VPN - Kann der Provider oder die Firma mitlesen? Warum genau nicht?

obama

Cadet 4th Year
Registriert
Feb. 2021
Beiträge
68
Hi,
und zwar beschäftigt mich eine Frage, deren Antwort ich schon eigentlich beantwortet bekommen habe. Merkwürdig, denkt ihr bestimmt nun. Nun ja, ist es auch etwas. Aber ich weiß nicht, ob die jeweiligen Antworten glaubwürdig sind; Stichwort: Marketing.

Aber fangen wir von Vorne an. Im Grunde interessierten mich VPNs nie besonders, da ich deren Nutzen nicht einsah. Wirklich Anonym ist man nicht und den Sicherheitsaspekt sah ich auch nicht wirklich. Auch Streaming-Dienste, die zum Beispiel nur in den USA verfügbar sind, nutze ich auch nicht. Auch, weil wir in DE einen hohen Standard haben, was Datenschutz betrifft, vertraue ich den Providern und illegales veranstalte ich auch nicht. Da bin ich eben bei meinem Provider einer von vielen und bei dem VPN-Anbieter einer von wenigen vielen, zahle aber noch dafür. Na ja.

Nun ist die Situation aber anders. Ich bin im Ausland im Auslandssemester und muss im Studentenwohnheim nun das Uni-Netz nutzen. Und irgendwie will ich nicht, dass sie hier mitlesen und auch will ich nicht unbedingt, dass man weiß, welche Pornos ich mir ansehe (weiß nicht mal, ob das hier gestattet ist, weil die Terms nur in der Fremdsprache vorhanden sind und dies deshalb nicht verstehe und fragen für mich etwas blöd kommt „Hey Kalle, sag ma. Wie ist das hier eigentlich mit den Pornoseiten?“. Ich glaube, ihr wisst, was ich meine.

Jedenfalls erachte ich hier einen VPN als notwendig, wenn es denn wirklich das bringt, was ich benötige. Eben, dass die Uni nicht sieht, welche Internetseiten ich ansteuere. Die VPN-Anbieter sagen es natürlich, dass sie oder der Provider es nicht kann. Aber Anti-Viren-Software-Hersteller sagen auch viel, wenn der Tag lang ist und am Ende ist es auch nur Schlangenöl, welches evtl. das System noch unsicherer macht. Knifflige Lange, wenn man nicht genau weiß, wie es mit dem VPN so genau funktioniert.

Mir geht es hierbei darum, dass ich ja einen VPN-Server ansteuern muss, damit dieser meine Verbindung verschlüsselt und somit kann die Internetseite, die ich ansteuere nicht sehen, welche IP ich wirklich habe (mich aber trotzdem identifizieren durch anderen Kram).

Aber was ist denn mit der Verbindung von meinem PC zum VPN-Server?

Der läuft doch zwangsläufig über meinen Provider und kann ja demnach noch gar nicht verschlüsselt sein, weil ich den Server doch gar nicht erreicht habe. Wie kann der Provider dann nicht mitlesen? Er ist ja das Bindeglied zwischen mir und dem VPN. Habe ich hier einen Denkfehler? Ich muss nämlich so etwas erst verstehen, bevor ich so etwas glauben kann oder will.

Und eine kleine Nebenfrage: Reicht eigentlich „https“ nicht auch aus, damit der Provider die Internetseite nicht sieht oder bezieht sich das nur darauf, was ich auf der Seite genau treibe und was ich eingeben (bspw. Kennwort im Online-Banking), solange keine neue Seite geladen wird?
 
https://gist.github.com/joepie91/5a9909939e6ce7d09e29
Hier findest du alle antworten.

tl;dr: Niemand geht in den knast weil du ihm 4,99 zahlst. VPN provider bringen dir weder mehr pivacy, noch mehr sicherheit. Sie bringen dir netflix mit mehr Auswahl

Wenn du mehr privacy und sicherheit willst, numm uBlock origin als werbeblocker
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: obama, chrigu, Xero261286 und eine weitere Person
obama schrieb:
damit dieser meine Verbindung verschlüsselt und somit kann die Internetseite, die ich ansteuere nicht sehen, welche IP ich wirklich habe (mich aber trotzdem identifizieren durch anderen Kram).

Aber was ist denn mit der Verbindung von meinem PC zum VPN-Server?

Der läuft doch zwangsläufig über meinen Provider und kann ja demnach noch gar nicht verschlüsselt sein, weil ich den Server doch gar nicht erreicht habe. Wie kann der Provider dann nicht mitlesen?
Umgekehrt. Von dir zum VPN-Server ist es verschlüsselt. Du kommst also "anonym" aus deinem Netz. Ab dem VPN geht es dann weiter. Deshalb wird auch manchmal von einem VPN-Tunnel gesprochen. Du gehst also mit einem Tunnel aus deinem Providernetz zum VPN-Server und steigst dort aus und von dort ins Internet.
Edit: Und umgekehrt ausgedrückt, der VPN-Anbieter verschlüsselt nicht zu Pornhub. Der VPN-Anbieter verschlüsselt den Weg von dir zu ihm.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Sam Miles und obama
Aber was ist denn mit der Verbindung von meinem PC zum VPN-Server?

Der läuft doch zwangsläufig über meinen Provider und kann ja demnach noch gar nicht verschlüsselt sein, weil ich den Server doch gar nicht erreicht habe.
Da liegt wohl ein Missverständnis vor, denn genau das ist die Verbindung die verschlüsselt wird. Zwischen deinem PC und dem VPN Dienst. Danach ist es dann wieder unverschlüsselt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: obama
Ja, du hast da einen kleinen Denkfehler, daher ein maximal bildliches Beispiel:
Stell dir das Internet als riesiges System aus Rohren und Leitungen vor. Du und andere Teilnehmer haben kleinere Leitungen, die in größere Rohre münden, die wiederum in riesige Rohre usw.
So wie jede Stadt oder Region eigene regionale Betreiber der Abwasserleitungen hat, so sind diese doch irgendwo und irgendwie miteinander als großer Kreislauf der Erde verbunden.

Wenn du jetzt ein VPN aufbaust zu einem beliebigen Anbieter dann ist das als würdest du einen seeeeeeehr langen Gartenschlauch nehmen, ein Ende bei dir belassen und das andere durch das vorhandene Rohrsystem bis zum VPN-Anbieter schicken. All dein Internettraffic schiebst du dann in den Gartenschlauch sodass dein Traffic erst bis zum VPN-Anbieter geht und ab da weiter zum eigentlichen Ziel.
Dein jetziger Provider sieht dann nur: Da liegt ein Schlauch zu $VPN-Anbieter aber mehr nicht.

Bei kommerziellen Angeboten bedeutet das jedoch, dass du dem Anbieter des VPNs mehr Vertrauen entgegen bringst als dem aktuellen Provider.

Soviel zum Thema VPN. Unabhängig davon sieht aber auch dein jetziger Provider nicht welche Pornos du bevorzugst solange die entsprechende Webseite HTTPS anbietet. Da sieht dein Provider und auch der ggf. genutzte VPN-Provider lediglich, dass du eine Verbindung zu $Porno-Webseite hast aber nicht was du da abrufst.
Rufst du jetzt beispielsweise https://www . pornhub . com auf, ist die Verbindung verschlüsselt und dein aktueller Provider würde das sehen aber nicht welchen Inhalt genau. Würdest du dies per VPN machen, würde dein Provider dies nicht mehr sehen aber der VPN-Anbieter.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: obama
Dein Internet Provider sieht die ganze Zeit nichts, als dass du ständig Verbindungen zu deinem VPN aufbaust, sofern du einen benutzt.
Das Ganze ist verschlüsselt.
Dein Internet Provider hat somit auch keine Ahnung was du online treibst.

Desweiteren rückt ein seriöser VPN Betreiber auch nicht so leicht Daten raus wie ein Internet Provider in Deutschland.
Bei Telekom etc. werden nicht mal Beschlüsse gebraucht um an entsprechende Daten zu kommen.

In deinem Fall ist ein VPN auf jeden Fall das richtige.
Wird doch ohnehin immer mehr zur Pflicht. :-(
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Sam Miles und obama
Warum nutzt du nicht einfachste und kostenlose Lösung? Tor Browser

Man muss bei jedem Seitenaufruf zwar etwas warten, aber die Betreiber des Uni Netzes und der Provider würden so zumindest nicht sehen, welche Seiten zu besuchst.
 
Sas87 schrieb:
Bei Telekom etc. werden nicht mal Beschlüsse gebraucht um an entsprechende Daten zu kommen.
Das ist faktisch falsch. Richtig ist, dass es eilverfahren gibt, die das ganze so beschleunigen, dass die 7 Tages Frist eingehalten wird und die Telekom die Daten noch hat. Aber ohne Beschluss gibt es nichts. Sonst würde sich der Provider selbst strafbar machen.
 
SI Sun schrieb:
Warum nutzt du nicht einfachste und kostenlose Lösung? Tor Browser
Man muss bei jedem Seitenaufruf zwar etwas warten, aber die Betreiber des Uni Netzes würden so zumindest nicht sehen, welche Seiten zu besuchst.

Weil Tor relativ lahm ist und der TE sich dann nicht seine Pornos anschauen kann ...
 
https verschlüsselt den Inhalt. Daß du gerade mit ***hub redest, ist deswegen kein Geheimnis. Unbekannt ist da nur was genau du dir gerade anschaust.

VPN verschlüsselt die gesamte Kommunikation (bis zum VPN-Server). Daß du VPN nutzt ist kein Geheimnis. Was genau du damit machst, ist erst nach dem VPN-Server wieder bekannt.

Wenn du dir einen vServer mietest und dein eigenes VPN betreibst, und damit über https auf ***hub gehst, dann weiß allenfalls dein vServer-Hoster, daß du mit ***hub redest aber nicht was.

An irgendeinem Punkt musst du irgendwem vertrauen. Ansonsten bleibt wirklich nur Tor... VPN-Verzwirbelung über viele Nodes hinweg, wo die Exit-Node erstmal gar nicht weiß, von wem der Request überhaupt ausgeht. Verschlüsselung a la https braucht es dann trotzdem noch, sonst kann die Exit-Node alles mitlesen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: obama und snaxilian
@Nutzerkennwort
Wann hast du zuletzt mit Tor gesurft?
Der Tor Browser ist im Vergleich zu früher sehr schnell geworden. Es dauert keine 3 Sekunden, bis eine neue Seite geöffnet ist. Das sind ca. 2 Sekunden mehr, als man mit einem normalen Browser braucht, also völlig irrelevant.

@foo_1337
Es ist das Eine was man offiziell zugibt und das Andere, was die Provider unter anderem im Auftrag der Staaten machen. Ob mit oder ohne Kenntnis, weiß wohl niemand.
Selbst in Deutschland, wo man laut Datenschutz schreit, aber hintenrum trotzdem gegen Gesetze verstößt (Staatstrojaner), neue Gesetze quasi heimlich einführt oder einfach die Daten von Partnern holt, wird man schon lange überwacht. In China beispielsweise wissen die Bürger was der Staat macht, weil die kein Geheimnis daraus machen. In Deutschland versucht man seine Rosa Brille möglichst niemals abzusetzen. Die Edward Snowden Enthüllungen sind wohl nach so kurzer Zeit bereits vergessen... und selbst als alles aktuell war, haben die Leute nur die Artikel Überschriften von BILD gelesen und eine Woche später sich wieder auf Fußball konzentriert und ihr Leben brav in Facebook, WhatsApp, Instagram, etc. geteilt... mit ihren Smartphones mit Daten in der Cloud, GPS Tracking für Maps, usw.
Die Menschen lernen einfach nicht.

Hierzu gibt es einen interessanten Einstiegs-Artikel im Bezug auf VPN:
https://protonvpn.com/blog/5-eyes-global-surveillance/
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
UhrenPeter schrieb:
Es ist das Eine was man offiziell zugibt und das Andere, was die Provider unter anderem im Auftrag der Staaten machen. Ob mit oder ohne Kenntnis, weiß wohl niemand.
Ist mal wieder Aluhut time? Das sind zwei paar Stiefel: Datenherausgabe nach (potentieller) Straftat und die generelle Überwachung. Und wie kommst du darauf, dass dein Stiefelpaar bei vpn anbieter xyz nicht auch angesagt ist?

UhrenPeter schrieb:
Hierzu gibt es einen interessanten Einstiegs-Artikel im Bezug auf VPN:
https://protonvpn.com/blog/5-eyes-global-surveillance/
Ja, als Quelle für Informationen einen (voreingenommenen) VPN Anbieter zu nehmen ist sicher eine gute Idee.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: snaxilian
Ein 12 oder fast 13 Jahre alter Artikel? Puh... ich denke da hat sich die Rechtsprechung und rechtlichen Grundlagen inzwischen etwas geändert, meinst du nicht auch? Zumal Landgericht.. Wäre nicht das erste Mal, dass das eine LG Hüh sagt und das andere LG dann Hott.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: madmax2010 und foo_1337
Das war 2007, ein LG und ist längst überholt, da sich die Argumentation auf die (damals) bevorstehende Vorratsdatenspeicherung stützte.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: madmax2010 und snaxilian
@foo_1337
Deshalb habe ich es Einstiegs-Artikel genannt.
Damit kann man sich über die 5, 9, 14 Eyes Staaten weiterinformieren.

Aber wie die Menschen nun mal sind, hat keiner Lust darauf.
Dann lieber schnell auf Facebook posten: "Ach, die wissen ja sowieso schon alles und ich habe nichts zu verbergen."
Und im nächsten Moment ist Alexa bestellt und die smarte Türklingel mit Überwachungskamera mit praktischer Cloud Anbindung. Und der nächste Smart-TV mit Sprachsteuerung und Kamera ist bereits in der Wunschliste. :rolleyes:

"Monkeys Together Strong"... aber immernoch Monkeys.
 
Das ist whataboutism und btw. eine der größten Gefahren dieser "VPN": Man lässt den User im Glauben, dass man anonym sei.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Hirtec, BalthasarBux, madmax2010 und eine weitere Person
obama schrieb:
Und eine kleine Nebenfrage: Reicht eigentlich „https“ nicht auch aus, damit der Provider die Internetseite nicht sieht oder bezieht sich das nur darauf, was ich auf der Seite genau treibe und was ich eingeben (bspw. Kennwort im Online-Banking), solange keine neue Seite geladen wird?
Ganz genau.
Ohne VPN: Jeder im lokalen Netzwerkabschnitt + theoretisch Wohnheimverwaltung + ISP
a) sieht, welche Domains du ansurfst (also z.B. pornhub.com)
b) sieht nicht, auf welche Unterseiten du gehst oder was du da eintippst - solange https verwendet wird, was heute aber ziemlicher Standard ist.

Mit VPN: Es kann nur gesehen werden, dass du eine Verbindung zu dem VPN hast, aber nicht, welche Daten/Websites du anforderst.

obama schrieb:
Jedenfalls erachte ich hier einen VPN als notwendig, wenn es denn wirklich das bringt, was ich benötige. Eben, dass die Uni nicht sieht, welche Internetseiten ich ansteuere. Die VPN-Anbieter sagen es natürlich, dass sie oder der Provider es nicht kann. Aber Anti-Viren-Software-Hersteller sagen auch viel, wenn der Tag lang ist und am Ende ist es auch nur Schlangenöl, welches evtl. das System noch unsicherer macht. Knifflige Lange, wenn man nicht genau weiß, wie es mit dem VPN so genau funktioniert.
Doch, du hast das richtig erfasst und das was die VPN Anbieter diesbezüglich sagen ist korrekt.

Für deinen Anwendungsfall bietet sich in der Tat ein VPN-Dienst an und ich habe solche in vergleichbaren Situationen ebenso schon verwendet.
Du kannst allerdings auch bei dir zuhause in Deutschland einen VPN-Server aufsetzen, das hat den selben Effekt und kostet dich dann nichts, aber du musst es korrekt einrichten.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: obama
BeBur schrieb:
Du kannst allerdings auch bei dir zuhause in Deutschland einen VPN-Server aufsetzen, das hat den selben Effekt und kostet dich dann nichts, aber du musst es korrekt einrichten.
Genau. Mit Wireguard und OpenVPN stehen einem ja gleich zwei gute Implementierungen zur Verfügung.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: obama, madmax2010 und BeBur
Danke für die zahlreichen Antworten! Nun weiß ich Bescheid und nun ergibt es auch Sinn. Zu Hause einen VPN-Server aufsetzen … schwierig. Bin nämlich schon im Ausland und dachte vorher nicht daran. Außerdem fehlt mir dafür etwas das Know-how.

Allerdings ist es trotzdem etwas schwierig, sich das alles irgendwie bildlich vorzustellen - auch nach der sehr schönen bildlichen Darstellung oben -, weil mein Lan-Kabel ja nur die einzige Verbindung zum Internet ist, der doch zwangsläufig (?) zum Provider muss und ich ja auch nur die maximale Geschwindigkeit nutzen kann, die ich gebucht habe. Aus dem Grund, dachte ich eben, dass es zum Internet-Provider nicht verschlüsselt sein kann.
 
Zurück
Oben