diRAM schrieb:
Fällt dir eigentlich auf, dass Du "den Deutschen" eine Vorliebe, mithin eine subjektive Wertung, für etwas vorwirfst (mal ganz unabhängig davon, inwiefern dieser Vorwurf in seiner Pauschalität tatsächlich der Realität entspricht) und diesen Vorwurf - ironischerweise - mit Deiner eigenen subjektiven Wertung begründest? Das ist nicht nur paradox, sondern Bigotterie par excellence!
Kannst du das bitte näher erläutern? Ich verstehe nicht so ganz, was du damit meinst.
Insbesondere dann, wenn man auch noch versucht Kulturen auf der Basis eines hierarchischen Systems zu vergleichen ("[...] obwohl die eigene Kultur die bessere ist."). Schade, dass eine derart diskriminierende Denke immer noch existiert.
Warum diskriminierend? Wenn ein Sänger A singen kann und Sänger B es nicht kann, und man dann verdeutlicht, dass Sänger A singen kann und in diesem Zusammenhang eben der "bessere" ist, was ist daran eine Diskriminierung?
Nur weil das die Realität ist und vielen das nicht passt, soll ich jetzt das Klischee anwenden a la "über Geschmäcker lässt es sich nicht streiten"?
Auf dieser Welt gibt es Filmkritiker oder eben Musik-, Literatur- und Theaterkritiker. Warum wirft man denen keine "Diskriminierung" vor und stempelt alles als "ist Geschmackssache" ab?
Klar, ich bin kein weltbekannter Kritiker, nur auch ich habe ein Recht auf Kritik und ich finde mein Maßstab sehr fair. Wenn wir über die Musikkultur reden, dann unterteile ich in Kategorien und vergleiche. Ist ja nicht meine Schuld, wenn die Musiker der einen Kultur nicht singen können oder eben immer das gleiche komponieren. Und es ist auch nicht mein Problem, wenn die Leute im "Westen" darauf reinfallen.
Die Frage war "wie sieht man den Westen in der Welt" und das ist der Westen in Bezug auf Kultur. Billige Nachahmung der Amerikaner und das passt vielen Leuten nicht, weil genau diese Leute eben dazu gehören. Mir würde es auch nicht gefallen, wenn man meine Authentizität bezweifeln würde, aber die Realität kann man nicht ändern. Wenn man sich eben für diese Nachahmung entscheidet, sollte man auch mit Kritik leben können.
Wiggum schrieb:
Darum geht es doch garnicht, die Menschen hören die Musik die ihnen gefällt/die sie anspricht. Es geht doch nicht nur darum möglichst komplexe Musik zu hören oder ist das ein Wettbewerb ?
Nein, so ist es natürlich nicht gemeint. Egal was ich auch sagen werde, jeder wird die Musik hören, die ihm gefällt oder anspricht. Keinem Menschen sollte man etwas aufzwingen. Es geht auch nicht darum möglichst das "bessere" zu hören.
Der Punkt ist, wieso die Deutschen ihre Kultur verlassen und sich für eine andere Kultur entscheiden. Ich habe gestern das hier gepostet:
link, keine Ahnung wieso mein Beitrag ins Aquarium verschoben wurde. Bin ich der Einzige, dem diese stille Kulturindoktrinierung auffällt? Mich als Türken stört es gewaltig, dass Deutsche sich langsam in eine Kopie umwandeln und euch stört das anscheinend überhaupt nicht. Wo ist das Land der Dichter und Denker? Die "Denkkultur" ist noch da, aber wo sind die Dichter? Alle schreiben heutzutage ihre "Texte" auf Englisch, schämt ihr euch für eure Sprache etwa?
Das eine 13jährige im Jahre 2015 eher Justin Bieber als Mozart hört ist dir wirklich so unbegreiflich ?
Die deutsche Jugend hört schon seit Ewigkeiten keinen Mozart mehr, der mag ja richtig doll komplexe Kompositionen gemacht haben ist aber nunmal schon lange "out" !
Das hat überhaupt nix mit einer "Amerikanisierung" Deutschlands zu tun.
Dass man seit Ewigkeiten keinen Mozart mehr hört, ist natürlich nicht der Amerikanisierung zu verschulden, denn das begann schon vorher. Aber dass dier 13 Jährige sich Justin Bieber anhört, ist eine Amerikanisierung. Und du gibst eigentlich selbst zu, warum das der Fall ist. Weil der eine "in" und der andere "out" ist. D.h. Qualität und Kunst spielt keine Rolle, solange man "in" ist.
Was kommt als nächstes ?
Deutsche sollen keinen Ayran mehr trinken weil deutsche Buttermilch "
überlegen" ist ?
Der Vergleich hinkt sehr. Versuchen die Deutschen den Ayran zu kopieren und nachzumachen? Versuchst du Türkischer zu sein? Denke nicht. Aber du versuchst bzw. viele versuchen Amerikanisch zu sein. "The American way of Life". Und kein Deutscher würde auf die Idee kommen Ayran als Buttermilch-Ersatz zu sehen. Man würde das eine aber auch das andere konsumieren und bewahren.
Nur das gleiche tut ihr nicht mit der Musikkultur zum Beispiel. Also auf der einen Seite die eigene Kultur bewahren und auf der anderen Seite auch eine andere Kultur konsumieren. Ihr (und auch viele Europäer, da mache ich keinen Unterschied) vergisst langsam die Errungenschaften, die ihr gemacht habt. Und für was opfert man diese kulturellen Perlen? Für eine billige Nachahmung.
LOL, hast du nicht geschrieben das DU in Deutschland geboren und aufgewachsen bist ?
Dein ganzes Denken scheint sich um WIR (Türken/Ausländer) und IHR (Deutschen) zu drehen, wie kommt das ?
Der Vorwurf das die Deutschen sich nicht um ihre Kultur kümmern (weil sie gerne US-Popmusik hören ?!) wirkt schon leicht lächerlich wenn er von einem Deutschen (geboren und aufgewachsen ?!) kommt der sich als Türke/Ausländer bezeichnet und sich eine Islamisierung wünscht.
Ja, bin in D geboren und aufgewachsen, und weiter? Habe ich es in der Hand gehabt, wo ich geboren werde? Denkst du wo jemand geboren ist, bestimmt darüber, wer man ist? Meine Eltern hätten auch 300 km westlich sein können, also dorthin ausgewandert sein können. Wäre ich dann ein Franzose? Und 300km nördlicher, wäre ich dann ein Belgier oder Holländer? Wäre ich in China geboren, macht das mich zu einem Chinesen? Mein ganzes Denken kommt daher, weil ich eben ein Türke bin und ihr Deutsche seid. Was ist daran verkehrt? Ich habe meine Identität und ihr eure. Und ich empfinde es als eine Beleidigung, dass man mich als Deutschen bezeichnet. Es wäre mir eine Ehre ein Deutscher zu sein, wenn ich es wäre, bin ich aber nicht. Bin auch kein "Deutsch-Türke". Deine gedankliche Assimilation kannst du dir schenken.
Nicht nur die Deutschen kümmern sich nicht um ihre Kultur, sondern viele andere Kulturen tun das gleiche. Wenn das nur die Musik wäre... Das komplette soziale Leben ist schon Amerikanisch.
PS: Ich habe nichts gegen Amerikaner. Die sind halt seit einem Jahrhundert die dominierende Gesellschaft. Wäre die Geschichte anders ausgegangen, hätte ich jetzt das gleiche über Russen sagen können oder über andere.