Lohnerhöhung Öffentl. Dienst Ost/West Ungerechtigkeit?

amdandre

Ensign
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Hallo, ich habe eben mit meinem Vater gesprochen, der hier bei uns bei der Stadt als Bauingenieur arbeitet. Es gab ja jetzt eine Lohnerhöhung von 5,1% für den öffentlichen Dienst, ob das richtig ist, ob zu wenig oder zu viel soll hier nicht das Thema sein.
Was mich nur tierisch aufregt ist, dass diese Lohnerhöhung für Ost und West so ungerecht abläuft. Ich schreibe jetzt etwas in Rage und bin auch nur ein junger, unbedarfter, blauäugiger Student (:D), aber mit welchem gottverdammten Recht, bekommen die westdeutschen Beamten die Lohnerhöhung für Januar bis März nachgezahlt und die ostdeutschen nicht? Nebenbei sei angemerkt, dass hier schon immer vierzig Stunden die Woche gearbeitet werden und im Westen jetzt erst in einem halben Jahr die Arbeitszeit um eine halbe (!) Stunde pro Woche angehoben wird.

Vielleicht sehe ich einen Punkt nicht oder verstehe da irgendwas nicht, aber wo ist das bitteschön gerecht?
Ich weiß, dass der Lohnunterschied zwischen Ost und West einen Sinn hat (ob der immer wirklich aufgeht sei dahingestellt), aber was soll sowas? Warum muss man den Westdeutschen, die ja sowieso schon mehr verdienen, die Erhöhung noch für drei Monate nachzahlen und uns hier im Osten (Thüringen) nicht? Meiner Meinung spaltet sowas die deutsche Bevölkerung nur noch mehr.
 
Man ließt immer nur von Lohnunterschieden zwischen Ost und West. Was ist denn aber mit dem Lohnunterschied den es zwischen Nord und Süd gibt?

Dabei zu bedenken ist, dass es auch immer ein wenig auf die Lebensunterhaltskosten ankommt, die im Osten oftmals niedriger sind wie im Westen und im Norden wiederum niedriger als im Süden. Somit verdienen die Leute im Süden Deutschlands auch meist besser, als die Leute im Norden.

Das ist sicher nicht der Hauptgrund, spielt aber dennoch eine Rolle, die nicht zu verachten ist.
 
Ja, das mag stimmen, aber in dem speziellen Fall wird nicht in einem Vertrag festgelegt, dass der Norden weniger bekommt als der Süden. Und das mit den Lebenshaltungskosten kann ich nicht wirklich bestätigen. Die Energiekosten sind z.B. gerade in unserem Bereich mit die höchsten und auch Lebensmittelpreise sind kaum niedriger (Ich habe einen Test in Errinerung, der belegte, dass es da kaum Unterschiede gibt, sondern es oft sogar andersrum ist). Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass sich die Lebenshaltungskosten eher am Lohn orientieren, als andersrum. Das heißt, an Orten wo der Lohndurchschnitt höher ist, können die Läden auch die Preise anheben (siehe Städte wie München, Düsseldorf,...).

@keshkau: Danke für die Links, sehr aufschlussreich. Der Spiegelbericht bestätigt ja, dass auch nach Einberechnung der Preisunterschiede eine Reallohnunterschied von bis zu 14% besteht. Und wie gesagt, dass ein gewisser Lohnunterschied besteht mag ja auch sinnvoll sein, aber diese dreimonatige Nachzahlung und das, obwohl sie auch nach der Arbeitszeitverlängerung in einem halben Jahr immernoch weniger arbeiten als wir hier, finde ich einfach ungerecht.
Ich wollte mir das bloß mal von der Seele reden, weil mich das aufgeregt hatte, als ichs dann nochmal schwarz auf weiß in der FAZ las.
 
Zuletzt bearbeitet:
AvenDexx schrieb:
Man ließt immer nur von Lohnunterschieden zwischen Ost und West. Was ist denn aber mit dem Lohnunterschied den es zwischen Nord und Süd gibt?

Dabei zu bedenken ist, dass es auch immer ein wenig auf die Lebensunterhaltskosten ankommt, die im Osten oftmals niedriger sind wie im Westen und im Norden wiederum niedriger als im Süden. Somit verdienen die Leute im Süden Deutschlands auch meist besser, als die Leute im Norden.

Das ist sicher nicht der Hauptgrund, spielt aber dennoch eine Rolle, die nicht zu verachten ist.

Soweit ich weiß werden die Energiekosten in ganz Deutschland gleich geregelt.
Im Edeka um die Ecke sind die Preise auch ueberall gleich und die Steuern sind auch nicht geringer.

Warum sollten die Lebensunterhaltungskosten fuer die Bewohner der neuen Bundeslaender niedriger sein?
Durch die geringeren Mieten? Das war vor ein paar Jahren vielleicht so aber ist kaum noch der Fall und selbst wenn, die geringeren Mieten rechtfertigen nicht das man in Ostdeutschland viel weniger bekommt als in Westdeutschland bei identischer Arbeit.

Eine Studentin, die von Freiburg hier her nach Chemnitz gezogen ist, hat mir klar ins Gesicht gesagt das sie nicht bereit ist die selbe Arbeit fuer 2€ weniger in der Stunde zu machen.
Das verstehe ich ganz und gar, ich bin auch nicht dazu bereit!
Mir ist dabei bewusst das ich die Art Mensch bin wodurch Ostdeutschland vergreist.
 
Der Warenkorb für Deutschland (2005), der zur Berechnung der Lebenshaltungskosten herangzogen wird, besteht nicht nur aus Miete und Energiekosten:

30.9 % - Wohnung, Wasser, Gas, Brennstoffe
13,2 % - Verkehr
11,6 % - Freizeit, Kultur, Unterhaltung
10,4 % - Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke
05,6 % - Einrichtungsgegenstände
04,9 % - Bekleidung, Schuhe
04,4 % - Hotel, Restaurants
04.0 % - Gesundheit, Pflege
03,9 % - Tabakwaren, alkoholische Getränke
03,1 % - Nachrichtenübermittlung
usw.
 
@Shader
Sehe ich genauso. Gleiches Geld für gleiche Arbeit ! Punkt. Wir leben im selben Land.
Seit Jahren muß man immer wieder dieselbe Leier an Vorwänden für niedrigere Ostlöhne ertragen. Will man nun ernsthaft die Konjunktur im Osten ankurbeln oder vielleicht doch nicht und doch nur unter vorgehaltener Wirtschaftshand auf konkurrenzarmes Absatzmarkt- und Billiglohn-Niveau halten?
Warum ist denn die Abwanderung so einseitig, wenns sichs doch im Osten angeblich so günstig lebt? Wie lange soll der Osten denn noch am Tropf hängen?
 
Das Problem der Abwanderung ist, dass die guten Leute zuerst gehen. Dadurch sinkt das durchschnittliche Niveau der Arbeitnehmerschaft. Zuerst mögen die niedrigeren Löhne (und die fehlenden Arbeitsplätze!) ein Grund für die Abwanderung in Richtung Westen gewesen sein. Heute zementiert das gesunkene Qualitätaniveau der Arbeitnehmer zusammen mit dem Überhang an Arbeitskräften das Lohnniveau.
 
Das mag so sein. Und weil eben der Westen immernoch mehr Perspektiven bietet, trotz allem, eben durch seine langjährig aufgebaute dichtere Struktur.
Ich bin der Meinung, SO kann das nix werden. Bildung hin, Arbeitslosigkeit her.
Denn aufgrund niedrigerer Einkommen werden die Preise gering gehalten, was dann wiederum weniger Umsatz und folglich niedrigere Löhne & co. zwangsläufig nach sich zieht. Und die, welche das Geld haben oder wollen wandern ab, gebens im Osten dann nicht (mehr) aus.
Die Hochqualifizierten wandern auch wegen des schlechteren Arbeitsmarktes/ Strukturschwäche in den Westen ab, sobald sich die Gelegenheit bietet. Natürlich auch weil auch diese Schicht im Osten eher unter Niveau bezahlt wird, wenn sie denn was finden, was bekanntlich in diesem Teil wesentlich aufwendiger ist. ^^ Ein Teufelskreis.

Desweiteren sollte gerade der öffentliche Dienst und somit der Staat eine Vorbildfunktion einnehmen. Denn wenn der es nicht mal macht, aus welchem Grund sollte es dann gerade die Privatwirtschaft tun?

Überhaupt frage ich mich, wieso denn dann der ALGII-Satz angeglichen wurde, wenn es doch im Osten sooo günstig ist. Besteht doch dann kein Grund oder?
Vorallem durch die angeblich niedrigen Mieten, die ja sowieso in diesem Fall der Staat bezahlt.
Doppelmoral, Verarsche oder was?

Nee, nach 18 Jahren sollte endlich mal Schluss mit dieser erbärmlichen Deklassierung des Ostens sein. Die Leute dort sind keinen Deut schlechter als andere, werden aber so bezahlt.
 
Gerade für die öffentliche Hand ist die Situation am schwierigsten. Innerhalb von 16 Jahren (1990 bis 2006) ist die Bevölkerung von Schwerin um ein Viertel geschrumpft (von 127.447 auf 96.280). In Gera betrug der Rückgang im selben Zeitraum 20,4 Prozent. Chemnitz verlor 16,5 Prozent seiner Einwohner und Zwickau 15,6 Prozent.

In Magdeburg hat sich die Lage auf niedrigen Niveau stabilisiert, aber es fehlen gegenüber 1990 immerhin 20,9 Prozent der ehemaligen Einwohner. Ähnlich sieht es in Rostock aus, wo die Abwanderung 21,3 Prozent ausmachte. - Und es ist ja nichtt so, dass die Leute heraus aus der Stadt aufs Land gezogen sind. In den dünn besiedelten Gebieten ist die Lage eher noch schlimmer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Schwerin#Ab_1990
http://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Gera#Phase_3:_Seit_1990
http://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Chemnitz#Ab_1990
http://de.wikipedia.org/wiki/Einwohnerentwicklung_von_Zwickau#Ab_1990

Wenn die Leistungsträger wegziehen, wächst der Anteil der Problemgruppen, die tendenziell wenig Geld in die kommunalen Kassen spülen. Das wird bei den Tarifverhandlungen eine Rolle gespielt haben.
 
Im Westen müssen Beamte 42h arbeiten. Zumindest die Landesbeamten in Hessen bei der Finanzverwaltung.
 
Es mag sein, dass es da vielleicht regionale Unterschiede gibt, aber im Tarifvertrag wurde im Westen eine Arbeitszeit von 39,5h ab Juni ausgehandelt und im Osten bleibt's bei 40.
 
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