BlackBerry KeyOne im Test: Tastatur-Smartphone mit langer Laufzeit
2/2DTEK-App als sinnvolle Hilfe
Die DTEK-App ist eine Art Ratgeber mit Sicherheitstipps für den Anwender. Auf einer rot, gelb und grün gefärbten Skala lässt sich schnell einsehen, wie gut es um die Sicherheit des Smartphones bestellt ist. Darunter findet man eine Liste, die auf einzelne Punkte im Detail eingeht, sodass vom Anwender Einstellungen vorgenommen werden können, um ein für die App optimales Ergebnis zu erzielen. Im Test bewertete die App die Gerätesicherheit mit der zweitbesten von fünf Stufen innerhalb des grünen Bereiches „optimal“. Für die höchste Stufe hätte als Bildschirmsperre kein Wischmuster, sondern eine sicherere PIN oder ein Passwort festgelegt werden müssen.
Von der DTEK-App bewertet werden auch Geräteeigenschaften wie die Berechtigungen von Apps, die Datenverschlüsselung, die Version des Betriebssystems, ob die Entwickleroptionen aktiviert sind, ob die Geräte-Hardware verändert wurde, ob die Remote-Verwaltung genutzt wird, ob nur Google-Play-Apps installiert werden können und ob die Integrität des Betriebssystems gewährleistet werden kann. Für jeden Unterpunkt hinterlegt BlackBerry eine kurze Beschreibung, sodass auch IT-Laien sie verstehen können. Die App gibt auch leicht verständliche Tipps, wie für jeden Punkt im Falle eines unzureichenden Schutzes Verbesserungen vorgenommen werden können. Zudem ist es möglich, spezielle Benachrichtigungen bei Ereignissen zu erhalten. Im Großen und Ganzen ist die DTEK-App eine sinnvolle Ergänzung speziell für Android-Anfänger.
Sicherheitseinstellungen
Was die „integrierten Sicherheitseinstellungen“ sein sollen, lässt sich nicht einfach herausfinden. Immerhin hat jedes Android-Smartphone integrierte Sicherheitseinstellungen, sie müssen nur genutzt werden. Im Werkszustand konnten unter Android keine besonderen Sicherheitseinstellungen festgestellt werden, die nicht auch andere Android-Smartphones bieten. Die Geräteverschlüsselung wird zum Beispiel schon seit längerer Zeit von Google vorgeschrieben. Neue Android-Geräte dürfen nicht mehr ohne dieses Feature auf den Markt gebracht werden.
Auf der kanadischen Webseite von BlackBerry geht das Unternehmen mehr auf die speziellen Veränderungen ein, als es auf der Seite für das Gerät selbst der Fall ist. Dort ist die Rede von einem besonders sicheren Linux-Kernel, Schutzmaßnahmen gegen Hacker-Angriffe sowie einer sicheren Bootchain, um Manipulationen am System zu verhindern. Nach außen hin bekommt der Nutzer nichts von diesen Veränderungen mit, sie haben auch keinen negativen Einfluss auf die Leistung oder Kompatibilität zu Apps aus dem Play Store.
Mit dem „Password Keeper“ hat BlackBerry eine zusätzliche App auf dem System installiert, die sich mit dem Thema Sicherheit und deren Komfort beschäftigt. Der Password Keeper ist ein Passwortmanager, der hinter einem Passwort alle Passwörter eines Nutzers aufbewahren kann. Dabei sollte jedoch tunlichst ein extrem starkes Passwort gewählt und auf die Freischaltung per Fingerabdruck verzichtet werden.
BlackBerry Hub räumt auf
Neben dem Thema Sicherheit schreibt sich BlackBerry auch Produktivität groß auf die Fahne. Das KeyOne definiert sich in diesem Aspekt vor allem über das „BlackBerry Hub“. Es ist die zentrale Verwaltungsstelle für alle E-Mail-Konten, Kurznachrichten und Social-Media-Auftritte des Nutzers. BlackBerry versammelt alle eingehenden Benachrichtigungen dieser Dienste sauber sortiert in einem Hub und erlaubt das Antworten und Reagieren, ohne die App verlassen zu müssen.
Alle hinterlegten Konten sind übersichtlich nach Typ und alphabetisch in einem von links ausziehbaren Menü gespeichert. Wer in der Hauptansicht des Hubs von oben nach unten wischt, gelangt in eine Kalenderübersicht und sieht die nächsten anstehenden Termine ein. Eine Verknüpfung zum Kalender führt in die vollständige Ansicht der App. In den mächtigen Einstellungen des Hubs lässt sich für jedes Konto definieren, welche Farbe es haben soll, wie es sortiert werden soll, ob es überhaupt im Hub erscheinen soll und wie mit Benachrichtigungen umgegangen werden soll.
Sehr gut ist die E-Mail-Funktion, Unterordner mehrerer IMAP-Konten dauerhaft zu synchronisieren. Diese Features beherrschen nicht einmal die E-Mail-Apps von Apple und Google. E-Mails, die durch Filterregeln vom Posteingang in Unterordner verschoben werden, sind dadurch stets im Überblick. Das Feature muss zwar für jeden Unterordner einmal aktiviert werden, funktioniert dann aber tadellos. Unter Android und iOS muss für das Abrufen dieser E-Mails jedes Mal wieder manuell der Unterordner aufgerufen werden.
Unsichtbare Widgets
BlackBerry hat darüber hinaus nur sehr wenige Veränderungen an Android vorgenommen, was eine positive Eigenschaft ist. Für Widgets gibt es eine Sonderfunktion, damit diese per Wischgeste über das App-Symbol geöffnet werden können. Das macht den Weg frei für mehr App-Symbole auf den Homescreens, und dennoch fallen die normalerweise Platz fressenden Widgets nicht weg.
Der von BlackBerry verwendete Launcher orientiert sich am Google Launcher, bietet aber keine Seite für Google Now und ist im App-Drawer etwas anders organisiert. Neben den Apps stehen dort auch Widgets und Verknüpfungen zur Auswahl. Diese Verknüpfungen entsprechen denen für die Tastatur und die Komforttaste. Statusleiste, Schnelleinstellungen und vollwertige Einstellungen hat BlackBerry bis auf wenige gerätespezifische Funktionen unangetastet gelassen – sehr gut!
Mittelklasse-Leistung
Das KeyOne kratzt mit seinem unverbindlichen Preis von 599 Euro am High-End-Segment, bietet in puncto System on a Chip aber nur solide obere Mittelklasse. Immerhin stammt der Qualcomm Snapdragon 625 aus der modernen 14-nm-Fertigung von Samsung (LPP) und belastet den mit 3.505 mAh äußert üppig dimensionierten Akku nicht zu stark. In Kombination mit dem vergleichsweise kleinen 4,5-Zoll-Display erreicht das KeyOne sehr gute Laufzeiten. Das Smartphone ist mit 3 GByte RAM ausgestattet und bietet 32 GByte internen Speicher, der per microSD-Karte um theoretisch bis zu 2 TByte erweitert werden kann, sofern solche Karten in Zukunft verfügbar sein werden.
Der Snapdragon 625 in Kombination mit 3 GByte Arbeitsspeicher ist im Alltag schnell genug, mit aktuellen Flaggschiffen kann BlackBerry allerdings nicht mithalten. Die Ladezeiten von Apps sind länger, zudem vergeht vom Touch bis zum Ausführen des Befehls mehr Zeit als auf Geräten mit schnellerem SoC. Das Google Pixel (Test) ist im Android-Segment weiterhin der Spitzenreiter im Alltag, wenngleich dessen Snapdragon 821 nicht mehr die Benchmarks anführt. Die Leistung des Snapdragon 625 fällt im Alltag jedoch nicht negativ im Sinne von störend langsam oder hinderlich bei der Bedienung auf. Erst im Direktvergleich merkt man, dass es nicht zur Spitze zählt.
Fantastische Laufzeiten
Das KeyOne glänzt dafür aber immerhin mit exzellenten Laufzeiten. Im Test waren zwei Tage Nutzung mit dem 3.505-mAh-Akku möglich. Um 23:34 Uhr des zweiten Tages schaltete sich das KeyOne schließlich von selbst ab. Die Screen-on-Zeit lag über zwei Tage verteilt bei knapp fünf Stunden. Das Telefon war im LTE-Netz der Deutschen Telekom eingebucht, außerdem wurde für einen Großteil der Zeit Bluetooth für Google Play Music über Kopfhörer verwendet. Auf dem Gerät waren ein Gmail-Konto und drei IMAP-Konten, WhatsApp, Facebook, Facebook Messenger und Twitter konfiguriert und wurden mehrfach über den Tag verteilt genutzt. Das eine oder andere YouTube-Video wurde auch abgespielt. Spiele wurden während des Tests nicht ausgeführt.
In den Akku-Benchmarks mit kalibrierten 200 cd/m² Display-Helligkeit bestätigt das KeyOne die sehr guten Erfahrungen aus dem Alltag. Der PCMark läuft fast zehneinhalb Stunden, im YouTube-Dauertest per WLAN gestreamt sind es über zwölf Stunden.
Pixel-Kamera ohne Pixel-Qualität
Von einem BlackBerry erwartet man üblicherweise keine besonders gute Kamera, die verbaute Hardware kann sich aber durchaus sehen lassen, wenngleich BlackBerry in puncto Software noch Potenzial nach oben hat. Im Prinzip steckt im KeyOne die Kamera-Hardware des Google Pixel: 12 Megapixel auf einem Sensor von Sony, f/2.0-Blende, keine optische Bildstabilisierung. Dass die gleiche Hardware nicht zu den gleichen Ergebnissen führt und dass die Bildverarbeitung durch ISP und andere Algorithmen heutzutage einen gewichtigen Anteil am Endergebnis haben, zeigt der Direktvergleich mit dem Google Pixel XL, das mehr aus der gleichen Hardware holt.
Im Vergleich zum Pixel XL wirken die Bilder ein wenig blass, manchmal auch eine Spur zu dunkel oder zu hell, was am schlechter abgestimmten Dynamikumfang liegt. Hier erreicht das Pixel XL sehr gute Ergebnisse. Das KeyOne beleuchtet des Öfteren Bildbereiche über und gleichzeitig an anderer Stelle unter, sodass die Balance verloren geht. Vom Schärfeniveau her gibt es nur wenig zu meckern, und auch im Direktvergleich zum iPhone 7 Plus (Test) steht das KeyOne noch gut da. Das zeigt wieder, wie viel sich am Markt seit der Einführung des neuen iPhones verändert hat. Apple ist schon seit längerer Zeit nicht mehr Primus. Die Bilder wirken oft blass und farblos.
Konnektivität
Das KeyOne wurde im Berliner Netz der Deutschen Telekom verwendet und zeigte keine besonderen Auffälligkeiten gegenüber anderen Geräten, die negativ auffielen. Die Sprachqualität sticht jedoch positiv hervor, das konnte in mehreren Telefonaten ins deutsche Festnetz, zu Vodafone und zu Telefónica bestätigt werden.
In Verbindung mit einem LG HBS-850 wurde Bluetooth primär für die Wiedergabe von Musik sowie gelegentlich für Telefonate verwendet. Auch hier gab es nichts an der Qualität auszusetzen. Bis Distanzen von circa zehn Metern auf freier Fläche konnte Bluetooth ohne Aussetzer verwendet werden, erst danach traten Lücken auf.
Die WLAN-Eigenschaften des KeyOne fallen indes weniger rosig aus, davon betroffen sind allerdings nur 2,4-GHz-Netze. Hier erzielt das KeyOne deutlich langsamere Transferraten als eine Reihe zuvor getesteter Geräte. An der Leistung mit 5 GHz gibt es hingegen nichts zu meckern, wenngleich keine neuen Rekorde aufgestellt werden.
BlackBerry KeyOne |
LG G6 |
Samsung Galaxy S8 |
Samsung Galaxy S8+ |
Lenovo Moto G5 |
Lenovo Moto G5 Plus |
Huawei P10 |
Huawei P8 Lite 2017 |
HTC U Play |
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WLAN | 2,4 GHz | b/g/n | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | |
5,0 GHz | a | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | × | ✓ | ||
ac | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ | × | × | ✓ | × | ✓ | |||
Asus RT-AC68* | 2,4 GHz | m:s | 2:53 | 0:38 | 1:04 | 1:07 | 2:40 | 2:41 | 1:38 | 2:43 | 2:43 | |
MB/s | 5,92 | 26,95 | 16,00 | 15,28 | 6,40 | 6,36 | 10,45 | 6,28 | 6,28 | |||
5,0 GHz | m:s | 0:30 | 0:27 | 0:14 | 0:15 | 1:17 | 1:15 | 0:29 | × | 0:32 | ||
MB/s | 34,13 | 37,93 | 73,14 | 68,27 | 13,30 | 13,65 | 35,31 | × | 32,00 | |||
ASRock AC2600** | 2,4 GHz | m:s | 10:54 | 10:03 | 5:32 | 5:39 | 11:48 | 12:36 | 9:40 | 3:01 | 2:27 | |
MB/s | 1,57 | 1,70 | 3,08 | 3,02 | 1,45 | 1,35 | 1,77 | 5,66 | 6,97 | |||
5,0 GHz | m:s | 0:43 | 0:49 | 0:33 | 0:35 | 1:47 | 2:51 | 4:28 | × | 0:47 | ||
MB/s | 23,81 | 20,90 | 31,03 | 29,26 | 9,57 | 5,99 | 3,82 | × | 21,79 | |||
*Im selben Zimmer, ca. 90 Zentimeter Abstand | ||||||||||||
**Zwei Zimmer weiter durch Rigipswände getrennt, ca. 10 Meter Abstand | ||||||||||||
✓ = ja / × = nein |
Fazit
Das KeyOne ist ein gelungenes BlackBerry, wie es treue Kunden der Marke goldrichtig finden dürften. Die Hardware-Tastatur ist rundum gelungen und gegenüber früheren Versionen um nützliche Features ergänzt worden, die Dinge im Alltag vereinfachen.
Im Test sammelt das KeyOne außerdem einen großen Pluspunkt für die sehr guten Laufzeiten. Diese liegen im Alltag sowie in den Benchmark-Messungen auf sehr hohem Niveau. Mit dem KeyOne sind zwei Tage Laufzeit kein Problem. Heavy-User, die jeden Abend laden müssen, können sich sicher sein, dass tagsüber nicht der Saft ausgeht.
Das von BlackBerry vorinstallierte Android gefällt mit seiner Stock-Ähnlichkeit, bietet aber dennoch sinnvolle Erweiterungen, allen voran den großartige BlackBerry Hub. Schade nur, dass BlackBerry es bisher versäumt, das Mai-Sicherheits-Update für das KeyOne anzubieten. Das trübt ein wenig den Eindruck, denn BlackBerry schreibt sich Sicherheit schließlich nicht nur groß auf die Fahne, sondern auch auf die Webseite als Werbung.
Zu meckern gibt es unterm Strich dann allerdings doch nur wenig. Die Kamera ist trotz guter Hardware nur Mittelmaß, aber kein K.-o.-Kriterium. Dass das 2,4-GHz-WLAN langsam ist, dürfte im Alltag nur selten auffallen. Da stört tagtäglich die vermeintliche Komforttaste schon eher, denn diese löst man immer wieder ungewollt aus.
Das KeyOne ist trotz vieler positiver Eigenschaften dennoch kein Smartphone für jedermann. Zu speziell ist die Tastatur, als dass sie einen größeren Kundenkreis als BlackBerry-Fans ansprechen würde. Die wiederum erhalten mit dem KeyOne ein sehr gutes Smartphone. Für alle anderen sind die Weichen aber klar auf rahmenlose reine Touch-Geräte gestellt. Aber wer immer schon mit einem Smartphone mit physischer Tastatur geliebäugelt, sich bisher aber nicht getraut hat, erhält mit dem KeyOne ein sehr gutes. So könnte es BlackBerry unter Schirmherrschaft von TCL vielleicht doch noch gelingen, den eigentlich kleinen Kundenkreis ein wenig zu erweitern – vielleicht.
- sehr lange Laufzeiten
- keine Bloatware
- nützliche BlackBerry-Software
- gute Hardware-Tastatur
- gute Verarbeitung, sehr solide
- Display mit starkem Kontrast
- SoC-Leistung im Alltag gut
- schnelles 5-GHz-WLAN
- gute Sprachqualität (Deutsche Telekom)
- Speicher erweiterbar
- bisher noch kein Android-Mai-Update
- Komforttaste nicht abschaltbar
- lahmes WLAN mit 2,4 GHz
Preis und Verfügbarkeit
Das BlackBerry KeyOne wird seit dem 16. Mai zum unverbindlichen Preis von 599 Euro in Deutschland angeboten. Die Verfügbarkeit ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch stark limitiert. Von den drei großen offiziellen Vertriebspartnern Media Markt, Saturn und Otto hat es nur Media Markt auf Lager. Die Deutsche Telekom soll das Gerät ebenfalls zeitnah in ihr Portfolio aufnehmen, derzeit wird das KeyOne aber nicht angeboten.
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