"Mulholland Drive" - Wer enträtselt den Film?

keshkau

Commodore
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Neulich lief der Film „Mulholland Drive“ von David Lynch auf Arte. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn gleich aufgenommen. Nun handelt es sich dabei um schwere Kost und ich bin noch damit beschäftigt, die Story zu interpretieren.

Der Regisseur hat zehn Hinweise als Hilfestellung gegeben (aus: Wikipedia):

1. Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Eröffnungstitel.
2. Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.
3. Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den sich Adam Kesher Schauspielerinnen anhört und ansieht. Wird dieser Titel an anderer Stelle wiederholt?
4. Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis… Beachten Sie genau den Ort des Unfalls.
5. Wer gibt wem einen Schlüssel – und warum?
6. Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher, die Tasse Kaffee.
7. Wer macht sich im Club Silencio bemerkbar? Was ist dort zu fühlen, zu beobachten und zu gewinnen?
8. Hilft Camilla allein ihre Begabung?
9. Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter Winkie's.
10. Wo ist „Tante Ruth“?

Das Bonusmaterial der DVD enthält ein Interview, in welchem David Lynch zwei Haupthemen des Films ausdrücklich hervorhebt: die Suche nach Identität und der Schicksalsgedanke. Bisher habe ich lediglich einen Interpretationsversuch gefunden, der in meinen Augen sinnvoll ist. Ich halte im Übrigen auch nichts von der Vorstellung, der erste Teil des Films würde im Traum spielen.

Für mich sind in „Mulholland Drive“ noch immer mehrere Fragen ungeklärt. Aber da bin ich sicher nicht der einzige Zuschauer, dem das so geht.

Hat jemand eine Meinung zu dem Werk oder eine Deutung der Handlung? Genügend Spielraum für schräge Gedanken sollte der Stoff ja eigentlich bieten.

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Ich fange einfach mal an und nenne einige Auffälligkeiten, auf die ich gestoßen bin. Dabei gebe ich die Zeiten im Film an (bis zum Beginn des Abspanns sind es bei mir 2:16 h (= 136 Min.)

Punkt 1:
Mr. Rock (oder heißt der Rogue?), der Typ im Rollstuhl, der hinter Glas sitzt, ruft einen Mann an, der wiederum den Killer anruft (16. Min.). Man erkennt den Killer an seiner Stimme [„Reden Sie mir mir!“ – Vgl. „Zeig mir das scheiß Bild nicht hier!“ bei Winkie‘s (2:10 h)]. Der Killer wiederum ruft umgehend im Apartment von Tante Ruth an. Das erkennt man an dem Telefon, dem rotem Lampenschirm und dem gefülltem Aschenbecher. Es ist exakt das gleiche Bild, das man bei dem Anruf von Camilla bei Diane sieht, als sie ihr sagt, dass das Taxi wartet (2:01 h).

Punkt 2:
Nach Adams Meeting mit dem Cowboy (1:06 h) übt Betty zusammen mit Rita den Text für ein Vorsprechen, was sie auch gut hinbekommt. Das Vorsprechen folgt kurz darauf und ist eine peinliche Vorstellung: Neun Leute hocken dicht gedrängt in einem kleinen Raum. Der Regisseur Bob Rooker macht einen unfähigen Eindruck und Bettys Schauspielerkollege nutzt die zu spielende Szene für plumpe Annäherungsversuche, die nicht zum Text passen.

Gleich danach wird Betty von Linny James zu einem weiteren Casting mitgenommen. Dort lässt Regisseur Adam Kesher in professioneller Umgebung für die Hauptrolle in dem Film „Sylvia North Story“ vorsingen. Er scheint sich mit der ersten Sängerin Carol gut zu verstehen und spricht nach ihrem Auftritt mit ihr. Die zweite Sängerin ist dann Camilla Rhodes, die trotz weniger überzeugender Performance erwartungsgemäß sofort die Rolle bekommt.

Gegen Ende des Films (2:07 h) erzählt Diane, dass sie Camilla bei den Dreharbeiten zum Film „Sylvia North Story“ kennengelernt hat. Ihr Sitznachbar streut den Namen des Regisseurs ein: Bob Rooker. – Das kann ich mir nicht so richtig erklären: Wenn man Adam nach seiner ursprünglichen Weigerung gegenüber den Filmbossen den Job entzogen hat, dann hätte Bob Rooker sein Ersatz sein können. Aber der Cowboy gab Adam den Rat, am nächsten Morgen wieder am Set zu erscheinen und die richtige Entscheidung zu treffen. Das hat er gemacht und deshalb müsste er der Regisseur gewesen sein und nicht Bob Rooker. Im Film gibt es auch keinen Bruch zwischen den beiden Castings. Sie folgen unmittelbar aufeinander.

Punkt 3:
Im „Club Silencio“ öffnet Betty ihre Handtasche (1:47 h) und holt das blaue Kästchen hervor. Ihre Tasche hat einen Klappverschluss oder wie das heißen mag. Die Handtasche von Rita mit dem Haufen Bargeld hat einen Reißverschluss (0:42 h). – Als später Diane dem Killer bei Winkie’s das Geld übergibt, öffnet auch sie ihre Tasche. Man hört dabei einen Reißverschluss (2:11 h). Es dürfte sich um das Geld handeln, dass sie von ihrer Tante geerbt hat (2:07 h im Gespräch mi Adams Mutter auf der Party).

Punkt 4:
Nachdem Betty sich telefonisch bei der Polizei nach dem Unfall erkundigt hat, geht sie mit Rita zu Winkie's. Dort werden sie von einer Diane bedient. Als später Diane mit dem Killer dort sitzt, trägt dieselbe Kellnerin das Namensschild "Betty".

Das sind nur ausgewählte Beispiele. Der Film ist voll davon und das hat bei David Lynch auch System.
 
Zuletzt bearbeitet:
also mullholand drive kenn ich nicht, aber lynch filme sind generell etwas "ungewöhnlich". mal lost higway gesehn? hab ich auch bis heute nicht verstanden den film.
 
Ich kenne von David Lynch natürlich "Wild at Heart", der mir gut gefallen hat. Ich habe den Film während einer Sneak-Preview gesehen. Nach einer drreiviertel Stunde lichteten sich die Reihen um etwa ein Drittel. Viele Zuschauer hatten an dem Abend eine bevorstehende Komödie erwartet und fühlten sich angesichts der Bilder wohl etwas unwohl in ihrer Haut.

Die Filme "Der Elefantenmensch" und "Dune" habe ich nur so am Rande bzw. teilweise gesehen. An "Blue Velvet" kann ich mich noch einigermaßen erinnern und "Lost Highway" habe ich leider verpasst. Aber den Film hole ich in Kürze nach.

An Deiner Stelle würde ich hier nicht weiterlesen, ohne zuvor den Film gesehen zu haben. Sonst siehst Du ihn später mit ganz anderesn Augen und das Flair geht verloren. Außerdem sollst Du Dir ja Deine eigene Meinung bilden und nicht das übernehmen, was hier an Unsinn verzapft wird.
 
??
nur ruhig :D
ICh kann dich beruhigen. Ich habs nicht gelesen. Könnte ja eh nichts zu sagen, da ich den Film ja nicht kenne. Dachte nur, dass du Lynch das erste mal begegnet bist und wollte halt nur anmerken, dass man seine Filme nicht unbedingt verstehen muss. :D
 
Enttäuschend! Das Interesse an diesem Film scheint gleich null zu sein. Jedenfalls kann ich mitteilen, dass ich den Punkt 2 (siehe oben) für mich geklärt habe:

Das Vorsprechen bei Bob Rooker im ersten Teil des Films betrifft ein völlig anderes Projekt, während Adam Kesher gleichzeitig bei der "Sylvia North Story" Regie führt. Wichtig ist nur, dass dort Camilla Rhodes die Hauptrolle bekommt.

Im zweiten Teil wurden die Karten neu gemischt. In dieser Variante führte Bob Rooker die Regie bei der "Sylvia North Story", während Adam Kesher dort nicht involviert war. Entscheidend war auch hier, dass Camilla - so wie es das Schicksal für sie vorsah - die Hauptrolle übernahm. Denn: "Sie ist die Richtige".
 

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