Exklusive Copilot+-PC-Funktion: Kontroverse KI-Suche Recall startet für Allgemeinheit

Andreas Frischholz
62 Kommentare
Exklusive Copilot+-PC-Funktion: Kontroverse KI-Suche Recall startet für Allgemeinheit
Bild: Microsoft

Microsoft schaltet Recall samt der intelligenten Windows-Suche sowie die Click to do für alle Copilot+ PCs frei. Obwohl insbesondere Recall ein Zugpferd für Microsofts AI-PCs sein sollte, befand sich die kontroverse KI-Suche lange Zeit in der Testphase. Nun starten die exklusiven KI-Funktionen – zumindest außerhalb der EU.

Dass der Rollout beginnt, hat Microsoft in einem Blog-Beitrag mitgeteilt. Bislang waren diese nur als Preview-Versionen im Windows Insider Program verfügbar.

Exklusive Copilot+-Funktionen im Überblick
  • Recall: Recall erstellt Historie sämtlicher Tätigkeiten auf eine PC, die sich auf einer Zeitachse zurückverfolgen lassen. Dazu werden fortlaufend Screenshots erstellt, die die KI auswerten kann.
  • Click to do: Ein kontextbezogenes Menü, das sich jederzeit mit der Tastenkombination „Windows-Taste + Klick“ oder „Windows-Taste + Q“ öffnen lässt, um bei Texten und Bildern passende Aktionen anzubieten.
  • Intelligente Windows-Suche: Die Windows-Suche wechselt zu einem semantischen Ansatz, der nicht nur direkt nach Begriffen sucht, sondern die Bedeutung einer Suchanfrage erfasst, um das passende Ergebnis zu liefern.

Recall und Click to do erscheinen erst später im Europäischen Wirtschaftsraum

Um die exklusiven Funktionen zu erhalten, benötigt man die Non-Security-Preview des April-Updates (KB5055627) für Windows 11 24H2. Wer das Update beschleunigen möchte, muss die Update-Funktion „Erhalten Sie die neuesten Updates, sobald sie verfügbar sind“ aktivieren. Im Rahmen eines Controlled Feature Rollout (CFR) werden Recall, Click to do und die intelligente Windows-Suche dann im Verlauf des nächsten Monats auf Copilot+ PCs freigeschaltet.

Das gilt zumindest auf den meisten Märkten weltweit. Im Europäischen Wirtschaftsraum erscheinen Recall und Click to do erst später, erklärt Microsoft. Präziser äußert man sich nicht. Wann die exklusiven Funktionen in die EU kommen, ist also unklar.

Kleinere Begrenzungen gibt es zudem bei der verbauten Hardware. Recall und die intelligente Suche erscheinen für alle Copilot+ PCs. Bei Click to do sind die Text-Aktionen zunächst nur für Geräte mit Snapdragon-X-Prozessor verfügbar, Copilot+-Systeme von Intel und AMD sollen erst in den kommenden Monaten unterstützt werden. Bilder lassen sich bei Click to do aber bereits mit allen Systemen nutzen.

Herkömmliche PCs ohne Copilot+-Hardware wie der NPU unterstützen die exklusiven KI-Funktionen ohnehin nicht.

Das Copilot+-Zugpferd startet mit einjähriger Verzögerung

Recall war so etwas wie das Zugpferd, als Microsoft die Copilot+-PCs im Mai 2024 angekündigte. Schon kurz nach der Vorstellung wurden eklatante Sicherheitsmängel aufgedeckt, zudem wurde Microsoft für den Umgang mit der Privatsphäre massiv kritisiert. Die Vorwürfe lauteten im Kern: Weil Recall standardmäßig aktiviert war, bestand das Risiko, dass es bei Nutzern dauerhaft im Hintergrund läuft, ohne dass diese die Folgen wissen. Denn durch das dauerhafte Screenshot-Erstellen können auch sensible Informationen erfasst werden.

Sicherheitsarchitektur von Recall
Sicherheitsarchitektur von Recall (Bild: Microsoft)

Microsoft verzögerte den Start dann mehrfach. Im September 2024 wurde etwa eine überarbeitete Sicherheitsarchitektur vorgestellt. Recall-Inhalte sollen nun verschlüsselt auf der Platte liegen, für einen Zugang zur KI-Suche ist jedes Mal eine Windows-Hello-Authentifizierung nötig, damit fremde Nutzer keinen Zugriff erhalten.

Hintergründe zum holprigen Recall-Start

Außerdem ist Recall nun Opt-in. Nutzer müssen also explizit zustimmen, damit es läuft. Zusätzlich verspricht Microsoft mehr Kontrolle. Ausnahmen für Browser und bestimmte Webseiten waren von Anfang möglich, dieser Ansatz wurde etwa erweitert.

📊 Intel, AMD oder Nvidia? Mach' jetzt noch mit bei unserer großen Jahresumfrage!