Desktop
Mobile Footer
Retro

Im Test vor 15 Jahren: Das HP TouchPad und der Tod von webOS

Robert McHardy
15 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Das HP TouchPad und der Tod von webOS

Nachdem HP im Sommer 2010 den Hersteller Palm samt seiner Produktsparte und des Betriebssystems webOS übernahm, folgte im Jahr 2011 die Einstellung der Mobilgeräte TouchPad (Test), Pre3 und Veer samt des Betriebssystems. Während die Hardware zu wünschen übrig ließ, ging mit webOS ein vielversprechendes Betriebssystem verloren.

Kein Erfolgsrezept

Das HP TouchPad war mit einem Gewicht von 740 Gramm und Abmessungen von 240 × 190 × 13,7 mm selbst für das Jahr 2011 ein stattliches Tablet. Zum Vergleich: Das Apple iPad 2 war gute 140 Gramm leichter und mit 8,8 statt 13,7 mm deutlich dünner. Damit war das TouchPad nicht nur objektiv pummelig, sondern fühlte sich auch dick und etwas unförmig an. Die abgerundeten Kanten und Ecken trugen zu diesem Eindruck bei.

Das 9,7-Zoll-Display, das von einem rund zwei Zentimeter dicken Rand umgeben wurde, wies eine Auflösung von 1.024 × 768 Pixeln auf. Damit lag es hier theoretisch mit dem iPad 2 gleichauf. Bereits bei der Verarbeitung zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede: Die Scheibe schloss nicht bündig mit dem Gehäuse, sodass durch den entstehenden Spalt Staub und andere Fremdkörper eindringen konnten. Und während der Kontrast und die Blickwinkel keinen Anlass zur Kritik ließen, erweckte das HP TouchPad bei der Bildschirmhelligkeit keine Freudensgefühle. Die Leuchtkraft fiel beim TouchPad um nahezu ein Drittel geringer aus als beim iPad 2 und obendrauf war das Tablet ein echter Fingerabdruckmagnet.

HP TouchPad
Typ: Tablet
OS: webOS 3.0.2
Display:
(Auflösung)
9,7", IPS
1.024 × 768 Pixel
Display-Art: Touchscreen, kapazitiv
Bedienung: Touch, zentraler Knopf
CPU: Dual-Core, 1,2 GHz (Qualcomm APQ8060)
Arbeitsspeicher: 1 GByte
Speicher: 16 GByte (32, 64 GByte ebenfalls erhältlich)
Verbindungen: WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 2.1
Kamera: Keine rückwärtige Kamera, 1,3-MP-Frontkamera
Akku (mAh): 6.300
Abmessung: 240 × 190 × 13,7 mm
Gewicht: 740 Gramm
Audio: MP3, AAC, AAC+, eAAC+, AMR, QCELP, WAV
Video: MPEG4, H.264, H.263
Lieferumfang: HP TouchPad, Reinigungstuch, Ladegerät, Micro-USB-Kabel, Kurzanleitung

Bei der verbauten Hardware konnte das TouchPad eigentlich mit einer schnellen CPU in Form des Qualcomm APQ8060 mit zwei Kernen bei 1,2 GHz glänzen. Dazu spendierte HP dem Tablet ein GByte Arbeitsspeicher sowie zwischen 16 und 64 GByte Flash-Speicher. In der Praxis kam davon aber wenig an. Das TouchPad genehmigte sich bei der Nutzung gerne längere Denkpausen und auch generell war der Nutzungseindruck von ruckelnden Apps geprägt. Aufgrund der theoretisch starken Hardware lag als Schuldiger das unoptimierte Betriebssystem webOS nahe. Auch bei der Akkulaufzeit musste das TouchPad zurückstecken: Im 720p-Video-Test erreichte das TouchPad nur 3:30 Stunden, während das iPad 2 beispielsweise auf 7:30 Stunden kam.

Diagramme
Display-Werte
  • Helligkeit max.:
    • LG Optimus 3D
      425
      Weißpunkt: ca. 6.800
    • Sony Ericsson Xperia Arc
      394
    • Samsung Galaxy S II
      371
    • LG Optimus Pad (V900)
      363
      Weißpunkt: ca. 6.100
    • Apple iPad 2
      363
      Weißpunkt: ca. 6.300
    • HTC Sensation
      350
      Weißpunkt: ca. 5.900
    • Samsung Galaxy Ace
      334
      Weißpunkt: ca. 7.600
    • HTC Flyer
      331
      Weißpunkt: ca. 6.000
    • Acer Iconia Tab A500
      312
      Weißpunkt: ca. 6.000
    • Motorola Xoom
      304
    • HP TouchPad
      263
      Weißpunkt: ca. 6.300
    • Sony Ericsson Xperia Play
      256
    • Nokia E6
      181
      Weißpunkt: ca. 8.000
    • Sony Ericsson Xperia Neo
      143
      Weißpunkt: ca. 5.700
  • Helligkeit min.:
    • LG Optimus 3D
      5
    • Nokia E6
      7
    • Sony Ericsson Xperia Neo
      7
    • Sony Ericsson Xperia Arc
      8
    • Apple iPad 2
      10
    • HP TouchPad
      13
    • HTC Sensation
      15
    • Sony Ericsson Xperia Play
      23
    • Motorola Xoom
      30
    • Acer Iconia Tab A500
      33
    • HTC Flyer
      43
    • LG Optimus Pad (V900)
      46
    • Samsung Galaxy S II
      48
    • Samsung Galaxy Ace
      66
  • Kontrast:
    • Samsung Galaxy S II
      5.000:1
      OLED-Display
    • Sony Ericsson Xperia Neo
      1.588:1
    • Sony Ericsson Xperia Play
      1.280:1
    • Acer Iconia Tab A500
      1.100:1
    • LG Optimus 3D
      1.089:1
    • Motorola Xoom
      1.050:1
    • HTC Flyer
      780:1
    • LG Optimus Pad (V900)
      772:1
    • Apple iPad 2
      772:1
    • HP TouchPad
      710:1
    • Sony Ericsson Xperia Arc
      596:1
    • Nokia E6
      548:1
    • HTC Sensation
      538:1
    • Samsung Galaxy Ace
      265:1
    Einheit: Kontrast

Interessante Ansätze in webOS

Abseits der Leistungsprobleme konnte webOS mit einigen interessanten Ansätzen punkten. Im Mittelpunkt stand ein Kartensystem, bei der jede App als Karte auf dem Startbildschirm visualisiert wurde und so zwischen den Apps leicht gewechselt werden konnte. Ein System, das heute ähnlich aus iOS und Android bekannt ist, aber damals neuartig war. Damit galt, dass webOS im Grunde auf eine unkonventionelle, aber gut-strukturierte Oberfläche setze. Ungewöhnlich war, dass das TouchPad über keine rückwärtige Kamera verfügte und die Frontkamera ausschließlich über Skype benutzt werden konnte.

Pluspunkte konnte das TouchPad für den für damalige Standards guten Klang sammeln. Zudem stach der in webOS integrierte Browser positiv heraus: Gesten wie Pinch-to-Zoom wurden flüssig wiedergegeben und anders als bei iOS wurde das im Jahr 2011 immer noch relevante Flash unterstützt. Ebenfalls fand die großzügig ausgelegte Bildschirm-Tastatur mit guter Autokorrektur Anklang. Daneben fand sich eine gut umgesetzte E-Mail-App sowie Bing Maps und soziale Medien wie Facebook und Twitter auf dem TouchPad. Während webOS zwar generell tausende Apps im eigenen App Store anbot, waren es für Tablets wie das TouchPad nur mehrere Hundert, sodass die Auswahl oft begrenzt war.

Fazit

Das HP TouchPad war am Ende des Tages kein Konkurrent für ein Apple iPad oder andere Tablets, die oft deutlich ausgereifter waren. Das fing bei den klobigen Abmessungen an, ging über die unvollständige Ausstattung und endete bei dem unoptimierten Betriebssystem mit kleinem App Store. Schade war es dennoch, als HP im Jahr 2011 nicht nur das TouchPad, sondern auch mit webOS das dazugehörige Betriebssystem einstellte. Trotz der mangelhaften Optimierung brachte webOS viele eigene Ideen und frische Luft in den Mobilmarkt.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase.

Billboard März 2026
Gamescom 2026 (26.–30. August 2026): ComputerBase ist vor Ort!
Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Dir gefällt ComputerBase? Lasse dir unsere neuesten Artikel in der Google-Suche ganz oben anzeigen!