London in Flammen

(Hm, muss mich etwas zurueckhalten, da ich hier bereits gezielt zensiert werde.)

Dass die Gewalt zuerst in Grosstaedten ausbricht, ist nicht verwunderlich, schliesslich sind diese Grosstaedte die nationalen Drehscheiben fuer neofeudalistische (und nicht neoliberale) Wirtschaftspolitik und hemmungslose multikultische Nicht-Integration, die 2 wahrscheinlich erosivsten Kraefte, denen sich eine sozial orientierte Gesellschaft ausgesetzt sehen kann.

Auch ist es wenig verwunderlich, dass es zuerst die Noch-Nationen trifft, die sich im Namen der Modernitaet am hingebungsvollsten diesen Goetzen angedient haben, namentlich England und Frankreich, gefolgt von Schweden und Holland. Uns wird es genauso treffen.

Haette der deutsche Michel ein wenig frueher ueber den Tellerrand geblickt, so haette er eigenen Auges sehen koennen, wie sich dort (und hier) tabuisierte Themen ueber viele Jahre hinweg wie eine Eiterblase aufgeblaeht haben und nun zu zerplatzen drohen.

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Man kann lange auf irgendwelche Bonzen verbal einpruegeln, die das System hemmungslos ausnutzen oder die Politik, die stillschweigend oder mittaeterisch danebensitzt, allerdings wird dabei eines uebersehen :

Es ist das marktwirtschaftliche System selbst, dass menschliche Arbeit als Kostenfaktor sanktioniert und durch Produktivitaetsgewinne auszumerzen sucht. In einer idealen Marktwirtschaft gibt es keine Arbeitnehmer, sondern ausschliesslich Konsumenten. Nur einer der vielen Realwidersprueche, die deswegen nicht thematisiert werden, weil sie unaufloesbar sind.

Politik + Wirtschaft steuern nur insoweit kuenstlich dagegen, wie es ihren Interessen entspricht :
Von wirtschaftlicher Seite mit Verknappung des Arbeitsangebots und von politischer Seite mit existenzbedrohender Sanktionierung von Arbeitslosigkeit. In diesem absurden Spannungsverhaeltnis werden die Menschen gefangengehalten; ein wahrliches perfides Instrument des Macht-Erhalts.

Beispielsweise werden durchaus realisierbare Modellvarianten des BGE aus diesem Grund auch niemals politisch ernsthaft in Betracht gezogen, denn ein wirtschaftlich unabhaengier Buerger ist weitestgehend unregierbar und das ist ganz und garnicht nach dem Geschmack der Leute, die auf eine neofeudale Weltwirtschaftsstruktur hinarbeiten.
 
KL0k schrieb:
http://www.youtube.com/watch?v=6Gex_ya4-Oo

wenn ich sowas sehe, bekomm ich als zuschauer frust, weil solchen typen die hände abgehackt werden sollten...
frust gegen das establishment, okay, das is das eine... aber sowas?..

Haha, evtl überleg ich mir das mit dem Auslands Jahr am Imperial College in London nochmal... Obwohl, glaube nicht das das an der Elite-Uni der UK auch so abläuft :D
 
hab keine ahnung wo deine angepeilte uni steht - der vorfall war soweit ich weiss in tottenham und da solls ja sowieso auch ausserhalb der derzeitigen randale eher wüst zugehen. (grad nachgesehen, queensroad/barking, londoner osten)

wie ich eben in den tagesthemen mitbekommen hab, plant ne antifa gruppierung aus berlin dem beispiel aus london zu folgen und organisiert sich grade mit plakaten, flyern und internet aufrufen - diese werden aber wohl selbst aus eigenen reihen scharf kritisiert.
 
Zuletzt bearbeitet:
an der Uni selber sicherlich nicht, aber wen wuerds wundern, wenn du an der Bushalte davor abgestochen wirst ? Mich nich, is sowas wien Sport in den Grosstaedten Englands geworden.
 
KL0k schrieb:
wie ich eben in den tagesthemen mitbekommen hab, plant ne antifa gruppierung aus berlin dem beispiel aus london zu folgen und organisiert sich grade mit plakaten, flyern und internet aufrufen - diese werden aber wohl selbst aus eigenen reihen scharf kritisiert.

Nicht immer alles glauben was hierzulande über den Fernsehschirm flimmert. Da ist sehr viel tendenziöse Berichterstattung dabei.
 
ob ich dem glauben schenke steht ja auf nem anderen blatt, zumal ich dem ganzen eh kritisch gegenüberstehe da die oft genug propagandamaschinerie spielen. ich wollte lediglich über dort gesagtes informieren. was man daraus nun für schlüsse zieht ist ja jedem selbst überlassen.
 
MrPsst schrieb:
Aber keiner der Politiker redet darüber

Was erwartest du? Global ist die Welt, sind die Märkte, längst filetiert, die Politik ist längst Geisel der eigentlich Mächtigen. Für besonders linientreue Politiker gibt es nach dem Mandat tolle Jobs in der Wirtschaft.

Darüber will man nicht sprechen, ich frage mich was geschehen würde, wenn alleine unsere Bundesregierung offen und ehrlich sämtliche Handlungen begründen würde, den Prozess der Gesetzgebung vollkommen transparent gestalten müsste. Das wäre ihr Untergang wenn all das, was die Presse gezielt verschweigt, wenn sie es weiss, öffentlich werden würde. Wir Bürger, die uns in einer Demokratie wähnen, kämen uns genau zu dem Zeitpunkt richtig verschaukelt vor, wie sehr Manipulation der Massen, Lobbyismus und der Einsatz einer elitären Clique, für eine Politik verantwortlich sind, die mit Gemeinwohl schon lange nichts mehr zu tun hat.

Das eigentlich Schlimme daran ist, dass jene "Randalierer" in Großbritannien, sich dessen kaum bewusst sind, sie spüren lediglich die Folgen von all dem und reagieren genauso, wie es ihnen in anderer Form global und meist rechtsstaatlich abgesichert vorgelebt wird: Mit Gier, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit.
 
@ Schrammler: Keine Angst; der Zusammenhang Globalisierung und gesellschaftliche Probleme auf nationaler Ebene ist durch mich durchaus verstanden !

Während so mancher auf UK starrt; versuche ich Entwicklungen in Griechenland, Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland, Ungarn, Großbritanien und z.B. Belgien unter einen Hut zu bekommnen. Ein wenig Angst habe ich ab und an, daß ich Nordafrika vergesse !

Meine Betrachtungsweise ist eine ökonomische Sicht der Dinge, d.h. selbst Entwicklungen in den USA übersehe ich nicht.

Sozialschwärmereien so manches Deutschen bin ich in der Lage zu übergehen, da selbige zwar aus psychologischer Sicht verständlich, bei der Einschätzung einer realen Lage eher hinderlich sind.

Die "Filetierung" der Märkte zweifle ich bis zu einen gewissen Grad an. Zu wichtig sind soziale Fragen geworden, die mittlerweile mit Völkerwanderungen drohen, klimatische Auswirkungen leisten ebenfals ihren Beitrag.

Meinersets wird man kaum erwarten können, daß ich mich in meinem 2. Beitrag hier im Forum umfassend äußere, ich meine aber durchaus, daß auch Deutschland ein gewisses Potential aufweißt, welches Veränderungen nötig macht.
Ca. 10 Mio. verschenkte Potenzen sind nicht gerade ein Aushängeschild für eine funktionierende Gesellschaft ( ökonomisches System ).

MfG.

PS: Unis interessieren mich in diesem Zusammenhang recht wenig; auch die Tagesthemen sehe ich nicht unbedingt als das non plus ultra ! ... sie haben Ziele und werden für die Erfüllung bestimmter Aufgaben bezahlt. ... die Ziele dieser Aufgaben müssen sich nicht unbedingt mit meinen Interessen schneiden !
 
Zuletzt bearbeitet: (die Rechtschreibung !)
JohnnyBerlin schrieb:
Die "Filetierung" der Märkte zweifle ich bis zu einen gewissen Grad an. Zu wichtig sind soziale Fragen geworden, die mittlerweile mit Völkerwanderungen drohen, klimatische Auswirkungen leisten ebenfals ihren Beitrag.

Wer kümmert sich ernsthaft um die sozialen Fragen, egal ob bei uns, in England, Griechenland oder in Afrika? Die Wirtschaft ist es nicht, es müsste die Politik tun, aber die hat derzeit auch anderes im Sinn.
Mit der Filetierung spiele ich auf jene Konzerne, Banken oder gar Ratingagenturen an, welche die Weltmärkte beherrschen, jegliche Konkurrenz ausschalten (eine Folge der Globalisierung) und recht gerne ihre Gewinne an den Sozialsystemen einzelner Länder vorbeischleusen.
Umweltaspekte spielen dabei ebenso wenig eine Rolle wie faire Arbeitsbedingungen oder Nationalstaaten, sogar die EU dürfte vielen Konzernen völlig egal sein, außer wenn es um das Gebiet als relativ konstanten Absatzmarkt geht.

Mir gefällt im übrigen keineswegs, dass so gerne von Wachstum gesprochen wird, dass allerdings immer mit zwei Dingen einher geht: Man zieht dafür entweder Kapital aus dem In- oder Ausland, welche (auch sozialen) Folgen das dort jeweils hat, ist völlig egal. Man könnte es als Umverteilungskarussel bezeichnen, aber die Gewinner stehen eigentlich schon vorher fest.

Bei den Krawallen in England sollen auch Abiturienten und Studenten mitgewirkt haben, was wohl aufzeigt, dass der Riss tiefer geht, wie manch einer glauben möchte.
 
Naja, wer 20000 pro Semester abdrücken darf und nebenbei noch arbeiten muss und sich zugleich keine längeren Studienzeiten leisten darf, wird mit Sicherheit die Beine still halten, wenn er sich in der Masse versteckend bereichern könnte. Mich würde ja nur wundern wie viele davon angehende Anwälte waren ;)

Faszinierend ist mal wieder die Diskussion über die Bezahlung der Polizei. Anfangs war noch die Rede von Kürzungen,nun als Folge der Krawalle von massiven Investitionen in die Polizei. Also was lernen wir daraus? Vielleicht das was wir auch schon gelernt hätten, wenn wir über den Teich geschaut hätten?

Hmm immer wieder überraschend, dass soziale Probleme zu erhöhter Kriminalität und Gewaltbereitschaft führen. Und statt diese Probleme zu bekämpfen, gibt man lieber Unsummen in Exekutive und Haftanstalten aus. Ja das macht Sinn!

Statt Sicherheiten für Jugendliche zu schaffen, fördert man die Unsicherheit. Statt junge Leute in Jobs zu bringen,erhöht man die Lebensarbeitszeit.
 
Bei Problemen wie in England ist es wichtig sowohl langfristig, als auch kurzfristig zu reagieren. Kurzfristig halte ich es durchaus sinnvoll mehr in die Polizei zu investieren, denn wenn ich mir Teile dieser Randalierer anschaue, die nur auf einen großen LCD aus sind, dann wird es im Moment wenig bringen, denen einen Job anzubieten. Hier ist das Kind häufig schon in den Brunnen gefallen. Das sind keine "normalen" Demonstranten, die mehr Arbeitsplätze oder mehr Sozialleistungen fordern (und damit dann auch zufrieden wären). Das sind Kriminelle, die möglichst viel, möglichst schnell bekommen wollen. Das ist auch mit Arbeit nicht möglich und dementsprechend muss kurzfristig auch vorgegangen werden.

Warum diese Kriminellen kriminell geworden sind ist ein mittel- bis langfristiges Thema. Hier ist es aus meiner Sicht natürlich sinnvoll junge Menschen bei der Jobsuche zu unterstützen, Sozialprojekte zu fördern, aber auch die Einwanderung zu kontrollieren.
 
Shader schrieb:
Was passiert wenn man bei Sozialen Einrichtungen am meisten spart - wovon vor allem der Soziale Frieden, nennen wir es den großen "Rand" der Gesellschaft betroffen ist?
Gleichzeitig den Preis für Bildung nach oben schraubt? Denn genau das wurde seit Monaten in England getrieben.
Das ist eine gefährliche Mischung denn man greift damit den Sozialen Frieden an und wenn man zu viel angegriffen hat, dann ist es mit ein Grund (ob allein kann ich nicht beurteilen) das es genau zu solchen Krawallen kommt.
London ist außerdem mit die die teuerste Region weltweit und außerdem gepaart noch mit dramatischen entgegengesetzten Lebenswelten - das es sich da zu erst entlädt überrascht mich kein bisschen.

......

+1

Insgesamt erinnert mich die Situation an ein Experiment mit Fröschen, kennen einige vielleicht.

Wirf einen Frosch in kochendes Wasser - er hüpft raus.
Bring das Wasser zum kochen mit dem Frosch drin - er stirbt.

Exakt das passiert. Und setzt auch noch eine Spirale in Gang. UK statuiert ein Exempel von dem die anderen Europäischen Regierungen lernen werden und wollen.

1. Beschneide in sozialen Brennpunkten einfach die sozialen Ausgaben.
2. Warte eine Zeit (gut kochen lassen.....)
3. "Der Mob randaliert?" Da müssen wir wohl "Freiheitsrechte beschneiden".
4. Argumentiere mit T.I.N.A. - das aufgrund von fehlenden Geldern (bei Punkt 3 ausgegeben) für Punkt 1 kein Geld mehr da ist.
5. Warte und wiederhole Punkt 2 bis 4.

Resultat: Menschen die einen großen Teil Ihrer Rechte verloren haben, weil sie es leid waren die Fehler anderer mit schwindender Lebensqualität bezahlen zu müssen. Und wer wenig Rechte hat, kann schon wegen Kleinigkeiten als "Verbrecher" (Andersdenkender???) weggesperrt werden. Sehr bequem....
 
Helios co. schrieb:
Statt Sicherheiten für Jugendliche zu schaffen, fördert man die Unsicherheit. Statt junge Leute in Jobs zu bringen,erhöht man die Lebensarbeitszeit.

Diese radikale Kürzungen sämtlicher Sozialleistungen haben leider gerade in England und vielen anderen von neoliberaler Politik geprägten Ländern Tradition. Neoliberale Sprüche wie "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied" wirken wie Hohn angesichts der Steine die den Menschen in den Weg gelegt werden.

»Nimm eine Gesellschaft, in der Geld der einzige Weg ist, um voranzukommen. Nimm eine Gesellschaft, in der das reichste Prozent der Bevölkerung 20 Prozent des Reichtums besitzt, und die ärmsten 50 Prozent nur sieben Prozent. Du nimmst der Jugend die Beihilfe weg, so daß sie nicht mehr aufs College kann. Du sagst ihnen, daß sie 30000 Pfund Schulden für einen Universitätsabschluß machen müssen, der ihnen nicht mal einen Job garantiert. Du kürzt lokale öffentliche Dienstleistungen und streichst die Jobs ihrer Eltern. Du kriminalisierst sie dafür, daß sie sich in Gruppen zusammentun und nennst es antisozial. Und wenn sie dann aus den Vierteln herauskommen, in die du sie eingesperrt hast, um sich auf Straßen, die ihnen von der Polizei verweigert werden, aus Läden, die ihnen den Eintritt verweigern, die Waren zu holen, die sie sich nicht leisten können, dann ist alles was du sagst: Das ist reine Kriminalität.«

Parallelen mit Deutschland und anderen EU-Ländern sind nicht von der Hand zu weisen. Das ganze Problem ist kein Problem verfehlter Migrationspolitik oder der Herkunft der Menschen wie es von rechts gerne behauptet wird sondern vielmehr das Resultat verfehlter Sozialpolitik und eines Klassenkampfes von oben gegen unten.
 
Die Randalierer haben nur das getan, was man ihnen vorlebt. Raubtierkapitalismus in seiner reinsten Form.
Ich unterstelle der Regierung politisches Kalkül. Die Polizei wurde angehalten nichts zu tun.
Quelle Jetzt schreien alle nach dem Polizeistaat.
 
Dieses Kalkül herrscht aber seit Jahrzehnten vor und hat bisher als deeskalierendes Modell durchaus Beachtung gefunden. Dass dieses Konzept in der letzten Woche ad absurdum geführt wurde, ist klar. Aber in der Vergangenheit hat es sich tatsächlich bewährt und dahinter gleich eine Verschwörung zu vermuten ist vorschnell.

Wie dem auch sei, ich habe gerade mit meinem zukünftigen Vermieter eine Einigung erzielt und werde demnächst selbst in Shadwell wohnen. Bin mal auf die Stimmen der Einheimischen gespannt, die haben da ja nochmal eine andere Perspektive.
 
Ja als deskalierendes Modell hat es auch seinen Zweck, allerdings nicht, wenn die Lage dermaßen aus dem Ruder läuft.
 
Wichtig ist denke ich eine gute Balance aus Härte und Chance. In New York hat die Nulltoleranz-Politik vieles zum Guten bewendet, aber ich denke es bringt nichts wenn die Leute keine Chance haben sich zu entwickeln.

Die wirtschaftliche Struktur in England ist leider so, dass wenig Begabte kaum einen Platz finden.

Man sollte allerdings nicht den Fehler machen die Randalierer als Opfer zu sehen. Der große Teil waren einfach nur Idioten die die Chance nutzten zu plündern und auf den Putz zu hauen. Und dort tut eine Nulltoleranz-Strategie sicherlich gut.
 
Interessant ist die Aussage eines Pflichtverteidigers zu den Angeklagten:
"Katz kann sich nicht mehr erinnern, wie viele Randalierer und Plünderer er heute schon verteidigt hat. Dafür ist er sich ziemlich sicher über deren Motive. „Vergessen Sie das Geschwätz über Protest und politische Motive“, sagt er. „Diese Typen sind gierig, haben die Situation ausgenutzt und sich am Adrenalinkick berauscht.“"
Quelle
 
Die Randalierer in England sind also alles Kinder reicher Eltern, die nicht genug bekommen können, oder was willst du uns damit sagen?
 
Du bist aber schon noch dazu in der Lage, den Artikel, den er verlinkt hat, selber zu lesen? :rolleyes: Oder schwärzt dein Hirn den ganzen Text schon automatisch aus, weil er in dein sozialromantisches Weltbild nicht reinpasst?
 
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