Es betrifft zwar nur Deutschland, aber die Situation ist in Österreich nicht anders, weshalb ich gerne diesbezüglich schreiben werde.
Österreich konnte die Kriegsschuld besser von sich weisen, weil unsere Politiker (und auch Karl von Habsurg) es geschafft haben, das Land als besetztes Land zu definieren. Die Entschädigung der Juden läuft nach dem gleichen Schema wie in Deutschland ab.
Der typische Patriot wie man ihn in Frankreich (eigentlich die ärgsten Chauvinisten) kennen würde, gibt es bei uns nicht wirklich, zumindest nicht öffentlich. Sobald man aber so auftritt, kommt schon das antifaschistische Geheule. Das Problem in Österreich ist, dass die mentale Entwicklung seit Ende des Krieges sich stark gewandelt hat. War es früher noch die konservative Gesellschaft, wurde sie nach 68 durch eine stark nach Links angehauchte Gesellschaft abgelöst, die auch dafür sorgte, dass jeder, der nicht der gleichen Meinung war, als Faschist oder Nationalsozialist bezeichnet wird. Das läuft auch bis jetzt so (Studenten), jedoch nicht mehr so extrem wie damals.
Die Nationalitätsdazugehörigkeit hat sich irgendwie durch die kommunistische Ideologie ersetzt, die ein weltherrschendes Ziel hat.
Ich kann mich als gutes Beispiel bzgl. Patriotismus anbieten. Ich bin ein Patriot und stehe auch größenteils zu unserer Geschichte (Heiliges Römisches Reich). Ich bin gegenüber den Franzosen auch etwas chauvinistisch, die durch unsere leidvolle Geschichte mit ihnen geprägt ist. Als ich in einem anderen Forum das österreichische Wappen öffentlich zeigte, gab es von einigen Usern einen Aufschrei. Das Warum konnten sie mir aber nicht erklären. Ich gehe einfach davon aus, dass sie Pazifisten sind, und den Patriotismus mit Faschismus in Verbindung setzen. Das geschichtliche Unwissen und vielleicht auch die politische Dazugehörigkeit der Eltern dürften hierbei zur Entscheidung beigetragen haben.
Das nächste Problem ist die Meinungsfreiheit, die bei uns sogut wie gar nicht existent ist. Sobald einer eine politische Meinung hat, wird er in eine bestimmte Schublade gesteckt, aus der er nie wieder herauskommt. Das typisch österreichische Schubladensystem eben. Bei so einer Einstellung wird unsere Meinungsfreiheit noch lange nicht das Maß der amerikanischen Meinungsfreiheit erreichen, die, wie viele Staaten, ganz legale nationalsozialistische Parteien haben.
Die Siegerjustiz bzw. die Besatzungsmacht hat oft ihr Übriges zu unserer Mentalität beigetragen. Schließlich wurden wir doch alle "zwangs" demokratisiert und auch als Werkzeug gegen die UdSSR eingesetzt. Die Geschichte schreibt der Sieger, und der Sieger sorgt dafür, dass alle nur seine Geschichte kennen, aber Gottseidank gibt es Dank der modernen Kommunikationen viele Kritiker in den eigenen Reihen, die die Geschichte der Sieger anders darstellen.
Anderes Beispiel sind die Paraden. Warum ist wohl in Deutschland keine Parade (Stechschritt) mehr möglich? Weil gleich die Angst mancher Personen aufkommt, da sei die Republik wieder auf dem Weg in einer Diktatur. Die Paraden müssten dafür sicher nicht abgeschafft werden, aber sie sind es.
Die einzige Lösung zu dieser schlechten Entwicklung ist die geschichtliche Aufklärung (am Häufigsten werden ja immer die Kapitel vom 2 Weltkrieg erwähnt, wobei fast immer die Verbrechen der Sieger und die dadurch gravierenden Veränderungen bewusst igoniert werden). Nur dann kann der Mensch neutral mitdenken, bevor er sich für eine Seite entscheidet, die er für richtig findet.
Zum Endsatz:
Die Niederlage des 2.Weltkrieges hat dafür gesorgt, dass wir lange nicht für uns selbst bestimmen durften. Es wurde bestimmt, was wir machen durften. Ebenso wurde dafür gesorgt, dass wir nicht wieder eine großartige Nationalität besitzen werden. Der einzige Unterschied zu Deutschland ist, dass Österreich sich mit der Besetzungsausrede früher freikaufen konnte.
Auch wenn sich die Gesellschaft und die allgemeinen Entwicklungen verändert haben (Deutschland ist mit Frankreich militärisch und wirtschaftlich sehr eng verbunden), so wird zwar nicht mehr in Europa mit der Nazikeule geschwungen, aber in den USA bzw. Israel sehr wohl, und zwar bei Österreich und nicht bei Deutschland. Das liegt auch daran, dass Deutschland mehr Einwohner hat, eine große Waffenindustrie, Zugang zum Meer und ein großes Land ist. Unter anderem sieht man auch, dass Deutschlands Demokratie mächtig genug ist, um sich mit Links und Rechtsextremisten auseinandersetzen zu können.
Die Entwicklungen gehen somit in die richtige Richtung, wenn auch nur langsam.
MFG