VsteckdoseV
Commander
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- Jan. 2008
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Unser Bundespräsident Christian Wulff hat sich soeben in einem Fernsehinterview für seine Fehler rechtfertigt und hat in absehbarer Zeit nicht vor, zurückzutreten.
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9181010
Ich fand diese "Flucht nach vorne" lange überfällig. Der erhoffte Befreiungsschlag ist ihm meiner Meinung nach aber nicht vollständig geglückt. Viel zu steif und unwillig und möglichst kompliziert hat er beispielsweise die Fragen zu Details zu seiner Immobilienfinanzierung beantwortet, und hat Nachfragen der Moderatoren entweder ignoriert oder nur zögerlich antwortet.
Mir sind auch zwei Dinge aufgefallen, die mir nicht gefallen haben: Anscheinend sieht sich Wulff als Vollpolitiker, der sowohl die gängigen Praktiken kennt als auch dort mitmischt. Das schließe ich daraus, dass er öfters sagt "wir Politiker" oder "in unserem Geschäft" oder so ähnlich. Ich als Bürger weiß wie schmutzig die Welt der Tagespolitik sein kann und wünsche mir einen Bundespräsidenten, der dieser Welt möglichst fern bleibt. Für ihn soll das Primat der Moral gelten, nicht das des Erfolgs.
Die andere Sache ist, dass Herr Wulff am Ende sagt, dass "es ihn innerlich freimacht", dass jetzt alles von unten nach oben ist. Wenn er - wie er behauptet - nie ein Gesetz gebrochen und immer moralisch gehandelt hat (bis auf die Sache mit dem Anruf bei Kai Diekmann), warum war er dann so "angespannt" als "die Sachen" noch nicht "oben" waren?
Er hat aber auch eine Menge richtig gemacht beziehungsweise richtig dargestellt. Beispielsweise dass er von Freunden keine Rechnung für jede Einzelheit erwartet (was die Moderatorin anscheinend ja regelmäßig macht
), oder dass es als völlig normal anzusehen ist, einen Kredit bei Freunden aufzunehmen.
Ich habe in diesem Interview zwei Botschaften von ihm wahrgenommen. Die erste ist: "Auch Politiker dürfen Freunde haben". Die zweite, "Irren ist Menschlich", ist aber mit vorsicht zu genießen: Immerhin übt er das höchste Amt im Staat aus und sollte als Profipolitiker ja wissen, wozu Irren normalerweise führt.
Bleibt die Frage zu seinem Rücktritt.
Meiner Meinung nach haben wir aktuell weitaus wichtigeres zu regeln wie beispielsweise die Euro-Krise. Jetzt wäre ein sehr ungünstiger Zeitpunkt für die Regierung, "ihren" Bundespräsidenten zu verlieren, vor allem da die Wahl ja so knapp war. Sie würde sich so sehr angreifbar machen. Und eine unstabile Regierung ist in Krisenzeiten das schlechteste, was es gibt.
Wulffs Vorhaben, sein Amt weiter inne zu haben, entspricht glaube ich nicht nur seinem Eitel, sondern ist vor allem auch von oben so angeordnet worden. Wenn Merkel nicht hinter ihm stehen würde, hätte er nicht diese Sachen heute Abend im TV gesagt.
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9181010
Ich fand diese "Flucht nach vorne" lange überfällig. Der erhoffte Befreiungsschlag ist ihm meiner Meinung nach aber nicht vollständig geglückt. Viel zu steif und unwillig und möglichst kompliziert hat er beispielsweise die Fragen zu Details zu seiner Immobilienfinanzierung beantwortet, und hat Nachfragen der Moderatoren entweder ignoriert oder nur zögerlich antwortet.
Mir sind auch zwei Dinge aufgefallen, die mir nicht gefallen haben: Anscheinend sieht sich Wulff als Vollpolitiker, der sowohl die gängigen Praktiken kennt als auch dort mitmischt. Das schließe ich daraus, dass er öfters sagt "wir Politiker" oder "in unserem Geschäft" oder so ähnlich. Ich als Bürger weiß wie schmutzig die Welt der Tagespolitik sein kann und wünsche mir einen Bundespräsidenten, der dieser Welt möglichst fern bleibt. Für ihn soll das Primat der Moral gelten, nicht das des Erfolgs.
Die andere Sache ist, dass Herr Wulff am Ende sagt, dass "es ihn innerlich freimacht", dass jetzt alles von unten nach oben ist. Wenn er - wie er behauptet - nie ein Gesetz gebrochen und immer moralisch gehandelt hat (bis auf die Sache mit dem Anruf bei Kai Diekmann), warum war er dann so "angespannt" als "die Sachen" noch nicht "oben" waren?
Er hat aber auch eine Menge richtig gemacht beziehungsweise richtig dargestellt. Beispielsweise dass er von Freunden keine Rechnung für jede Einzelheit erwartet (was die Moderatorin anscheinend ja regelmäßig macht

Ich habe in diesem Interview zwei Botschaften von ihm wahrgenommen. Die erste ist: "Auch Politiker dürfen Freunde haben". Die zweite, "Irren ist Menschlich", ist aber mit vorsicht zu genießen: Immerhin übt er das höchste Amt im Staat aus und sollte als Profipolitiker ja wissen, wozu Irren normalerweise führt.
Bleibt die Frage zu seinem Rücktritt.
Meiner Meinung nach haben wir aktuell weitaus wichtigeres zu regeln wie beispielsweise die Euro-Krise. Jetzt wäre ein sehr ungünstiger Zeitpunkt für die Regierung, "ihren" Bundespräsidenten zu verlieren, vor allem da die Wahl ja so knapp war. Sie würde sich so sehr angreifbar machen. Und eine unstabile Regierung ist in Krisenzeiten das schlechteste, was es gibt.
Wulffs Vorhaben, sein Amt weiter inne zu haben, entspricht glaube ich nicht nur seinem Eitel, sondern ist vor allem auch von oben so angeordnet worden. Wenn Merkel nicht hinter ihm stehen würde, hätte er nicht diese Sachen heute Abend im TV gesagt.
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