Auna ist auch nur eins der tausend Rebrands. Die entwickeln und fertigen genau so wenig, wie alle anderen Anbieter von Billigmikros. Unter 100 Euro kann man (mit nur wenigen Ausnahmen) eigentlich immer davon ausgehen, dass es sich um gelabelte Massenware aus China handelt.
Dass die alle aus dem selben Pool kommen, lässt sich auch sehr einfach anhand des Zubehörs feststellen. Die Spinne (Aufhängung) und der Arm (Stativ) sind immer die gleichen. Egal, ob man 15 oder 80 Euro für das Set zahlt. Die Gehäuse sind zum Großteil identisch, wie auch die verbaute Elektronik samt Kapselsystem.
Beim Auna irritiert mich der recht hohe Preis auf dem europäischen Markt. International wurde das Mic 900 in Vergangenheit schon um die 20$ gehandelt. Hierzulande kostet es jedoch durchgängig 60-80 Euro.
Von der Performance her ist es - von dem, was ich bisher gehört habe - in Ordnung. 80 Euro halte ich persönlich jedoch für überzogen. Laut Bandrew von
Podcastage sei das Neewer NW 7000 oder Marantz MPM1000U überlegen. Zum Vergleich: das Neewer USB kostet hierzulande gerade mal 35 Euro im Set.
Generell kann man sagen, sind diese "Billigmikros" schon ganz ordentlich, wenn man von einem Headset oder kleinen Ansteckmikro her kommt. Die meisten Mikros sind
realtiv rauschfrei, bilden die Stimme klar, deutlich und ohne schwerwiegende Verzerrungen ab.
Ob man nun 20 oder 80 Euro dafür zahlt, macht manchmal gar nicht den riesen Unterschied. Blindgänger kann man in dem Bereich immer haben, egal welche Marke vorne draufsteht.
Im Übrigen sollte man nicht vergessen, dass die Vorverstärkung einen zum Teil erheblichen Einfluss auf die Sprachqaulität haben kann. Im Falle von XLR würde ich mindestens ein U-Phoria UMC202HD als Soundkarte (genauer: Audio-Interface) empfehlen. Im Falle von Klinke sollte man darauf achten, dass der jeweilige 3.5mm Eingang keine Krücke ist (z.B. Spannungsversorgung von min. 4V). Bei All-in-One per USB kann man nur hoffen, dass die Verstärkung und Wandlung gut implementiert wurde und einem die Windows-Treiber nicht dazwischenfunken.
JackA$$ schrieb:
Da bin Ich nicht erstaunt, Rode will als Marke auch bezahlt werden, sonst würde der Chef nicht mit nem Lamborghini Egoista vor der Tür stehen (übertriebene Darstellung).
Zugegeben, ich halte den CEO (Peter Freedman) auch nicht für sonderlich symphatisch.
Aber eins muss man ihnen lassen, sie haben ein Händchen für Elektronik und maschinelle Präzision.
Dass man bei einem etablierten Markenprodukt ein paar Euro mehr auf den Tisch legen muss, ist denke ich klar. Das liegt aber nicht in erster Linie daran, dass sich die Konzerne persönlich bereichern wollen, sondern eher daran, dass man einen zum Teil erheblich aufwändigeren Fertigungsprozess unterhält. Allein die Einzelkomponenten werden deutlich strenger selektiert, mitunter sogar selbst gefertigt. Die Produkte werden selbst entwickelt, gefertigt und im Falle eines Defektes auch inhouse oder zumindest durch lizenzierte Partner gewartet. Um mal beim Beispiel Rode zu bleiben: auf ein NT1(-A) bekommt man ganze
10 Jahre Garantie!
Hinzu kommen Personalkosten, die bei namenhaften Unternehmen - so schätze ich - auch nicht immer am Rande der Hungersnot bemessen werden.
Bei so ziemlich allen dieser Punkte kommen die OEM-Produkte nicht hinterher. Dort gibt es nichtmal einen zentralen Ansprechpartner, weil Entwicklung (sofern nicht kopiert - muss man an der Stelle leider ganz klar sagen), Fertigung und Vertrieb normalerweise von unterschiedlichen Unternehmen übernommen werden. OEM, ODM, OD, CMS,... dahinter steckt ein riesieges Netzwerk chinesicher Unternehmen, die sich auf Outsourcing spezialisiert haben.
Ob man diesen Markt unterstützen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.
Fest steht jedenfalls, dass der höhere Preis bei Markenprodukten in der Regel auch mit einem höheren Qualitätsbewusstsein einhergeht.
delahri schrieb:
Erstaunt war ich über die Tatsache, dass in dem Video das Auna CM001B quasi genauso klingt wie das Rode NT1A, obwohl der Preisunterschied doch schon recht hoch ist...
Wenn du keinen Unterschied raushörst, dann weist du jedenfalls schonmal, wie viel du ausgeben musst, um eine zufriedenstellende Sprachqualität zu bekommen
delahri schrieb:
Gibt es noch ähnlich gute/bessere Kondensatormikrofone in dem Preissegment?
Das Marantz MPM 1000(U) soll ganz gut sein.
An deiner Stelle würde ich mich allerdings auf dem Gebrauchtmarkt umsehen und mir ein AT 2020, AT 2035, NT1 oder NT1-A zulegen. Das sind sehr populäre XLR-Mikrofone namenhafter Hersteller, die meist günstig in der Bucht zu haben sind. Der Gebrauchtmarkt ist vor allem mit den Rodes ziemlich überschwämmt, weil das NT1-A unter Streamern und Podcastern enrome Beliebtheit findet. Heißt für uns: viele günstige, gut erhaltene bishin zu neuwertige Mikros von Leuten, die nach ausbleibenden Zuschauerzahlen wieder abrüsten
