Jugendalkoholismus

Toothbreaker

Lt. Junior Grade
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Okt. 2008
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Hallo Leute, ich hab mal eine Frage, dauernd hört man wie schnell Jugendliche Alkoholsüchtig werden können aber keiner schreibt wie lange das wirklich dauert, und unter welchen Umständen, mir ist schon klar das das bei jedem Jugendlichen anders ist aber ich will einmal ein paar Zahlen hören.
Ich meine wenn ein Jugendlicher einmal im Monat einen Vollrausch hat ist es etwas ganz anderes als wenn er jeden zweiten oder dritten Tage betrunken ist.
Und weißt überhaupt jemand wie lange das so im Durchschnitt dauert? Denn wenn man irgendwelche Berichte liest hört man immer "Süchtig werden kann man schon ab xxx Jahren (oder Monaten) aber das kommt mir immer so vor wie bei der Werbung wenn sie sagen:
"Schon ab xxx €" , ich meine das ist die Zeitdauer AB der man schon welche Entzugserscheinungen HABEN KANN aber meistens ist es ja nicht so, sondern wenn man sagt "Süchtig werden kann man schon ab Z.b. 3 Jahren" dass man durchschnittlich erst ab ca. 5 Jahren abhängig ist, oder?
 
da sist einfach ne krasse definitionssache, was sucht ist...
also die härteste form der sucht, eine physische abhängigkeit kann bei jüngst entwickelten (präpubertären, also die 12jährigen mit wodkabuddel aufm spielplatz) innerhalb von wochen passieren (1 schluck pro mahlzeit), dass der körper merkt "halt, hier giubts ja ganz easy energie, da bau ich doch lieber die ab, als diese püree-moppelkotze von essen..."
bei den typischen komasäufern in der zeitung (pubertät in der endphase) kommt es wesentlich eher zur psychischen abhängigkeit ("ich kann soooo viel ab und du nich!")
echt alkoholkrank in der adult-phase kommt meiner meinung nach bei3 tage die woche richtig stramm bis zum umfallen, wer das ein drittel jahr durchhällt. dann ist aber zumeist auch nicht mehr viel zu hohlen bei dem betroffenen...

alkohol ist nicht wie crack, wo der kopf nach einem mal sagt "war geil, können wir mal wieder machen."
das kommt viel mehr aus dem bauch/psyche in verbindung mit der elichten verfügbarkeit...
 
Weil grade das Thema Crack angeschnitten wurde, wie ist es eigentlich bei anderen Drogen wie Cannabis?
Viele sagen ja das Alkohol viel schädlicher ist als Cannabis weil Alkohol süchtig macht, die Leber und Gehirnzellen zerstört. Und auch "besser" ist als Zigaretten, da man ja nicht gleich viel Zigaretten wie "Joint's" raucht.
Aber wenn man Cannabis hingegen raucht, (so viel ich aus anderen Berichten herausgelesen habe) verliert man den Bezug zur Realität bzw. nach längerem Konsum wird es einem immer mehr egal was z.b. mit einem passiert, aber wider frag ich mich ab wann tritt das auf?
Ich meine wenn jemand jede Woche das Zeug einmal raucht dann wird man ja nicht nach einem Jahr schon völlig fertig sein, oder?
 
Toothbreaker schrieb:
... dauernd hört man wie schnell Jugendliche Alkoholsüchtig werden können aber keiner schreibt wie lange das wirklich dauert, ... aber ich will einmal ein paar Zahlen hören.
Zahlen? Verlässliche Zahlen kaum, weil es daran scheitert, was Sucht überhaupt ausmacht, wie #2 schon sagt. Gerade in dem Alter 14+ ist man doch dabei, Grenzen zu erforschen und dann kann wirklich niemand sagen, ob der regelmäßige Vollrausch von der 15 jährigen Britta nun Gruppenzwang, Genuss, Abenteuer oder zwanghafte Sucht ist. Ein guter Indikator ist auf jeden Fall die Feststellung, ob derjenige alleine trinkt oder nur in Gesellschaft.

Meines Erachtens bezeichnet man übermäßigen Alkoholkonsum in Deutschland erst dann als Sucht, wenn derjenige älter ist als 25. Dann ist die Partyzeit langsam vorbei und es ist von außen besser einschätzbar, ob dort zwanghaftes Verhalten vorliegt oder nicht.
 
Toothbreaker schrieb:
ich meine das ist die Zeitdauer AB der man schon welche Entzugserscheinungen HABEN KANN aber meistens ist es ja nicht so, sondern wenn man sagt "Süchtig werden kann man schon ab Z.b. 3 Jahren" dass man durchschnittlich erst ab ca. 5 Jahren abhängig ist, oder?
Worauf möchtest du hinaus? Eine psychische Alkoholabhängigkeit kann sich sehr schnell entwickeln, vielleicht schon nach dem ersten Konsum. Eine körperliche Abhängigkeit dagegen zwar nur, wenn man über einen sehr langen Zeitraum regelmäßig große Mengen trinkt, aber wenn man sich an die Definiton der Abhängigkeit im ICD-10 (ein weltweit eingesetztes Diagnoseklassifikationssystem) hält, beginnen die Probleme schon weit vorher und nicht erst, wenn das Zittern und Krampfen beginnt.

Code:
 Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F1x.2)

Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach 
wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht 

- ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, 
- Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, 
- und anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. 
- Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. 
- Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung 
- und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom.
Wenn 3/6 der o.g. Punkte zutreffen, lässt sich demnach bereits eine Alkoholabhängigkeit diagnostizieren.

Toothbreaker schrieb:
Ich meine wenn jemand jede Woche das Zeug einmal raucht dann wird man ja nicht nach einem Jahr schon völlig fertig sein, oder?
Cannabis ist alles andere als ungefährlich. Seine Gefahren liegen im Gegensatz zum Alkohol weniger in der akuten / chronischen Toxizität für den Körper. Der Konsum kann eine Reihe von psychischen Auffälligkeiten wie Psychosen, Panikattacken oder Angststörungen zur Folge haben. Manche - nicht jeder - tragen eine genetisch bedingte Vulnerabilität für die Entwicklung solcher Störungen in sich. Cannabiskonsum kann in diesen Fällen und auch erst nach längerer Konsumzeit ohne Probleme der Auslöser dafür sein. Problematisch ist, dass man solche Schwachstellen bei sich selber nicht erkennen kann. Daher ist das Risiko, sich durch Kiffen eine schwerwiegende und langandauernde psychische Störung einzufangen, jederzeit gegeben und absolut unkalkulierbar.
 
Zuletzt bearbeitet:
Exar_Kun schrieb:
Wenn 3/6 der o.g. Punkte zutreffen, lässt sich demnach bereits eine Alkoholabhängigkeit diagnostizieren.

Naja, diese Punkte treffen auch auf Extremsportarten ("schädliche Folgen" ;)) oder so manches harmloses Hobby zu
 
Die Definition aus dem ICD-10 beschreibt Kriterien für stoffgebundene Süchte. :D
 
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