DerOlf schrieb:
An deiner Schwalbe kannst du wahrscheinlich auch sehr viel mehr selbst erledigen, als an einem topmodernen Moped.
Für die Dinge, die du nicht selbst erledigen kannst, würde eventuell ein Reparatur-Cafe helfen ... falls es sowas bei euch gibt. Vielleicht findest du da einen KFZ-Mechaniker in Rente, der einfach Spass dran hat, an einem Zweitakter zu schrauben.Und eventuell kannst du das einfach gegen eine Dienstleistung deinerseits eintauschen (abgesehen von Materialkosten natürlich).
Aber eigentlich kenne ich keinen einzigen Schwalben-Besitzer, der nicht irgendwie einen Schrauber an der Hand hätte
Lustigerweise habe ich genau das feststellen müssen, als ich mir im März ein Motorrad (Honda Super Cub) dazugekauft habe. Da durch Corona die Termine in der Zulassungsstelle weit im Voraus waren, war direkt die Batterie leer. Ich vermute, dass ich unbewusst die Diebstahlsicherung angelassen habe, denn die Batteriespannung war komplett eingebrochen auf 3,5 V. Eine neue Batterie wurde mir netterweise über die Garantie mitgegeben. Das ist mit dem Fetten der Kette und dem Ölwechsel aber auch das einzige, was ich an diesem Motorrad selber machen kann. Da alles elektrisch ist, funktioniert ohne Strom nicht mal die Gepäckträgerklappe. Das Motorrad hat keinen Kicker mehr, um manuell zu starten und eine eingerastete Diebstahlsicherung würde sich auch nicht lösen lassen.
Diese Entwicklung zur "Überlelektrifizierung" finde ich einfach nur dumm.
Bei der Schwalbe mache ich gewungenermaßen alles selbe - bis auf eins; ich kann den Motor nicht selbst regenerieren, denn da muss er gespaltet werden und das traue ich mir nicht zu. Interessanterweise kann das hier in Westdeutschland jede Werkstatt, weil alles mechanisch ist.
Den direkten Vergleich von Nachbauplunder zu Original konnte ich beim Vergaser miterleben. Das Nachbauteil lässt sich nicht so einstellen, dass die Drehzahl konstant bleibt. Vermutlich irgendwo schlecht abgedichtet oder die Spaltmaße stimmen einfach nicht. Im Frühjahr werde ich wieder zurückrüsten.
Im gewissen Sinne ist die Erhaltung alter Sachen ja Umweltschutz. Beim Motorrad fahren zur Arbeit von Frühling bis Herbst verbrauche ich statt 9,7 l im Durchschnitt im Auto nur 1,8 l. Da ich dummerweise an der Auffahrt A48 vorbei muss und mich jedes dritte mal Leute im Auto ohne Schulterblick abdrängen, muss ich mir überlegen, ob das Fahren bei Dunkelheit und so hoher Verkehrsdichte morgens sinnvoll ist. Parkplätze sind auch (Umwelt-)Ressourcen. Da nehme ich natürlich wesentlich weniger weg, als der 2 t - Audi Q7.
Mich wundert, dass unsere Regierung keine Kampagne für Elektrofahrräder und 125 ccm - Motorräder macht. Beides kann im Prinzip jeder fahren, der etwas Geld investiert. Die Versicherung bei den kleinen Motorrädern kostet keine 100€ im Jahr, Elektrofahrräder machen hingegen nicht mal Lärm. Einfach nur zu sagen: Auto böse -> Autofahrer böse; bringt uns nicht weiter.
Abseits vom Thema Fortbewegung lege ich viel Wert auf darauf, woher meine tierischen Produkte stammen. Ich esse wenig Fleisch und kaufe das ein, wo ich der Meinung bin, dass es nicht aus dem üblichen Tierquäler-KZ stammt (z.B. grundsätzlich nur Freilandeier). Die Reportagen, insbesondere im Jahr 2019, bei SternTV haben mir gereicht.
Der Umweltgedanke muss aber politisch getragen werden. Von allein aus ist der Mensch faul und gleichgültig. Erst sichtbares Leid und Überzeugung führen zu ethischen Gedankengängen.