Project Zenith: Microsoft verlangt 64 GB RAM und 250 GB/s

Philipp Ernicke
94 Kommentare
Project Zenith: Microsoft verlangt 64 GB RAM und 250 GB/s
Bild: AMD

Mit Project Zenith definiert Microsoft nach den Copilot+ PCs eine weitere Hardwareklasse für Windows 11. Die vorkonfigurierten Entwickler-PCs benötigen mindestens 64 GB Unified Memory und 250 GB/s Speicherbandbreite. Dafür sollen sie KI-Modelle mit mehr als 30 Milliarden Parametern lokal ausführen können.

Windows 11, wie es Entwickler gerne hätten

Während Microsoft Windows 11 für gewöhnlich mit neuen Funktionen anreichert, zeichnet sich Project Zenith mindestens ebenso sehr durch abgeschaltete Elemente aus. Das Unternehmen beschreibt das neue Angebot als ablenkungsfreie und sofort einsatzbereite Windows-Umgebung für Entwickler.

Dafür passt Microsoft zahlreiche Standardeinstellungen des Betriebssystems an. Der Datei-Explorer zeigt ab Werk bekannte Dateiendungen, versteckte Dateien und den vollständigen Pfad in der Titelleiste an. Außerdem ist die Unterstützung langer Dateipfade aktiviert und der Detailbereich eingeblendet. Zuletzt verwendete Dateien und Ordner sowie Hinweise von Synchronisierungsanbietern werden hingegen nicht angezeigt.

Auch im Startmenü kehrt mehr Ruhe ein: Microsoft deaktiviert Tipps und Kontobenachrichtigungen. Die über PowerToys bereitgestellte Command Palette ist standardmäßig eingeschaltet. Einige dieser Änderungen dürften sich auch viele Anwender wünschen, die mit Softwareentwicklung nichts zu tun haben.

Entwicklungswerkzeuge sind bereits installiert

Bei Project Zenith handelt es sich allerdings nicht lediglich um Windows 11 mit einigen veränderten Einstellungen. Die ausgelieferten Systeme sollen bereits mit einer Auswahl häufig genutzter Entwicklungswerkzeuge eingerichtet sein. Windows Terminal und Visual Studio Code befinden sich direkt in der Taskleiste.

Zu den von Microsoft gezeigten Anwendungen und Komponenten gehören darüber hinaus GitHub Copilot, PowerToys, WinAppCLI und Windows Dev Skills. Berücksichtigt werden sollen zudem Programmiersprachen, Laufzeitumgebungen, Quellcodeverwaltung und weitere Produktivitätswerkzeuge. Entwickler können, so die Idee, einen neuen Rechner dadurch möglichst ohne eine mehrstündige Ersteinrichtung verwenden.

Auch das Windows Subsystem for Linux (WSL) spielt eine zentrale Rolle. Microsoft verweist unter anderem auf die zur Build 2026 vorgestellten WSL-Container, mit denen sich Linux-Container unmittelbar unter Windows erstellen, ausführen und verwalten lassen.

Mindestens 64 GB schneller Unified Memory

Project Zenith ist nicht als frei installierbare neue Windows-Edition angekündigt. Stattdessen soll die vorkonfigurierte Umgebung auf leistungsfähigen Entwickler-PCs angeboten werden. Microsoft nennt dafür mindestens 64 GB Unified Memory und eine Speicherbandbreite von mehr als 250 GB/s als Voraussetzung. CPU, integrierte GPU und gegebenenfalls die NPU greifen bei dieser Speicherarchitektur auf denselben Arbeitsspeicher zu. Anders als bei einer dedizierten Grafikkarte muss ein KI-Modell deshalb nicht vollständig in einen separaten, häufig deutlich kleineren Grafikspeicher passen.

Welche Geräte Project Zenith erhalten, steht allerdings erst teilweise fest. Ausdrücklich bestätigt ist zunächst AMDs Ryzen-AI-Halo-Entwicklerplattform mit Ryzen AI Max+ 395 und 128 GB LPDDR5X. Die von AMD inzwischen angekündigte Nachfolgeplattform mit Ryzen AI Max+ Pro 495 kann sogar 192 GB aufnehmen, von denen sich bis zu 160 GB der integrierten Radeon-GPU zuweisen lassen.

Auch der zur IFA vorgestellte Lenovo ThinkCentre X Ultra erfüllt in der größten Konfiguration die von Microsoft genannten Eckdaten: Der Mini-PC kombiniert Ryzen AI Max+ Pro 495 mit 128 GB LPDDR5X-8533. Offiziell als Project-Zenith-Gerät bestätigt wurde er bislang jedoch nicht. Microsoft kündigt lediglich weitere Geräte in den kommenden Monaten und dabei ausdrücklich auch andere Prozessorplattformen an.

Wie sich der gemeinsame Speicher zwischen CPU und GPU aufteilen lässt, hat die Redaktion bereits im Test des AMD Ryzen AI Max+ 395 ausführlich betrachtet.

Project Zenith erinnert an die Copilot+ PCs

Das Konzept ist nicht völlig neu. Bereits mit den Copilot+-PCs hat Microsoft eine eigene Geräteklasse geschaffen, die bestimmte Windows-Funktionen an Mindestanforderungen bei der Hardware bindet. Ein Copilot+ PC benötigt insbesondere eine NPU mit mindestens 40 TOPS sowie mindestens 16 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz. Nur auf solchen Geräten stehen Funktionen wie Recall, Click to Do und die erweiterte Windows-Suche vollständig zur Verfügung.

Project Zenith setzt die Grenze deutlich höher, verfolgt aber ein anderes Ziel. Während Copilot+ PCs KI-Funktionen für reguläre Anwender beschleunigen sollen, richtet sich Project Zenith an Entwickler, die größere Modelle und KI-Agenten lokal ausführen. Microsoft spricht von Modellen mit mehr als 30 Milliarden Parametern, die ohne laufende Kosten für Cloud-Token genutzt werden können. Die Ryzen-AI-Halo-Plattform erfüllt zugleich die Anforderungen an einen Copilot+ PC, beide Klassifizierungen können sich somit überschneiden.

Unsere Community-Benchmarks: Mach mit!
- 3DMark Steel Nomad + X
- Cinebench 2026
- Gears of War: E-Day (neu!)
- Apple M1 – M6
Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Dir gefällt ComputerBase? Lasse dir unsere neuesten Artikel in der Google-Suche ganz oben anzeigen!