Bundesbildungsministerin Schavan und der Lehrermangel

Turbostaat

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Auch wenn ich schon längere Zeit aus der Schule raus bin, finde ich es mehr als bedauerlich wie unsere Politiker, in diesem Falle Frau Schavan, unser Schulsystem, unsere Kinder und somit unsere Zukunft runterwirtschaften.

Ich weiß noch wie bei uns in Niedersachsen Christian Wulff neue Lehrer einstellen wollte usw, das waren seine Wahlversprechen. Innerhalb kürzester Zeit war das dann vom Tisch und neue Lehrer wurden natürlich nicht eingestellt.

So jetzt kommt unsere Bundesbildungsministerin Annette Schavan mit einem neuen, geistigen Erguss.
Sie möchte ernsthaft das Betriebe/Unternehmen ihre besten Mitarbeiter freistellen, damit diese dann unsere Kinder in der Schule unterrichten.
http://www.tagesschau.de/inland/lehrer100.html

Wie kommt man eigentlich auf so eine Idee? Es gibt zig arbeitslose Lehrer und dann sollen Unternehmen ihr Wissen und ihr Kapital (die Mitarbeiter) an Schulen breittreten?

Müssen wir dann damit rechnen das Lebensmittelchemiker von Coca Cola und McDonalds unseren Kindern Ernährungstipps geben? Tragen wir jetzt die Lobbyarbeit auch noch direkt zu den Kindern, damit diese von Kleinauf wissen wo es langgehen soll (in den Augen der Unternehmen)?

Das kann doch echt nicht wahr sein. Da frage ich mich doch wer (heutzutage, als auch in der Vergangenheit) alles Politiker werden und Entscheidungen treffen darf. :rolleyes:
 
Turbostaat schrieb:
...Sie möchte ernsthaft das Betriebe/Unternehmen ihre besten Mitarbeiter freistellen, damit diese dann unsere Kinder in der Schule unterrichten. ...

Gab es ncht mal eine ehemalige Ministerin (in NRW?!), die gerne freiwillig als Lehrerin arbeiten wollte, aber vom Gesetz her nicht durfte? IMO sind nur Leute mit einer Pädagogikausbildung berechtigt, an öffentlichen Schulen zu unterrichten.
An Freiwilligen würde es (neben den auch noch arbeitslosen Lehrern) doch gar nicht mangeln, da muss kein Gesetz her, welches die Leute zwingt, es braucht Gesetze, die es den Leuten erlaubt.
 
Turbostaat schrieb:
Es gibt zig arbeitslose Lehrer
Wer sagt das? Vor zwanzig Jahren standen die Lehrer mal reihenweise auf der Straße - heute werden selbst Leute mit schlechtem Abschluss mit Handkuss genommen. Ich kann nur von RLP und BW sprechen - bei anderen Ländern kenne ich mich nicht aus - aber dort werden dringend Lehrer vor allem in Mathematik, Physik, allgemein naturwissenschaftlichen Fächern und Religion gesucht. Von zig arbeitslosen Lehrer kann absolut gar keine Rede sein. Und ich schätze, dass es in anderen Ländern nicht viel anders aussieht, denn ansonsten würden die wohl liebend gerne nach RLP und BW kommen und den Lehrermangel hier stoppen.

EDIT:

Ich lese gerade den Artikel auf tagesschau.de. Du hast ihn doch auch gelesen!?

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, sagte gegenüber tagesschau.de: "Schavans Vorschlag ist Nonsens, er löst das Problem des Lehrermangels nicht." Die Länder hätten seit Jahren versäumt, Vorsorge zu treffen und deshalb viel zu wenige Lehrkräfte ausgebildet und eingestellt. Wer mehr junge Menschen für diesen Beruf begeistern will, müsse ihnen "attraktive Arbeitsbedingungen und ein gutes Gehalt anbieten - an beidem mangelt es seit Jahren", so Thöne weiter.
 
Zuletzt bearbeitet:
In Niedersachsen sieht es nich anders aus. Wer hier mit nem akademischen Grad in einer technischen Fachrichtung z.B. Leher an Berufsbildenden Schulen werden will, der braucht nur die Bewerbung zu schreiben und bekommt sofort eine Anstellung.

Ich allerdings habe mich gegen diesen Schritt entschieden aus diversen Gründen:

- Der Lohn eines Lehrers ist geringer als der eines Ingenieurs in der freien Wirtschaft
- Kaum Entwicklungsmöglichkeiten da es so gut wie keine Beförderungen gibt
- Keine Forschungsarbeit möglich
- Das Niveau der Schüler!

zum letzten:

Ich hab keinen Bock mit 50 den dritten Herzinfarkt zu bekommen weil einem die Schüler schon seid zig Jahren auf der Nase rum tanzen und es kein einziges Mittel gibt diesen Schülern Respekt gegenüber Lehrkräften beizubringen.

Denn genau das ist Realität an unseren Schulen!
http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2008/pm.2008-07-09.229/
 
@Adam Smith
Das ist nicht dein Ernst, oder?
Da du scheinbar ein Akademiker bist, hätte ich nicht gedacht, dass du wenigstens nur soweit kommst, alle Schüler über einen Kamm zu scheren. Das mag vielleicht an einem Gymnasium der Unterstufe noch häufiger der Fall sein, dass einzelne Schüler oder Schülergruppen meinen ihre Rebellion gegen alles "Alte" ausleben zu müssen, in einer Oberstufe ist dies bei weitem nicht mehr so.

Beim Thema Lohn stimme ich mit dir überein, dass ist in der freien Marktwirtschaft wesentlich leichter und umfangreicher zu holen. Dafür lebst du als Lehrer relativ risikofrei (Beamtenstatus, Pension, privat versichert...).

Ich würde auch kein Lehrer werden wollen, doch ich such die Fehler nicht bei anderen, sondern bei mir. Ich denke, dass ich ungeeinget bin angeeignetes Wissen halbwegs gut anderen zu vermitteln, weshalb ich die Schüler lieber vor mir verschonen will.
 
Die Idee ist eigentlich nicht verkehrt. Wir hatten einen promovierten Atomphysiker als Physik-LK-Lehrer, der irgendwann keinen Bock mehr auf stressige Forschungsarbeiten hatte und dann zu uns kam. Er war auch bei Weitem der qualifizierteste Lehrer an der Schule. Ich weiß noch sehr genau, wie er unserer Mathelehrerin in Mathe ständig was vorrechnete. ;)

Das Problem an der Sache ist nur, dass mein Lehrer da eine Ausnahme darstellte. Er wollte es halt irgendwann lockerer angehen lassen. Warum sollte ich als Physiker aber sonst aus der freien Wirtschaft raus und in die Schule für einen vergleichsweise lächerlichen Lohn? Gymnasiallehrer verdienen zwischen 2.800 € am Anfang und 3.900 € brutto (Maximalgehalt nach etlichen Jahren). Das sind gerade mal Einstiegsgehälter für Naturwissenschaftler in der freien Wirtschaft.
 
dercoole schrieb:
Da du scheinbar ein Akademiker bist, hätte ich nicht gedacht, dass du wenigstens nur soweit kommst, alle Schüler über einen Kamm zu scheren.

Habe ich das getan? Ich führte die Berufsschule an, denn dies ist in NdS die einzige Schulform in der ein derartiger Direkteinstieg für Akademiker möglich ist.
Da kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich mit dem Querschnitt der Schülerschaft durchaus betraut bin.

1. Ist meine eigene Berufsausbildung nicht wirklich lange her.
2. Habe ich sehr gute Bekannte die sich täglich als Lehrer an diesen Schulen ihr Geld hart verdienen müssen.

Und wenn du dir z.B. die Berufsvorbereitenden Jahre (Berufsfindungsjahre) anschaust oder auch die ganz normalen Azubi-Klassen, dann wirst du schnell erkennen dass ein Lehrer dort genau 2 Möglichkeiten hat.

1. Er schaltet ab und arbeitet auf die Rente zu und kümmert sich einfach nicht um die Schüler.
2. Er setzt sich ein, scheitert bei dem Versuch den Schülern die Grundzüge der Disziplin beizubringen und liegt mit spätestens 50 mit den ersten Stressbedingten Erkrankungen im Krankenhaus.


dercoole schrieb:
Das mag vielleicht an einem Gymnasium der Unterstufe noch häufiger der Fall sein, dass einzelne Schüler oder Schülergruppen meinen ihre Rebellion gegen alles "Alte" ausleben zu müssen, in einer Oberstufe ist dies bei weitem nicht mehr so.

Genau das Gymnasium ist eine Schulform in der es die Lehrer noch verhältnismäßig leicht haben. Und in ländlichen Gegenden sind die Realschulen meist auch noch recht erträglich.

Doch das liegt dann in erster Linie an dem familiären Background der dortigen Schüler.

dercoole schrieb:
Dafür lebst du als Lehrer relativ risikofrei (Beamtenstatus, Pension, privat versichert...).

Als Akademiker im technischen Bereich ist die Jobsituation selbst trotz der Wirtschaftskrise ebenfalls recht gut. Und speziell wenn man was auf dem Kasten hat.
Das ist doch das Kernproblem. Die Abiturienten die wir uns eigentlich als Lehrer wünschen sollten gehen in die Wirtschaft, haben da Erfolg, sichere Jobs und rosige Zukunftsaussichten (der demographischen Entwicklung sei Dank).

Die Pension und die private Versicherung zählen als Argument nicht, wenn man ein Monatsbrutto deutlich über 4500€ hat. Da versichert man sich halt auch privat (wenn man darin überhaupt einen Vorteil sieht) und macht die Riester Rente voll.

dercoole schrieb:
Ich denke, dass ich ungeeinget bin angeeignetes Wissen halbwegs gut anderen zu vermitteln, weshalb ich die Schüler lieber vor mir verschonen will.

Und ich sehe es bei mir genau anders ... ich weiß, dass ich mein Wissen gut vermitteln kann und hab auch eigentlich Spaß dabei. Doch die Rahmenbedingungen an unseren Schulen sind einfach viel zu schlecht ...

Da strebe ich lieber an irgendwann mal als Gastdozent an einer FH oder Uni etwas Wissen weiter zu geben. Leider werden auch hier die Rahmenbedingungen immer schlechter ...
 
Ja gut, ich geb's zu. Hab wohl beim düberlesen dein "Berufsbildenden Schulen" überlesen/übersehen, sorry dafür.
 
ich finde die idee von shavan gut, weil "lernen" anders funktioniert, als nach schema f, das meiste findet unbewusst statt. ich kann mich noch gut daran erinnern, das wir in der 2. klasse (das ist verdammt lang her) einen ausflug zur polizei gemacht haben. frag mich mal, was sonst so hängen geblieben ist von der schulzeit ;). jemand aus der wirtschaft hat eine ganz andere autorität als ein lehrer, der den stoff selber nur "virtuell" kennt, aber nie angewendet hat
 
Turbostaat schrieb:
Müssen wir dann damit rechnen das Lebensmittelchemiker von Coca Cola und McDonalds unseren Kindern Ernährungstipps geben?

Als ob sich ein hochbezahlter Industriechemiker oder Ingenieur freiwillig für 20 € die Stunde in eine Schulklasse begeben würde.

Lol, die werden sich bestimmt darum reißen! :D

Ich kann mir weit Besseres vorstellen, als meine Zeit und meine Nerven an einen undankbaren Balg zu verschwenden.

Zwischenzeitlich mag das ganz spaßig sein, aber wer verzichtet schon freiwillig auf viel Geld und auf die Möglichkeiten, die einem große Unternehmen oder private Institutionen bieten. Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist an einer Schule praktisch unmöglich, weshalb selbst Professoren für viele Semester in die freie Wirtschaft wechseln um sich mit der neuesten Entwicklung vertraut zu machen. Als Lehrer ist man da oftmals eine arme Sau. Wenn ich mir vorstelle, wie es sein muss mit Hauptschülern 2 Jahre lang trivialste Mathematik zu behandeln, beginne ich Mitleid zu empfinden. Selbst die Oberstufenmathematik wird nach der 5. Wiederholung eine Zumutung.

Nein, das Lehramt ist eine Passion ohne die man den Alltag nicht durchsteht. Sinnvoll wäre es gelegentlich Spitzenkräfte aus der freien Wirtschaft zu engagieren um den Lehrplan aufzufrischen. Ich denke da insbesondere an die IT, da hier die Lehrkräfte aufgrund der zügigen Entwicklungen in der Branche oftmals hinterherhinken.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Stefan

Turbo meinte wohl eher so was wie im Stile von Vattenfall, nur daß es dann nicht mehr nur um fragwürdige 'Unterstützung' geht sondern daß die Firmen ihre Lobby- und Werbearbeit offiziell im Klassenzimmer veranstalten.

Offizelle Lesart

Kritik dazu

Er wird seinen Hauptberuf dann bestimmt nicht für diese Nebentätigkeit aufgeben.

Naja, wenn Firmen schon ihre Lobbyisten und Anwälte in die Ministerien schicken um an Verordnungen und Gesetzen mitzuarbeiten oder diese gar komplett zu formulieren dann wäre das erst recht möglich.
 
Turbostaat schrieb:
Hier stand ein überflüssiges Zitat.

Ich finde die Idee von unsere Bildungsministerin mehr als schlecht. Ist natürlich eine einfache Lösung nach anderen zu schreien. Sagen die nein kann man wenigstens behaupten, dass man es versucht hätte. Schulbildung sollte primär Bildung und nicht Ausbildung auf einen Beruf sein. Man soll meiner Meinung nach dort ein breites Wissen bekommen, auch über Dinge die man nie wieder braucht. Die Sicht der Industrie ist da sehr eingeengt und hinzu kommt, dass Ingenieure selten eine pädagogische Ausbildung genossen haben.

Hat man Lehrermagel muss man einfach nur den Beruf wieder attraktiv machen. Gute Arbeitsbedinungen, ein gutes Gehalt und kleine Klassen. Ich kenne auch einige Leute die Lehrer werden wollen auch wenn sie so manche Schauergeschichte erlebt hatten. Es gibt also genug Freiwillige.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator: (Komplettzitat entfernt.)
Frau Schavan stellt sich ihr Armutszeugnis immer selber aus.

Abgesehen von Exzellenzclustern, die langfristig der Reputation des deutschen universitären System letztlich nur schaden wird, hat sie sich nicht wirklich um die Bildung der Bundesbürger gekümmert.
Ihr liegt halt die Bildung einer fei imaginierbaren Elite mehr am Herzen.

Für die anderen hat sie nur Appelle übrig.
 
Ich glaube nicht, dass man diesen Vorschlag überhaupt ernsthaft diskutieren muss. Ich bin mir auch zu 99% sicher, dass sie das nicht ernst meint. Interviews mit der Bild sind immer sehr "populärpolitisch". Die Hoffnung dabei ist, dass die richtigen Statements dann weiter ihren Weg durch die Presse finden, was jetzt ja der Fall war.
Ich denke, ihr geht es in erster Linie um die Qualität der Lehrer. Lehramt an der Uni hat einen miesen Ruf. Es gilt als wirklich als Sammelstelle all jener Studenten und Studentinnen, die nicht wirklich wissen was sie wollen und die eigentlich auch nicht wirklich Kinder und junge Erwachsene unterrichten möchten. Das ist mein persönlicher Eindruck, ich habe nur wenige Lehramts-Studis getroffen, die wirklich wussten, dass am Ende nur ein mageres Einkommen, einen Haufen Stress und wenig Prestige winkt.

Meiner Meinung nach springt sie den Zug auf, der im Moment läuft: Schelte auf die bösen Unternehmen. Die haben die Wirtschaft in den Dreck gefahren, die entlassen jetzt Leute und die kosten jetzt Milliarden an Steuergeldern und niemand denkt an die armen Kinder. Dieses Prinzip geht (fast) immer. Das sichert ihr auch die mediale Aufmerksamkeit zu, von denen die anderen Minister zur Zeit stärker profitieren.
 
Ich glaube nicht, dass man diesen Vorschlag überhaupt ernsthaft diskutieren muss. Ich bin mir auch zu 99% sicher, dass sie das nicht ernst meint. Interviews mit der Bild sind immer sehr "populärpolitisch". Die Hoffnung dabei ist, dass die richtigen Statements dann weiter ihren Weg durch die Presse finden, was jetzt ja der Fall war.

Da stimme ich dir zu, deswegen finde ich eine Diskussion zu diesem Thema unsinnig.
Nur so viel zum Thema Lehrer:
Ich kann es vollkommen verstehen wenn jemand kein Lehrer werden will.
Man darf das jetzt nicht pauschalisieren, aber das ist heutzutage ja wirlich leider meistens so, an vielen Schulen sind die Schüler einfach unmöglich.
Da benehmen sich ja teilweise schon die Gründschüler wie Gangster, weil sie von ihren Eltern total verzogen oder gar nicht erzogen wurden.

Nein dake, da hätte ich auch keine Lust zu unterrichten und würde mich lieber der freien Wirtschaft zur Verfügung stellen.
Die einzige Schulart, wo ich als Lehrer noch hingehen würde wäre das Gymnasium, mehr nicht.

An meiner Berufsschule gibt es zwei Lager von Schülern:

Die Handelsschüler, also Vollzeitschüler, die benehmen sich zum grölßten Teil unmöglich, die haben eine Zerstörungswut ohne Ende und haben sich zumeist nur an dieser Schule angemeldet, weil sie sonst nicht wussten, was sie machen sollten oder von den Eltern / vom Arbeitsamt her nicht zu Hause "abhängen" dürfen.

Dann gibt es noch die Berufsschüler, die Teilzeitschüler, zu denen ich gehöre.
Sie sind an dieser Schule wegen dem schulischen Teil ihrer Berufsausbildung.
Diese benehmen sich in aller Regel gut, weil sie lernen wollen und sie sonst wegen schlechten Benehmens / Schlechtelistung einen auf den Deckel kriegen würden von ihren Ausbildern.

Ich fand das letztens auch so lustig von unserem Deutschlehrer, er hat ohne Namen und Klassen zu nennen Noten gesagt von den Handelsschülern in Deutsch.
5,6,6,6,6,5, mal eine 4-.... Wundert mich auch kein bisschen, wenn ich sehe, wie sich diese Schüler benehmen und verhalten....

Dann erzählte er auch mal von einer Szene, die entstand, als er eine Deutschklausur in einer Handelsklasse wiedergab:
Da jubbelte ein Schüler auf und freute sich schrecklich über eine 5- , weil das ja keine 6 ist.

Die Lehrer haben die Azubiklassen lieber, eben weil da die meisten Schüler motiviert mitmachen und sich nicht so schlimm benehmen.
Die Lehrer, die hauptsächlich bei uns in den Vollzeitklassen unterrichten sind schon nach kurzer Zeit entweder psychische Wracks oder sie resignieren und stumpfen ab.

Den Glücksgriff dagegen haben die Lehrer, die hauptsächlich in den Azubiklassen unterrichten, die halten es meistens auch länger ohne Schäden aus.

Ich denke mal, so wird es an vielen Berufsschulen, Gesamtschulen, Realschulen und Hauptschulen aussehen.

Da wüde ich nicht wirklich gerne arbeiten als Lehrer.
Ich weiß, dass ich niemals Lehrerin werden will und niemals werde.

Es sei nochmal erwähnt: Ich meine damit nicht ALLE Schulen und nicht ALLE Schüler, aber oben gesagtes stimmt nun mal auf viele zu.
 
Also ich empfinde den Vorschlag von Frau Schavan als eine Frechheit und er zeugt von völliger Unkenntnis bzw. Ignoranz. Die normale Lehrerausbildung umfasst min. 9.Semester Uni + 2 Jahre Referendariat. Im Idealfall also 6-7 Jahre Ausbildungszeit. Bei der universitären Ausbildung geht es vor allem um Didaktik/Pädagogik (allgemeine+fachspezifische). Die fachwissenschaftliche Ausbildung macht vielleicht noch 1/3 aus! Die Studiengänge wurden extra umstrukturiert, damit die didaktischen und pädagogischen Elemente mehr Gewicht bekommen.
Die Leute aus den Betriebe/Unternehmen haben sicherlich sehr gute Fachkenntnisse, aber was soll das den Schülern nützen, wenn die Leute das nicht gescheit vermitteln können. Entweder haben sie überhaupt keine Ahnung von Didaktik bzw. speisen ihr Wissen aus Alltagstheorien und der eigenen Schulzeit.
Nimmt Frau Schavan an, dass dieses Wissen ausreicht, entwertet sie die Lehrerausbildung doch völlig.
 
Zuletzt bearbeitet:
muahahahaaa ^^
http://www.spiegel.de/img/0,1020,1444723,00.jpg
ich finde die idee nach wie vor gut, es gibt heute schon rentner, die sich in dieser form engagieren. wenn ich an meine lehrer denke, dann fallen mir bei gutem willen 2 ein, die ich menschlich und fachlich als vorbild akzeptieren würde. der rest war einfach nur - sorry - bodensatz. es hat sich in D leider seit jahrzehnten eingebürgert, das die schwächsten studenten auf lehramt gehn. da braucht man sich net wundern, da werden die, die in der ausbildung besonders schlecht sind, ausbilder.
 
Irgendwie scheint die Diskussion sich um das Thema zu drehen, das Leute aus der Wirtschaft Lehrer werden sollen - das ist aber so nicht richtig. Sie sollen stundenweise unterrichten, das heißt nicht, das sie automatisch Lehrer sind.

Zu unterrichten heißt, stundenweise an die Schulen zu gehen und zu einem Thema über einen bestimmten Zeitraum je nach zeitlichen Aufwand etwas spezielles vermitteln. Das hat weder etwas mit dem Lehrerjob zu tun, noch mit Lobbieismus oder dem erziehen von Kindern im Sinne der Wirtschaft.

Und ich denke schon, das es Freiwillige geben würde, echte Fachkräfte, die sich ein Thema nehmen und es je nach Altergruppe der Schüler vortragen. Ich werde auch ab Sommer an einer FH zum Thema EDV-Controllingwerkzeuge dozieren (für ein kleines Entgelt).

Und auch Kosten würden selten entstehen, weil viele das auch kostenlos machen würden. Man glaubt gar nicht, wie viele Menschen sich dafür einsetzen würden, z.B. Samstags oder in der Woche nachmittags in den Schulen Kurse zu geben, um ihr Wissen und ihre Erfahrung zu vermitteln.

Und ob am Ende ein kleiner Betrag den Besitzer wechselt oder das ganze kostenlos vonstatten geht, weil der Trainer (anstatt das Wort Lehrer) vielleicht die Schule der eigenen Kinder betreut, muss am Ende gesehen werden.

Hier sollen keine Lehrer ersetzt oder aus der Wirtschaft rekrutiert werden, es geht rein ums unterrichten durch Spezies.
Zitat aus dem Artikel: "Als Beispiel nannte Schavan einen Ingenieur, der zwei Stunden wöchentlich Physik- oder Mathematikunterricht geben könnte."

Und zum Thema: unterrichten kann man lernen, dazu braucht man kein Lehrerstudium und jahrelange Erfahrungen. Ich habe auch "nur" BWL studiert und führe Schulungen durch und berate Unternehmen, das kann man lernen. Niemand soll ins kalte Wasser geworfen werden.
 
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Allerdings sollte man Erwachsenenbildung und Schulbildung unterscheiden.

Wenn es um das von dir beschriebene Aufgabenfeld geht ist das schon eine andere Sache. Allerdings bewirkt es dann auch nix gegen den Lehrermangel oder?
 
Zuletzt bearbeitet:
Parzival schrieb:
Allerdings sollte man Erwachsenenbildung und Schulbildung unterscheiden....

Auf jeden Fall. Wobei ich denke, das Schavan nicht an die Grundschule oder Hauptschule dachte wenn sie Ings und Physiker losschicken will, sondern an Gymnasien mit inhaltlichem Anspruch und Praxisbezug, da kann man dann schon mal einen "Fachidioten" hinschicken, auch wenn der jetzt nicht die pädagogische Koryphäe ist. Aber Lehrer sind nun mal ohne Praxisbezug unterwegs und die Schüler sind sicher auch daran interessiert zu sehen, das Mathe, Chemie und andere Fächer wirklich auch leben und nicht nur ein akademisches Dasein fristen.

Parzival schrieb:
...Allerdings bewirkt es dann auch nix gegen den Lehrermangel oder?

Mmh, vielleicht nicht den umfassenden Lehrermangel für die Basisbildung wie lesen, schreiben, rechnen usw. Aber der Fachlehrermangel kann dadurch IMO ausgeglichen oder abgemildert werden bzw. kann es eh keine so speziell gebildeten Lehrer geben, das sie Fachleute ersetzen könnten. Man kann diese Fremdkräfte auch ohne Lehrermangel immer und jederzeit brauchen, selbst wenn es genug Lehrer gäbe.

Ich finde den Vorschlag von Schavan nicht schlecht, wenn man ihn sich mal in Ruhe durchdenkt, nicht gleich von Vollzeitlehrern ausgeht, die hohe Kosten verursachen und das ganze sachliche betrachtet.
 
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