Thunderbird 137: Mozilla will E-Mail-Client mit Pro-Features neu erfinden

Mozilla hat Thunderbird in Version 137 veröffentlicht. Die wenigen Änderungen spielen dieses Mal eine eher untergeordnete Rolle. Von größerem Interesse ist, welche Pläne die Entwickler künftig für den in die Jahre gekommenen E-Mail-Client verfolgen. Kostenpflichtige Pro-Features sollen dabei verlorene Nutzer zurückgewinnen.
Die Neuerungen in Thunderbird 137 sind rasch zusammengefasst: Beim Speichern von E-Mail-Ordnern nutzt der Client unter Windows nun Dateinamen, während unter Linux das Symbol im Systemtray deaktiviert wurde, bis es vollständig funktionstüchtig ist.
Neben den üblichen Leistungsverbesserungen wurden mehr als 30 Fehler behoben. Dazu zählt unter anderem, dass sich der Zeilenabstand in der Nachrichtenliste bei Verwendung der Standardschriftgröße unerwartet änderte oder das Importieren eines öffentlichen OpenPGP-Schlüssels mit Leerzeichen fehlschlug.
Kostenpflichtige Dienste, um Nutzer zurückzugewinnen
Von größerem Interesse könnte jedoch die Ausrichtung sein, die Mozilla künftig mit Thunderbird einschlagen will. Offenbar plant das Unternehmen die Einführung einer Reihe professioneller kostenpflichtiger Dienste für seinen Open-Source-E-Mail-Client, durch die dieser zu einer umfassenden Kommunikationsplattform weiterentwickelt werden soll. Unter dem Namen „Thunderbird Pro“ soll das Programm mit etablierten Ökosystemen wie Gmail und Office 365 konkurrieren und zuvor verlorene Nutzer zurückgewinnen.
In der vergangenen Woche erklärte Ryan Sipes, Managing Director of Product bei Thunderbird, in einer Planungsnotiz an die Entwicklergemeinschaft, dass Thunderbird täglich Nutzer an Ökosysteme verliere, die sowohl Client als auch Dienste anböten. Ziel sei es, langfristig ein vergleichbares Angebot zu schaffen, um ein vollständig quelloffenes alternatives Ökosystem für Interessierte bereitzustellen.
Mozilla hat mit rückgängigen Nutzerzahlen zu kämpfen
Da Mozilla keine offiziellen Nutzerzahlen für Thunderbird veröffentlicht, lässt sich die Aussage von Sipes nur schwer verifizieren. Laut eines Berichts von The Register ist die Zahl der monatlich aktiven Installationen im Zeitraum vom 27. Dezember 2020 bis zum 30. März 2025 von 17.706.777 auf nunmehr 16.174.806 gesunken. Der Rückgang hält sich somit noch in Grenzen. Deutlich stärker betroffen ist hingegen Mozillas Browser Firefox, der seit seinem Höhepunkt im Jahr 2009 kontinuierlich Nutzer verliert und dessen Marktanteil laut Statista zwischen Ende 2020 und Januar 2025 nochmals von 9,25 Prozent auf 6,26 Prozent gesunken ist.
Vier neue Dienste
Um diesem Trend entgegenzuwirken, plant Mozilla offenbar die Einführung mehrerer Dienste, von denen einige auch Einnahmen generieren könnten, was wiederum zusätzliche Entwicklungskapazitäten ermöglichen würde. „Thunderbird Appointment“ soll dabei eine Terminplanung bereitstellen, während „Thunderbird Send“ eine überarbeitete Version des 2019 eingestellten Firefox Send-Dienstes darstellt, über den sich Dateien direkt und flexibel freigeben lassen sollen. „Thunderbird Assist“ ist ein bislang nicht veröffentlichter optionaler KI-Assistent, der abhängig von der Hardware lokal arbeiten kann, ansonsten aber über das Cloud-System des Partners Flower Labs betrieben wird. Komplettiert wird das Angebot durch „Thundermail“, einen auf dem Stalwart-Stack basierenden E-Mail-Hosting-Dienst, der den Thunderbird-Client ergänzen und dabei auch JMAP (JSON Meta Application Protocol) als Nachfolger von IMAP (Internet Message Access Protocol) unterstützen soll.
Dienste für die entwickelnde Community kostenlos
Geplant ist, diese neuen Dienste zunächst der am Projekt beteiligten Community kostenlos zur Verfügung zu stellen. Da der Betrieb solcher Angebote laut Sipes jedoch mit beträchtlichen Kosten verbunden ist, wird die allgemeine Nutzung kostenpflichtig sein. „Sobald wir eine ausreichend große Nutzerbasis haben, die die Dienste als nachhaltig erscheinen lässt, werden wir je nach Dienst kostenlose Stufen mit Einschränkungen, wie zum Beispiel weniger Speicherplatz oder ähnliches, einführen“, erläuterte Sipes. Zusätzlich soll es für Interessierte möglich sein, einige dieser Dienste eigenständig zu betreiben. Bei kostenlosen Angeboten wie „Thunderbird Send“ seien hingegen Einschränkungen notwendig, um Missbrauch zu verhindern.
Angaben zum genauen Startzeitpunkt der geplanten Dienste oder zum Stand ihrer Entwicklung machte Sipes nicht.
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Mozilla Thunderbird Download
4,7 SterneMozilla Thunderbird ist ein E-Mail- und Newsgroup-Client mit ausgereiftem Spam- und Phishing-Filter.
- Version 137.0 Deutsch
- Version 128.9.0esr Deutsch
- Version 115.18.0esr Deutsch

