Wikileaks und die Diplomaten

Man muss aber auch keine Kugeln abfeuern um Leute zu schädigen und man muss auch nicht direkt Leute umbringen, um sie dann doch tot zu sehen. Es reicht in vielen Situationen einfach aus, den Namen/Informationen preiszugeben und den Rest macht dann jemand anderes.
Genau das wird mit so einigen Leuten passieren, die mit den Amerikanern zusammenarbeiten, z.B. als Botschaftsmitarbeiter, Übersetzer oder Informant. Typischerweise reichen Verdachtsmomente in den betreffenden Ländern um Leute verschwinden zu lassen, nur um sie dann nach einiger Zeit ohne Kopf und offenbar lange gefoltert im Strassengraben wiederzufinden.
Zu behaupten, das WL alle Dokumente vorher überprüft und damit eine Gefährdung für Personen ausschliesst, ist mehr als absurd, regelrecht idiotisch. Mit Hintergrundwissen kann man nämlich auch aus kleineren Details Rückschlüsse ziehen ;)

Die Argumentation "Ging es um China, hätte er den Nobelpreis" ist natürlich überspitzt formuliert, trifft aber den Kern. China hält sich nämlich verdächtig zurück, nicht war? Wisst ihr was dort los wäre, wenn dort Jemand die Wahrheit über politische Häftlinge, Korruption und Umweltsünden aussprechen würde? Deswegen sind die Verantwortlichen dort auch sehr bestrebt, eure SMS, emails usw zu scannen. Ja, die SMS werden elektronisch "mitgelesen"...

Solange es einen nicht selbst trifft, findet man es toll. Deswegen wettern auch so viele gegen Banken und Politiker. Verlieren aber viele Leute ihr Geld (insbesondere für Leute die sich sowieso nur noch über Wasser halten) wegen ein paar geleakten Informationen, wird die öffentliche Meinung deutlich drehen. Dann werden auch die jetzigen Befürworter ihn lieber im Gefängnis sehen ;)
Es ist natürlich eine grosse Doppelmoral dahinter. Auch die Argumentation: "Ja, die USA haben ja vieles falsch gemacht und dafür werden sie büssen" rechtfertigt, selbst Verbrechen zu begehen? Jeder mit gesundem Menschenverstand sollte kapieren, dass ein Unrecht nicht ein anderes rechtfertigt.

Das Assange hat eigentlich nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Journalisten nicht mag. Aber warum kriegen der Spiegel, The Guardian etc. Sonderrechte? Ich unterstelle ihm einfach mal Grössenwahn - er personifiziert sich als die Wahrheit. Vielleicht will er auch als eine Art "elektronische Che" dastehen, wer weis... Warum ausgerechnet die USA? Warum nicht China oder Russland? Stimmt, die sind ja nicht sein persönlicher Feind.
Warum pushen die Medien es so sehr? Ganz einfach: Es gibt grad keinen (interessanten) Krieg und man kann damit unheimlich viel Geld machen. Und das Beste: Sie müssen noch nicht mal was dafür bezahlen. Verliert die Presse das Interesse, wird es auch aus den Nachrichten verschwinden. In einiger Zeit wird sich wieder keiner daran stören. Waret nur ab ;)
Dann wird Assange in Schweden zu 2 oder 3 Jahren verurteilt, nach der Strafe an sein Heimatland (er selbst bezeichnet sich ja als Flüchtling - lol!) abgeschoben. Dort kriegt er eine Anklage wegen Landes- und/oder Hochverrats (was ja auch mehr oder weniger stimmt). Aber das wird ja uns die Zukunft zeigen...
 
Zuletzt bearbeitet: (ein Satz machte keinen Sinn ;))
Erstmal als Vorwort:
Was ich in der Internetcommunity immer sehr bemängel ist ein häufiges Auftreten von stumpfem Schwarz-und-Weiß-Denken.
Politiker: Die Bösen
Alle die gegen das Establishment sind: Die Guten.


Doch genau so muss es sein.
nichts ist ungesünder für eine demokratie als vertrauen in die institutionen (den staat).
oposition und misstrauen ist zwingend nötig um die sache halbwegs am laufen zu halten.
ansonsten machen se was sie wollen.
so wie du aktuell ja überall siehst.
das passiert alles nur deshalb weil die grosse masse viel zu unkritisch ist und den staaten viel zu grosses vertrauen schenkt
 
Die "Cables" enthüllen unter anderem auch, wie die USA, China, Indien und Brasilien zusammen gearbeitet haben, um die Ziele der Kopenhagener Klimakonferenz zu kippen und einen sehr viel schwächeren, unverbindlichen Vertrag zu ermöglichen. DAS ist mal eine tolle Enthüllung! Wir müssen nicht wissen, was US-Diplomaten über deutsche Politiker zu sagen haben, aber es ist wichtig zu wissen, was damals in Kopenhagen abgelaufen ist. Dies öffnet vielleicht Türen für erfolgreichere Verhandlungen und neue, verbindliche Klima-Ziele.

Aber jetzt kommt die Krux an der Sache: Diese Enthüllung wäre im gleichen Umfang möglich gewesen, wenn Wikileaks mit Greenpeace&Co. zusammen gearbeitet hätte. Und die Enthüllung hätte auf diese Weise noch viel effektiver sein können, denn so wären die relevanten Informationen sauber aufbereitet und wohl terminiert zum laufenden Klimagipfel in Cancun ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden, anstatt die Information zwischen Millionen anderen Informationen auf einen Server zu werfen, wo sie vielleicht ein Journalist zusammen suchen würde. Vor allem aber hätte man nicht die Preisgabe von potentiell gefährlichen Informationen leichtfertig riskiert.

@madpat
Was jetzt unter dem Credo "Was die Regierungen und die Bonzen trifft kann nicht schlecht sein!" statt findet, ist sicherlich auch nicht mehr gesund.

Es geht doch eigentlich gar nicht darum, für oder gegen die Regierung oder irgendeinen Konzern zu sein. Ich denke, wir alle haben ein Interesse daran zu erfahren, welche Mauscheleien im Hintergrund statt finden (etwa wenn es um die Klima-Ziele geht, siehe oben) oder wo die Völkerrechte verletzt werden. Es geht nur darum, verantwortungsvoll mit den Informationen umzugehen. Wikileaks tut das nicht. Wikileaks nimmt billigend in Kauf, dass Geheimdienst-Informationen in die Hände von Terroristen geraten oder dass diplomatische Beziehungen belastet werden (der Iran dürfte nicht sehr erfreut gewesen sein, als bekannt wurde, dass die Nachbarländer des Iran eine Invasion der Amerikaner herbei gewünscht haben) oder dass die Welt vielleicht in die nächste Weltwirtschaftskrise gestürzt wird.

Es geht nicht darum, was wir wissen dürfen. Es geht darum, was gewisse Menschen, Gruppierungen und Regierungen besser nicht erfahren sollten. Und unter diese Prämisse kann ich gut damit leben, nicht zu wissen, dass US-Diplomaten Guido Westerwelle einerseits für einen aufgeblasenen Schnösel, andererseits aber auch für einen galanten und witzigen Zeitgenossen halten.

das passiert alles nur deshalb weil die grosse masse viel zu unkritisch ist und den staaten viel zu grosses vertrauen schenkt

Wer "A" sagt, muss auch "B" sagen. Oder wer die Regierungen kritisch hinterfragen will, muss auch Wikileaks kritisch hinterfragen. Man kann nicht an der einen Stelle kritisch sein, und an der anderen Stelle alles ungefragt schlucken. Andernfalls ist das eine nicht besser als das andere und das Ganze nur paranoides Gewäsch.

So, und jetzt schauen wir doch mal, wie sich die breite Masse verhält, wenn es um Wikileaks geht: Unkritisch, von vorne bis hinten. Den wenigen Menschen, die Wikileaks kritisch hinterfragen, wirft die breite Masse vor, sie seien unkritisch, dumm und zu vertrauensselig, aber selber fressen sie ungefragt alles, was Julian Assange ihnen mit seinen heiligen Händer dar bietet.

P.S.: Ist jetzt nicht konkret auf dich bezogen.
 
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Mittlerweile hat sich übers Internet ja phänomenaler Widerstand gegen die Verhaftung und den kompletten Umgang mit der WL-Plattform formiert (bei "heute Nacht" im ZDF wurde gestern Abend darüber berichtet).

Für die USA muss das moralisch ein zweiter 11.September sein - so schwach , so ausgeliefert.... (womit ich natürlich nicht den 11.September beschönigen will - wohl aber diesen Aspekt der Macht von WL).

Es ist in jedem Fall schon mal gut bestimmte Staaten von ihren Allmachtsfantastereien zurück auf den Boden der Tatsachen zu führen.
Wenn man sieht was sich alleine dieses Jahr alles tut (was momentan im riesigen medialen Schatten von WL parallel weiterläuft) um dem großen Diktat (welches lediglich dem Vorteil einige weniger dient) Einhalt zu gebieten.

Bereits an anderer Stelle angebracht kann ich nur folgendes Filmzitat nochmals einstreuen ->

"Ich bringe hier alles zu Fall. Ich lasse den verfluchten, kranken und korrupten Tempel über euch einstürzen und das im biblischen Ausmaße."

....Vielleicht haben wir alle noch das Glück dies zu erleben.
 
Hallo GevatterTod, ich gebe dir zu 100% Recht, dass man Wikileaks auch kritisch betrachten und auch an deren Verantwortung appellieren sollte. Dass potentielle Terrorziele veröffentlicht werden, ist schlecht undabsolut unnötig (hab hier das entsprechende Cable nicht gelesen). Das Rückschlüsse auf Quellen möglich sind, ist schlecht und absolut unnötig! Dass Westerwelle witzig gamant und ein Schnösel ist, interessiert mich nicht. Wie aber die Diplomatie im Moment funktioniert sehr wohl. Es ist in der Tat sehr wichtig für den Iran zu wissen wie die Nachbarländer über ihn denken. Das wünsche ich mir auch für Deutschland, Europa und die ganze Welt. Diplomatische Beziehungen werden ja nicht dadurch belastet, dass Informationen über diese ans Tageslicht kommen, sonder wohl eher dadurch, dass Sie sind wie sie sind. Ist es denn so schwierig zu einem Partner/Verbündeten offen und ehrlich zu sein?
Dass es im Moment gegen „Regierungen und Bonzen“ geht liegt daran, dass diese auch Dreck am stecken haben. Insbesondere die USA. Wobei hier noch eine wichtige Rolle die hohe Resonanz bei der Veröffentlichungen spielt. Für Einseitig halte ich das nicht. Es würden und werden noch genügen Informationen von anderen Ländern und Organisationen veröffentlicht.
Du verlangst von Wikileaks, dass sie die Informationen weitergeben. Das tun sie! Alle Informationen wurden vorher ausgewählten Pressevertretern zu gespielt. Dass solche Cables wie das mit dem Klimagipfel nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, liegt doch an den Pressevertretern, die lieber über Vergewaltigungen und Inhaftierungen berichten. Und vielleicht auch an manchem User hier der sich nicht die Arbeit macht diese Informationen auch zu suchen.
Für die Medien ist es lukrativer über Herrn Assange zu berichten als über die Inhalte der veröffentlichten Informationen. Warum ist es lukrativer? Weil sich Berichte über Assange wohl besser verkaufen lassen und sich mehr Kunden finden. Das ist doch ein prima Spiegelbild unserer Gesellschaft! Und das finde ich traurig und zeigt mir wie wichtig Wikileaks ist!
Wikileaks veröffentlich Rohdaten, so dass man sich ein eigenes Bild machen kann. Wikileaks gibt diese Informationen weiter an die Presse, dass diese auch einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Das ist das wichtigste und beste was unserer Gesellschaft seit langem passiert ist!
Ich werde Wikileaks weiter mit meinen Möglichkeiten unterstützen, jedoch auch mit der nötigen kritischen Betrachtung der Informationen.
 
Natürlich ist es ein Fehler von Wikileaks die Dokumente nicht genauer auszuwerten (mangeldes Personal?) und dafür zu sorgen dass Informanten nicht zu schaden kommen etc. Aber wenn Korruption aufgedeckt wird find ich das gut. Wer kontrolliert "geheime" Dokumente, wer garantiert dass sie nicht korrupte Politiker schützen? Kein Staat der Welt hat ein wirksames System dagegen.

Z.B. ging der slowenische Premier in die US-Botschaft und bot ihnen an Guantanamo-Häftlinge in SLO aufzunehmen und stellte für einen US-Konzern einen Milliardenauftrag in Aussicht sollte man ihm eine Audienz bei Obama genehmigen. http://derstandard.at/1291454113980/Wikileaks-Premier-Pahor-bot-USA-Kuhhandel-an

Da haut man also Steuergelder auf den Kopf um in Zeitungen mit yes-we-can-Euphorie-Obama abgelichtet zu werden und seine Popularität zu steigern. Also, mir persönlich geht es nicht gegen "dia da oben", "die Regierung", sondern um genau soche Leute wie den Pahor. Was sagt die EU dazu? Natürlich nichts, denn mit solchen Methoden arbeiten ziemlich viele Politiker. Alles Verschlussache versteht sich :freak:

Genau das wird mit so einigen Leuten passieren, die mit den Amerikanern zusammenarbeiten, z.B. als Botschaftsmitarbeiter, Übersetzer oder Informant. Typischerweise reichen Verdachtsmomente in den betreffenden Ländern um Leute verschwinden zu lassen, nur um sie dann nach einiger Zeit ohne Kopf und offenbar lange gefoltert im Strassengraben wiederzufinden.

Das passiert auch täglich Leuten die gegen die Amerikaner arbeiten. Wo bleibt da die Aufregung? Es spielt doch keine Rolle gegen welches Regime/Regierung man arbeitet, trifft man einen wunden Punkt ist es aus. Die Toleranz der USA ist zwar (noch) viel größer wenn es um solche Sachen geht aber auch sie fahren immer öfter die harten Geschütze aus wenn es um Machtdenmonstration und Vertuschung geht.

Solange es einen nicht selbst trifft, findet man es toll. Deswegen wettern auch so viele gegen Banken und Politiker. Verlieren aber viele Leute ihr Geld (insbesondere für Leute die sich sowieso nur noch über Wasser halten) wegen ein paar geleakten Informationen, wird die öffentliche Meinung deutlich drehen. Dann werden auch die jetzigen Befürworter ihn lieber im Gefängnis sehen

Es HABEN viele Leute ihr Geld, iher Häuser verloren, ihre Familien sind ruiniert. 1 Billion für die Bankenrettung? Erklär das den Opfern die jetzt in den USA in illegalen Zeltstädten leben. Es trifft nämlich so gut wie immer "UNS". Wer soll das alles bezahlen? "UNSERE" Kinder.

Für viele Leute ist das was Wikileaks jetzt macht eine Genugtuung. Und wer kann es ihnen verübeln? Die Leute wollen kein change-gelaber sondern Taten sehen, und wikileaks tut etwas.

Edit: Es sind auch Enthüllungen zu Russland angekündigt: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733039,00.html
 
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zwei dinge fallen mir spontan dazu ein: Assange hat schon vor längerer Zeit kundgetan, dass die USA eine Verschwörung planen - dass sie so platt ausfällt und nun die Sex-Geschichte daraus geworden ist klingt nach wenig Kreativität. zweitens: wenn wir ball eh alles über alle wissen, macht es dann noch spaß, neues zu erfahren?
 
geigenspieler schrieb:
Assange hat schon vor längerer Zeit kundgetan, dass die USA eine Verschwörung planen
Hat er das wirklich. Davon habe ich ehrlich gesagt nichts mitbekommen. Das würde allerdings nicht sehr für seinen Sinn für Realität sprechen.
 
Nicht? Global betriebener Rufmord, offenes Gutheissen seiner Verfolgung und Verhaftung seitens der USA, erste Diskussionen über eine Auslieferung an eben Jene unter dem Gesichtspunkt des möglichen Vorwurfs der Bestechung von Informanten, damit die ihre Infos bei WL hochladen (Quelle nicht online, wurde heute morgen im N24 Gespräch erwähnt)... alles Zufall?
 
Ob es einem nun gefallen mag oder nicht aber langsam kommt endlich mal etwas ins rollen das den Vereinigten (Schurken-)Staaten und andere Größenwahnsinnigen u.U. ihre -selbst nicht für existent gehaltenen- Grenzen aufzeigt und dieser Aspekt alleine ist die Sache bereits wert.

Ich muss vorab sagen das auch ich nicht dafür bin das Daten von potentiellen Terrorzielen ins blaue hinaus einfach so preis gegeben werden allerdings kann es wohl wirklich nicht erst gemeint sein wenn einige sagen WL gefährdet funktionierende Diplomatische Beziehungen.

Zu den so genannten "funktionierenden Diplomatischen Beziehungen" kann ich sagen das diese ohnehin nichts taugen wenn so viel Leichen aus dem Keller nach oben geschwemmt werden das sie zum erliegen kommen.
Somit ist es auch nicht WL welches selbige gefährdet sondern die hausgemachten Ereignisse von denen die veröffentlichten Informationen handeln.

Wie man bereits seit Jahrunderten zu sagen pflegt :

Man kann den Boten nicht für die Nachricht verantwortlich machen
 
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Zumindest ist der australische Außenminister an einer weiteren Versachlichung des US-amerikanischen Datenschutzlecks bemüht, so urteilte Rudd:

"Nach Einschätzung Australiens tragen die USA und nicht Assange die volle Verantwortung für die Veröffentlichung geheimer Diplomaten-Depeschen im Internet. Diejenigen, die ursprünglich die Weitergabe der rund 250 000 Nachrichten aus dem US-Außenministerium ermöglicht hätten, seien rechtlich zur Verantwortung zu ziehen, sagte Rudd. Die Tatsache, dass solche Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen konnten, stelle zudem die Sicherheit der Übertragungswege der USA infrage. "Herr Assange ist nicht selbst für die Veröffentlichung verantwortlich", sagte Rudd. "Die Amerikaner sind dafür verantwortlich."

http://www.handelsblatt.com/politik...-wikileaks-gruender-assange-zur-seite;2707825
 
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s.0.s schrieb:
Das passiert auch täglich Leuten die gegen die Amerikaner arbeiten. Wo bleibt da die Aufregung?
Ja und? Das ist doch völlig unerheblich, was andere machen. Was einzig und allein erheblich ist, ist dass Menschenleben wissentlich und billigend in Gefahr gebracht werden, und zwar nicht von den Amerikanern oder einem Schurkenstaat, sondern von WikiLeaks. Und das nur aus Geltungssucht heraus. Es werden Privatpersonen öffentlich an den Pranger gestellt was in manchen Ländern geradezu zur Lynchjustiz einlädt. Das ist unverantwortlich und der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel.

Graf-von-Rotz schrieb:
Man kann den Boten nicht für die Nachricht verantwortlich machen.
So kann man sich schön aus der Verantwortung stehlen nicht? Wenn ich eine Nachricht verbreite, die Persönlichkeitsrechte verletzt und sogar die körperliche Unversehrtheit von Personen aufs Spiel setzt, dann kann und muss ich dafür sehr wohl zur Verantwortung gezogen werden!
 
@SheepShaver:Es würde mich freuen, von dir mal zusehen, dass du die Kritik du du an Wikileaks äußerst auch mal auf die USA anwenden würdest. Sicher ist es nicht zu dulden, dass Privatpersonen in Mittleideschaft gezogen werden. Wobei ich immer noch keine weitere Quelle gefunden habe, dass dies wissentlich, billigend und aus Geltungssucht heraus geschehen ist, außer deiner Links.
Für mich ist jede Tat die Menschenleben in Gefahr bringt auf das schärfste zu verurteilen. Und da sind nun aber mal die USA führend! Das solltest du auch mal erwähnen. Dass du ein Problem mit Assange hast, sei dir zugestanden. Dass das Projekt Wikileaks aber dadurch verteufelt wird, halte ich für Blödsinn. Endlich gibt es eine Informationsquelle um sich ein eigens Bild zu machen und dies ist meiner Meinung nach ein unendlich wertvolles Gut, was es zu unterstützen gilt!
 
Aber das eine rechtfertigt das andere doch nicht. Ja, die USA haben Dreck am stecken, wie alle anderen Regierungen auch. Ja, die USA machen auch vieles richtig (das geht auch aus Wikileaks hervor), wie alle anderen Regierungen auch. Aber deswegen ist doch nicht in Ordnung, wenn Wikileaks Menschen für ein paar Dokumente über die Klinge springen lässt.

Und da sind nun aber mal die USA führend!

Und das kannst du womit belegen? Woher weißt du, dass China oder Russland oder wir selbst nicht noch viel mehr Dreck am Stecken haben? Aus der Affäre kann man vor allem eines ableiten: Die USA haben einen Problem damit, die Geheimhaltung ihrer Dokumente sicher zu stellen. Wollen wir hoffen, dass Assange die Welt tatsächlich transparenter machen und nicht nur einen Feldzug gegen ein Feindbild führen will.

Endlich gibt es eine Informationsquelle um sich ein eigens Bild zu machen

Genau das ist Wikileaks nicht, denn dafür sind die Informationen trotz ihrer Masse unzureichend. Wikileaks ist ein Blick durchs Schlüsselloch. Wir belauschen eine Ehepaar bei einem Streit oder beim Liebesspiel, erfahren aber nur wenig über den Alltag der Partner. Daraus können wir nicht ableiten, dass die beiden Partner einen üblen Machtkampf ausfechten und sich ständig streiten oder ob sie harmonisch zusammen leben, aber genau das maßen sich einige Menschen offenbar an.

In Einzelfällen ist Wikileaks nützlich, etwa wenn es um die erwähnten Mauscheleien um die Ziele des Kopenhagener Klima-Gipfels geht, aber auf Dauer bringt uns Wikileaks nicht weiter, weil Wikileaks der Weltpolitik nicht permanent auf die Finger schaut sondern nur das veröffentlichen kann, was es in die Finger kriegt (oder veröffentlichen will), und daraus ergibt sich lediglich ein bruchstückhaftes Bild, in dem viele Fragmente und Zusammenhänge fehlen. Aus diesem Bild kann man nur ableiten, dass die USA und andere Regierungen offenbar gerne irgendwelche Kuhhandel o.Ä. vereinbaren, aber das wir haben doch bisher auch durch den investigativen Journalismus erfahren.
 
Blöd gefragt: Dir sind in diesen Belangen also so gut wie keine Informationen lieber, als nicht vollständige Informationen?
 
Ich will ja auch nicht eine üble Tat mit einer anderen üblen Tat rechtfertigen. Jede üble Tat gehört verurteilt, egal ob von Wikileaks, den USA oder sonst wem.
Das die USA führend sind, bezog ich auf die Taten die Menschleben gefährden. So viele Tote wie auf die letzten geführten Kriege gehen, hat kein anderes Land verursacht.

Und ich bin auch davon überzeugt, dass andere Länder Dreck am stecken haben. Das soll bitte auch alles Öffentlich gemacht werden. Und das wird es auch.

Deine Befürchtung bzgl. Assange und dem Privatfeldzug gegen die USA, teile ich auch, zumindest teilweise, wobei ich hier auf die Organisation Wikileaks vertraue.

Und um sich ein eigenes Bild von der Welt zu machen, ist Wikileaks eine Quelle unter vielen. Aber diese Quelle möchte ich unter keinen Umständen mehr missen.

Auch deshalb, weil wir gerade nicht durch den bisherigen investigativen Journalismus von vielen Dingen erfahren haben. Als Beispiel sei hier der Kuhhandel zwischen China und den USA bzgl. des Klimaabkommens aufgeführt.
 
Ist schon wirklich allzu amüsant wie man fast nur über Assange berichtet anstatt über die Cablegates , nein nicht was X über Y denkt, und vielleicht das Material auch benutzt um weiter nachzuhaken!

Investigativer Journalismus heutzutage? Fehlanzeige! Die Zeitungen plappern einfach nach, was schon vorher durch die DPA oder sonstwem veröffentlicht wurde.

Da ist WL einfach genau die richtige Plattform um fehlende Puzzleteile im Bild zu ergänzen und zu prüfen ob die Nachrichten im Nachhinein konvergent sind.

Ich finde es auch komisch, dass die Gegner von WL immer an dem Wahrheitsgehalt der Gates zweifeln.
Die müssten ja dann konsistenterweise die normalen Nachrichten noch mehr anzweifeln bis hin zur Paranoia.
Alles andere ist Heuchelei.

Wie dem auch sei, die Internetgemeinschaft führt momentan einen Kleinkrieg gegen diejenigen, die versuchen WL zu zerstören und ich finde das gut so.
 
Doc Chaos schrieb:
Blöd gefragt: Dir sind in diesen Belangen also so gut wie keine Informationen lieber, als nicht vollständige Informationen?

Darum geht es nicht. Wikileaks veröffentlicht nur einen Teil der Wahrheit, der aber als absolute Wahrheit propagiert wird. Es ist aber letztendlich auch nur ein Fragment des ganzen.
Sicher sind Plattformen wie Wikileaks notwendig, allerdings bezweifel ich dass Assange dieser Plattform so gut tut. Er ist ein Idealist, der in dem Maße veröffentlicht wie es zu seinen Idealen passt. Das ist auch erst einmal in Ordnung, allerdings sollte man das bei der Bewertung der Dokumente berücksichtigen. Es gibt durchaus anhaltspunkte, dass Assange Material auch "manipuliert" : „Wir müssen das Irak-Video schneiden“, schrieb Assange....
Mit seinen Getreuen zog er sich in Reykjavík eine Woche lang in eines der kleinen Holzhäuser zurück und schnitt das Irak-Video. Früher hatte Wikileaks nur Rohmaterial online gestellt, jetzt verpasste Assange dem Video einen Titel: „Collateral Murder“. Kollateralmord. Am Beginn blendete Wikileaks ein kleines Copyright-Symbol ein. In der Gruppe murrte es, jetzt beginne der Ausverkauf der Ideale.
Quelle: http://www.faz.net/s/RubE2C6E0BCC2F...13A34CB49553EF63B1~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ich habe zurzeit eher den Eindruck, Assange veröffentlicht nur noch um Aufsehen zu erregen bzw. um sich selbst zu inszenieren. Das lässt sich zumindestens aus den Aussagen von denen Ableiten, die Wikileaks verlassen haben.

Was die Medienlandschaft braucht ist nicht ein Assange, der sich selbst als Mythos inszeniert, sondern eine Plattform die frei agiert und doch verantwortungsvoll mit dem Material umgeht. Änlich wie es GevatterTod bereits beschrieben hat.
Einige Schreiben hier, Wikileaks bzw. Assange seien nur die Boten gewesen und müsten daher keine Konsequenzen tragen. Aber dafür ist der Bote Assange aber schon sehr stark bemüht immer im Rampenlicht zu stehen um den Ruhm zu genießen. Aber dieser Ruhm steht einem Boten eigentlich nicht zu, wenn er überhaupt keine Verantwortung zu tragen hat.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Dass ist auch der Preis den Wikileaks im Moment dafür zahlt, dass sie Assange so in den Vordergrund gestellt haben (Oder er sich selber). Die Presse berichtet mehr über Assange als über die Informationen. Finde ich ziemlich erschreckend.
In dem Zusammenhang habe ich auch mal eben die Seiten unsere Volksvertreter besucht, um mal zu schaun wie die sich zu den Informationen äußern. Fazit: nur die FDP hat auf der Startseite einen Bericht! Der ist leider auch nur über Assange und Wikileaks im Allgemeinen.
Der Rest wird totgeschwiegen. Traurig aber wahr.
 
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