Corsair Vengeance K60 und K90 im Test: Cherry & Rubberdome bunt gemischt

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Max Doll
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Tastencheck

Blau, Braun, Rot und Schwarz: Cherrys MX-Schalter gibt es in vier Farben mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sich durch eine durchschnittliche Lebensdauer von 50 Millionen Anschlägen bei einem stets gleichbleibenden Tippgefühl auszeichnen. Dies grenzt sie von den in günstigeren Tastaturen verwendeten „Rubberdome“-Schaltern ab, die aufgrund des Einsatzes einer Gummimatte nicht nur an einer deutlich kürzeren Haltbarkeit kranken, sondern auch unter materialbedingten Alterungsprozessen leiden.

Cherry MX „Red“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)
Cherry MX „Red“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)

Ein Nachteil der mechanischen Schalter ist jedoch unter anderem neben der teils deutlich gesteigerten Lärmentwicklung beim Tippen ihr immenser Fertigungsaufwand, da für jedes Exemplar drei Einzelteile hergestellt werden müssen. Das treibt die Kosten entsprechend in die Höhe. Immerhin wird für Cherry-Schalter, wie für die meisten Premium-Produkte, eine ganze Bandbreite an Zubehör angeboten. Erhältlich sind unter anderem Caps in verschiedenen Fertigungsverfahren und Designs sowie beispielsweise „O-Ringe“. Hierbei handelt es sich im Prinzip um Unterlegscheiben aus Gummi, die zwischen Cap und Schalter geklemmt werden. Diese verhindern das „klackernde“ Geräusch, das durch das Ausnutzen des gesamten Anschlagweges der Schalter entsteht und die Lärmkulisse effektiv reduziert.

Die von Corsair verbauten, rot kodierten Cherry-Schalter zeichnen sich durch einen Federweg von insgesamt vier Millimeter bei linear steigendem Widerstand aus. Wie bei höherwertigen „Mechas“ üblich sind diese nicht direkt auf dem PCB sondern auf einer Metallplatte fixiert, also „plate mounted“. Ein Signal übertragen die linearen Schalter im Gegensatz zu Rubberdome-Tastaturen schon bei der Hälfte des Tastenweges und rund 45 Gramm Kraftaufwand. Das vollständige Durchdrücken ist damit ebenso wie das Überwinden eines spezifischen Widerstandes, der bei den günstigen „Gummiglocken“ in direkter Nachbarschaft bei etwa 60 Gramm liegt, nicht nötig. Dies kann die Tippgeschwindigkeit insgesamt erhöhen, da Tasten in etwas schnellerer Reihenfolge hintereinander gedrückt werden können. Der Vorteil liegt wie bei den MX-Blacks mit 60 Gramm Auslösewiderstand durch das Fehlen eines Signalpunktes speziell in der Möglichkeit, während des Drückens einer Taste bereits eine weitere „auf den Weg“ zu schicken. Weil aufgrund dieser Bauart außerdem keine Auslösebestätigung abseits einer Eingabe auf dem Bildschirm erfolgt, können geübte Nutzer das bei der Nutzung entstehende Geräuschniveau mit etwas Übung erheblich verringern, indem sie die Schalter nicht bis zum Schaftende herunterdrücken. Dies setzt idealerweise aber „Touch Typing“, also das 10-Finger-System und eine hohe Treffsicherheit voraus, denn aufgrund des geringeren Widerstandes der roten Switches erhöht sich die Chance von versehentlich gedrückten Tasten. Eine sogenanntes „taktiles“ Feedback beim Tippen mit einem exponentiell auf den Signalpunkt hin ansteigenden Widerstand mit wahlweise akustischem Feedback vermitteln erst braun oder blau codierte Schalter.

Alltagserfahrungen

Wie bei allen Tastaturen mit Cherry-Schaltern unterschiedet sich das Tippgefühl identisch bestückter Modelle untereinander nicht, weshalb zwischen der K-Serie und Modellen anderer Hersteller wie beispielsweise der Gigabyte Osmium diesbezüglich kein Unterschied auszumachen ist. Die hochwertigen Varianten finden sich allerdings nur unter dem primären Tastenblock, mit Buchstabenfeld und Zahlen, dem Numpad und den Pfeiltasten. Alle übrigen Schalter von den „F“-Tasten bis hin zum Funktionsblock um „Entfernen“ greifen inklusive der zusätzlichen „G“-Keys an der K90 auf günstige Gummiglocken-Technik zurück.

Im Vergleich mit Rubberdome-Versionen gestaltet sich der Wechsel auf die roten Switches prinzipiell einfach, da der maximale Widerstand von etwa 45 Gramm auf gewohntem Niveau liegt. Das Touch-Typing erfordert nach den Erfahrungen des Autors jedoch eine längere Eingewöhnungsphase, weil Corsair nicht ausschließlich mechanische Schalter verbaut – zusammen mit der linearen Charakteristik und dem ungewohnt niedrigen Auslösewiderstand neigt man leichter dazu, die Caps bis an den Schaftboden zu hämmern. Gerade für Umsteiger ist das Fehlen eines Auslösewiderstandes in Verbindung mit dem relativ frühen Signalpunkt ohnehin ungewohnt. Danach reduziert sich das Lautstärkeniveau der Schalter aber erheblich, wobei die linearen Modelle ohnehin zu den leiseren gehören. Im Vergleich mit den schwarzen Schaltern tippt es sich danach ebenso schnell wie leise und dank des geringen Widerstandes federleicht. Versehentlich ausgelösten Tasten aufgrund nicht präzise getroffener Tasten waren allerdings ein länger auftauchendes Problem, wenngleich die Caps selbst aufgrund ihres Abstandes von fünf Millimetern in vertikaler und sechs Millimetern in horizontaler Ebene gut voneinander differenziert werden können. Lediglich die „G“-Tasten der K90 stehen mit jeweils fünf Millimetern dichter beisammen, was die horizontale Unterscheidung aufgrund der kleineren Caps etwas erschwert. Durch das hohe Gehäuse sowie die Höhe der Tasten selbst empfiehlt sich bei mechanischen Tastaturen stets die Verwendung der Handballenauflage. Wie immer bei Eingabegeräten und gerade mechanischen Tastaturen gilt aber, dass sich Erfahrungen Einzelner nicht als Referenz heranziehen lassen, da letztlich das individuelle Empfinden des jeweiligen Nutzers entscheidend ist.

Im Alltag gestaltet sich der Schaltermix auf der K60 und K90 zum Glück nicht so störend wie vielleicht anzunehmen wäre. Denn die mit den günstigeren Rubberdome-Schaltern bestückten Tasten werden beim Spielen – abhängig von jeweiligen Titel – und Schreiben vergleichsweise selten gedrückt. Dies muss jedoch nicht unbedingt auch für die „G“-Keys gelten, die auch im Desktop etwa für Programmstarts oder Tastenkombinationen genutzt werden können. Aus der Welt schaffen lässt sich der Gegensatz also nicht. Zwar verbaut Corsair „Gummiglocken“, die bis auf die härter bestückten Mediatasten dank eines weichen und relativ schwammigen Druckpunktes zumindest gefühlt im weitesten Sinne ähnlich der Cherry-Schalter auslösen, allerdings müssen die Gummiglocken-Switches zwingend bis zum Anschlag gedrückt werden, um ein Signal zu übertragen. Mit zunehmender Gewöhnung an die linearen „Rotkappen“ mutiert dies zu einem Ärgernis, weil man die Cherry-Schalter nicht mehr den gesamten, vier Millimeter langen Schaftweg herunterdrückt – und somit keine zuverlässigen Eingaben an den konventionellen Switches mehr tätigt. Dafür verantwortlich ist neben der unterschiedlichen Charakteristik die Differenz des Auslösewiderstandes selbst, der bei den Cherry-Modellen nur 45 Gramm, bei den Rubberdome-Gegenstücken aber unseren Feldversuchen rund 60 Gramm beträgt. Eine effektive Eingewöhnung war deshalb nur bis zu einem gewissen Punkt möglich, da der Unterschied im Anschlags- und Ansprechverhalten stets fühlbar blieb. Während des Schreibens kam es daher immer wieder zu nicht ausgelösten Tasten, während die Unterschiede in der Anschlagsdynamik stets wahrnehmbar präsent blieben. Tendenziell führten diese Faktoren zu einer weitestgehenden Vermeidung von Rubbertome-Tasten etwa durch den stärkeren Einbezug der Maus. Speziell für die solcherart bestückten Makrotasten der K90 eine eher ungünstige Kombination, denn was in Spielen Vorteile bringen soll, muss auch zuverlässig ausgelöst werden wollen und können.

Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90

Die alternativen Keycaps der K60 waren auch nach längerem Gebrauch haptisch und formal gut von anderen Tasten differenzierbar, wozu auch die relativ hohe Handballenauflage beiträgt – wenngleich das Modell zum Schreiben von Texten definitiv nicht geeignet ist. Lob verdienen sich auch die sinnvoll angeordneten Mediatasten und insbesondere das Wahlrad zur Lautstärkeregelung, welches dank der feinen, aber unaufdringlichen Rasterung und der metallischen Materialien einen hochwertigen Eindruck vermittelt und gleichzeitig eine präzise sowie schnelle Audioregelung ermöglicht. Die Media-Shortcuts für die Steuerung des jeweiligen Abspielprogrammes sind hingegen nicht optimal durchdacht. Zwar ist die Platzierung selbst sinnvoll, durch die flachen Caps und die Nähe zu den deutlich höheren Normtasten bleiben die Finger, sofern sie nicht in eher spitzem Winkel angeflogen kommen, aber zu häufig am Numpad hängen. Die Tasten zum Umschalten der Profile an der K90 sind davon aufgrund ihres höheren Abstandes zur letzten Tastenreihe weniger stark betroffen, wobei auch hier die Anordnung ergonomisch sinnvoll ist.

Ohne Fehl und Tadel waren die versprochenen Gaming-Eigenschaften. Ghosting und Blocking waren nicht feststellbar, während das Key-Rollover von 20 problemlos erreicht wurde. Da selbst mit einem Makro Tasten nicht parallel gedrückt werden können, dürfte dieser Wert im Alltag ohnehin nicht einmal annähernd erreicht werden.

Corsair K60 & K90 - Aqua'S KeyTest
Corsair K60 & K90 - Aqua'S KeyTest