Sinthuria schrieb:
Obergrenzen könnten zwar durchaus helfen gegen Geldwäsche vorzugehen allerdings sind 5000 € doch schon verdammt wenig. Bei wirklich organisierter Geldwäsche werden doch wesentlich höhere Beträge umgesetzt. Zudem gibt es doch schon eine recht gute Regelung. Bei Bargeldzahlung über 15000 € muss der "Verkäufer" doch eh einen Nachweis über die Herkunft des Geldes verlangen. Warum nutzt man diese wesentlich weniger restriktive Regelung nicht besser aus?
Same song:
Unkontrollierbare Geldgeschäfte werden durch derlei Regelungen genauso wenig kontrollierbarer, wie durch ein totales Bargeldverbot.
Im "formellen" Sektor funktioniert die Regelung sicher, aber der "informelle" Sektor hält sich eben nur an seine eigenen Regeln - und eine lautet eben "wo das Geld herkommt, ist egal, solange es nicht bei
Dir (i.e. Verkäufer) geklaut wurde".
Von einer begrenzung des Bargeldverkehrs ist nur eines zu erwarten, der erweiterte Umstieg der Geldwäscher auf digitale Währungen (laut INTERPOL schon heute ein ernstzunehmender Posten).
Ich halte von bargeldlosem Zahlungsverkehr nichts, und das seit der ersten Kreditkarten-Zahlung an der Supermarktkasse (Kunde vor mir). Dieser Vorgang dauerte so lange, wie die 5 Barzahlungen davor und danach zusammen. Ähnliches passiert immer wieder, bloß liegt es diesmal nicht daran, dass die EC-Geräte zu langsam sind, heute sind es eher die Kunden, denen der Gebrauch (natürlich) jedes mal aufs neue erklärt werden muss, die erst auf Anfrage über ihre PIN nachdenken (und sie wohlmöglich trotzdem falsch eingeben) oder an verdreckten und zerkratzten Magnetstreifen oder EC-Chips (weil die Karte ja problemlos in die Hosentasche passt ... zusammen mit alten Bonbons und dem Haustürschlüssel).
Ich wünsche mir im Supermarkt mindestens EINE Kasse, über der gut leserlich steht "KEINE KARTENZAHLUNG". Denn Bargeld geht in den meisten Fällen einfach schneller.
Zeitersparnis durch EC ist mMn einfach nur ein Märchen.
Mein Portemonaie habe ich noch nie verloren ... Dinge in Check-Karten-Format hingegen schon oft.
Wer sein Portemonaie verliert, dem ist sein Inhalt offensichtlich nicht so wichtig.
Und Handys? HAHAHAHA ... 2008 (?) wurden in öffentlichen Toiletten in England insgesamt 8000 Handys gefunden ... da achten die Leute schenbar auch nicht besser drauf.
Zu 1 und 2 Centstücken.
Es gab mal eine Zeit, da war es nötig, solche Geldstücke im Umlauf zu haben, da es Produkte gab, die eben nur 2 oder 3 Cent/Stk gekostet haben.
Zusätzlich haben psychologisch geschulte Marketing-Experten erkannt, dass 1 cent unter Umständen den Unterschied zwischen Kauf und Verzicht bedeutet. Das menschliche Unterbewusstsein ist tatsächlich in der Lage, einen Artikel für "überteuert" zu halten, wenn er €3,00 kostet, den gleichen Artikel aber als "günstig" zu empfinden, wenn er nur €2,99 kostet (das funktioniert ohne Centbeträge natürlich auch ... €299,- sind subjektiv viel weniger als €300,- und der subjektive Differenzbetrag ist dabei auch sehr viel höher, als €1,00 ... der macht manchmal den Unterschied zwischen "Wucher" und einem "unwiderstehlichen Schnäppchen" aus).
Die krummen Beträge, denen wir heute die Existenz von 1 und 2 Cent-Münzen verdanken, sind DER zentrale Faktor bei der Gewinnmaximierung des Einzelhandels. Ein Cent weniger ist nicht viel, kann aber u.U. bis zu 50% mehr Absatz bedeuten. Und wenn du statt 20 Stück für €3,00/Stk dann 30 Stück für €2,99/Stk verkaufst dann machst du bei 10 bzw. 9 cent Gewinn/Stk im ersten Fall €2,00 Gewinn, im zweiten aber €2,70 - 70c mehr Gewinn bei fast gleichem Preis, das ist Magie ... da kann der Preisstratege einfach nicht widerstehen - also braucht er 1c und 2c Münzen, denn erst die machen das in der Form möglich.
Die gleiche Psycho-Magie steckt auch hinter der kleinen 9 bei den Spritpreisen

Solange das so läuft, ist jede Kampagne zur Abschaffung diese "Kleinstgeldes" als aktive Wirtschaftsschädigung zu betrachten - selbst wenn die Produktionskosten dieser Münzen ihren Marktwert weit übersteigen.
Das eigentliche Problem sehe ich viel eher darin, dass unsere Gesellschaft die Kontrolle über Menge und Wert der Währung den Zentralbanken überlassen hat - und damit Wirtschaftsunternehmen, die schon vom Grundprinzip ausschließlich an Profit orientiert sein können.
Ein volkswirtschaftlich "vernünftiger" Umgang mit dieser Macht ist aus der Ecke einfach nicht zu erwarten.
Es gab noch kein einziges Wirtschaftssystem, welches als ganzes von einer Geldkontrolle durch Banken profitiert hätte ... es ist sogar noch schlimmer - wann immer die Banken diese Kontrolle erlangt hatten, stolperte das betroffene Wirtschaftssystem praktisch nur noch von Krise zu Krise.
Die aktuelle Situation ist nur dadurch anders, dass zum ersten Mal der Staat die Banken rettet, nach dem sie in gewohnter Manier wiedermal Mist gebaut haben.
Der Begriff der "Bad Bank" ist schon ein historischer Witz - als hätte es jemals eine "good Bank" gegeben.
@Idon
Wenn ich deine Beiträge so lese, dann warte ich praktisch drauf, dass die ersten Einkaufslisten auf meiner facebook-pinwand auftauchen ... "Dir und 33.000 anderen Personen gefällt, dass Schnullipups gestern (um 15:42.23.274) 3 Liter Milch, eine Banane, ein Kg Mehl (Typ405) und eine Kiste Becks Lemon (24x0,33L) bei REWE an der Musterstraße 3 in 37353 Musterhausen gekauft hat; Zahlung €17,74 per Mastercard".
Flankiert wird diese Meldung dann von entsprechender Werbung (Chiquita, Becks, REWE, Mastercard usw.).
Zweifellos würde das gut in die "Kommunikationskultur" bei Facebook hineinpassen ... ich fänd es aber trotzdem einfach nur lächerlich ... aber ich bin ja auch (fremd)erklärter Fortschrittsfeind.