Intel-Fabriken: Eher die Lizenz eines Foundry-Prozesses als Verkauf der Fabs

Update 2 Volker Rißka
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Intel-Fabriken: Eher die Lizenz eines Foundry-Prozesses als Verkauf der Fabs
Bild: Intel

Viele Gerüchte kochten zuletzt hinsichtlich Intels Fabriken hoch, stets werden dabei Verkaufsoptionen an TSMC und Samsung wieder hervorgeholt. Jetzt erklärte Intels CEO Bob Swan, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, beispielsweise eine Lizenz einer Foundry zu nutzen, um dann in eigenen Fabriken damit Intel-Chips zu fertigen.

Ein Verkauf der Intel-Fabriken gilt nach den neuen Aussagen, die fünf US-Medien von Intels CEO Bob Swan erhalten haben, als nahezu ausgeschlossen. Denn wo sollte Intel auch hin, die Kapazitätsprobleme bei Samsung und vor allem TSMC sind groß, es ist ein riesiger Vorteil von Intel. Wären da nur nicht die Probleme mit dem Fertigungsprozess.

Eigene Fertigungsstraße mit fremdem Prozess

In diesem Punkt könnte sich Intel vorstellen, in den eigenen Fertigungsstraßen beispielsweise TSMCs oder Samsungs Prozess unter Lizenz zu nutzen, um eigene Produkte zu fertigen. Das würde einerseits die beiden großen Auftragsfertiger entlasten, die vor allem als TSMC ohnehin rund 20 Prozent der Intel-Chips bauen, und parallel dazu Intel ermöglichen, weitere Produkte auf mehrere Beine zu stellen und die Lücken zum eigenen Fertigungsprozess zu schließen.

Ein Beispiel der jüngeren Geschichte war Globalfoundries. Mit ihrem eigenen 14-nm-Prozess gescheitert, nutzen sie seitdem einen Prozess unter Lizenz von Samsung, der bis heute Chips für aktuelle AMD Ryzen 5000 und AMD Epyc ausspuckt und das auch noch weit bis in das nächste Jahr tun wird. Denn auch dort gibt es das Problem, dass kleinere Chips zwar gut wären, doch wer soll sie fertigen und hat die Kapazitäten dafür?

Pause für frischen Neustart

Intel könnte mit einer entsprechenden Lizenz von Samsung oder TSMC für 7 oder gar 5 nm beispielsweise die künftige eigene 7-nm-Fertigung (etwa für Sapphire Rapids) reduzieren oder aufgeben und sich auf einen Neustart bei 5 oder gar 3 nm konzentrieren. Alle Hersteller nutzen auf den ersten Blick ähnliche technischen Gerätschaften, da es für diese nur wenige Anbieter in der Welt gibt, die Fabriken ausrüsten. Doch Intel setzt als einziger massiv auf Systeme von Nikon, ist mit bis zu 90 Prozent Umsatz ihrer Lithografiesparte deren wichtigster Kunde.

Die Umrüstung würde dementsprechend nicht ganz einfach sein und viel Zeit in Anspruch nehmen und vermutlich nur an einem oder zwei Standorten umgesetzt werden. Wie neben THG auch Anandtech berichtet, verneinte Swan diese Optionen nicht.

Intels Verhalten hinsichtlich der eigenen Fabriken wird sich ändern, das steht fest. Im Zuge der Bekanntgabe der Quartalszahlen Ende Januar oder kurz darauf will Intel seine Strategie genauer vorstellen. Doch mehr oder minder stehen die Zeichen darauf, dass die eigenen Fabriken nicht abgegeben werden.

Update

Ein Report der Marktforscher von TrendForce spricht dafür, dass Intel sehr viel Produktion an TSMC abgeben wird. Bereits Ende dieses Jahres soll in 5 nm eine CPU-Serie aufgelegt werden – das Gerücht ist nicht ganz neu und sprach bereits vor einigen Monaten von einem Core i3 oder kleiner in 5 nm.

Dass jedoch im kommenden Jahr bereits Intel-CPUs in 3 nm von TSMC erscheinen, weckt weitere Zweifel. Damit wäre Intel quasi gleichgestellt mit Apple, die Kapazitäten für eine komplett neue Fertigungsstufe, die erst zum zweiten Halbjahr 2022 in Großserie fertigen soll, sind jedoch extrem begrenzt. Zuletzt waren zudem Berichte aufgetaucht, dass TSMCs 3-nm-Prozess noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Update

Mit dem neuen CEO Pat Gelsinger wird Intel die Entscheidung über die Fabs ein wenig verzögern. Gelsinger erklärte in einer Ansprache an die Intel-Mitarbeiter, dass die Fabriken „the power and soul“ des Unternehmens sind. „Man müsse in Zukunft wieder bessere Produkte liefern als ein Lifestyle-Unternehmen aus Cupertino“ erklärte Gelsinger weiter – dort hat Apple seinen Stammsitz.