Was ist aktuell eigentlich im Maschinenbau los?

TINIB

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Von außen wirkt es ja geradezu surreal, was man so im Bekanntenkreis mitbekommt... ein Kumpel im Anlagen- und Pumpenbau, über Dienstleister, wird gerade freigesetzt. Der Dienstleister bekommt keine Aufträge mehr akquiriert. Eine Abteilung "Forschung und Entwicklung" für Informationstechnik und Mechatronik eines großen Maschbauers, wo mein Stiefbruder als Fachinformatiker tätig ist, soll gemäß Plänen des Managements nach China verlagert werden. Ein weiterer Studienkumpel ist in NRW bei einem Zulieferer tätig und bibbert gerade, da sie die Hälfte der Leute freisetzen wollen: Sparmaßnahmen. Mein Neffe ist im Herbst mit seinem Studium der Produktions- und Verfahrenstechnik fertig geworden und hat große Probleme eine Stelle zu finden. Seinen Mitkommilitonen geht es ähnlich.

Man hört ja hin- und wieder, dass es im Maschinenbau aktuell nicht so gut läuft, aber ist es wirklich so schlimm? O_o
 
Nö, hier in der Gegend, aber auch bei Zulieferern, ist nichts bekannt.
 
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Kommt ehr drauf an was für Maschinen.

Bei Schaeffler und anderne Automobilzulieferern und Prüfstandsbauern usw. geht ein wenig die "Angst" um aber von schlechter Auftragslage oder schlecht laufen ist man weit weg.

Kommt halt drauf an wie gut der Wechsle auf E läuft sofern er kommt.
 
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Es ist auch mein Eindruck, dass das momentane Beschäftigungs- und Auslastungsgefüge sehr inhomogen ist und sehr von der Branche und deren individuellen Gegebenheiten abhängt. Der Sondermaschinenbau ist meiner Meinung nach momentan stark, die Autobauer und -zulieferer nachvollziehbarerweise im Umbruch und die Anlagenbau-/Verfahrenstechnikbranche schwächelt gefühlt erheblich. Dazu auch ein Zitat aus dem Ingenieurmonitor Q4 2019:

Spürbare Abkühlung wirkt sich auf Ingenieurarbeitsmarkt aus

Wenngleich die konjunkturelle Abkühlung inzwischen am Arbeitsmarkt qualifikations- und regional-übergreifend spürbar wird liegt die Arbeitskräftenachfrage noch auf einem vergleichsweisen guten Niveau. Im zweiten Quartal des Jahres 2019, dem aktuellsten verfügbaren Datenstand, wurde mit bundesweit 1.287.111 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Ingenieur- und Informatikerberufen sogar ein neuer Beschäftigungsrekord verzeichnet – knapp ein Viertel mehr als noch im Vergleichsquartal des Jahres 2013.

Im vierten Quartal 2019 waren monatsdurchschnittlich 112.940 offene Stellen zu besetzen, was im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Minus von 10,4 Prozent auf Seiten der Arbeitskräftenachfrage ausmacht. Der Ingenieurarbeitsmarkt zeigt aktuell eine sehr uneinheitliche Entwicklung: stark industrienahe Qualifikationen erleben einen temporären Nachfragerückgang, während stark bau- oder dienstleistungsnahe Qualifikationen unverändert sehr stark nachgefragt werden. Die ungleichmäßige Entwicklung setzt sich fort, wenn man die Ingenieurnachfrage in den unterschiedlichen Regionen betrachtet. Zwar ist in sämtlichen großen Regionen ein Rückgang der offenen Stellen zu verzeichnen, aber in Teilen Ostdeutschlands – konkret in Sachsen sowie Sachsen-Anhalt/Thüringen – ist noch keine Eintrübung, sondern sogar ein Anstieg zu verzeichnen.

Auch auf Seiten der Arbeitssuchenden macht sich die konjunkturelle Abkühlung bemerkbar. So suchten im vierten Quartal 2019 monatsdurchschnittlich 32.461 Personen eine Beschäftigung in einem Ingenieurberuf. Verglichen zum Vorjahresquartal stieg die Zahl der arbeitslos Gemeldeten damit um 10,2 Prozent. Da die Ingenieurarbeitgeber ihr Stammpersonal in der Regel halten, manche von ihnen jedoch vorübergehend auf Neueinstellungen verzichten, dürfte dieses Problem insbesondere jüngere Ingenieur*innen mit auslaufenden Projektverträgen sowie Berufseinsteiger*innen betreffen.

Die Entwicklungen bei den offenen Stellen sowie den arbeitslos gemeldeten Ingenieur*innen spiegeln sich auch in der Engpasskennziffer wider, die bundesweit und über alle Ingenieurberufskategorien hinweg im vierten Quartal 2019 bei 348 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen lag. In vielen Ingenieurberufskategorien lag trotz der allgemeinen Eintrübung weiterhin ein Engpass vor, der sich jedoch in den meisten Kategorien und auch Regionen sowie im globalen Durchschnitt im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich entschärft hat.

Weiterhin hohe Engpässe liegen in den Informatikberufen (464 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen) sowie den Bauingenieurberufen (554) vor. Verglichen zum Vorjahresquartal hat sich der Engpass in den meisten betrachteten Arbeitsmarktregion entspannt, in Sachsen-Anhalt/Thüringen jedoch betrug der Anstieg der Engpassrelation rund 3,0 Prozent, in Sachsen 0,2 Prozent. Auch wenn die Engpässe in den ostdeutschen Arbeitsmarktregionen noch nicht so gravierend ausfallen wie in den süddeutschen Bundesländern, so verdeutlicht die Dynamik, dass auch ostdeutsche Arbeitgeber bei der Rekrutierung von Ingenieur- und IT-Experten weiterhin vor Herausforderungen stehen.

Beginnend mit dem vorliegenden VDI/IW-Ingenieurmonitor wird in einem Sonderteil ein zusätzliches Thema in den Blick genommen. Allen voran die demografische Entwicklung führt dazu, dass auch die Zuwanderung als Instrument zur Fachkräftesicherung in den Ingenieurberufen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es lohnt sich also ein Blick auf die in Deutschland in Ingenieurberufen beschäftigten ausländischen Ingenieur*innen. Im Bundesschnitt haben ausländische Ingenieur*innen einen Anteil von 8,9 Prozent an allen Beschäftigten in Ingenieurberufen. Dabei liegen sechs Bundesländer über dem Bundesschnitt: Neben den Stadtstaaten sind dies die forschungs-, innovations- und wirtschaftlich leistungsstarken südlichen Flächenländer (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen).

Ein deutlich niedrigerer Anteil ausländischer Beschäftigter in Ingenieurberufen lässt sich hingegen in den ostdeutschen Bundesländern beobachten. Gerade diese haben jedoch angesichts eines besonders hohen Anteils älterer Ingenieur*innen beim Thema Fachkräftesicherung hohen Handlungsbedarf. Gelingt es den östlichen Bundesländern nicht, zeitnah eine nachhaltige Willkommenskultur zu entwickeln und deutlich mehr ausländische Ingenieur*innen als bislang zu gewinnen, werden sich die demografischen Probleme im Ingenieurbereich dort nicht bewältigen lassen – mit gravierenden Folgen für die regionale Wirtschaft.

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Wir im Anlagenbau folgen ja in gewisser Weise auch einem Schweinezyklus und im Moment geht die Formkurve eindeutig nach unten. Verglichen zu 2018 lag das Ergebnis 2019 bei satten-60% Umsatz.
 
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Wird sich denk ich zeigen. Aber es ist noch zu früh was zu sagen..

Beim aktuellen (Ex) AG gehts auch nach unten. Kaum neue Projekte sondern nur noch Nachbauten also fast Serienproduktion was für einen Sondermaschinenbau eher schlecht ist..

Dazu die Corona Situation..
 
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Bei uns merkt man vor allem den schwächelnden Automobilsektor. Großserien werden runtergefahren in der Stückzahl oder gänzlich eingestampft. Trifft uns als Zulieferer selbstredend. Allerdings sind wir nicht so sehr auf den Automobilmarkt fixiert. Wir sind eher im Industriebereich stark, auch hier merkt man aber Einbrüche. Eben besonders bei den Werkzeugmaschinenherstellern.
Wir selbst investieren aber sehr stark am Standort. Auch andere große Firmen hier in der Nähe machen ähnliches. Die (kleinen) Firmen bei uns in der Gegend sind alle sehr gut ausgebucht. Mittleweile werden sehr viele Dienstleistungen nach außen vergeben. Einfach um sehr schnell auf Veränderungen reagieren zu können.
Arbeitsplatzabbau ist bei uns noch kein wesentliches Thema. Viel mehr wird künftig mit Altersteilzeit geregelt werden.
Arbeitsmarkt technisch ist es aber angespannter. Es wird generell hier weniger gesucht/eingestellt. Wenn dann nur Spezialisten/Führungskräfte mit Berufserfahrung. Frische Absolventen werden kaum gesucht.
 
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Idon schrieb:
Auf die vielen offenen Stellen bewerben.
Ich höre des öfteren, dass viele dieser ausgeschriebenen Stellen Doppel- und Fakeausschreibungen sind? Zum einen wohl durch Dienstleister ausgeschrieben, um an Bewerberdatensätze ranzukommen, zum anderen vom Unternehmen ausgeschrieben, um zu zeigen, wie gut es dem Unternehmen geht und dass man es sich leisten kann auszuschreiben....!? Deine Meinung hierzu?
 
Praktikas machen.
Bevor man garnichts macht, ist das eine Möglichkeit. Gerade für die, die noch nie tatsächlich gearbeitet haben (Abi-FH-Abschluss). Alternativ wäre noch Master dranhängen wenn „nur“ Bachelor vorhanden.
Ansonsten selbst weiterbilden oder übergangsweise nochmal in einen anderen Studiengang einschreiben.
Was viele während ihres Studiums komplett vergessen: Sie studieren nach Gefühl, nicht nach Ziel. Eigentlich sollte jeder mal im 3,4 Semester Stellenanzeigen durchwühlen und kucken, was wird eigentlich so gebraucht? In welche Richtung macht es sinn, mich zu entwickeln um am Arbeitsmarkt gute Chancen zu haben?
Man muss rausfinden, was sind die Felder von morgen, nicht von gestern.
Um es mal konkreter zu machen: Ich habe mich frühzeitig für die Bereiche Energietechnik und Automation entschieden. Und zwar unter dem Hintergrund von Industrie 4.0. Und genau das hat mich auch in meine jetzige Position gebracht. Im Master auch nochmal speziell mit Datenkommunikation/Schnittstellen und Automationsgrundsätzen beschäftigt. Das sind einfach Themen die jeden Hersteller treffen wird. Viele Produktionen sind heute noch auf dem Stand von vor 20,30 Jahren. Wenn heute investiert wird kommen nicht selten 100%-Automationen zum Einsatz. Irgendjemand muss die entwickeln, verstehen und später auch im Einsatz betreuen. Und genau da habe ich für mich erkannt, dass das gesucht sein wird.
In der Folge habe ich für den Berufseinstieg nicht einmal 5 Bewerbungen gebraucht und bin Nahtlos vom Abschluss ins Berufsleben eingestiegen. Das ist noch nicht einmal 2 Jahre her. Und genau diese Themen werden auch hier in der Firma immer relevanter.
Bestimmt 50% meines Jahrgangs haben sich damals stattdessen für den Klassiker Fahrzeugtechnik entschieden. Einige sind davon auch bei den großen gelandet (Audi, Porsche, BMW), viele (von denen ich es persönlich oder über dritte weiß) doch teile 4-5 Monate gesucht. Damals war auch gerade die Abgaskrise und entsprechende Vorsicht bei den Autobauern zu verzeichnen.
Ich kann den Studenten aktuell nur raten, sich am Markt umzusehen bevor sie sich für etwas entscheiden. Es hilft einem der tollste Abschluss nichts wenn das Berufsbild einfach niemand braucht.

TINIB schrieb:
ch höre des öfteren, dass viele dieser ausgeschriebenen Stellen Doppel- und Fakeausschreibungen sind?
Was ich weiß ist, dass momentan oft Stellen zwar bewilligt sind, aber nicht besetzt werden. Die sind dann zwar offiziell ausgeschrieben, werden aber aufgrund konjunktureller oder anderer Gründe nicht belegt.
Da die Stellen aber genehmigt sind und man mit einem zurückziehen diesen Status verlieren würde, lässt man das erstmal so stehen.
Was bei uns aktuell gemacht wird ist, dass nur intern Stellen ausgeschrieben werden. Externe bekommen diese garnicht zu sehen.
 
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TINIB schrieb:
Ich höre des öfteren, dass viele dieser ausgeschriebenen Stellen Doppel- und Fakeausschreibungen sind? Zum einen wohl durch Dienstleister ausgeschrieben, um an Bewerberdatensätze ranzukommen, zum anderen vom Unternehmen ausgeschrieben, um zu zeigen, wie gut es dem Unternehmen geht und dass man es sich leisten kann auszuschreiben....!? Deine Meinung hierzu?

In der Allgemeinheit Unsinn.
 
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Wo sind die ausgeschreiben? Stellenbörse Agentur? Hier einfach mal die Haken entsprchend setzen das keine Zeitarbeit mehr kommt.
 
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In der Regel bei Unternehmen direkt.

Kommt, Leute, ich weiß, hier in Süddeutschland ist eine Insel der Glückseeligkeit. Aber wer als Ingenieur gerade Arbeit sucht, der findet auch gute Arbeit. Eventuell nicht im Wohnort, aber zumindest in der Region oder spätestens im Bundesgebiet.
 
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