Mehr von Gutem (Patriotismus) in etwas Schlechtes (Nationalismus) umschlägt. Anders herum wird ein Schuh draus: Patriotismus und Nationalismus kann man gar nicht trennen, im Grunde unterscheiden sie sich gar nicht voneinander, sondern sie sind die notwendige Ideologie zu der Verfasstheit der Menschen in ökonomisch-politischen Einheiten, Nationen und Staaten. Ihre Sprache, Bräuche, etc. sind in sich kein Grund für Staaten, sondern anders herum: die Staaten definieren sich immer ihre Nation und sagen es ihr, worin sie besteht und was sie zu tun hat. Wenn die Staaten schon etwas dafür vorfinden um so besser. Es geht aber auch ohne, siehe USA. Es tut kein Wunder, dass die Begriffe der Nation und des Patriotismus zusammen mit dem Kapitalismus entstanden sind. Die kapitalistisch wirtschaftende Staaten sind in ihrer Konkurrenz um die Sicherheit der Ressourcen und der Gewinne auf ihr dienendes Volk angewiesen. Das lässt sich natürlich nicht realisieren ohne Trennung von Inländer und Ausländer. Der Patriotismus ist daher schon die Antwort des Volkes zu dem Ruf der Regierenden: "Tut etwas für eures Land" - sei es in den Krieg ziehen oder den Gürtel enger schnallen.

Der Satz von Rau legt Zeugnis davon ab: "Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet."

Die Behauptung wirft ein Paar Fragen auf:
1. Zwischen Patriot und Nationalist wird so etwas wie ein Gegensatz konstruiert, dabei schließen sich die zwei Teile nicht vollständig aus: Jeder Patriot kann dazu Nationalist sein und umgekehrt.
2. Die Liebe zum Vaterland ist nicht frei von Eifersucht, Enttäuschung und Entdeckung des Verrats in den eigenen Reihen, also lässt den Weg frei für alles Negative, was man im erhabenen Gefühl ausgeschlossen wissen will.
3. Überhaupt: Woher kommt jetzt die Verachtung der anderen in diese schöne Welt, wenn alle so unschuldig ihr Vaterland lieben? Wie kommt es, dass dieses liebefähiges Wesen auf einmal andere hassen und verachtet? Wenn ich diese Frau liebe, verachte ich doch nicht einen anderen, der seine Frau auch liebt. Von Liebe kann hier keine Rede sein. Wo Verachtung ins Spiel kommt, geht es um Konkurrenz, um Sich-Behaupten und Gewinnen.

Ein Patriot soll demzufolge sein Vaterland lieben, also dem dienen. Daher ist der Patriot immer als Diener und Untertan begriffen. Nationalist soll er eben nicht sein, die Sorgen mit den anderen 'Vaterländern' soll er seiner Obrigkeit überlassen. Sie weißt besser damit umzugehen, gemäß den ökonomischen und politischen Ziele, die ihre kapitalistische Wirtschaft und ihre Macht in der Welt voranbringen.
 
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chancaine schrieb:
Mir sagt doch mein Nachbar nicht freiwillig, dass er am liebsten die Türken aus dem 3.Stock zurück nach Istambul schicken würde.
Das muss man geschickt und indirekt fragen.
Dann erfährt man so Einiges, was nicht der political correctness, offiziellen Meinungen der Bundesregierung oder den Definitionen in Lexika entspricht...

Wenn du geschickt nachfragst erfährst du sicher auch noch ganz andere Dinge aus seinem Privatleben, dass keinen interessiert. Am Ende sind die Türken nur ein unterdrücktes Hassventil. Seine Frau steht auf Schwarzhaarige, da bin ich mir sicher.
 
@barista
danke für diesen beitrag. ich wüsste nicht wie man den patriotismus-begriff noch besser als humbug entlarven könnte.

edit: finde es aber suspekt, dass niemand bezug auf deine argumentationskette genommen hat, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass sie hier von jedem geteilt wird.
und wenn sie nicht geteilt wird, dann wäre es interessant zu lesen, was denn konkret dagegen eingewandt wird.
 
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barista schrieb:
Es tut kein Wunder, dass die Begriffe der Nation und des Patriotismus zusammen mit dem Kapitalismus entstanden sind.

Bis auf diesen Satz stimme ich Dir zu. Grundsätzlich gibt es m.E. keinen kausalen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Patriotismus bzw. Nationalismus, obwohl er primär in diesen Systemen auftritt.
Der "Patriotismus" in z.B. dem Kommunismus spielt sich auf einer anderen Ebene, einer ideologischen ab. Das Abgrenzungsmerkmal heisst in diesem Fall zwar nicht Nation aber Klasse ("Proletarier aller Länder vereinigt euch!"). Damit ist es per Definition zwar kein Patriotismus oder Nationalismus aber eben ein (stolzes) Klassenbewusstsein, welches ebenso erzeugt wird und nicht weniger Konkurrenz erzeugt.

Eines der ältesten Abgrenzungsmerkmale ist jedoch noch immer die Religionszugehörigkeit.

Allen gemein ist die Einteilung der Menschen in Gruppen, ob dies aufgrund des Geburtsortes, der Religionszugehörigkeit oder aber der Zugehörigkeit zu einer "Klasse" oder "Schicht" geschieht, ist dabei unerheblich. Die strukturellen Funktionalitäten, die zu Überidentifikationen führen, sind sich zumindest sehr ähnlich.

MFG
 
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@e-ding

"Der "Patriotismus" in z.B. dem Kommunismus spielt sich auf einer anderen Ebene, einer ideologischen ab."

Wenn du das so schreibst, dann impliziert das die Aussage, dass der Patriotismus im Kapitalismus hingegen nicht ideologisch sei. Das finde ich sehr gewagt. Die Argumentation von barista, soweit ich sie nachvollziehbar und einleuchtend finde, versucht ja genau das zu zeigen, dass nämlich Patriotismus und Nationalismus überhaupt ideologische Konstrukte sind. Ob es sich jetzt um ein kommunistisch- oder kapitalistisch unterfüttertes Herrschaftssystem handelt, so würde ich dann zusätzlich noch einwerfen wollen, ist dabei von nachrangiger Bedeutung.
 
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@th3o

Ich gehe damit konform, dass Patriotismus und Nationalismus ideologische Konstrukte sind und in allen Gesellschaftsformen auftreten können.

Ich habe versucht zu differenzieren, inwiefern diese Konstrukte für bestimmte Gesellschaftsformen notwendig bzw. notwendiger sind. Grundsätzlich vereinfachen diese Werkzeuge "Herrschaft" im allgemeinen. Dennoch sehe ich Unterschiede. Während in Religionen Abgrenzungsmerkmale nach "Aussen" unverzichtbar für die eigene Existenz sind, funktioniert Kapitalismus eben auch ohne Patriotismus/Nationalismus.
Das ändert nichts daran, dass junger Kapitalismus oft mit einem starken Patriotismus einhergeht, -wunderbar zu sehen an China. Seit der Kulturrevolution hat sich hier aus einem starken Klassenbewusstsein ein starkes Nationalbewusstsein entwickelt.

MFG
 
Dem würde ich durchaus widersprechen und behaupten, dass der Nationalismus und Patriotismus im Kapitalismus einfach nur keine blanken Formen annimmt wie etwa "Ich arbeite für Deutschland", sondern dass der Prozess eher vermittelt ist und es dann so ausschaut:

"Ich, der Arbeitnehmer, arbeite für- und identifiziere mich mit dem Betrieb XY". Der Betrieb XY erwirtschaftet durch bestimmte Tätigkeiten einen Umsatz und führt Abgaben an den Staat ab, der die formale Grundlage/formalen Rahmen des Wirtschaftens in In- und, erweitert, Ausland gewährleistet, welcher Staat dann mit seinen je eigenen Interessen, u.a. dass in seinem Inneren Betriebe wie eben Betrieb XY funktionieren, in Konkurrenz zu anderen Staaten tritt. So gesehen setzt der gerade erwähnte Arbeitnehmer sich über Eck also für den Staat und seine Zwecke ein. Der Staat ist aber Kernausdruck der Nation und also ist dieser Arbeitnehmer gerade der Patriot, der sich seinen Patriotismus lediglich nur nicht als solchen erklärt. De facto aber ist das ein hochgradig patriotischer Akt den er durch den Verkauf seiner Arbeitskraft Tag für Tag da leistet. Damit hilft er nicht nur dem Betrieb, sondern auch seinem Land in der Konkurrenz zu überleben und sich zu behaupten. Wenn das kein Patriotismus ist :)
 
@th3o

Ich würde hier nicht den Begriff Patriotismus verwenden, vielleicht, um im Definitionsbereich zu bleiben "erzwungener Patriotismus" aber eigentlich ist man kein Patriot, wenn man seine Arbeitskraft verkauft und der Staat in der Konsequenz etwas mehr von meiner Arbeit profitiert.

Ich arbeite in einem angelsächsischen Unternehmen in Deutschland. Bin ich jetzt Doppelpatriot? Ich glaube auch, dass eine Identifizierung der Arbeitnehmer mit Unternehmen weniger stark ausgeprägt ist.

Insofern spielt gerade in einer globalisierten Wirtschaft Patriotismus (oder Identifikation mit dem Unternehmen) eine geringere Rolle, kann sogar kontraproduktiv wirken. Man könnte jetzt Patriotismus herunterbrechen und als kleinste Form Egoismus ausmachen aber das geht jetzt etwas weit weg vom Thema.

MFG
 
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barista schrieb:

Die Unterschiede zwischen Patriotismus und Nationalismus sind deutlich genug, wobei man eher den Unterschied zwischen Patriotismus und Chauvinismus machen sollte. Chauvinismus ist die schlimmste Form des Nationalismus (Aversion gegenüber anderen Ländern).
Als Patriot kann man sein Land lieben, aber auch die "Feinde" achten. ALs Patriot ist man auch pragamtisch (anpassungsfähig).
Wenn man für sein Land kämpfen würde, dann wäre das dem Nationalismus gleichzusetzen, was aber auch nicht heißen muss, dass man deshalb für immer die anderen hassen muss.
Als Chauvinist (Frankreich, USA, Türkei) steht man nicht nur auf der Seite seines Landes, sondern man verachtet ganz offen die anderen Staaten.

Das Problem mit diesen Definitionen ist, dass sie nach und nach vereinfacht werden (wie die unnötige Rechtschreibreform), und somit die deutliche Trennung der Definitionen verschwimmen bzw. vereint werden.

MFG
 
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@Blooby

Das Schlagende an unserem Thema (Patriotismus, Nationalismus, nein! Chauvinismus habe ich nicht vergessen) ist gerade was sie gemeinsam haben und nicht was sie unterscheidet - oder jeder für sich hinein phantasiert. Deswegen verpasst du schon das Wesentliche und deine Überlegungen haben keinen Kern.

Weil es so wichtig ist, zwei Worte über den Vergleich und seine Logik. Wenn man Dinge vergleicht, ist das Gemeinsame wichtig und nicht die Unterschiede. Das verhält sich nämlich so, dass man die Unterschiede nicht herausarbeiten kann, so lange man das Gemeinsame nicht besitzt. Sagt man: 'Die Rübe ist viel schöner als die klassische Musik', da merkt jeder, dass die zwei Dinge nichts Gemeinsames haben, deswegen kann man genau so gut 'Die Rübe ist viel runder als die klassische Musik' - das ist kein Vergleich.
Man kann auch anders vorgehen: Man beschreibt beide Sachen nebeneinander und konstruiert deren Merkmale als Unterschiede. Damit erfährt man aber nichts über die zwei Sachen. Genau so geht es in deinem Beitrag: Du behauptest etwas über die Unterschiede der Begriffe (oder was du dafür hältst), entdeckst Macken und Vorzüge (schlimmste Form, Aversion, achten, hassen muss, verachtet ganz offen) also nimmst eine moralische und funktionale Sortierung der Dinge. Du weißt aber immer noch nicht, woher sie eigentlich kommen, wie sie bestimmt sind. Am Ende beschwerst du dich noch dazu, dass die Unterschiede mit der Zeit verwischt werden: "Das Problem mit diesen Definitionen ist, dass sie nach und nach vereinfacht werden (wie die unnötige Rechtschreibreform), und somit die deutliche Trennung der Definitionen verschwimmen bzw. vereint werden."
Die Sorge habe ich nicht. Wenn die Menschen hier ein funktionales Interesse an den Unterschieden hat, erfinden sie sie ganz schnell. Die subjektive, moralische Sortierung der Welt ist den Menschen in der kapitalistische Gesellschaft ihre zweite Natur und ist in der freien Meinung praktisch ohne Grenzen. Das objektive Wissen überlässt man getrost der Naturwissenschaften. Die können ja nie ideologisch werden.
 
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zitat blooby

Als Patriot kann man sein Land lieben, aber auch die "Feinde" achten

Länder können/sollen also Feinde haben, wobei man diese "achten" kann während man das eigene Land sogar "lieben" darf.

Eine sehr komische Aussage, die viele Grenzen und wenig hinterfragte Floskeln aufbaut.

Gäbe es "Feinde" eines Landes, wenn es diese strikte Nationentrennung nicht gäbe?
Sollte man nicht alle Menschen gleich "achten" oder von mir aus "lieben"?
Wo liegt deiner Meinung nach der Sinn, je nach Landeszugehörigkeit zu "lieben" oder "nur" zu achten?
 
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Feinde entstehen meiner Meinung nach durch Mißgunst und Neid. Das können aber nur Menschen und nicht die Länder.

Wenn ich nun sage ich lebe gern in dem Land in dem ich geboren bin und finde die Menschen die hier leben
sympatisch bin ich dann zwingend Patriot?

Ich denke auch, dass es nicht möglich ist seinen Feind zu achten, achten kann mann einen Gegner, und ja das ist nicht daselbe.
 
Wir verlieren nicht den Faden: Erklärung der Kollektivschuld und deutscher Patriotismus geht erst mal über die Definition des Patriotismus.

@ Dug

Du hast Recht: "Gäbe es "Feinde" eines Landes, wenn es diese strikte Nationentrennung nicht gäbe?"

Die Behauptung 'Die Feinde soll man achten' verabschiedet sich von allem Inhalt. Warum sind die einem Feinde? Das wird hingenommen als ein ungesagtes und unsagbares Naturgesetz. Die Aufforderung zur Achtung will der Feindseligkeit gar nicht auf die Spur kommen und folgerichtig beseitigen, sondern will Beides nebeneinander stehen lassen. Dann aber zu welchem Zweck?

Um die Antwort nicht schuldig zu bleiben: Zweck ist die Konkurrenz der Staaten um Macht und Reichtum wegen der kapitalistischen Wirtschaftsweise im Inneren und nach Außen (Freihandel, freier Weltmarkt). Dann wird verständlich, warum gerade Feinde achten: 1. Feinde sind sie weil Konkurrenten - also Kollisionen vorprogrammiert sind; und 2. achten weil gegenseitig Geschäftsobjekt und -möglichkeit des Gewinns sind.

@ Omaole

Zitat: "Ich denke auch, dass es nicht möglich ist seinen Feind zu achten, achten kann man einen Gegner, und ja das ist nicht dasselbe."

Jetzt machst du dich daran zwischen Feind und Gegner zu unterscheiden. Da gerätst du in arge Beliebigkeit - soweit mal hier politisch und ökonomisch beurteilt wird - die Grenze ist ja ziemlich unscharf.

Außerdem hat keiner hier behauptet, man sollte seine Heimat, seine Freunde und seine Geliebte nicht lieben. Aber, mein Gott, womit hat diese Liebe zu tun? Sie hat damit zu tun, dass du das alles kennst - es liegt nicht an der Heimat, die so besonders wäre. Alles was man hat, liebt man - was man nicht hat, liebt man nicht, aber nur weil man es nicht kennt. Wenn man was anderes kennt, liebt man auch das, das ist ja auch bekannt: man verliebt sich.

Man muss sich an der Stelle den Übergang klar machen: Wie kommt man von dieser Liebe zur Feindschaft gegenüber andere Völker, wenn das in der Form 'Die Feinde soll man achten' sogar von der Obrigkeit selbst Beachtung findet.
 
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@ barista

Bei den Fragen sind wir uns einig.

Ich bin auch gneigt, bei den Antworten, dem vorherschenden System eine Mitschuld zu geben. Vom Kokurenzgedanken, mit all seinen 'Anreizen', bis zum 'sich gegenseitig die Köpfe einschlagen' ist der Weg - ähnlich wie der vom Patriotismus zum Nationalismus - nicht weit. Du findest auch hier bestimmt viele Gemeinsamkeiten ;) (richtigerweise).

Trotzdem gibt es Individuen, die in diesem System toleranter und rücksichtsvoller agieren als andere; auch wenn die fundamentalen Defiziete des Sytems, welche das friedliche, tolerante miteinander beeinträchtigt, Bestandteil des Systems bleiben.

Wie kommt man von dieser Liebe zur Feindschaft gegenüber andere Völker


Konsequenterweise müsste man antworten: weil es Völker gibt. Oder zumindest, weil die gefühlten oder erwünschten Interessen konfliktär sind.
 
Wer keine Ahnung hat, wie sozialistische Systeme / Staaten ihre Bürger unterdrücken und bespitzeln, der findet den Kommunismus natürlich toll.
Also ich lebe liebe in einem meinetwegen chauvinistischen Staat wie Frankreich, wo man sagt
"alles für Frankreich" und auch für z.B. den Erhalt der Arbeitsplätze von Regierungsseite etwas
tut, indem z.B. billige Kredite oder Staatsbeteiligungen an Unternehmen in Aussicht gestellt werden.
Machen wir uns nichts vor: die schöne Theorie, dass der Sozialismus alles anders und zugleich
besser macht, wird spätestens beim Platz des Himmlischen Friedens oder dem Tibet-Problem als heuchlerisch demaskiert.

Patriotismus als ausgrenzendes Element menschlicher Gruppen hat das Ziel, sich selbst zu erhöhen und andere abzuwerten. Ob es jetzt die bösen Ausländern (wie hier angeblich ausschließlich dem Kapitalismus zugesprochen wird) oder die bösen Kapitalisten und Demokratien ( aus Sicht der Kommunisten) sind ist doch egal.
Im Ergebnis werden andere ausgegrenzt und erniedrigt, weil man sich selbst als moralisch
besser oder als im Recht fühlt.

Der große Unterschied beider Systeme ist, dass im Kapitalismus einige Bescheuerte rechtsradikal / nationalistisch / ausgrenzend sind und im Kommunismus die Allermeisten,
weil sie durch Kader / Polit-Offiziere / Lehrer / Presse / Arbeitsplatz-Beschallung mit Parolen
so indoktriniert werden, dass sie am Ende alles Ausländische ablehnen - ähnlich wie in der NS-Zeit in Deutschland, wo man ja ein eigenes Propaganda-Ministerium dafür installiert hat. Letztlich ist die NSDAP auch nichts anderes als Sozialismus gewesen, National-Sozialismus halt, aber gearbeitet wurde
nach dem gleichen Prinzip - Schöne Versprechungen machen, arme Seelen fangen, Gehirnwäsche, Hass säen, andere ausgrenzen -> Krieg

Heute in China geht das mit dem Ausgrenzen bis hin zu offener Gewalt gegenüber Ausländern bzw. anderen ethnischen Gruppen,
die nicht das tun, was "die Partei" will und man begründet es als China-feindliche reaktionäre Verhaltensweise. Ist das besser als Nationalismus?

Daher würde ich sehr vorsichtig argumentieren, wenn hier davon gesprochen wird, dass der Kapitalismus als Ursache genannt wird - das nährt nämlich die Fehlannahme, im konträren System Kommunismus bzw. korrekter Planwirtschaft wäre es ganz anders.

Ausgrenzungen unter dem Deckmantel des Patriotismus wurden sicher auch mal religiös begründet, wenn man sich z.B. die Religion der Juden anlieht, wo man theologisch die Verfolgung anderer Völker begründen wollte nach dem Motto "Das ist Gottes Wille, wir sind
sein auserwähltes Volk".
Nichts gegen Juden und Israel hier, das ist nur ein Beispiel, wie auch Religion ausgrenzend instrumentalisiert werden kann, nicht nur der Begriff der Nation.

(Traurig, dass ich es so betonen muss, aber es gibt Vollpfosten, die mich sonst wieder in eine bestimmte Ecke stellen und das
möchte ich nicht).
 
Zuletzt bearbeitet:
barista schrieb:
Jetzt machst du dich daran zwischen Feind und Gegner zu unterscheiden. Da gerätst du in arge Beliebigkeit - soweit mal hier politisch und ökonomisch beurteilt wird - die Grenze ist ja ziemlich unscharf.

Verstehe ich das richtig, es ist egal, weil beliebig welchen Begriff ich nehme, warum gibt es dann beide?
barista schrieb:
Außerdem, keiner hat hier behauptet, man sollte seine Heimat, seine Freunde und seine Geliebte nicht lieben. Aber, mein Gott, womit hat diese Liebe zu tun? Sie hat damit zu tun, dass du das alles kennst - es liegt nicht an der Heimat, die so besonders wäre. Alles was man hat, liebt man - was man nicht hat, liebt man nicht, aber nur weil man es nicht kennt. Wenn man was anderes kennt, liebt man auch das, das ist ja auch bekannt: man verliebt sich.

Das ist für mich schon ne ganz schöne Denkaufgabe, aber ich entnehme mal, dass ich etwas das ich kennenlerne(Gegenden , Menschen, andere Tiere) lieben lernen kann, warum soll dann aber alles andere für mich feindlich sein? Die Furcht vor dem Unbekannten hat, glaube ich, nichts mit Feindschaft zu tun. Letztlich verkomplitierst Du das sich verlieben, wir wollen doch nicht so einfach aussterben.
barista schrieb:
Man muss sich an der Stelle den Übergang klar machen: Wie kommt man von dieser Liebe zur Feindschaft gegenüber andere Völker, wenn das in der Form 'Die Feinde soll man achten' sogar von der Obrigkeit selbst Beachtung findet.

Wen bitte verstehst Du als Obrigkeit?:freak:


Ausgrenzungen unter dem Deckmantel des Patriotismus wurden sicher auch mal religiös begründet, wenn man sich z.B. die Religion der Juden anlieht, wo man theologisch die Verfolgung anderer Völker begründen wollte nach dem Motto "Das ist Gottes Wille, wir sind
sein auserwähltes Volk".
Nichts gegen Juden und Israel hier, das ist nur ein Beispiel, wie auch Religion ausgrenzend instrumentalisiert werden kann, nicht nur der Begriff der Nation.

Wer etwas denken kann, dem ist schon klar dass die Aussage nicht speziell gegen eine bestimmte Religionsgemeinschaft geht chancaine. Sonst könnte man ja schon bei den Kreuzzügen anfangen und würde vermutlich nie fertig.


(Traurig, dass ich es so betonen muss, aber es gibt Vollpfosten, die mich sonst wieder in eine bestimmte Ecke stellen und das
möchte ich nicht).

Ach was solls komm nur her, ich steh auch schon hier und hab ne Kiste Bier dabei. Die gibts im chinesischen Süde bestimmt nicht.
 
Zuletzt bearbeitet: (Edit:)
@ chancaine


Du vergleichst nicht Sozialismus und Kapitalismus sonder faschistische Diktaturen und Kapitalismus. Da kommt der Kapitalismus natürlich gut weg. Was Stalin, Mussolini und Hittler praktiziert haben waren bestimmt keine Sozialistischen Staatsformen, da kommt evtl. noch der frühe Leninismus am ehesten ran; lasse mich da aber gerne verbessern.

Desweiteren ist mir der Sozialismus relativ egal und das momentane Kapitalistische System ist wahrscheinlich auch besser als alles was wir davor hatten.
Muss ich deshalb damit zufrieden sein? Mir geht es in diesem System wahrscheinlich noch ganz gut, na und?

Die Frage darf erlaubt sein, ob nicht irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem die Menschen auch ohne Leistungsdruck und Konkurrenzdenken - in dem Maase - ein vernünftiges, friedliches Zusammenleben hinbekommen. Da ich VWL studiert habe und seit einem halben Jahrzehnt selbständig bin sind mir die Mechanismen unseres Systems durchaus bekannt - nur, muss es so sein?

Ist es richtig, dass Staaten - egal welchem politischen System sie nacheifern - andere Länder erobern / befreien um neue Märkte zu erschließen?
Ist es richtig, dass jährlich Milliarden Tonnen Lebensmittel vernichtet werden, während ein beachtlicher Teil der Menchen verhungert? Toll, wieviel und wie effizient wir produzieren, in unserem tollen System, nur schmeißen wir das Zeugs dann doch weg - der Preis muss ja stimmen. Also, irgendwas kann da wohl nicht stimmen, inwieweit der Kapitalismus daran schuld ist, soll dabei erst mal schnuppe sein.
 
chancaine schrieb:
Machen wir uns nichts vor: die schöne Theorie, dass der Sozialismus alles anders und zugleich
besser macht, wird spätestens beim Platz des Himmlischen Friedens oder dem Tibet-Problem als heuchlerisch demaskiert.

Bist Du nicht gerade in China? Wie kommst Du auf die Idee, dass das dortige Gesellschaftssystem sozialistisch sei? Marx hätte an China seine helle Freude und "Das Kapital" wäre wohl mittlerweile doppelt so dick. Das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens ist mittlerweile 21 Jahre her und seitdem hat sich vieles verändert und gerade das Thema Tibet sollte wirklich nicht einseitig gesehen werden.

chancaine schrieb:
Heute in China geht das mit dem Ausgrenzen bis hin zu offener Gewalt gegenüber Ausländern bzw. anderen ethnischen Gruppen,
die nicht das tun, was "die Partei" will und man begründet es als China-feindliche reaktionäre Verhaltensweise. Ist das besser als Nationalismus?

Offene Gewalt gegenüber Minderheiten aufgrund von Lokalpatriotismus oder ethnischer Herkunft ist in China durch den Staat nicht vorhanden. Die "Partei" schaltet sich in der Regel nur ein, wenn eigene Interessen gefährdet sind. Dabei geht sie technokratisch vor aber mit Sicherheit nicht aufgrund von Herkunft oder ethnischer Zugehörigkeit. Der Partei ist es egal, ob es sich um einen Han oder einen Tibeter handelt. Sie hat kein Interesse daran, eine heterogene brodelnde Masse zu verwalten.

Mit steigendem wirtschaftlichen Erfolg, wächst auch der Nationalstolz in China. Nach Aussen ist sieht sich die Bevölkerung als homogene Masse, als Chinesen. Nach Innen wird allerdings gern diskriminiert und abgegrenzt. Hier spielen ethnische Herkunft, Klasse oder simple Dinge wie der Geburtsort eine Rolle.

MFG
 
Bin ich stolz auf Deutschland? Aber sowas von mal abgesehen von so manchen Politikern die vergessen haben wer sie gewählt hat. Und vorallem Made in Germany ist doch was wert!

Ach ja die gute alte Deutsche Schuld. Meiner meinung nach einfach nur noch bescheiden wie jeder dieses Thema ausnutzen will. Jedes Land hat seine Vergangenheit sei sie gut oder schlecht. Beste Bsp. dafür bin ich als ich in Amerika gewohnt habe. Ja ich wurde Nazi genannt! Und ich antwortete nur Idianer killer und Sklaventreiber und das war ein gefühltes 1000000:0 für mich. Danach war alles super gechillt^^ Also auf was ich hinaus will man muss nur die Bücher aufmachen und man findet immer was für jedes Land. Und vorallem was kann ich nun nach 65 Jahren Kriegsende daran ändern? Zugar meine Eltern konnten nichts für den Krieg da die Baujahr 52 und 54 sind. Und immer nur nach hinten schauen bringt auch nichts und wenn ich sehe was die Radikalen an %e haben mache ich mir da auch keine Sorgen das sowas wieder passiert da muss man nicht jedes Jahr erinnert werden.

Ebenfalls finde ich es sehr gut das Parteien wie die NPD nicht verboten werden da man sie so 100 mal leichter und das wichtigste Kostengünstig überwachen kann. Sollten die verboten werden wird nur noch alles über Inet gemacht und die Überwachung wird verdammt schwer.
 
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