Wie süchtig/abhängig ist unsere Gesellschaft?

Meine Eltern hatten damals nicht so viel Geld. Dementsprechend hatte ich nie so viele Spielsachen, bzw. wollte oft mal was haben, aber bekam es nicht. Ich denke, das führte dazu, dass ich heute von einem Extrem ins nächste rutsche. Wenn es um Elektronik geht, dann will ich meist irgendwie annähernd das Beste haben, was noch irgendwie bezahlen kann.
Andersrum tendiere ich aber auch dazu, Geräte, mit denen ich recht zufrieden bin, entsprechend lange zu nutzen.

Das ist doch nicht weiter tragisch, du hast Spass an einer Sache und willst vorne mit dabei sein. Will ich auch (wenns um Rechner geht). Bist du deswgen süchtig oder ich? Solange man sich nicht in schwierigkeiten hineinmanövriert (finanzieller oder anderer Natur) und von denen man schon im vorhinein weiß, kann von Sucht keine Rede sein.
 
Die Problematik an sich muss nicht erläutert werden. Es scheint ja so, als ob es jedem bewusst ist, wie süchtig die Gesellschaft ist. Sieht man auch an den Kommentaren hier.

Wie viele nun betroffen sind, ist meiner Meinung nach eher unbedeutsam.

Wie lösen wir nun aber die Probleme der Sucht bzw. wie verhindern wir die Abhängigkeiten, das ist doch das Problem an der Sache. Da es (mMn) keine Lösung dafür gibt. Es leben viel zu viele Menschen auf diesem Planeten, wodurch eine gezielte Kontrolle unmöglich wird. Und auch wenn, fühlt sich jeder gleich in seinen Rechten beeinträchtigt.

Vielleicht entwickelt man Pharmazeutika, die die Psyche eines Menschen so verändern, dass wir nicht mehr in eine Sucht fallen. Aber hätten wir dann nicht eine weitere Sucht kreiert, die anderen Süchten entgegen wirken möchte? Also man wird dann sozusagen süchtig nicht mehr süchtig zu werden.

Eine Gesellschaft wird immer abhängig bleiben, sonst würden wir keine Gesellschaft haben (eher Anarchie).

Wir sollten uns also nicht darum kümmern wie viele von uns wie sehr abhängig sind. Sondern versuchen "schlechte" Abhängigkeiten in "gute" Abhängigkeiten zu transformieren.
Ich weiß selbst nicht wie man sich das vorstellen soll und was gut oder schlecht bedeuten soll. Aber mir fällt sonst keine Idee ein. Wenn wir schon mit unseren Fehlern leben müssen, dann zumindest mit "guten".

Persönlich finde ich alle Rauschmitteln schlecht. Es sei denn sie werden als Medikamente genutzt. Der Zweck wäre in dem Fall nicht das Berauschen, sondern die Heilung. Ich finde es einfach sinnlos seinen Körper dermaßen Schaden zu zufügen, nur damit man das Gefühl des Rauschens bekommt. Für mich ist das eine Art des Masochismus. Das Schlimme an der Sache ist ja, dass man dann nicht nur sich selbst, sondern in den meisten Fällen auch Anderen Schaden zufügt (ja und ich meine auch Drogenabhängige und nicht nur Alkoholabhängige). Vor allem die Familie (Kinder oder Partner zum größten Teil) oder eben indirekte Schäden (betrunken Autofahren -> Unfälle; bekifft zur Arbeit -> keinen Job, keine Versorgung der Familie).

Dann wäre es mir lieber, dass diese Menschen eine "Angel-Sucht" oder "Strickerei-Sucht" haben und das meine ich mit "guten" Abhängigkeiten. Man nutzt ja Werbung für alles Mögliche, vielleicht wäre es eine Revolution, wenn eine Organisation bestehend aus sehr vielen weisen Menschen, uns direkt gewisse Abhängigkeiten eintrichtert, damit wir von schadhafter Sucht (wie Rauschmittelsucht, Esssucht, Arbeitssucht, Spielsucht) auf harmlose Süchte umsteigen. Eigentlich sollte es doch keine Rolle spielen wonach wir süchtig sind, solange wir doch die Befriedigung der Erfüllung der Süchte haben oder nicht? Und wenn so eine Organisation tausende solcher "guten" Süchte kreiert, dann würden wir bestimmt für jeden Typ, für jede Laune und für jedes Alter etwas finden.

Ja, meine Idee klingt absurd und ist sehr unrealistisch, aber das wäre mein Lösungsansatz.

mfg
 
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Sucht ist in der Regel immer Ersatz für etwas, was einem Menschen fehlt. Ein Blick in die Grundbedürfnisse, zeigt deutlich auf, welch simpler Mangel Sucht begünstigen kann.
Ich glaube sogar, erst kommt die Depression, dann die Sucht und Suchtverhalten, die in Gier übergeht. Schaut man die Konsumgesellschaft an, ist bestimmtes Suchtverhalten erwünscht, es steigert das BIP, hat allerdings deutlich schlimmere Folgen wie Alkohol, Nikotin und Drogensucht zusammen, nur definieren wir das nicht als "Erkrankung", weil sie Gesellschaftsdoktrin ist. Eher werden Menschen, die z.B. dem Geld und der Konsumgesellschaft entsagen, als Aussätzige behandelt, sie gehören nicht dazu, selbst wenn sie niemanden mit ihrem Verhalten schaden.

Biologisch gesehen ist Sucht in Maßen während der Evolution sehr sinnvoll gewesen, die Simpelste davon ist das Hungergefühl was in einer Freßorgie ausarten kann, die andere, die Sexsucht (nicht wenige bezweifeln, dass es die überhaupt gibt), zum Erhalt der Art, primär der eigenen Gene.
Einige Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass der Mensch nur deswegen seßhaft wurde und Getreide anbaute, um regelmäßig an Alkohol zu gelangen. Davon will man in einer "Leistungsgesellschaft", natürlich nichts mehr wissen. Konsum von nutzlosen oder bequemlichkeitssteigernden Dingen ist gut, Drogen sind krank, auch wenn mit den leichteren enorme Geschäfte gemacht werden. Alkohol spielt in Religionen komischerweise fast immer eine Rolle.
Schaue ich meinem Hund zu, wenn im Herbst das vergorene Fallobst auf den Wiesen liegt, pickt er sich gezielt das heraus, was durch Hefepilze bereits vergoren ist, nicht etwa das frische, was gerade vom Baum fiel. Ist es also von der Natur gewollt? Wahrscheinlich schon..

Was unsere Gesellschaft betrifft, ich glaube ohne Sucht und Suchtverhalten würde hier gar nichts funktionieren, alles was wir tun dient der Suchtbefriedigung oder der Vorbereitung dazu. Schaltzentrale ist unser Gehirn, dass mit Hormonausstoßsignalen unsere Gefühle beeinflusst, und deren positive (oder auch nur erträglichen) Ausmaße, sind das eigentliche Ziel. Womit das erreicht wird, ist unserem Körper und Gehirn vollkommen egal, selbst wenn es ihm Schaden zufügt. Die Frage ist nur: Sind wir nicht vollkommen auf dem Holzweg, weil wir uns mit Dingen beglücken, die wir in einem naturnäherem Umfeld überhaupt nicht bräuchten um "Glück" zu erfahren?
 
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Ich möchte die Diskussion weiter am laufen halten und mal einen Kommentar aufgreifen, der m. E. der Dimension des Problems (Fremdsteuerung oder die geplante Sucht/Abhängigkeit) gerecht wird.

Schrammler schrieb:
Was unsere Gesellschaft betrifft, ich glaube ohne Sucht und Suchtverhalten würde hier gar nichts funktionieren, alles was wir tun dient der Suchtbefriedigung oder der Vorbereitung dazu.

Viele werden mir beipflichten, wenn ich sage Sucht ist Krankheit.
Die Frage ist dann; wie krank ist unsere Gesellschaft?
Und, wenn ich mir die neue Generation der mit dem inet groß gewordenen anschaue, wie krank wird es noch?

Haben wir begründete Hoffnung auf Heilung?
 
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Man sollte grundlegend körperliche Abhängigkeit von der psychischen unterscheiden.
Es ist ein Unterschied ob ich jetzt von Alkohol, Drogen oder Nikotin abhängig bin oder kaufsüchtig, Sammler, WoW oder facebook süchtig bin.

Selbstsucht oder gar Geltungssucht sind meiner Meinung nach reine Charaktereigenschaften die wohl eher auch an der Erziehung liegen und sich nicht erst im Erwachsenen Alter zeigt, dann müsste man Neid und Missgunst auch dazu zählen, sozusagen die 7 Todsünden.

Viele User hier auf CB sind doch durchschnittlich eher an die 30 oder wie in meinem Fall älter und in den 70 ern oder 80ern aufgewachsen.
Wenn man das mit dem Jahre 2011 vergleicht und womit die Jugend heute aufwachsen muss, wunderts mich nicht dass die Kids heute um einiges mehr gestresst und überfordert sind, die Informationsflut an allen Ecken und Enden muss einen Teenager der ja von Haus aus in einem Alter ist wo man alles an Info aufsaugt, erdrückend sein sollte man glauben.
Ich kann an meinem Neffen (16) sehen dass er das erstaunlich locker wegsteckt, aber trotzdem dazu neigt ständig online/erreichbar zu sein.
Für die ist das aber normal, für mich ist das fast ne Sucht wenn ich ihm zuschaue.

Tatsache ist dass es mehr Menschen in meinem Alter sind die es härter trifft und gerne "sammelsüchtig" werden weil es jetzt all die Dinge gibt die wir als Kinder nicht hatten oder es sich die Eltern nicht leisten konnten.

Die thirty something oder 40er gehen heute arbeiten und können sich all diese Dinge wie einen aktuellen TV oder auch ein neues Auto leisten und tun es auch wenn wir es nicht unbedingt "brauchen", ich betrachte das keineswegs als Sucht, sondern als Belohnung für das was man geschafft hat.
Ich kann mein Geld nunmal nicht mit ins Grab nehmen, obwohl viele das auch noch zu glauben scheinen.

Wenn es dann auch noch Banken gibt die wie gerade derzeit im TV dafür Werbung macht sogar ne Couch auf Pump zu kaufen, na super, dann kann sich bald jeder Sozialhilfeempfänger auch noch für den Rest seines Lebens verschulden und sich seiner gesponsorten Kaufsucht ergeben!
Es wird einem ja leicht gemacht und man hat am Finanzsektor absolut nichts gelernt.

Das Internet und die sozialen Netzwerke spielen heute auch eine grosse Rolle weil viele befürchten sie versäumen etwas...Geltungssucht kommt dabei auch oft ins Spiel, aber dabei schadet man in der Regel der Gesellschaft nicht und kann diese Personen mit einem Mausklick loswerden.

Diese charakterlichen Schwächen hats immer schon gegeben, früher warens eben die Intrigen im Königspalast oder am Hofe, heute ists Cybermobbing auf facebook.

Körperliche Abhängigkeiten sind ein anderes Thema und für mich persönlich in vielen Fällen auch die Folgen von Charakterschwächen oder äusserlichen Einwirkungen mit denen man nicht fertig wird.
Das Problem hierbei ist dass es neben der oftmaligen kriminellen Züge ein finanzielles ist und der Gesellschaft unheimlich viel Geld kostet.
Die Krankheiten die durch diese Süchte entstehen kosten dem Gesundheitswesen jährlich Milliarden und ich frage mich wie lange es dauern wird bis man Raucher nicht mehr krankenversichert oder nur noch bis zu einem gewissen Betrag.

Der Gesetzgeber steckt da von jeher in der Klemme, denn Anlassgesetzgebung, Verbote oder Preissteigerungen nützen kaum etwas, die Menschen finden immer einen Weg um an ihr Suchtmittel zu kommen.
Ich bin auch nicht für mehr und mehr Verbote weil es nicht die Ursache bekämpft, sondern nur ihre Symptomatik.

Gefordert sind heutzutage immer mehr die Eltern und Pädagogen um den Kindern von Anfang an den Weg zu weisen, zu zeigen was im Leben wichtig ist und zu helfen wenn man Probleme feststellt, denn haben sie einmal das Erwachsenenalter erreicht und sind sozusagen mündig, ists zu spät und sie schaden dann womöglich auf die ein oder andere Weise anderen Menschen.

Heilung erfährt man sehr schnell wenn man mal krank wird und keiner da ist der einem hilft.
 
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Und warum verbietet man dann zum Beispiel nicht einfach Zigarretten?

A) Tabaksteuer
B) Wählerschaft
C) Rauchen Politiker selbst
D) ... man will ich den Ansturm aller Freiheitskämpfer sehen, die für die "eigene" Freiheit kämpfen, rauchen zu dürfen, wenn ein Verbot soweit käme.

Es gibt ja schon militante Raucher, die sich durch Schön- und Schlechtreden schon so reingesteigert haben, dass sie vergleichbar mit Rassendiskriminierung argumentieren. Aber soll jetzt nicht zum Thema werden.

Die Leute haben Wertvorstellungen, dass es manchmal zum Heulen ist. Mein Kumpel ist zum Beispiel immer mit den feinsten Chips und immer reichhaltig Coca Cola aufgewachsen.
Zum einen sind beide (auch sein Bruder) heute übergewichtig und zum anderen kostet dieser Lebensstil in der Menge auch mal ein bisschen mehr.

Er ist aber der Meinung, dass man sich mit seinem Beruf dies und jenes in der Menge leisten können müsste. Seine Taktik geht aber nicht auf.^^ Er kommt zwar über die Runden, hat aber kein Geld mehr für andere Sachen. Ist leider nicht mehr so, dass man als Arbeiter mit normalem Beruf immer dicke Hose hat.
Da haben sich die Zeiten geändert.

Er meinte aber auch, als er mal abnehmen wollte, dass es echt schwer war, so nach Feierabend mal auf ein Bier zu verzichten oder so. Das war für ihn normal. Bier zum Fernsehn. Und das teilweise dann auch mal jeden Tag.

Ein anderer Kumpel wollte sogar mal zu Hause bleiben, weil den keiner abholen wollte. Er hätte zwar selber fahren können, aber wollte was trinken. lol

Das sind zwar keine Extrembeispiele für Alkoholiker, die schon Mittags besoffen sind oder gar nicht mehr klarkommen, aber ich finde es bedenklich.

Ich lebe für meinen Teil um einiges spartanischer. Ich geh allerdings auch lieber zum Bäcker und kauf mir ein schönes Brot. Ein vernünftiger Kasten Wasser in Glasflaschen (nicht diese ekeligen Monster-Sixpacks vom Discount) kostet eine Bruchteil eines Kastens Cola von der Cocacola Company und ich habe auch nicht den ganzen Kühlschrank voller Bier oder Alkohol. Wenn ich Besuch erwarte gehe ich vorher entsprechend einkaufen, die haben sowas permanent da.

Das ist sicher auch ne Lebenseinstellungssache. Ich kauf mir mal ne Cola, wenn ich da einfach Lust drauf habe, die anderen kaufen das als Grundnahrungsmittel.^^

Ich will das nicht bewerten, aber ich habe A) mehr Geld, lebe B) gesünder und weiß C) es mehr zu schätzen.

In deren Augen bin ich wiederum geizig. So gehen die Meinungen auseinander.^^
 
sidestream schrieb:
Und warum verbietet man dann zum Beispiel nicht einfach Zigarretten?

A) Tabaksteuer
B) Wählerschaft
C) Rauchen Politiker selbst
D) ... man will ich den Ansturm aller Freiheitskämpfer sehen, die für die "eigene" Freiheit kämpfen, rauchen zu dürfen, wenn ein Verbot soweit käme.

Es gibt ja schon militante Raucher, die sich durch Schön- und Schlechtreden schon so reingesteigert haben, dass sie vergleichbar mit Rassendiskriminierung argumentieren. Aber soll jetzt nicht zum Thema werden.
Und es gibt militante Nichtraucher die meinen anderen Ihre Lebensweise aufdrücken zu müssen...:rolleyes:
Was ist jetzt wohl vertretbarer, jemand der sich selbst Schaden zufügt oder jemand der meint anderen vorschreiben will wie er zu leben hat?
Wenn du meinst Zweites wäre der Fall, dann überleg mal wo man dann das nächste mal ansetzen könnte!?!
Alkohol verbieten? Extremsportarten? Sportarten? Blaue T-Shirts?
Denk mal drüber nach...
 
sidestream, das ist lediglich der Versuch dem eigenen Leben Sinn zu geben.

Wer so lebt, das er seine Lebensqualität durch das Konsumieren von "Premium-Artikeln" definiert, kann doch nur behaupten du wärest zu geizig.

Geizig sind diese Menschen aber nur zu sich selbst, denn das was eigentlich innerlich befriedigt, kennen die nicht.

Ich lese seit etwa 3 Monaten ein Buch weil es mich derbe interessiert, und es gibt meinem Tag Sinn. Ich lese 100 Seiten nach der Arbeit, und habe innerlich das Gefühl nun "gestärkt" zu sein weil ich neues Erfahren habe und dem Ziel näher gekommen bin.

so definiere ich ab und zu Lebensfreude.
Mit dem Tag noch was anfangen zu können - ohne es zu müssen.

(geht mal weg von den armen Alkis/drugusern - auf denen hacken alle rum. Viel schlimmer ist das was Sidestream hier bei seinen Kumpels sieht.
Konsum geht über alles und wird als Sinnstiftend dargestellt.)
 
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achnu schrieb:
Viele werden mir beipflichten, wenn ich sage Sucht ist Krankheit.
Die Frage ist dann; wie krank ist unsere Gesellschaft?

Wie ich schrieb: Sucht ist bei jedem Tier vorhanden, auch beim Menschen. Was die Natur allerdings niemals vorgesehen hat ist unsere moderne Zivilisation. Erfinder, Wissenschaftler und Hersteller fragen sich fast niemals ob es verantwortbar ist, eine Technologie auf den Markt zu werfen, bedenken überhaupt die Auswirkungen ihres Handelns, primär zählt nur das Geld, was man mit einer Sache verdienen kann. Wir haben keine moralische Instanz die irgend etwas am Fortschritt verhindern würde, selbst die Kirchen machen ihn brav selbst mit.

Hersteller nutzen Suchverhalten sehr gezielt. Simpelstes Beispiel ist Salz und Zucker in industriell hergestellten Lebensmitteln, in dem vorhandenen Ausmaß für jeden von uns eigentlich unnütz, dient es zu häufig zur Umsatzsteigerung, indirekt über die Geschmacksverstärkung, direkt über den Stoff selbst. Der Mensch neigt z.B. dazu, süchtig nach Salz zu sein, weil es naturgegeben in der Umwelt kaum in großen Mengen vorkommt, wenn man vom Meerwasser einmal absieht. Zucker ist der Stoff der eigentlicht Gesundes signalisiert: Früchte mit Vitaminen, daher ebenso die Sucht danach (das geht über Kohlehydrate bis hin zum Brot), in Fertignahrung kaum zu finden, allenfalls mit synthetisch hergestellten Zusatzstoffen, die lange nicht an die Wirkung in Obst heranreichen.
Von den Beispielen was Unterhaltungselektronik betrifft, will ich gar nicht anfangen, im Grunde braucht keiner von uns den ganzen Käse, der wird nur dann notwendig, wenn wir uns nach der Arbeit in unsere unnatürlichen vier Wände zurückziehen, alleine oder in kleinen Gruppen sind. Natürlich auch, um das ganze Konstrukt der Moderne am Laufen zu halten. Heute kaum vorstellbar, vor 100 Jahren kam die Menschheit noch ohne Computer aus, erreichbar war man per Brief und wenige per Telefon.
Zudem gibt es Bequemlichkeitssucht, angefangen von Schuhen bis zu Autos, brauchen tun wir die nicht, bekommen aber täglich im Alltag und der Werbung eingeimpft, dass Bequemlichkeit eine Notwendigkeit im Alltag ist. Ärzte bedanken sich für unsere passive Lebensweise, die Sucht nach wenig körperlicher Anstrengung.

Um auf Alkohol und Tabak, die legalen Drogen, noch einmal zu kommen: Ich glaube nicht wirklich, dass sie das sind, für was wir sie halten. Die große Gefahr ist das Gesamtkonstrukt, auch für das Gesundheitssystem. Es sind zwar vermeidbare Dinge, aber nicht die einzigsten Bösewichter in unser aller Leben, die wir eigentlich alle überhaupt nicht brauchen...
 
Fonce schrieb:
Und es gibt militante Nichtraucher die meinen anderen Ihre Lebensweise aufdrücken zu müssen...:rolleyes:
Was ist jetzt wohl vertretbarer, jemand der sich selbst Schaden zufügt oder jemand der meint anderen vorschreiben will wie er zu leben hat?
Wenn du meinst Zweites wäre der Fall, dann überleg mal wo man dann das nächste mal ansetzen könnte!?!
Alkohol verbieten? Extremsportarten? Sportarten? Blaue T-Shirts?
Denk mal drüber nach...

Sry, wenn ich da wieder so einem militanten Raucher auf den Schlipps getreten bin, aber wenn ich Familien sehe, wo die Kinder im Rauch aufwachsen, mit rauchigen Klamotten zur Schule gehen, und dann die Eltern von "ihrer" Freiheit und "ihrem" Luxus reden, kommts mir einfach hoch.

Was du in deinen eigenen vier Wänden machst, ohne jemanden zu belästigen, überlasse ich dir, ist mir auch egal. Wer meint, er muss dafür sein Geld rauswerfen, bei einer Sucht von Luxus reden und nicht die Charakterstärke hat um wirklich aufhören zu können, wenn er es wollte... mir ist das egal, solange man mich dabei in Ruhe lässt.
Im Winter gabs bei uns im Gebäude auch so Spezialisten, denen es draußen zu kalt war, also haben die im Treppenhaus geraucht... zwar bei offenem Fenster, aber das zog trotzdem überall hin und ich hatte mich schon gewundert, warum es dann bei mit in der Wohnung im Flur nach Qualm riecht.

Bevor hier Raucher dann Vergleiche mit anderen belästigenden Dingen ziehen... ja, das mag sein, dass laute Musik, etc. ebenfalls stören, aber deshalb "stört" es ja auch.

Wie gesagt. Ich höre immer nur Raucher von "ihrer" Freiheit reden, aber nie von ihrem Umfeld, welches unter Umständen darunter leidet.

Als nächstes erwarte ich als Argumentation, dass des es runtergespielt wird. Bin mal gespannt.
 
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@sidestream
Du solltest nicht alle Raucher über einen Kamm scheren ;)
Was du da als Beispiel bringst finde ich selber scheiße...
Ich geh zum Rauchen nach draußen, egal bei was für einem Wetter und Rauche auch nicht in der Gegenwart von Kindern. Auch Rauche ich nicht wenn jemand am essen ist(Finde ich als Raucher selber schlimm wenn ich am essen bin und jemand sich ne Zigarette anzündet).


Schrammler schrieb:
Wie ich schrieb: Sucht ist bei jedem Tier vorhanden, auch beim Menschen. Was die Natur allerdings niemals vorgesehen hat ist unsere moderne Zivilisation. Erfinder, Wissenschaftler und Hersteller fragen sich fast niemals ob es verantwortbar ist, eine Technologie auf den Markt zu werfen, bedenken überhaupt die Auswirkungen ihres Handelns, primär zählt nur das Geld, was man mit einer Sache verdienen kann. Wir haben keine moralische Instanz die irgend etwas am Fortschritt verhindern würde, selbst die Kirchen machen ihn brav selbst mit.
Puh auch mit der Aussage wäre ich vorsichtig. Ich würde mal sagen das die meisten Leute die in der Forschung arbeiten eher deswegen dort tätig sind, weil sie neues entdecken wollen. Auch kann man oft kaum voraussehen was Forschungsergebnisse für Auswirkungen haben können bzw. für was die Ergebnisse als Grundlage für neue Forschungen sein können.
Derjenige der das Rad erfunden hat konnte wohl auch kaum wissen das man darauf basierend Kettenfahrzeuge entwickelt und diese in Kriegen eingesetzt werden können.
Der Entdecker des Schwarzpulvers dachte wohl auch kaum das man damit Kugeln/Granaten für Waffen antreiben kann.
 
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Ok, Gang zurück. :D Normalerweise erwarte ich bei sowas immer ein infernales Echo.^^

Dann ist ja alles ok. Wie ich sagte, du musst selbst mit deiner Gesundheit leben, das soll mir egal sein. Viele meiner Freunde sind Raucher. Nicht alle, nicht die meisten, aber viele. Es ist teilweise echt unangenehm, da längere Zeit zu Besuch zu sein. Und wenn die dann bei Erkältung halb krepieren, sich aber trotzdem noch eine anzünden und einem nach der Frage, warum, nur Achsellzucken und verschämtes Grinsen entgegnen, dann tun mir diese Leute Leid. Aber das hat weniger was mit Rauchen selbst, sondern generell mit dieser Position zu tun, schließlich kann jeder davon loskommen, aber diese Geste zeigt Schwäche und Ignoranz, bzw. Gleichgültigkeit zugleich. Diese Art wirkt auf mich persönlich auch unsympathisch, da ich eigentlich eher Leute mag, die charakterstark sind. Ist ja nicht so, als wenn man nach Heroin aussteigen will (was ich bei meiner Tante erlebt habe), wo noch wesentlich komplexere Probleme gesellschaftlicher Natur dazukommen. Das soll jeder selbst mit sich ausmachen, aber gerade bei Frauen finde ich das schade, denn wenn man heute "ältere" Frauen sieht, die ihr Leben lang geraucht haben, sehen die extrem verwelkt aus.^^
 
Ja, das mit den Frauen ist wirklich schade^^
Und nur mal so selbst wenn ich nicht Rauchen würde, wäre ich gegen ein verbot von Tabak, aus den genannten Gründen.
Ich finde man sollte bei dem Thema auch nicht den Fehler machen und es nur weil es eine Droge, eine Assoziation mit stärkeren Drogen herzustellen und sofort nach verboten zu schreien.
 
Aktionismus ist sicher nicht angebracht. Da gebe ich dir Recht. Dennoch denke ich, gehen die meisten mit dem Thema falsch um.

Wir leben sicher nicht in einer immer gesunden Welt und Nikotin und die anderen Wirkstoffe sind nicht die einzigen Bestandteile in der Luft, die uns schaden, gar keine Frage.

Persönlich habe ich eine Abneigung dagegen, weil mein Vater in meiner Kindheit auch immer viel rauchte. Auch im Auto und bei Erkältung, etc. Bin dahingehend ein wenig traumatisiert, denn als Kleinkind hat mein einfach keine Chance, dem zu entkommen oder sich dagegen zu wehren. Ich finds traurig, wenn die Sucht so krass wird, dass selbst das Wohlbefinden der ganzen Familie da kein Hindernis zu sein scheint.
 
Das von dir angesprochene Erlebnis aus deiner Kindheit, wirst du aber eher durch Sensibilisierung beseitigen als dadurch alle Raucher als Dumm zu bezeichnen(Also im Bezug darauf das sie eben rauchen) oder ihnen ständig Vorwürfe zu machen. Damit wirst du nämlich höchst wahrscheinlich eher das Gegenteil erreichen.
Ich kenne jetzt natürlich nicht dein Umfeld, aber in meinem Umfeld würde kein Raucher nein sagen wenn man in höflich fragt ob er nicht seine Zigarette ausmachen könnte oder dafür kurz woanders hinzugehen.
 
Dumm ist relativ. Das wollte ich nicht so ausdrücken. Allerdings ist Rauchen auch nicht gerade ein Geniestreich. :D

Meine Erfahrungen diesbezüglich sind da eher nüchtern. Es sind ebenso wenig alle Raucher "böse" wie alle so "nett", wie du es beschreibst.

Ist ja auch nicht so, dass meine kollegen alles Arschlöcher sind, aber zumindest haben sie bei diesem Thema eine gesunde Ignoranz entwickelt.^^ Wenn es nicht um die Sucht geht, sind das alles hilfsbereite und zuvorkommene, gleichwohl auch sensible Menschen.

Mann muss immerhin, und dabei bleibe ich auch, den Non-Konsum als Standard definieren, denn der Konsum birgt eben das Schadenspotenzial, welches leider auch andere Menschen in der Umgebung beeinflusst.

Allerdings, und da bin ich auf eurer Seite: Was diese Raucherzonen auf Bahnhöfen und so (aufgezeichnetes Rechteck im Freien angeht, das ist ja mal voll der Brüller. Die Regierung geht irgendwie sehr seltsam mit dem Thema um. Da gibts noch so andere Sachen, die auch nicht ganz ok, oder eher lächerlich sind.

Nachtrag: Ich wollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich solche Leute bemitleide, die wirklich in Eiseskälte oder Wind und Wetter nach draußen gehen (z.B. im Büro ist Rauchverbot) um sich eine zu quarzen. Das macht den allen keinen Spaß aber trotzdem tun sie es. Da kann mir doch keiner mehr was von Luxus und Freiheit erzählen lol
 
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sidestream schrieb:
Das soll jeder selbst mit sich ausmachen, aber gerade bei Frauen finde ich das schade, denn wenn man heute "ältere" Frauen sieht, die ihr Leben lang geraucht haben, sehen die extrem verwelkt aus.^^

Ich finde, dass einige Frauen und Männer schon mit 30 verwelkt aussehen. Nicht weil sie schon seit 16 Jahren rauchen, eher weil sie jede freie Minute auf der Sonnenbank verbringen. Was ältere Frauen betrifft, mein Vater hat eine Cousine, die raucht seit bestimmt 50 Jahren, die hat kaum Falten im Gesicht mit über 70, und ist dazu noch recht schlank, hat allerdings auch nie geheiratet und/oder Kinder großgezogen. Man kann das nicht verallgemeinern, bei UV Strahlung ist das deutlich einfacher, da sieht jeder die Abwehrreaktionen des Körpers als "gebräunte" Haut, in Lungen schauen die Wenigsten rein.

Fonce schrieb:
Puh auch mit der Aussage wäre ich vorsichtig. Ich würde mal sagen das die meisten Leute die in der Forschung arbeiten eher deswegen dort tätig sind, weil sie neues entdecken wollen. Auch kann man oft kaum voraussehen was Forschungsergebnisse für Auswirkungen haben können bzw. für was die Ergebnisse als Grundlage für neue Forschungen sein können.

Genau diesen Punkt kritisiere ich ja: Es wird keine Zeit verschwendet, sich Gedanken darüber zu machen was man mit Technik wirklich in der Gesellschaft auslöst, auch welche Suchtreaktionen es auslösen kann, wenn die nicht ohnehin einkalkuliert sind.
Viele technische Dinge nutzt der Mensch heute, weil sie für den Krieg weiterentwickelt wurden, manche wurden nur zu dem Zweck entwickelt. Vielleicht wurde selbst das Rad nur für Krieg entworfen? Wir wissen es nicht, denkbar ist es.
Aber das ist gar nicht mein Kritikpunkt, die Kriegsverwendung, eher was wir mit all dem im Alltag im Frieden anstellen, welche Gesellschaftlichen Folgen sich daraus entwickeln, zum Beispiel "Bequemlichkeit". Der SUV, oder eher der Hummer, wurde nie entwickelt, damit Anzugträger damit auf den Straßen Proll spielen, oder: "bessere Übersicht" haben können. Die Umwelt hätte es gedankt, wären global fast sämtliche Automobilhersteller nie auf die Idee gekommen, ein für extremes, straßenloses, Gelände geplantes Fahrzeug auf Autobahnen zu bringen.
Um einmal ein positives Beispiel zu bringen, das Internet, hätten westliche Regierungen und viele beteiligte Konzerne, je in ihrer Planung, dass damit Revolutionen in westlich gestützte Regimen befeuert werden könnten?
 
@sidestream
Ich sehe das immer so das ich dann wenigstens mal an die frische Luft komme :D

@Schrammler
Aber woher soll man den bitte wissen was später einmal, z.B. in 30 Jahren oder noch später, entwickelt werden könnte aufgrund einer Forschung die heute gemacht wird? Man kann es einfach nicht! Wenn man es wirklich versuchen würde, dann würde die Entwicklung zum Stillstand kommen!
Auch vergisst du als vieles in der Grundlagenforschung einfach auf Zufall basiert. Da wird z.B. hier mal ein neues Teilchen gefunden und schwups ergeben sich ganz neue Möglichen über die man sich aber vielleicht erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte später im klaren ist.
 
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Fonce schrieb:
Aber woher soll man den bitte wissen was später einmal, z.B. in 30 Jahren oder noch später, entwickelt werden könnte aufgrund einer Forschung die heute gemacht wird?.

Derjenige der es in 30 Jahren entwickelt, ganz einfach, auch der hat die Gleiche Verantwortung zu tragen. Dabei kommen Unternehmen ins Spiel, die eben Suchtverhalten jeglicher Art ausnutzen und entsprechend die Dinge weiterentwickeln lassen, um maximalen Profit zu erzielen. Um das Wohl der Menschheit, geht es dabei freilich nicht mehr.
 
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